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DIE 100 BESTEN COVERSONGS


Rolling Stone - epaper ⋅ Ausgabe 9/2021 vom 26.08.2021

COVERVERSIONEN

SEPTEMBER 2021

Alle 10 Playlisten können Sie bei Spotify, Amazon Music, Deezer und Apple Music hören. Mehr Infos unter: rollingstone.de/playlist

Immer wenn ich an sommerabenden das Fenster öffne, um die kühler werdende Luft hereinzulassen, schallen Lieder wie „Hallelujah“ von Leonard Cohen, „Wonderwall“ von Oasis, „Talkin’ Bout A Revolution“ von Tracy Chapman oder „Angels“ von Robbie Williams und Guy Chambers in mein Zimmer. Gesungen werden sie von einem tagein, tagaus äußerst gut gelaunten Mann mit einer Rastafrisur und einem amerikanischen Akzent, der sich mit Klampfe, Verstärker und Mikro vor einem U‐Bahn-Eingang platziert hat. Am frühen Abend liefert er sich meist noch erbitterte Kämpfe mit Dudelsackspielern und Saxofonisten. Aber er verteidigt immer sein Revier, und wenn ich ins Bett gehe, hat er meist eine große Schar betrunkener Touristen vor seinem offen stehenden Gitarrencover ...

Artikelbild für den Artikel "DIE 100 BESTEN COVERSONGS" aus der Ausgabe 9/2021 von Rolling Stone. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Nina Simone
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... versammelt, die alle mitgrölen, wenn er beispielsweise singt: „But you don’t really care for music, do you?“

UPS!

Zehn überraschende Pop-Hit-Cover von Singer-Songwritern Von Max Gösche

01 RICHARD THOMPSON „Oops! ... I Did It Again“ 2003

Die Idee zu einem Cover-Live-Album kam Richard Thompson, als der „Playboy“ ihn um eine Liste der besten Lieder der letzten 1000 Jahre bat. Wie selbstverständlich stellt Thompson neben Uralt-Traditionals und Pop- Klassiker seine Folk-Version des Britney-Spears-Krachers.

02 MARK KOZELEK „I’m Not In Love“ 2016

In der Flut der Veröffentlichungen seines Bandprojekts Sun Kil Moon ging Kozeleks 2016er-Album mit Coverversionen, „Sings Favorites“, fast unter. Zu Unrecht. Allein diese zu Klavierbegleitung umgedeutete Soft-Rock-Ballade von 10cc rührt nicht nur alte weiße Männer zu Tränen.

03 LUCY DACUS „Dancing In The Dark“ 2019

Dutzendfach gecovert, selten so gut getroffen: Lucy Dacus begegnet dem Springsteen-Song mit einer Mischung aus Bewunderung und Legendenverachtung. Die energisch geschrubbte College-Rock-Gitarre wird konterkariert von Dacus’ schlaftrunkenem Gesang.

04 JOCHEN DISTELMEYER „Video Games“ 2016

Nur scheinbar eine der bizarrsten Konstellationen aus Vorlage und Interpret: Natürlich war der Blumfeld-Chef spätestens seit „Old Nobody“ dem Mainstream nicht abgeneigt. Dieses Lana-Del-Rey-Stück singt er dennoch überraschend ironiefrei und hingebungsvoll.

05 ARIEL PINK & JULIA HOLTER „Everybody“ 2007

Für die Compilation „Through The Wilderness: A Tribute To Madonna“ verwandelten Ariel Marcus Rosenberg alias Ariel Pink und Julia Holter die Debütsingle der Queen of Pop in eine veritable Eighties-Reminiszenz samt billigen Plastikkeyboard-Sounds.

06 TORTOISE & BONNIE „PRINCE“ BILLY „Daniel“ 2006

Die Post-Rock-Alleskönner aus Chicago und der Americana-Gigant aus Kentucky dekonstruierten für ihr Cover-Experiment „The Brave And The Bold“ diesen Klassiker von Elton John und Bernie Taupin als zerschossenes Drama über einen Kriegsveteranen.

07 RYAN ADAMS „Shake It Off“ 2015

Dass Ryan Adams’ Verehrung für einige Kolleginnen keine Grenzen kennt, ist bekannt. Taylor Swifts 2014er-Album „1989“ hat er gleich komplett gecovert. „ Shake It Off“ klingt bei ihm wie die depressive kleine Schwester von Springsteens „I’m On Fire“.

08 PHOEBE BRIDGERS „Friday I’m In Love“ 2018

2018 in der Reihe „Spotify Singles“ veröffentlicht, besticht dieses The‐Cure- Cover durch Schönheit und Schwermut. Im Duett mit sich selbst gelangt die kalifornische Songschreiberin zu erhabener Zartheit. Robert Smith muss seinen Lidstrich nachziehen.

09 ARLO PARKS „Creep“ 2020

Vor der Wucht von Radioheads Millennial-Hymne können sich auch Vertreter*innen der Generation Z nicht verschließen. In der Interpretation der jungen britischen Songschreiberin Arlo Parks weicht das große Aufbäumen dem großen Grübeln. Gebannter Wahnsinn.

10 JAMES BLAKE „When The Party’s Over“ 2020

Natürlich war diese Coverversion naheliegend. Schließlich verbindet James Blake und Billie Eilish einiges: das soulvolle Sehnen, die Liebe zu perfekt ästhe tisiertem Zeitlupen-R&B, das schlaftablettige Kreisen um ein beschädigtes Herz – bei Blake wird es zum Lamento.

OHNE HUT

Zehn überraschende Versionen berühmter Country-Songs Von Arne Willander

01 THE FLAMING LIPS „Okie From Muskogee“ 2013

Merle Haggard schrieb das Stück 1969 nach einem Gefängnisaufenthalt. Der Hymnus auf den schlichten Jungen vom Lande und die amerikanische Provinz wurde später von der Gegenkultur vereinnahmt – neben den Flaming Lips spielten auch Grateful Dead und die Melvins den Song.

02 TOM JONES „The Most Beautiful Girl In The World“ 1997

Der größte Hit von Charlie Rich, der das Stück 1973 auf „Behind Closed Doors“ sang. Der Produzent und Songschreiber Billy Sherrill hatte das Stück eingerichtet. Tom Jones singt seine Version ebenso sanguinisch wie Rich.

03 WHITNEY HOUSTON „I Will Always Love You“ 1992

Dolly Parton schrieb den Song 1973 als Abschiedsgruß an ihren Mentor und Partner Porter Wagoner, mit dem sie einige Platten aufnahm und in dessen „Porter Wagoner Show“ sie auftrat. Whitney Houstons Version für den Film „Bodyguard“ wurde ein spektakulärer Erfolg.

04 RAY CHARLES „Wichita Lineman“ 1971

Der Song von Jimmy Webb ist am berühmtesten in der Version von Glen Campbell, der das Stück 1968 mit der „Wrecking Crew“ um James Burton und Carol Kaye aufnahm. Ray Charles adaptierte Webbs Ode an einen Telefondrahttechniker 1971 in seinem eigenen Stil.

05 BRYAN FERRY „Help Me Make It Through The Night“ 1974

Eine der seltsamsten künstlerischen Entscheidungen Bryan Ferrys: Für sein Album „Another Time, Another Place“ nahm er diesen klassischen Song von Kris Kristofferson aus dem Jahr 1969 als glühende Dämmerballade auf.

06 FRANK ZAPPA „Ring Of Fire“ 1991

Neben seinen legendären Interpretationen von Beatles-Songs widmete sich Zappa diesem wohl berühmtesten Stück von Johnny Cash, das dieser 1963 schrieb. Noch bizarrer als Zappas Fassung ist nur Howard Carpendales Deutung unter dem Titel „Heiß wie Feuer“ von 1971.

07 HEIKE MAKATSCH „Stand By Your Man“ 1996

Billy Sherrill und Tammy Wynette schrieben das Stück 1968 gegen den herrschenden Zeitgeist – es wurde ein großer Hit für Wynette. In Detlev Bucks Film „Männerpension“ (1996) singt Heike Makatsch eine hinreißend ironische Version des Schmachtfetzens.

08 COWBOY JUNKIES „I’m So Lonesome I Could Cry“ 1988

Die wahrscheinlich langsamste Fassung von Hank Williams’ Verlassenheitsklassiker von 1949. Die Cowboy Junkies nahmen das Stück für ihr Album „The Trinity Session“ auf. Michael Timmins spielt die Gitarre wie in Zeitlupe.

09 SHERYL CROW, MIRANDA LAMBERT „Coal Miner’s Daughter“ 2010

Loretta Lynn schrieb den Song 1971 als Erinnerung an ihren Vater. Noch berühmter wurde das Stück durch den Film „Nashville Lady“ (1980), in dem Sissy Spacek die Sängerin spielt. Jahre später nahmen Sheryl Crow und Miranda Lambert ihre Version für ein Lynn-Tribute-Album auf.

10 ELVIS COSTELLO „I’m Your Toy“ 1981

Elvis Costello, ein großer Bewunderer der Country Music, nahm diesen Song von Gram Parsons und Chris Ethridge für sein Album „Almost Blue“ auf, das ausschließlich Costellos Versionen von Country-Songs enthält – darunter auch Parsons’ „How Much I Lied“.

SONG & DANCE

Zehn furiose Live-Cover, die lebendiger sind als die Originale Von Maik Brüggemeyer

01 THEBAND „Don’t Do It“ 1971 (VÖ: 1972)

The Band saßen nicht die ganze Zeit im Schaukelstuhl und dachten über den Bürgerkrieg nach, sie waren eine der besten Tanzkapellen, oder sagen wir R&B-Bands des Landes. Das zeigen sie mit ihrem Cover dieses in der Version von Marvin Gaye zum Hit gewordenen Holland-Dozier-Holland-Songs.

02 NEIL YOUNG & CRAZY HORSE „Blowin’ In The Wind“ 1991

Während des Zweiten Golfkriegs führten Neil Young & Crazy Horse mit Fliegeralarm und Bombendetonationen in ihre Dekonstruktion des berühmtesten aller Protestsongs ein, und plötzlich bekamen die alten Fragen eine neue emotionale und politische Dringlichkeit.

03 RAINER PTACEK „Cheer Down“ 1996 (VÖ: 2001)

Der Gitarrist Rainer Ptacek spielte den George-Harrison-Song sechs Monate vor seinem Tod. Für das Konzert hatte er nach einer Hirntumor-OP sein Instrument neu erlernen müssen. Er stellte dem etwas zu gut gelaunten, im Soundtrack von „Lethal Weapon 2“ verballerten Original ein Cover an die Seite, das zeigte, dass der am besten lacht, der bis zum Ende lachen kann.

04 NIRVANA „The Man Who Sold The World“ 1993 (VÖ: 1994)

Nirvana spielten diese bis dahin wenig beachtete Bowie-Seite aus den frühen Siebzigern im November 1993 bei ihrem „MTV Unplugged“-Konzert. Das Album dazu erschien im Oktober 1994, ein halbes Jahr nach Cobains Tod. Nun klang der Song wie ein Abschiedsbrief.

05 TOM PETTY & THE HEARTBREAKERS „License To Kill“ 1992 (VÖ: 1993)

Tom Petty & The Heartbreakers erstarrten bei der Feier von Bob Dylans 30. Bühnenjubiläum im Madison Square Garden nicht wie die meisten Beteiligten in Ehrfurcht, sondern entstaubten den etwas muffigen Weltekel des „Infidels“-Originals und gaben dem Stück eine feine Melancholie.

06 NINA SIMONE „Who Knows Where The Time Goes?“ 1969 (VÖ: 1970)

Schon die Ansage, die Nina Simone ihrer innigen Version dieses Sandy- Denny-Songs am 26. Oktober 1969 in der New York Philharmonic Hall voranstellt, ist ein kleines Kunstwerk. „Die Zeit ist ein Diktator, wie wir alle wissen. Aber wo geht sie hin, was tut sie? Und vor allem: Lebt sie?“

07 PAUL McCARTNEY „Something“ 2002 (VÖ: 2003)

Als Paul McCartney beim „Concert For George“ ein Jahr nach George Harrisons Tod allein zur Ukulele die erste Strophe von „Something“ anstimmte, erschien die über Jahrzehnte arg strapazierte Freundschaft in ihrer unschuldigsten und innigsten Form.

08 FIONA APPLE „I Want You“ 2006

Fiona Apple kam für die VH1-Reihe „Decades Rock Live!“ zu Elvis Costello auf die Bühne und stahl ihm mit ihrer intensiven Darbietung seinen „Blood & Choco late“-Evergreen „I Want You“. So fühlt sich eine toxische Beziehung an.

09 ROBERT WYATT „I’m A Believer“ 1974

Bei seinem bis heute einzigen Konzert als Solokünstler im September 1974 im Londoner Theatre Royal sang Wyatt als Zugabe mit Julie Driscoll ein herrlich wildes Duett dieses von Neil Diamond geschriebenen Monkees-Songs.

10 ISAAC HAYES „Ain’t No Sunshine“ 1972 (VÖ: 1973)

Isaac Hayes’ Kunst ist die Überwältigung. Am Ende seines Live- Doppel albums „Live At The Sahara Tahoe“ trieb er sie mit seiner Dekonstruktion des Bill-Withers-Hits auf die Spitze.

FUSIONEN

Zehn inspirierte Jazz-Cover von Pop-und Rock-Songs Von Jürgen Ziemer

01 SUN RA ARKESTRA „Pink Elephants On Parade “ 1988

Die fantastischen Bilder sind beim Hören von Sun Ras Interpretation der psychedelischen Traumsequenz aus „Dumbo“ fast egal. Die Bläser schmettern Rüsselfanfaren, der Rhythmus schaukelt schwer wie das Stampfen eines bekifften Jungelefanten, und das Arkestra singt im Chor: „Hippety hoppety, they’re here and there. Pink elephants ev’rywhere.“ Das Stück stammt aus „Stay Awake“, einer Hommage des Produzenten Hal Willner an die Songs der klassischen Disney Filme, und bildet darauf mit Harry Nilssons Version von „Zip-A-Dee-Doo-Dah“ das „Medley Five (Technicolor Pachyderms)“.

02 PAUL ANKA „Smells Like Teen Spirit“ 2005

Okay, das hier ist gefährlich nahe an einem musikalischen Witz – aber verdammt gut: Paul „I’m so young and you’re so old“ Anka covert Nirvana im Stil einer heftig swingenden Las-Vegas-Show. Frank Sinatra und Dean Martin würden anerkennend ihre Champagnergläser heben, die Big Band ist in Bestform. Anders als bei früheren Versuchen, Rock in Lounge- und Kuschel sound zu präsentieren, wie etwa Norah Jones’ Version von „Black Hole Sun“, geht es hier nicht unbedingt darum, ein unter harten Gitarren verborgenes Song juwel zu entdecken. Es ist eine Übung in Stil und der Beweis, wie recht Cobain hatte: Here we are now, entertain us, Mr. Anka!

03 NENEH CHERRY & THE THING „Dirt“ 2005

Im Original der Stooges fühlt sich Iggy Pop wie der letzte Dreck: „Do you feel it when you cut me?“, stöhnt er zum Wah-Wah-Schlingern der Band. Was liegt da näher als eine noch kaputtere Free-Jazz-Version? The Thing, das Trio um den schwedischen Saxofonisten Mats Gustafsson, lässt die Kollegen aus Detroit jedenfalls reichlich zahm aussehen. Mit ungeheurer Kraft und Intensität zerlegen sie den Song in kreischende Partikel, doch Neneh Cherry, die mit dem Album „The Cherry Thing“ 2012 ihr Comeback einläutete, hält mit expressivem Gesang die Fäden zusammen.

04 GÁBOR SZABÓ „Some Velvet Morning“ 1968

Der 1982 verstorbene Gitarrist, der seine Karriere 1961 bei Chico Hamilton begann, hinterließ eine Schatztruhe voller Coverversionen. Jeder einzelne dieser schillernden Songs würde perfekt in die Retro-Welt von „Mad Men“ passen: easy und elegant, aber im Arrangement immer überraschend und gespickt mit kleinen avantgardistischen Einfällen. „Some Velvet Morning“ ist ein Highlight von „Nancy & Lee“, dem Klassiker von Nancy Sinatra und Lee Hazlewood. Wo das Original nach schwülem Hollywood noir auf LSD klingt, ist Szabós Zugang (auf dem Album „Bacchanal“) leicht und schwebend – aber genauso betörend.

05 BILL FRISELL „What The World Needs Now“ 2020

Als Mitglied von John Zorns Splatter-Core-Band Naked City wirkte Bill Frisell auf Alben wie „Torture Garden“ oder „Grand Guignol“ mit, die ihren drastischen Titeln alle Ehre machen. Hier spielt er seine Gitarre so zärtlich und hochmelodisch, wie es ein Signature Song von Burt Bacharach verlangt. Mit Thomas Morgan am Bass und Rudy Royston am Schlagzeug gelingt auf dem Album „Valentine“ ein enges, geradezu symbiotisches Zusammenspiel.

06 MILES DAVIS „Time After Time“ 1985

Cyndi Lauper fühlte sich sehr geehrt, dass Miles Davis ihren Hit nicht nur auf seinem Album „You’re Under Arrest“ coverte, sondern ihn bis zu seinem Tod auch auf Konzerten spielte: „The way he played it was pure magic.“ Jazz-Puritaner wie Wynton Marsalis schrien dagegen: „Verrat!“ „Time After Time“ ist ein ewiger Klassiker des Eighties-Pop, den Davis sich pickte, als er noch taufrisch war. Entsprechend zeitgenössisch klingt das Arrangement. Doch die Trompete macht den Unterschied, jeder spitze Ton sticht wie eine verliebte Biene.

07 HERBIE MANN „Hold On, I’m Coming“ 1969

In den Siebzigern lief Herbie Mann erstaunlich oft im Radio – was am Erfolg des Albums „Memphis Underground“ lag, aus dem das Cover dieses von Isaac Hayes geschriebenen Sam‐&-Dave-Hits stammt. Ich drehte damals trotzdem leiser oder wechselte den Sender – die Querflöte erinnerte zu sehr an den einbeinigen Schrat Ian Anderson. Heute bewundere ich die Rasanz und Virtuosität des vom Southern Soul geprägten Stücks um so mehr. Hunter S. Thompson war von „Memphis Underground“ sogar so begeistert, dass er das Album in verschiedenen Kapiteln von „Fear And Loathing On The Campaign Trail ’72“ erwähnte.

08 GIL EVANS ORCHESTRA „Crosstown Traffic“ 1974

Das Album „The Gil Evans Orchestra Plays The Music Of Jimi Hendrix“ war unter Jazz-Fans anfangs noch umstritten: „Gemischtwarenladen“ schrieb die eine, „elegante Kuriosität“ der andere. „DownBeat“ verlieh immerhin fünf Sterne. Aus heutiger Sicht ist das kraftstrotzende „Cross town Traffic“ neben „Little Wing“ ein Höhepunkt des traumhaft arrangierten Albums. Der Gesang kommt vom Trompeter Hannibal Marvin Peterson, die schwere Aufgabe, Jimi Hendrix an der Gitarre zu ersetzen, haben John Abercrombie und Ryo Kawasaki übernommen.

09 TERRY CALLIER „And I Love Her“ 2004

Eine Liste mit Jazz-Versionen von Popsongs ist ohne ein Beatles-Cover natürlich undenkbar. Längst sind Lennon/McCartney so etwas wie Cole Porter oder George und Ira Gershwin. Während McCartneys Original aus „A Hard Day’s Night“ nach Frühling und erster Liebe klang, verleiht Callier dem Song auf „Welcome Home: Live At The Jazz Cafe, London“ die Farben des Herbstes. Nicht mehr Hoffnungen und Träume tragen den Song, sondern die Erinnerung an eine erfüllte Liebe. Bittersüße Melange aus Folk, Jazz und der Weisheit des Alters.

10 FREDDIE HUBBARD „Cold Turkey“ 1970

Noch mal Beatles. Oder fast – denn John Lennon hatte „Cold Turkey“ ursprünglich für „Abbey Road“ geschrieben, doch Paul McCartney lehnte ab. Der Song erschien deshalb Ende Oktober 1969 als Single der Plastic Ono Band und wurde schon drei Monate später, im Januar 1970, von dem Trompeter Freddie Hubbard auf seinem Album „Red Clay“ kongenial gecovert. Das wüst benebelte Intro unterstreicht die Drogen-(Entzugs-)Referenz des Titels. Was folgt, ist virtuoser Soul-Jazz, der den Fusion-Sound der Siebziger vorwegnimmt.

HIRNWEICHER STAHL

Die zehn lustigsten Cover von Metal-Songs Von Frank Schäfer

01 STEVE’N’SEAGULLS „The Trooper“ 2015

Mit Hackbrett, Banjo, Mandoline und Davy-Crockett-Mütze fiedelt die Hillbilly-Truppe aus Finnland eine von selbst gebrannten Blindmachern aufgepulverte Bluegrass-Version des Iron Maiden-Standards von 1983. Wenn sie auf der Bühne den schnellen Vorlauf betätigen, hat das fast Marx Brother’sche Qualität.

02 MEGADETH „Cold Sweat“ 1983

Der einzige Beinahe-Metal-Song von Thin Lizzy, dem Dave Mustaine mit seinem Fiesepeter-Gesang auch noch das letzte bisschen Soul rauspresst. Aber beim Solo ist er dann ganz Musterschüler und trillert jede noch so absurde Lead-Volte nach.

03 JAZZKANTINE „Iron Horse“ 2008

Sie wollten offenbar eine lazy Salon-Jazz-Version draus machen, aber diese Motörhead-Wuchtbrumme ist einfach stärker. Sie verpassen ihr einen Smoking und Brisk im Haar. Nützt aber alles nichts, es bleibt ein Lemmy-Song.

04 THE CARDIGANS „Sabbath Bloody Sabbath“ 1994

Das inadäquateste Sabbath-Cover aller Zeiten. Die Bandgründer waren Metal heads, und es gibt Momente, wo der elegante Schmetterling sich in die fette schwarze Raupe zurückverwandeln könnte, aber er flattert einfach weiter.

05 MUSIKCORPS DER BUNDESWEHR „Smoke On The Water“ 2011

Karl-Theodor zu Guttenberg hatte sich zum Großen Zapfenstreich AC/DC gewünscht. Stattdessen blies die Truppe den Betrüger mit viel Blech und diesem Propädeutikum für Gitarrenklippschüler aus dem Amt. Wie symbolisch!

06 TOYAH AND ROBERT FRIPP „Born To Be Wild“ 2021

In den „Sunday Lunch“-Küchensessions frönt Toyah ihrer Passion, dem Gatten die Brüste ins Gesicht zu halten und Rockstandards zu covern. Beim ewigen Biker-Hit strampelt sie nebenbei auf dem Hometrainer. Hübsch albern.

07 LARKIN POE „Iron Man“ 2020

Die beiden Schwestern covern sich in intimen Home-Sessions durch ihren persönlichen Blues- und Rockkanon. Zwei Stimmen, eine Dobro und eine Lap-Steel, innig vereint, empathisch, augenzwinkernd. Leider ohne das Intro: „I am iron man!“

08 HUNTERS „Wenn es richtig losgeht“ 1975

Sweets „Action“ in der Version der Scorpions. „Ja, du siehst das falsch, denn ich bin kaum der Typ, den du verbrauchst zum geistigen Bedarf.“ Man dachte sich schon so etwas. Uli Roth muss es wieder mal richten.

09 THE HU „Sad But True“ 2020

Die mongolische Band kreuzt abendländischen Metal mit fernöstlichem Folk und dekonstruiert den Metallica-Hit mit Pferdekopfgeige, Schwanenhalslaute und dickwanstigem Untertongesang, gegen den selbst Hetfield wie ein Konfirmand klingt.

10 SIX FEET UNDER „Back Is Black“ 2004

Der alte Loriot-Sketch drängt sich auf: „Ihr Hund kann ja gar nicht sprechen!“ Jedenfalls nicht singen. Die Melodie kommt bei Chris Barnes’ Growling komplett unter die Räder. Ein Spaß auf jedem Kindergeburtstag.

SITZT PERFEKT

Die 10 unterhaltsamsten Hair-Metal-Versionen von klassischen Pop-/Rocksongs Von Birgit Fuß

01 RATT „Walkin’ The Dog“ 1983

Nach Stones und Aerosmith machten Ratt 1983 aus dem 1963er-Klassiker von Rufus Thomas auf ihrer Debüt-EP einen Glam-Metal-Song – und zeigten, wie einfach das ist: die Gitarren hoch-, den Blues runterfahren, und irgendwie klang das Stück von Stephen Pearcy gekeift jetzt auch etwas unanständig.

02 HANOI ROCKS „Up Around The Bend“ 1984

Glam-Metal, Hair-Metal, 80er-Jahre-Hardrock: Egal wie man es nennt, Creedence Clearwater Revival wurden jedenfalls von vielen gern gecovert. Besonders schön gelang es der Band um Michael Monroe mit „Up Around The Bend“, ursprünglich von 1970. „Bring a song and a smile for the banjo!“

03 TWISTED SISTER „Leader Of The Pack“ 1985

Manche Twisted-Sister-Fans (Autorin eingeschlossen) hatten das Original der Shangri-Las (1964) noch nie gehört, als Dee Snider mit einem famosen Cover um die Ecke kam: Die Anführerin der Meute ist hier eine Frau, und er trauert ihr herzzerreißend hinterher. Fiese Motorradunfallgeräusche inklusive.

04 MÖTLEY CRÜE „Smokin’ In The Boys Room“ 1985

Nachdem sie 1983 schon „Helter Skelter“ massakriert hatten, wagten sich die wildesten Männer vom Sunset Strip für ihr drittes Album an diese Coverversion von Brownsville Station (1973), eine klassische Anti-Schul-Hymne – übrigens auch mit einem herrlich bescheuerten Video.

05 BON JOVI „Drift Away“ 1987

Okay, keine Hair-Metal-Band im eigentlich Sinn, aber mächtige Dauerwellen hatten sie damals auch – und ihre Version des Dobie-Gray-Hits von 1973 ist einfach zu schön, so schwelgerisch und sehnsüchtig: „Give me the beat, boys, and free my soul/ I wanna get lost in your rock’n’roll and drift away …“

06 POISON „Your Mama Don’t Dance“ 1988

Natürlich schämten sich auch Poison nicht, einen alten Hit, in diesem Fall von Loggins & Messina aus dem Jahr 1972, auszugraben und als fröhlichen Hardrock-Boogie zu „modernisieren“.

07 CINDERELLA „Move Over“ 1989

Jetzt aber mal ernsthaft: Auch Cinderella aus New Jersey hatten viele Haare. Sie hatten aber vor allem den Blues – und deshalb gehört ihre Version von Janis Joplins „Move Over“ (1971) eindeutig zu den besten. Ehrlich, der Sänger heißt tatsächlich Tom Keifer, was braucht es mehr!

08 WARRANT „Train, Train“ 1990

Eine der unterschätztesten Bands in diesem Bereich, weil sie so alberne Videos und Plattentitel wie „Cherry Pie“ hatten. Aber Jani Lane konnte wirklich singen, und bei diesem Blackfoot-Song von 1979 beweist er es eindrucksvoll.

09 FASTER PUSSYCAT „You’re So Vain“ 1992

Im Jahr 1987 dachten wir ganz kurz, Faster Pussycat könnten so erfolgreich wie ihre Kumpels von Guns N’ Roses werden. Das hat nicht geklappt, doch sie hielten lange durch – und wie ihr Cover von Carly Simons 1972er-Hit zeigt, war Taime Downe auch mit Selbstironie gesegnet.

10 GUNS N’ ROSES „Since I Don’t Have You“ 1993

Die Band unter diesen Bands, natürlich viel mehr als Hair-oder Glam-Metal – und gecovert haben sie alles, von Bob Dylan und Johnny Thunders bis zu Wings und Fear. Besonders rührend geriet „Since I Don’t Have You“ von The Skyliners, im Original von 1958 – Axl Rose’ Stimme und Slashs Gitarre streiten sich, wer einsamer klingen kann.

KÖNIGLICHE ANEIGNUNG

Zehn fabelhafte Coverversionen des späten Elvis Presley Von Arne Willander

01 „Bridge Over Troubled Water“ 1970

Nach seinem Triumph in Las Vegas 1969 suchte Presley neue Songs. Während Colonel Parker möglichst billige Stücke unbekannter Songschreiber bei Verlagen suchte, hatte der Sänger ein untrügliches Gespür: Bald nach der Veröffentlichung von Simon & Garfunkel nahm er den Song in sein Programm auf.

02 „Always On My Mind“ 1972

B. J. Thomas nahm das Stück 1970 erstmals auf, doch wurde seine Version nicht veröffentlicht. Ein Jahr später hatte Brenda Lee bescheidenen Erfolg mit ihrer Single. Elvis Presley integrierte das Stück 1972 in sein Repertoire; später gab es eine berühmte Fassung der Pet Shop Boys.

03 „Big Boss Man“ 1967

Das Stück wurde 1960 von Luther Dixon und Al Smith für den Blues-Musiker Jimmy Reed geschrieben. Presley nahm es 1967 auf – Platz 38 der amerikanischen Charts –, sang es dann im „Comeback Special“ von 1968 als eine zentrale Shownummer und später öfter in Konzerten.

04 „Proud Mary“ 1970

Von John Fogerty 1968 für Creedence Clearwater Revival geschrieben und ein großer Hit. Ike und Tina Turner veröffentlichten 1971 ihre Version – doch Elvis Presley liebte den Song so sehr, dass er ihn in den 70er-Jahren bei den meisten seiner Konzerte sang.

05 „Burning Love“ 1972

Arthur Alexander sang das Stück von Dennis Linde 1972 zuerst – noch im selben Jahr nahm Elvis es in sein Repertoire auf.

06 „Early Morning Rain“ 1972

Der berühmteste Song des kanadischen Folk-Songschreibers Gordon Lightfoot, der 1966 auf seinem Debütalbum erschien. Peter, Paul & Mary hatten ihn bereits interpretiert, als Elvis ihn für „Elvis Now“ (1972) aufnahm.

07 „Gentle On My Mind“ 1969

John Hartford hatte mit seinem Song 1967 auf Anhieb sensationellen Erfolg. 1968 nahm Glen Campbell das Stück auf, das zur Titelmelodie seiner Fernsehserie wurde. Dean Martin folgte mit einer Fassung. Ebenso Elvis Presley, der den Song aber nicht vereinnahmen konnte.

08 „An American Trilogy“ 1972

Mickey Newbury hatte dieses Südstaatenmedley aus „Dixie“, „The Battle Hymn Of The Republic“ und „All My Trials“ 1971 für sein Album „Frisco Mabel Joy“ aufgenommen. Presley liebte das Stück und sang es von 1972 an als dramatisch-bombastisches Finale seiner Konzerte.

09 „Polka Salad Annie“ 1970

Von dem Stück über den Salat aus giftigen Beeren war Elvis Presley so begeistert, dass er den jungen Südstaaten-Songschreiber Tony Joe White nach Las Vegas einlud und ihn um weitere Songs bat. Die White auch schrieb.

10 „My Way“ 1971

Elvis Presley sang das Lied erstmals während Frank Sinatras kurzer Rente 1971 und bei dem Konzert „Aloha From Hawaii“ (1973). Dann kam Sinatra zurück und reklamierte den von ihm ungeliebten Song ironisch als „Nationalhymne“ – aber Presley sang das Lied noch bei seinem letzten Konzert.

HIT HEISST SCHLAGER

Die zehn gelungensten Coverversionen in deutscher Übersetzung Von Jens Balzer

01 MARLENE DIETRICH „Die Antwort weiß ganz allein der Wind“ 1963

„Wie großes Unheil muss erst noch geschehen/ Damit sich die Menschheit besinnt?/ Die Antwort, mein Freund, weiß ganz allein der Wind“: Noch im selben Jahr, in dem „Blowin’ In The Wind“ auf dem Album „The Freewheelin’ Bob Dylan“ erscheint, bringt Marlene Dietrich dieses deutschsprachige Cover heraus – arrangiert von Burt Bacharach, der Dietrich seit 1957 als musikalischer Direktor begleitet. Toll auch die B‐Seite der Single: „Paff der Zauberdrachen“, im Original von Peter, Paul & Mary – die ihrerseits mit ihrem „Blowin’ In The Wind“-Cover der Dietrich um wenige Wochen zuvorgekommen waren.

02 KAREL GOTT „Rot und Schwarz“ 1969

Besser als das Original: Karel Gott, „die Goldene Stimme von Prag“, peppt den damals drei Jahre alten Rolling-Stones-Song „Paint It Black“ mit feurigen Pusztastreichern auf und jammert, klagt und schreit dazu auf die herzzerreißendste Weise: „Oh, sag mir doch/ Was ist mit uns denn nur geschehn?/ Warum muss ich jetzt alles/ Schwarz in schwarz nur sehn?“ Der deutsche Text stammt von dem Komponisten Heinz Korn, dem wir unvergängliche Klassiker wie „Wir sind alle kleine Sünderlein“, gesungen von Willy Millowitsch, oder „Mit 17 hat man noch Träume“ von Peggy March verdanken.

03 CINDY & BERT „Der Hund von Baskerville“ 1971

Die Mutter aller eindeutschenden Coverversionen. Cindy & Bert interpretieren „Paranoid“ von Black Sabbath als Grusellied mit Sherlock-Holmes-Motiven, dazu tragen sie viktorianisch anmutende Kostüme und bemühen sich, paranoid auszusehen: „Wen er anfällt/ Dieser Hund von Baskerville, oh yeah/ Hat verloren/ In dem Kampf um Baskerville, oh yeah.“ Zwei Jahre später gelingt Cindy & Bert der Durchbruch mit „Immer wieder sonntags“, einem Lied über einen amourös interessanten Griechenlandurlaub: „Immer wieder sonntags/ Kommt die Erinnerung/ Dibbe-dibbe-dibb-dibb dib.“

04 JULIANE WERDING „Am Tag, als Conny Kramer starb“ 1972

Die große Juliane Werding hat nicht nur einen der ersten Öko-Pop-Songs herausgebracht („Der letzte Kranich vom Angerburger Moor“) und einen der ersten feministischen Pop-Songs in deutscher Sprache („Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst“, getextet von Gunter Gabriel), sondern auch das einzige deutsche Cover eines Songs von The Band: Aus Robbie Robertsons „The Night They Drove Old Dixie Down“ macht sie den Antidrogensong „Am Tag, als Conny Kramer starb“, musikalisch seinerseits näher an der ersten Coverversion von Joan Baez als am Original.

05 SU KRAMER „Abends in der großen Stadt“ 1975

Gudrun „Su“ Kramer beginnt ihre Karriere in den Sechzigern im Ensemble der deutschen Version des Musicals „Hair“, unter anderem neben Donna Summer. Auf ihrem Solodebüt, „Frei sein“ (1971), covert sie unter anderem den „Border Song“ von Elton John, auf dem Nachfolgewerk, „Lampenfieber“ (1974), „Help Me Through The Night“ von Kris Kristofferson. „Abends in einer großen Stadt“ ist die deutsche Version des Donna-Summer-Stücks „Lady Of The Night“ von deren gleichnamigem Prä-Disco-Debütalbum, wie das Original geschrieben und produziert von Giorgio Moroder.

06 JÜRGEN DREWS „Ein Bett im Kornfeld“ 1976

„Let Your Love Flow“ ist 1976 der erste Hit der Country-Soft-Rocker The Bellamy Brothers, und kaum dass er erschienen ist, kommt schon die – jedenfalls in der Bundesrepublik – noch erheblich erfolgreichere deutsche Version heraus. Jürgen Drews hat seine musikalische Laufbahn Ende der Sechziger mit zwei von Giorgio Moroder produzierten Alben begonnen und anschließend bei den Les Humphries Singers gewirkt. Mit „Ein Bett im Kornfeld“ beginnt er seine wechselhafte, aber bis heute währende Solokarriere, deren wesentliche Leitmotive hier im Text schon gesetzt werden: „Hmm/ Ein Bett im Kornfeld zwischen Blumen und Stroh/ Und die Sterne leuchten mir sowieso.“

07 OTTO WAALKES „Schwamm-drüber-Blues“ 1977

Der musikalische Avantgardismus des Otto Waalkes’schen Frühwerks der 70er- Jahre ist von der Popkritik bislang noch zu wenig gewürdigt worden. So lässt sich sein Song „Dupschek“ („Dubček, Dubček, Dubček, Mao Tse-tung/ King Kong, Idi Amin/ Saddat, Honecker/ Gaus“) fraglos als Blaupause für „Der Mussolini“ von DAF betrachten. Im „Schwamm-drüber-Blues“ wendet Waalkes sich der Tradition zu und interpretiert „Mannish Boy“ von Muddy Waters: „Steht was Falsches auf der Tafel/ Geh mit’m Schwamm drüber!/ Brauchst du’n Muster auf der Butter/ Geh mit’m Kamm drüber!“

08 BRUCE LOW „Die Legende von Babylon“ 1978

Mit „Rivers Of Babylon“ erschaffen die jamaikanischen Rocksteady-Pioniere Melodians 1970 eine Hymne der gerade erblühenden Rastafari-Bewegung, zu hören auch in dem Emanzipationsfilm „The Harder They Come“ mit Jimmy Cliff. Frank Farian verfertigt acht Jahre später eine enorm erfolgreiche Coverversion für seine Gruppe Boney M., und der aus Surinam stammende, wegen seines wohligen Baritons beliebte Sänger Bruce Low („Es hängt ein Pferdehalfter an der Wand“) bringt im selben Jahr eine deutsche Fassung heraus, in der die rastafarischen Bezüge allerdings nur noch undeutlich sind.

09 WILLEM „Wat“ 1983

Am Beginn der 70er-Jahre ist Wilken F. Dincklage alias Willem oder a uch „Der dicke Willem“ ein Pionier des Krautrock, sein mit Conny Plank gegründeter Kraut Musikverlag leiht dem Genre sogar den Namen. Er wohnt mit Otto Waalkes und Marius Müller-Westernhagen zusammen, spielt in der Rentnerband und covert 1977 Rick Dees’ „Disco Duck“ unter dem Titel „Tarzan ist wieder da“. Sein Meisterstück ist aber die deutsche Fassung des Captain-Sensible-Stücks „Wot“. „Der sagt: Willem/ Ich sag: Wat?/ Der sagt: Willem/ Ich sag: Wat?/ Der sagt: Willem/ Ich sag: Wat willste denn?“

10 VERONIKA FISCHER „Dann ist die Liebe ein Teufelskreis“ 1984

In den Siebzigern gehört Veronika Fischer zu den wandlungsreichsten Sängerinnen der DDR, in der Band Panta Rhei singt sie politische Jazz-Lieder. 1981 siedelt sie nach Westberlin über, wo sie sich an einer zweiten Karriere versucht, allerdings nur mit geringem Erfolg. 1984 gelingt ihr immerhin eine erstaunliche deutsche Version des Joy-Division-Stücks „Love Will Tear Us Apart“: „Die Enttäuschung ist groß/ Doch man lässt sich nicht los/ Und dann, dann ist Liebe ein Teufelskreis.“

HOODIE STATT ABENDKLEID

Die 10 besten Indie-Versionen von Pop-Diven-Hits Von Ina Simone Mautz

01 ANTONY & THE JOHNSONS „Crazy In Love“ 2009

Antony Hegarty, mittlerweile zur ebenso facettenreichen Künstlerin Anohni metamorphosiert, zauberte gemeinsam mit dem Komponisten und Arrangeur Nico Muhly aus Beyoncés Hitsingle „Crazy In Love“ ein fragiles, sphärisches Kammermusik-Kleinod. Die B-Seite der Single „Aeon“ ersetzt Soul-Pop und Samba-Rhythmen durch Harfe, Oboe, Klavier, Kontrabass, Cello, Trompete und Violine. Das Fehlen des charakteristischen Bläsersamples, eine Leihgabe aus dem 1970 veröffentlichten Song „Are You My Woman? (Tell Me So)“ von den Chi-Lites, fällt bei dieser faszinierenden Interpretation kein bisschen auf.

02 THE FLAMING LIPS „Can’t Get You Out Of My Head“ 2003

Auf ihrer „Fight Test“-EP (von deren Titelsong-Tantiemen, wegen gewisser Ähnlichkeiten zu „Father And Son“, 75 Prozent an Cat Stevens gehen) coverten The Flaming Lips nicht nur Radiohead und Beck, sondern auch jenen unwiderstehlichen Dance-Pop-Song, der Kylie Minogue in über vierzig Ländern an die Chartsspitze brachte und eine neue Ära in ihrer Karriere einläutete. Das Stück war ursprünglich für Simon Fullers Schützlinge S Club 7 gedacht gewesen – die hatten jedoch abgelehnt, ebenso Sophie Ellis-Bextor. The Flaming Lips machten aus Kylies laszivem Discokugel-Flirt ein todtrauriges Liebeslied enttäuschter, sehnsuchtsvoller Hingabe, in deutlich verlangsamtem Tempo und mit herzzerreißender orchestraler Dramatik.

03 RYAN ADAMS „Welcome To New York“ 2015

Einen Song von Taylor Swift covern? War Ryan Adams nicht genug. Er hat ihr komplettes Album „1989“ ein Jahr nach Erscheinen neu interpretiert und veröffentlicht. Es sei eine Mischung aus Bruce Spring steen und The Smiths geworden, sagte Adams damals. Die Songs haben es ihm aber auch sehr leicht gemacht, besonders „Welcome To New York“. Swifts Twitter-Reaktion auf diese Huldigung: „Cool, I’m not gonna be able to sleep tonight or ever again, and I’m going to celebrate today every year as a holiday.“

04 THE LEMONHEADS „Beautiful“ 2009

Für ihr Coveralbum „Varshons“ nahmen The Lemonheads sich unter anderem Lieder von Leonard Cohen, Gram Parsons und Townes Van Zandt vor – und, als einzigen Pop-Hit, Christina Aguileras Signature-Song „Beautiful“. Evan Dando hat das von Linda Perry geschriebene und produzierte, Grammy-dekorierte Stück, das schließlich zur LGBT-Hymne wurde, fachgerecht entkitscht. Größe und Erhabenheit sind trotzdem erhalten geblieben. An dieser Stelle sei auch noch auf die ähnlich gelungene „Beautiful“-Fassung der hervorragenden Alternative-Country-Band Clem Snide verwiesen.

05 DAN WILSON „Someone Like You“ 2017

Für sein Album „Re-Covered“ nahm Dan Wilson, den man noch als Frontmann und Songwriter der Band Semisonic („Closing Time“) kennen könnte, Lieder auf, die er für andere Künstler (Taylor Swift, John Legend, Josh Groban) bzw. mit ihnen gemeinsam geschrieben hatte. Darunter findet sich auch Adeles Welthit „Some one Like You“, der hauptsächlich aus Wilsons Feder stammt. Das spartanische Arrangement hat er aufgestockt und sich zu Akustikgitarre und Klavier das renommierte Streicherensemble Kronos Quartet eingeladen. Herrlich, sofern man keine Stimme von Adele-Format erwartet.

06 MANIC STREET PREACHERS „Umbrella“ 2007

1995 hatten die Manic Street Preachers für eine Benefiz-Compilation B. J. Thomas’ „Raindrops Keep Fallin’ On My Head“ gecovert, zwölf Jahre später liehen sie sich Rihannas Regenschirm aus. Die Auseinandersetzung mit dem Schaffen einer zeitgenössischen Pop- Künstlerin erscheint zunächst überraschend, ist die Band doch eher für Exkursionen in politische und sozialkritische Gefilde bekannt. Dabei hatten sie bereits 1997 zwei Songs für das Kylie-Minogue-Album „Impossible Princess“ geschrieben. Das unter anderem von Beyoncés Gatten, Jay‐Z, komponierte „Umbrella“ war ursprünglich für Britney Spears gedacht, aber deren Plattenfirma hatte abgelehnt. Am auffälligsten an der Version der Waliser sind die brachialen Industrial-Gitarren in den Strophen, der Rest ist von einem Manics-Original kaum zu unterscheiden.

07 ANE BRUN „Hero“ 2017

Die Schwedin wollte eigentlich, als kleines Präsent für ihren damals neuen Boyfriend, ganz romantisch ein paar Versionen bekannter Liebeslieder aufnehmen. Die Beziehung zerbrach schneller, als das Projekt abgeschlossen war. Aber Brun machte unverdrossen weiter, und das Themenspektrum expandierte. So gelangte auch eine ätherische Synthie-Tranquilizer-

Fassung von Mariah Careys Ermutigungshymne „Hero“ auf „Leave Me Breathless“ – und wurde zu einem der allerschönsten Stücke darauf. Diese anrührende Tiefe hat Carey mit ihrem vokalen Eiskunstlauf nie erreicht.

08 SCOTT MATTHEW „I Wanna Dance With Somebody“ 2013

Wenn der Australier Whitney Houstons zweiterfolgreichsten Song covert, dann kann man, trotz des Titels, natürlich keine Tanzbarkeit erwarten (außer vielleicht sanft wogenden Engtanz). Houstons gnadenlos synthetisch produzierter Eighties-Pop wird hier zur zarten, sehnsuchtsvollen Akustiknummer. Matthews Coveralbum „Unlearned“, auf dem sich diese Fassung befindet, hat noch mehr Schönheiten parat, etwa das von Charlie Chaplin geschriebene „Smile“, im Duett mit Neil Hannon von The Divine Comedy.

09 TEENAGE FANCLUB „Like A Virgin“ 1991

Weil Teenage Fanclub Studiozeit übrig hatten, die eigentlich noch für die Aufnahmen zu ihrem dritten Album, „Bandwagonesque“, gedacht war, beschlossen sie, natürlich promilleselig, über Nacht ein ganzes Album aufzunehmen. Sie verpassten ihm den bescheidenen Titel „The King“ und vergnügten sich darauf mit Improvisationen und Coverversionen. Madonnas „Like A Virgin“ haben sie zünftige Schrammelgitarren verpasst und dem Song damit völlig neue Nuancen verliehen.

10 TR AVIS „… Baby One More Time“ 1999

Auf der „20th Anniversary Edition“ ihres epochalen Werkes „The Man Who“ versammeln sich als Bonusmaterial einige der gewohnt großartigen Travis-B‐Seiten, darunter drei Coverversionen: „River“ ( Joni Mitchell), „The Weight“ (The Band) und ein Live-Mitschnitt ihrer Interpretation von Britney Spears’ „… Baby One More Time“, der bereits 1999 als B‐Seite von „Turn“ erschienen war. Die Schotten beginnen mit großer Ernsthaftigkeit, aber im Verlauf des Stückes hört man deutlich, wie schwer es Fran Healy fällt, keinen Lachanfall zu bekommen.

SPIEGELBILDER

Zehn Coveralben: Fünf Klassiker des Genres und fünf Neuheiten Von Maik Brüggemeyer

KLASSIKER

01 BOOKER T. & THE M.G.s „McLemore Avenue“ 1970

Die legendäre Hausband des Stax-Labels war so begeistert vom Medley auf Seite 2 des Beatles-Albums „Abbey Road“, dass sie ihm ein virtuoses, unfassbar lässiges, (fast) instrumentales Tribute-Album widmete, das bereits wenige Monate nach dem Original erschien. Der Titel bezieht sich natürlich auf die Adresse der Stax-Studios: 926 East McLemore Avenue.

02 WILLIE NELSON „To Lefty From Willie“ 1977

Lefty Frizzell, einer der größten Sänger und Songwriter des Country, starb 1975 mit gerade mal 47 Jahren. Noch im selben Jahr nahm Willie Nelson dieses Album mit musikalisch reduzierten, emotional eindringlichen Covers einiger seiner liebsten Frizzell-Songs auf.

03 DIVERSE „I’m Your Fan“ 1991

Das französische Rockmagazin „Les Inrockuptibles“ produzierte 1991 dieses Album, auf dem einige der großen Kritikerlieblinge der Achtziger wie Lloyd Cole, Robert Forster, David McComb, The Lilac Time, die Pixies und R.E.M. Songs von Leonard Cohen singen. Höhepunkt dieser Sammlung ist allerdings John Cales reduzierte Version des bis dahin nicht sonderlich populären „Hallelujah“, die als Vorbild unzähliger Covers dienen sollte.

04 DIVERSE „The Late Great Daniel Johnston“ 2004

Die oft kindlich zaghafte Vortragsweise des Songwriters und Outsider Artists Daniel Johnston macht einen Teil des Charmes seiner Stücke aus. Doch als Bonus einer Karriere-Retrospektive zeigten Künstler wie Tom Waits, Beck, Eels, TV On The Radio und Bright Eyes, dass diese vermeintlich kleinen Songs in Wahrheit ganz groß sind.

05 PATTI SMITH „Twelve“ 2007

Man nannte sie zwar mal einen Punk, aber Patti Smiths Kunst war nie eine des Bruches, sondern eine der Kontaktaufnahme mit ihren Ahnen. Daher ist sie prädestiniert für ein Coveralbum. Mit ihrer Band und Gaststars wie Tom Verlaine und Sam Shepard spielt sie Songs von den Stones, den Beatles, Bob Dylan, Jimi Hendrix und Neil Young und weckt auch in Liedern ihrer jüngeren Kollegen die Geister der Vergangenheit.

NEUHEITEN

01 DIVERSE „I’ll Be Your Mirror“ 2021

Für das letzte Projekt des im Frühjahr 2020 verstorbenen Produzenten und Kurators Hal Willner covern Künstler*innen wie Michael Stipe, Iggy Pop, Courtney Barnett, Sharon Van Etten und Angel Olsen die Songs des Velvet- Underground-Debüts. Ein inspiriertes, intensives Tribute, bei dem niemand auf der 1967 in die Popwelt gelegten Bananenschale ausrutscht.

02 DIVERSE „The Metallica Blacklist“ 2021

Mit ihrem „Schwarzen Album“ verließen Metallica 1991 das Metal-Genre und eroberten den Mainstream. Das schreit natürlich nach einem genreübergreifenden Tribute. Zum 30. Geburtstag haben nun 53 Künstler*innen von Biffy Clyro bis St. Vincent auf insgesamt vier CDs dafür „ausgewählte Songs“ des Albums gecovert. So viel „Enter Sandman“ war noch nie.

03 DIVERSE „The Problem Of Leisure“ 2021

Andy Gill wollte dieses Tribute-Doppelalbum eigentlich zum 40. Geburtstag von „Entertainment!“, dem Debüt seiner Band Gang Of Four, veröffentlichen und wählte die vertretenen Künstler, wie Gary Numan, Warpaint, Idles und Herbert Grönemeyer, selbst aus. Durch seinen Tod 2020 wurde aus der Feier einer Karriere eine Hommage an ein Künstlerleben.

04 LOS LOBOS „Native Sons“ 2021

„Los Lobos Del Este De Los Angeles (Just Another Band From East L.A.)“ hieß das Debüt dieser wunderbaren mexikanisch-amerikanischen Band von 1978. Fast ein halbes Jahrhundert später covern Los Lobos nun Songs, die den Sound ihrer Heimatstadt und damit sie selbst beeinflusst haben: bekannte von Buffalo Springfield und den Beach Boys und Deep Cuts von Bands wie den Jaguars und den Basters.

05 PINE VALLEY COSMONAUTS „The Closing Time 2020“ 2021

Um die pandemiebedingt gefährdete Zukunft unabhängiger Veranstaltungsorte in Chicago zu sichern, hat Mekons-Songwriter Jon Langford ein Album kuratiert, auf dem Künstler*innen wie Andrew Bird, Rosie Flores, Jeff Tweedy und die Handsome Family mit seiner Band Pine Valley Cosmonauts die Songs von Tom Waits’ Debütalbum, „Closing Time“, stimmungsvoll covern.