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DIANE KRUGER


Grazia - epaper ⋅ Ausgabe 36/2019 vom 29.08.2019

Sie war eine Freundin von Karl Lagerfeld und gilt als eine der stylishsten Frauen Hollywoods. Wer könnte die neuen Herbst-Looks also besser präsentieren als Diane Kruger? Beim GRAZIA-Shooting hat uns die Schauspielerin außerdem ausführlich ins Bild gesetzt, was in den vergangenen zwei Jahren bei ihr passiert ist: ein neuer Mann, ein Baby und ein Undercover-Einsatz in Iran


Artikelbild für den Artikel "DIANE KRUGER" aus der Ausgabe 36/2019 von Grazia. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Grazia, Ausgabe 36/2019

Fransen-Blazer: vonStella McCartney . Plissee-Kleid: vonSaint Laurent


FOTOGRAF: JASON KIM

GRAZIA EXKLUSIV


Als ich schwanger wurde, war das wirklich eine Überraschung“


Trenchcoat: vonChloé . Kleid: vonChanel . Sandalen: von ...

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Trenchcoat: vonChloé . Kleid: vonChanel . Sandalen: vonJimmy Choo


LANGE NICHT GESEHEN, DIANE KRUGER! NACHDEM SIE MIT FATIH AKINS THRILLER

„Aus dem Nichts“ einen Welterfolg gefeiert hatte (Darstellerpreis für Diane in Cannes, Golden Globe für den Film in Hollywood), wurde es still um die Deutsche. Kein Wunder: Sie trennte sich von ihrem langjährigen Freund Joshua Jackson, fand mit dem Schauspielerkollegen Norman Reedus („The Walking Dead“) eine neue Liebe – und brachte schließlich im November 2018 ihr erstes Kind, eine Tochter, zur Welt, das alles unter dem Radar. Doch nun bastelt die 43-Jährige an ihrem Comeback, ist aktuell mit ihrem neuen Film „Die Agentin“, einem spannenden Spionagethriller, im Kino zu sehen, bei dessen Vorbereitungen sie sich in große Gefahr begab. Und sie bereitet ein aufwendiges neues Projekt mit Fatih Akin vor. Als wir Diane Kruger in New York trafen, gab’s also viel zu besprechen.

Nach „Aus dem Nichts“ haben Sie eine lange Pause eingelegt. War die dringend nötig?

Oh ja! 2016 war für mich ein schwarzes Jahr, das mit dem anstrengenden Dreh zu „Aus dem Nichts“ endete. Danach kümmerte ich mich um meine Mutter, die ihren Lebensgefährten verloren hatte. Außerdem bin ich umgezogen. Ich habe mir Zeit genommen für das wahre Leben, und das war auch gut so. Den Darstellerpreis, den ich in Cannes gewann, empfand ich als eine Art Tür zum Glück, die nach einem langen dunklen Tunnel aufgeht. Anschließend hatte ich ein paar Gastauftritte, in Robert Zemeckis’ „Willkommen in Marwen“ und Justin Kelleys „J.T. LeRoy“. Mir war einfach nach was Leichterem zumute. „Die Agentin“ ist meine erste Hauptrolle seit dem Film von Fatih Akin.

Jeansjacke: vonSandro . T-Shirt: vonMajestic Filatures . Lederrock: vonIsabel Marant


Jacke: vonChanel . T-Shirt: vonTara Jarmon . Jeanshose: vonSandro . High Heels: vonNina Ricci


„Die Agentin“ ist aber auch kein wirklich sonniger Film, oder?

Es handelt sich um einen psychologischen Thriller. Als ich zusagte, wusste ich noch nicht, dass ich schwanger war. Aber ich sagte mir, dass ich das durchstehen könnte und dass es – mental gesehen – nicht so hart sein würde wie der Dreh zu „Aus dem Nichts“. Tatsächlich hatte ich meine Tochter dann bei mir, und meine Mutter konnte mich besuchen kommen. Alles in allem erwies sich der Dreh dieses ja an sich bedrückenden Films als angenehm leicht.

Was hat Sie bewogen, diesen Streifen zu machen?

Ich fand „Bethlehem – Wenn der Feind dein bester Freund ist“, den ersten Film von Yuval Adler, sehr beeindruckend. Die Welt der Spionage hat mich schon immer fasziniert, und mir gefiel, wie realistisch das Drehbuch war – der Film basiert ja auf einer wahren Geschichte. Ich fand es total spannend zu zeigen, wie eine Spionin in Teheran operiert, wo Frauen sonst ja eher nicht so viel zu melden haben.

Haben Sie mit dem Mossad, dem israelischen Geheimdienst, trainiert?

Ja, zehn Tage lang. Die haben mich dann irgendwann am internationalen Flughafen von Tel Aviv abgesetzt, gaben mir einen falschen Pass und die Aufgabe, mit falscher Identität in Iran einzureisen. Natürlich war mir klar, dass sie mich aus dem Gefängnis holen würden, falls man mich verhaften würde. Trotzdem hatte ich einen Adrenalinschub nach dem anderen, mein Herz schlug mir bis zum Hals. Der Gedanke, wie es sich in echt anfühlen muss, Todesangst zu haben, ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Ich habe es tatsächlich ins Land hineingeschafft. Auf der Straße in Teheran musste ich mich Passanten nähern und sie dazu bringen, dass sie bestimmte Dinge für mich taten und mich in ihr Zuhause ließen. Nach vier, fünf Tagen bekam ich starke Schuldgefühle, weil ich andauernd log.

Wie halten Sie es persönlich mit dem Lügen?

Diese Art von Lügerei ist sehr belastend – man muss lernen, damit zu leben. Irgendwann werden solche Lügen ja quasi zur Wahrheit, und die Spione fangen selbst an, daran zu glauben. Wenn ich mal lüge, dann möglichst so, dass es ohne Folgen bleibt. Aber ich versuche, immer ehrlich zu sein.

Könnten Sie als Spionin arbeiten?

Vor dem Film dachte ich, ja. Aber man muss dafür eine ganz bestimmte Intelligenz, Weisheit und Überzeugung besitzen, die ich nicht habe. Es heißt ja oft, der Schauspielerberuf wäre ganz ähnlich. Aber alles, was wir tun, ist, Menschen zu beobachten und sie zu kopieren. In einem Land wie Iran zu leben und beim Kampf für eine bestimmte Sache sein Leben aufs Spiel zu setzen ist schon ein ganz anderes Kaliber. Spione denken ja oft, dass sie eine bestimmte Mission erfüllen müssen, während es in Wahrheit um etwas ganz anderes geht. Auch sie werden manipuliert. Erstens könnte ich diesen Job wirklich nicht machen, aber was noch mehr zählt: Ich hätte einfach keine Lust dazu. Nach einem Jahr hätte ich mit Sicherheit den Grund für meine Präsenz vor Ort vergessen – dabei darf man das auf gar keinen Fall vergessen!

Ist es Ihnen schon mal passiert, dass Sie sich an einem Filmset gefragt haben, warum Sie den Film überhaupt drehen?

Oh ja. Oder besser gesagt: Ich habe mich nicht gefragt, warum ich ihn überhaupt mache, sondern, was unterm Strich dabei herauskommt. Vor allem wenn man nach drei Wochen merkt, dass der Film nicht so zu werden scheint, wie man sich das vorgestellt hatte.In „Die Agentin“ wird der Zuschauer mit einem sehr sexistischen Milieu konfrontiert. Einem männlichen Spion würde man niemals vorwerfen, dass er eine Frau verführt, um an Informationen zu gelangen, und sich in sie verliebt …

Kleid mit Logo-Print: vonBalenciaga


Hosenanzug: vonPaul & Joe . T-Shirt: vonCurrent/Elliott . Boots mit Animal-Print: vonPierre Hardy


Genau deshalb hat mich der Film auch so interessiert. Frauen sind von Natur aus viel emotionaler. Ich habe mich gefragt, was es eigentlich heißt, Frauen für solche Jobs in diese Art von Ländern zu schicken. Aber im Fall unserer Geschichte war es wohl so, dass nur eine Frau an diese Informationen rankam.

Gibt es Ihrer Meinung nach seit Time’s Up und #MeToo weniger Sexismus in der Filmbranche?

Ja. Die Regeln haben sich wirklich geändert: Produzenten und Regisseure dürfen mittlerweile keine Castings mehr auf ihren Hotelzimmern abhalten. Ich persönlich habe diesbezüglich nichts Schlimmes erlebt, das waren eher kleine Ungerechtigkeiten – etwa, wenn man sich als Schauspielerin kritisch zu einer Szene äußert, dann gilt man gleich als „schwierig“ oder als „Diva“. Tut es ein Mann, ist er „ein echter Schauspieler“, „brennt für seinen Job“, „nimmt seine Arbeit ernst“. Aber nun, da offen über alles geredet wird, lassen die Frauen sich nichts mehr gefallen – und weisen die Männer in die Schranken.

Wie verhalten Sie sich an einem Filmset?

Wie viele Frauen lernte ich, nicht anzuecken, wenn ich den Mund aufmachte und meine Meinung sagte. Ich achtete genau darauf, wann und wie ich etwas sagte. Aber ich bin älter geworden und habe keine Lust mehr auf solche Spielchen. Ich will nur noch unverblümt meine Meinung sagen.

Sich eine andere Identität anzueignen ist ja auch die Arbeit des Schauspielers. Gelingt es Ihnen dabei immer, Beruf und Privatleben zu trennen?

Nicht bei „Aus dem Nichts“! Die Gefühle, die ich beim Dreh empfand und die ich wiedergeben musste, machten mich depressiv. Da sind die Grenzen verschwommen, was nicht gesundheitsfördernd war. Aber normalerweise bin ich stark genug, um mir zu sagen, dass ich nur meine Arbeit mache.

Sie werden demnächst wieder mit Fatih Akin drehen – eine Miniserie über Marlene Dietrich. Können Sie schon etwas dazu sagen?

Das Projekt habe ich ihm vorgeschlagen. Er schreibt das Drehbuch und wird Regie führen, ich fungiere als Co-Produzentin und übernehme die Hauptrolle. Marlene ist der größte Filmstar, den Deutschland je hervorgebracht hat, sie verdient es unbedingt, dass man ihre Geschichte erzählt, die Frau hinter der Fassade zeigt und die Epoche, in der sie arbeitete, ihr Engagement während des Zweiten Weltkriegs, ihre Liebe zu Jean Gabin. Sie interessiert mich vor allem abseits ihrer Karriere als Schauspielerin. Obwohl sie mit ihrem eisigen Image spielte, war sie in Wahrheit ein sehr verletzlicher Mensch. Mit einem normalen Kinofilm würde man ihrem Leben nicht gerecht werden können, deshalb fand das Format einer Serie mit sechs Folgen ideal. Ich habe gerade die erste Drehbuchversion der ersten Folge gelesen und bin total aufgeregt. Irgendwie hat die Begegnung mit Fatih etwas Schicksalhaftes, wir wollen noch ganz viele Dinge zusammen machen. Der Drehbeginn für die Marlene-Serie ist nächstes Jahr.

Was ist das Besondere an Fatih Akin?

Er hat mich mit anderen Augen gesehen. Er hat mich mit meinen deutschen Wurzeln versöhnt, und er hat mir Vertrauen geschenkt. Unsere Begegnung, die völlig unvorhergesehen war, geht über eine rein berufliche Beziehung hinaus. Seine Frau, die als Castingdirektorin arbeitet, brachte mich für die Rolle in „Aus dem Nichts“ ins Spiel. Mit Fatih war es Liebe auf den ersten Blick, beruflich wie freundschaftlich. Wir bilden ein ziemlich ungewöhnliches Paar, aber es funktioniert bestens.

Bekamen Sie nach „Aus dem Nichts“ eigentlich mehr Filmangebote als vorher?

Ja. Die Kampagne für die Golden Globes in den USA erwies sich als echte Visitenkarte. Ich glaube, die meisten Leute aus der Branche konnten sich einfach nicht vorstellen, dass ich in so einem Film mitspiele. Deshalb haben sich danach viele Türen für mich geöffnet. Die Finanzierung des Marlene-Dietrich-Projekts stand beispielsweise schon nach wenigen Tagen.


Ich bin älter geworden – und will nur noch unverblümt meine Meinung sagen“


In „Aus dem Nichts“ und „Die Agentin“ sind Sie der einzige große Name im Ensemble. Wie ist es, mit weniger bekannten Darstellern zu spielen?

Offen gestanden macht es für mich keinen Unterschied. Ein guter Schauspieler ist ein guter Schauspieler – nur darauf kommt es an, um Spaß an der Arbeit zu haben. Ich war sehr glücklich, als ich in „Inglourious Basterds“ erneut mit Brad Pitt arbeiten konnte. Als wir „Troja“ drehten, war ich wahnsinnig jung und unerfahren. Deshalb war es großartig, ihn Jahre später wiederzusehen, denn ich hatte viel mehr Selbstvertrauen und außerdem eine Rolle zu spielen, die deutlich tiefgründiger war. Ich würde auch gern wieder mit Ed Harris arbeiten, mit dem ich Agnieszka Hollands „Klang der Stille“ drehte, und natürlich mit Norman. Beim zweiten Mal wäre es sicher eine ganz andere Erfahrung. Als wir Fabienne Berthauds „Sky – Der Himmel in mir“ drehten, kannten wir uns ja nicht. Aber wir haben uns am Set ineinander verliebt, weil die Chemie einfach stimmte.

Haben Sie keine Angst mehr, zu viel von Ihrem Privatleben zu verraten, das Sie bislang doch immer sehr beschützt haben?

Klar, es gibt Leute, die sehr neugierig sind. Aber es liegt ganz allein in meiner Hand, was ich preisgeben möchte.

Früher wussten Sie nicht so recht, ob Sie Kinder haben möchten. Was hat Sie doch dazu bewogen?

Eigentlich nichts – als ich schwanger wurde, war das wirklich eine Überraschung. Ich war 40, Norman und ich hatten es nicht unbedingt darauf angelegt, ein Baby zu machen – zumal er auch nicht vorhatte, noch ein Kind in die Welt zu setzen, er hat ja schon einen 19-jährigen Sohn. Aber wir haben uns sehr über die Nachricht gefreut. Irgendwie meint es das Leben doch gut mit einem. Als ich jünger war, war ich nicht bereit für ein Kind. Mit 25 oder 30 Jahren war ich unabhängig, reiste durch die Welt, ging aus, wann ich wollte. Ich weiß, dass ich es bereut hätte. Heute ist das anders, ich habe keine Angst mehr davor, dass ich eine gute Rolle oder ein Event am anderen Ende der Welt verpasse. Klar nehme ich jetzt Einschränkungen in Kauf, ich habe ja kein Kindermädchen – wenn ich zum Abendessen eingeladen werde, gibt es heute deutlich mehr zu organisieren. Aber das stört mich nicht. Das Kind macht mein Leben so viel reicher.

Wo werden derzeit die aufregendsten Filme gedreht?

Eigentlich überall – man muss nur die Projekte finden, die einen umhauen. Eine Rolle wie in „Aus dem Nichts“ fällt einem nicht jeden Tag in den Schoß! Die Serie über Marlene könnte eine Art Ritterschlag werden. Auch deshalb habe ich Angst, dem Part nicht gewachsen zu sein. Die Zuschauer werden etwas Neues von mir erwarten, vor allem in Deutschland, und das macht mir Druck. Auch wenn ich mit der Zeit viele Ängste abbauen konnte, fürchte ich mich vor dieser Rolle. Ich habe das Projekt angeschoben, Fatih mit ins Boot geholt – klar, dass ich viel Verantwortung spüre. Das wird die größte Herausforderung meines Lebens.

Interview: Perrine Sabbat


REDAKTION: KALLE SCHÄFER; STYLING-ASSISTENT: JUSTINE BLEICHER: MAKE-UP: TYRON MACHHAUSEN; HAARE: ITALO GREGORIO, MANIKÜRE: JULIE KANDALEC