Lesezeit ca. 8 Min.
arrow_back

Dichter und LENKER


Logo von RoadBike
RoadBike - epaper ⋅ Ausgabe 12/2022 vom 12.10.2022

TRAUMZIEL GARDASEE

Artikelbild für den Artikel "Dichter und LENKER" aus der Ausgabe 12/2022 von RoadBike. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: RoadBike, Ausgabe 12/2022

Ex-Radprofi Alessandro Bertolini (links) unterwegs auf seiner Lieblingsrunde am Gardasee.

Ciao Alain, come stai“? Auch wenn mein Italienisch etwas eingerostet sein mag, verstehe ich die Begrüßung natürlich immer noch. Mit einem Lächeln empfängt mich Alessandro Bertolini vor dem Aktivhotel Santa Lucia in Torbole. Der Gardasee liegt nur einen Steinwurf entfernt. „Es ist ein paar Tage her, dass wir uns gesehen haben, was?“, antworte ich. Genauer gesagt war es im Jahr 1993 beim Giro della Valle d’Aosta, damals ein wichtiges Etappenrennen für ambitionierte Amateurradsportler. Der junge, aufstrebende Alessandro fuhr vorne um den Sieg. Ich kämpfte Tag für Tag im Gruppetto darum, überhaupt die Ziellinie zu erreichen.

Vor dem schnellen Italiener lag damals eine große Karriere als Profi, mit Etappensiegen beim Giro d’Italia und Erfolgen bei Rennen wie Paris–Brüssel, dem Giro del Piemonte oder dem Giro dell’Appennino. Für mich hingegen war der Giro della Valle d’Aosta eher schon ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 4,99€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von RoadBike. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1050 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 12/2022 von Lieb und teuer. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Lieb und teuer
Titelbild der Ausgabe 12/2022 von ROADBIKE. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
ROADBIKE
Titelbild der Ausgabe 12/2022 von Grand-Tour-Fakten. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Grand-Tour-Fakten
Titelbild der Ausgabe 12/2022 von TOP 10. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TOP 10
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
Am En de: Legende
Vorheriger Artikel
Am En de: Legende
Grüße aus Florida
Nächster Artikel
Grüße aus Florida
Mehr Lesetipps

... der Höhepunkt meiner Karriere als aktiver Rennradfahrer.

Und nun, beinahe 30 Jahre später, stehen wir wieder hier, Seite an Seite in unseren Radhosen. Alessandro stammt aus dem nicht weit entfernten Rovereto. Und heute nimmt er mich mit auf eine Rennradtour durch seine schöne Heimat im Norden des Gardasees. Mit Francy hat er sich zudem eine weitere Radsportlerin aus der Region als Verstärkung mitgebracht.

Es ist Herbst. Der Oktober neigt sich dem Ende entgegen. Aber hier im Süden der Alpen spielt das Wetter noch mit, auch wenn die Tage der Kurzarmtrikots für dieses Jahr gezählt scheinen. Wir starten auf dem Radweg entlang des Gardasees und kommen erst mal nur langsam voran. Zu viele Spaziergänger und andere Radfahrer sind unterwegs. Aber lieber so, als die Straßen mit den vielen Autos zu teilen, die in der Nähe des Sees oft unterwegs sind.

Zumal wir im gemütlichen Tempo den Blick auf den See genießen können. Genau wie kurz darauf die Fahrt durch die Altstadt von Riva del Garda. Die Palmen, der rechteckige Kirchturm und die rot gepflasterten Straßen erinnern uns daran: Auch wenn recht viel Deutsch gesprochen wird, sind wir doch in Italien. Aber es wundert wenig, dass der Gardasee bei Deutschen und Österreichern so beliebt ist. Schließlich ist er für viele recht schnell zu erreichen und lockt doch mit seinem mild-mediterranen Klima. Das wusste schon der alte Goethe zu schätzen.

Kaum haben wir Riva del Garda hinter uns gelassen, biegen wir auf eine schmale, verkehrsfreie Straße ab. Kurz darauf rollen wir auf einem traumhaften Radweg durch die Reben und Obstfelder entlang am Flüsschen Sarca. Ich freue mich, abseits vom Verkehr durch dieses wundervolle Tal zu fahren, und bewundere das Schloss aus dem 12. Jahrhundert, das über dem Örtchen Arco thront.

Während wir weiter Richtung Dro pedalieren, redet Alessandro pausenlos. Und zwar in sein Handy. Am Ohr hat er den Präsidenten seines Radclubs. Alessandro ist verantwortlich für die Jugendarbeit. Offensichtlich versucht er gerade einen neuen Bus für die Fahrten zu den Rennen zu organisieren. Er tritt in die Pedale, redet ins Telefon und gestikuliert dabei in dieser unnachahmlich italienischen Art. Seine Leidenschaft und sein Einsatz für den Radsport sind auch nach all den Jahren ganz offensichtlich ungebrochen.

Hinter Dro geht es dann erstmals aufwärts, durch die Hügel der Marocche di Dro. Die eindrucksvolle Landschaft wurde nach der letzten Eiszeit durch Erdrutsche und einstürzende Berge geformt. Der Anstieg durch diese fast schon chaotisch wirkende Welt in ihrem orangefarbenen Herbstkleid fährt sich sehr unrhythmisch. Trotzdem kurbelt Alessandro mit dem für ihn so typischen, eindrucksvollen Stil. Auch wenn er seine Karriere vor zehn Jahren beendet hat, ist es immer noch eine Freude, seine Bewegungen zu beobachten. Selbst als wir eine 15 Prozent steile Rampe erreichen, bleibt sein Tritt rund und geschmeidig.

Zu meinem Glück ist die Rampe schnell überwunden. Mit dem Örtchen Pietramurata erreichen wir ein Plateau. Den wirklich grandiosen Radweg, dem wir fast 20 Kilometer gefolgt sind, lassen wir hinter uns. Doch zum Glück stört uns auch auf den Straßen hier oben kaum ein Auto. So können wir ganz in Ruhe eines der für die Region typischen Dörfer nach dem anderen durchfahren.

Was dann folgt, ist für mich die Hiobsbotschaft des Tages. „Es tut mir wirklich leid, aber den Anstieg nach Cavedine müssen wir leider auslassen“, eröffnet uns Alessandro, als wir den Toblinosee erreichen. Hier ging es im vergangenen Jahr beim Straßenrennen der Europameisterschaft hinauf, als sich der ebenfalls nicht weit entfernt aufgewachsene Sonny Colbrelli den Titel holte. „Ich schaffe es zeitlich nicht. Und ich will dir doch unbedingt noch das Castel Toblino zeigen“, erklärt Alessandro, als er offenbar die Enttäuschung in meinem Blick sieht. Das idyllisch auf einer Halbinsel im See gelegene Castel Toblino ist eine der berühmtesten Burgen in ganz Italien. Während ich den Ausblick genieße, rollen wir über eine der kurzen Schotterpassagen des Tages. Dann geht es zurück Richtung Gardasee.

In Dro stoßen wir wieder auf den tollen Radweg. Als ich neben Francy und Alessandro unbeschwert die letzten Kilometer durch das Sarcatal rausche, kommt so langsam auch mein Italienisch wieder. Wir unterhalten uns flüssig und die Stimmung wird immer besser, als wir zwei Kilometer vor dem Ziel ein Café am Rande des Radweges ansteuern. Schon der Name verrät, dass dies ein speziell für Radfahrer geschaffener Ort ist. Die Bike Farm bietet Stellplätze für Fahrräder, eine Bar und eine gemütliche Terrasse. Doch wie es sich für eine Farm gehört, gibt es natürlich auch ein paar Tiere. Hier hätten auch Kinder ihren Spaß.

Im sanften Nachmittagslicht des Herbstes wirkt dieser Ort fast schon surreal malerisch. Ein Stück heile Welt, weit weg von allen Alltagssorgen und Problemen. Und der grandiose Abschluss einer schönen Tour. Auch wenn ich den Anstieg nach Cavedine wirklich gerne mitgenommen hätte. Aber wer wird einem Alessandro Bertolini schon böse sein, speziell bei einem Wiedersehen nach fast 30 Jahren.

TIPPS

? Edler Tropfen Ab in den Süden, zum Rosé-Tasting in den Weinkellern von Bardolino.

? Beste Sicht Ab nach oben, mit der Seilbahn von Malcesine auf den Monte Baldo.

? Kaffeepause Ab nach Riva del Garda, mit der Gazzetta dello Sport einen Cappuccino in der Altstadt genießen.

WEINSTÖCKE und Obstfelder zieren den schönen Radweg am Ufer des Flüsschens Sarca. Kein Auto stört hier den Rennradgenuss.

RENNRADTRÄUME AM GARDASEE

Mildes Klima, tolles Essen, schöne Touren: Mit ganz viel Dolce Vita gilt der größte See Italiens als Traumziel der fahrradfahrenden Zunft. Besonders im Herbst locken die Straßen Norditaliens, wenn es in der Heimat längst kalt und grau ist.

→ 64 km ? 700 Hm

Tour 1

Mit Alessandro nach Toblino

Die in der Reportage beschriebene Route führt vom Gardasee Richtung Norden ins Biotopo delle Marocche. Anders als im Text beschrieben, beinhaltet die Route den Anstieg nach Cavedine, lässt dafür die Runde um den Toblinosee aus.

Route: Torbole – Riva del Garda – Arco – Dro – Pietramurata – Dosso di San Lorenzo – Dro – Arco – Torbole

→ 142 km ? 1000 Hm

Einmal um den Gardasee

Tour 2

Die Runde um den See ist ein echter Klassiker, bietet sich aber vor allem für verkehrsärmere Tage an. Wichtig: Für einige Tunnel und Galerien empfiehlt es sich, unbedingt Beleuchtung mitzunehmen.

Route: Riva del Garda – Torbole – Navene – Malcesine – Garda – Bardolino – Lazise – Peschiera del Garda – Desenzano del Garda – Cunettone – Salò – Limone sul Garda – Riva del Garda

→ 88 km ? 1900 Hm

Über den Passo del Durone

Tour 3

Praktisch vom Start weg führt diese anspruchsvolle Strecke bergauf. Etwa zur Halbzeit sind die meisten Höhenmeter geschafft und entlang von Rimone und Sarca geht es zurück an den See.

Route: Riva del Garda – Passo del Ballino – Fiavé – Cavrasto – Passo del Durone – Sarche – Preore – Ragoli – Stenico – Lago di Cavedine – Dro – Arco – Riva del Garda

→ 74 km ? 1700 Hm

Auf den San Valentino

Tour 4

Fast 30 Kilometer einrollen, dann geht die Party los. Denn auf dem Weg auf den Passo San Valentino warten fast alle Höhenmeter des Tages an einem Stück. Dafür gibt’s viele schöne Kehren und eine flotte, lange Abfahrt zurück Richtung Gardasee.

Route: Torbole – Mori – Chizzola – Sabbionara – Avio – Passo di San Valentino – Brentonico – Besagno – Mori – Torbole

Erleben

Gran Fondo Garda

Ende März startet in Garda am Ostufer des Sees der Gran Fondo Garda. Die Strecke führt am Fuß des Monte Baldo über 97 Kilometer mit etwa 1200 Höhenmetern entlang.

Garda Lake Gravel

Über die Strade Bianche del Garda geht es Ende Oktober per Rennrad, Crosser oder Gravelbike. Vom Start in Bardolino werden drei Strecken über 50, 70 und 100 Kilometer angeboten.

Abenteuer Monte Baldo

Mehr als 2200 Meter hoch thront der stolze Monte Baldo über dem Gardasee. Die Bergwelt lädt nicht nur zum Wandern oder Mountainbiken ein. Mit dem Gleitschirm können Schwindelfreie von hier auch zum schwerelosen Flug über dem See abheben.

Ein Tag auf dem See

Lust auf aktive Regeneration abseits des Sattels? Der Gardasee bietet viele Möglichkeiten für sportliche Aktivitäten. Ob Segeln, Windsurfen, Stand-up-Paddling, Kajakfahren oder Tauchen: Auf und unter Wasser ist so ziemlich alles möglich.

Spaß im Gardaland

Südöstlich des Gardasees befindet sich das Gardaland. Als einer der größten Freizeitparks Italiens bietet er zahlreiche Attraktionen mit viel Spaß für Klein und Groß.

Entdecken

Fakten

Der Gardasee verbindet die Alpen mit der Po-Ebene. Mit einer Fläche von 370 km² ist er der größte See Italiens. Seine tiefste Stelle liegt 346 Meter tief unter der Wasseroberfläche. Auch aufgrund des milden Klimas ist er nicht nur bei Radsporttouristen sehr beliebt. Die nächstgelegenen Städte sind das etwa 30 Kilometer östlich gelegene Verona und das etwa 30 Kilometer westlich gelegene Brescia.

Beste Rennradzeit

Hartgesottene Radsportler wie Ex-Profi Alessandro Bertolini sind natürlich das ganze Jahr über mit dem Rennrad rund um den Gardasee unterwegs. Für unbeschwerten Radsportgenuss eignen sich aber vor allem die Tage von März bis Juni und September bis November.

Anreise

Bahn: Ab Frankfurt/Main mit Umstieg in München bis Trento (neun Stunden), dann weiter per Bus nach Riva del Garda oder Torbole.

Auto: Ab Frankfurt/Main dauert die Fahrt für die rund 780 Kilometer über München, Innsbruck und Bozen etwa 9:15 Stunden. Ab München sind es etwa 5:15 Stunden für 400 Kilometer. Es werden Maut und Vignette fällig.

Flugzeug: Ab Frankfurt/Main dauert der Flug nach Verona etwa 1:10 Stunden. Von dort geht es mit Bus und Bahn in etwa zwei Stunden weiter ans Ziel nach Torbole.

Unterkunft

Aktivhotel SantaLucia Nördlich des Gardasees liegt das Aktivhotel unweit vom Ufer. Als Mitglied von Roadbike Holidays bietet das moderne Hotel alles, was das Radlerherz begehrt. Etwa geführte Touren, einen Waschplatz fürs Rad oder eine Werkstatt. Vor allem aber kennt Hotelchef Silvio Rigatti die schönsten Strecken der Gegend.

Essen und Trinken

Al Fortino Bike Bar & Food

Bike-Bar trifft Restaurant: Im Al Fortino in Nago-Torbole dreht sich alles um die grandiose Kombination aus gutem Essen und Radfahren. Und natürlich um den Blick von der Terrasse auf den Gardasee.

Ristorante Bellavista

Kein Italien-Trip ohne eine ordentliche Pizza. Die gibt’s zum Beispiel in dem Restaurant am See in Riva del Garda, das seinem Namen alle Ehre macht.

Becycle Bike Cafè

Das Rad-Café in Bardolino ist ein schöner Platz für eine Kaffeepause während der Rennradrunde um den See.

Mehr Rennradurlaub

Roadbike Holidays Der Verband vertritt Rennrad-Hotels an vielen traumhaften Destinationen. #myRoadBikeMoment

INSIDERTIPP: BIKE FARM

Halb Bauernhof, halb Fahrrad-Café. Mit diesem Konzept bietet dieser besondere Ort nördlich von Torbole für jeden etwas. Rennradfahrer können bei Kaffee, Kaltgetränk oder kleinen Leckereien die Runde nochmals Revue passieren lassen. Und die Kids freuen sich über Ziegen, Esel und mehr. Toller Service: Die sicheren Fahrradstellplätze sind gleich noch mit Ladekabeln für E-Bikes ausgestattet.