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DIE ALTE WELT IST NICHT VON GESTERN


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Auto Bild - epaper ⋅ Ausgabe 27/2022 vom 07.07.2022

KOMPAKTKLASSE MIT BEN- ZINERN und zum Selberschalten? Diese Gleichung klingt irgendwie verstaubt und nach längst vergangenen Zeiten. Doch auch wenn es nicht mehr ganz dem Zeitgeist entspricht, sprechen wir hier zur Abwechslung mal nicht über Ladezeiten, Batteriespeichergrößen und Reichweiten-Angst, sondern von Spritverbrauch, Getrieben und vom Fahren an sich. Und das können Kia Ceed, VW Golf und Ford Focus ganz hervorragend.

Letzteren haben die Kölner just aufgefrischt, spendierten ihm ein überarbeitetes Infotainment-System mit gewaltigem Touchdisplay und arg reduzierter Schalterlandschaft. Ja, die Klimabedienung übernimmt der große Schirm gleich mit. Finden wir nicht so gut, weil oft komplizierter. Und da ist der Focus keine Ausnahme. Immerhin (und anders als im Golf) sind die wichtigsten Parameter wie Temperatur, Lüftungsstufe sowie Sitzheizung permanent am unteren Rand eingeblendet. ...

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... Klassischer macht es der Ceed, der nach wie vor auf eine separate Klimaeinheit setzt. Generell gibt es viel mehr Schalter im Kia, doch die lassen sich gut bändigen, alles andere als eine Herausforderung.

Ford Focus 1.0 EcoBoost Hybrid 155 PS 6,4 l/100 km Testverbrauch ab 28 950 Euro

Kia Ceed 1.5 T-GDI 160 PS 6,6 l/100 km Testverbrauch ab 24 790 Euro

VW Golf 1.5 TSI 150 PS 6,5 l/100 km Testverbrauch ab 30 635 Euro

Leider deutlich weniger als bei den Spracherkennungen von Kia und VW. Insbesondere der Golf-Rechner zeigt sich in Sachen Verständigung und Verarbeitungszeit stark verbessert. Dazu arbeiten seine vielen Assistenten besonders geschliffen. Beispiel Verkehrsschilderkennung: Die klappt tadellos, rechtzeitig vor der Ortseinfahrt wird die Geschwindigkeit angepasst. Auch im Focus übernimmt der Tempomat die erkannte Geschwin- digkeit. Nur leider viel zu spät, was das System im Grunde überf lüssig macht.

Ford weiterhin hinter Kia und VW.

Er ist sichtbar einfacher ausgeschlagen, gut erkennbar an der In Sachen Qualität bleibt der labberigen Kofferraumverkleidung. Gravierender jedoch die überraschend weich gepolsterten Vordersitze. Die seitlichen Wangen, nur das besser, noch eine Spur ergonomischer gestaltet sind die Sitze im Golf. In Verbindung mit der tollen Sitzposition ist der VW klar der Langstreckentauglichste.

FORD FOCUS: GUT, GEHT ABER BESSER

Angenehm gleitet der Focus-Schalthebel durch die Gassen, die Wege dürften aber kürzer sein. Gigantisches Display für einen Kompakten, leider nicht zum Fahrer geneigt.

Fond mit viel Platz, aber kleineren Fenstern.

KIA CEED: REIFE LEISTUNG

Nahezu widerstandslose Schaltarbeit, problemlos, aber auch etwas undefiniert.

Gut platziertes, leicht zum Fahrer geneigtes Display. Wie im Ford: genug Platz im Fond, erschwerter Einstieg durch Dachlinie.

Die 150 bis 160 PS starken Benziner können selbst in kleinen SUV schnell überfordert wirken. Unsere drei 1,3 Tonnen leichten Kompakten bringen die Verbrenner dagegen äußerst schwungvoll in Bewegung. Auch im langsameren Ford (trotz des mit 19 PS boostenden E-Motors) kommt nie das Gefühl von Untermotorisierung auf. Einbußen bei der Laufkultur sind ebenfalls nicht zu befürchten. Sein gut gedämmter und sämig laufender 1,0-Liter-Dreizylinder stellt zu den Vierzylindern keinen Nachteil dar. Beim Verbrauch allerdings auch keinen Vorteil: Vom Hubraumschwächsten und zudem mit Mildhybridsystem ausgestatteten Antrieb hätten wir uns mehr als 0,1 (Golf) respektive 0,2 Liter Testverbrauch-Vorteil erhofft. Auch auf der Sparrunde kann sich der Kölner nicht absetzen. Dafür nervt das System mit unvorhersehbarem Rekuperationsverhalten. Gefühlt hängt der Wagen bei Gaswegnahme ein bis zwei Rasten in der elektrischen Parkbremse. Ein echter Vorteil dagegen: der seidenweiche Motorstart dank Riemenstartergenerator.

VW GOLF: KAUM SCHWÄCHEN

Klar definierte Schaltwege beim Golf, aber etwas knorpelig.

Das im Vergleich kleinste Display ist wie im Ceed leicht zum Fahrer geneigt.

Besonders gut: Der Kürzeste glänzt mit tollem Raumgefühl und entspanntem Einstieg.

Kurvige Strecken bereiten im Focus auch aufgrund des straffen ST-Fahrwerks den größten Spaß.

Doch auch der zurückhaltendere VW mit seiner besonders agilen und rückmeldungsfreudigen Parameterlenkung gefällt. Zudem legt der Golf mit seinem vielstufigen Verstellfahrwerk den elegantesten Spagat zwischen hart und zart hin.

Der eher weich gefederte, aber stößiger ansprechende Ceed kann da ebenfalls nicht mithalten.

Bei den Kosten dreht der Kia dafür den Spieß fast um. Nicht nur der Preis ist heiß, sieben Jahre Garantie bringen sieben Extra-Punkte und die besseren Wiederverkaufschancen, also weitere Punkte. Vom bis dahin bis auf einen Punkt herangerückten Focus setzt er sich so wieder ab, rückt dem Golf bis auf vier Punkte auf die Pelle. So viel Auto für so wenig Geld – diese Gleichung kommt garantiert nie aus der Mode.

PLATZIERUNG Punkte maximal 800

TESTSIEGER

1. VW Golf Mit alten Stärken, verbessertem Infotainment und guten Assistenten sichert sich der teure VW den Sieg. 552 Punkte

2. Kia Ceed Kaum Schwächen, ein guter Antrieb und faire Kosten machen ihn zum klaren Preis-Leistungs-Sieger. 548 Punkte

3. Ford Focus Trotz neuem Bediensystem und Mildhybrid nur Platz drei. Bei der Fahrdynamik liegt er vor dem Kia. 536 Punkte

FAZIT

STEFAN NOVITSKI, BEREND SANDERS

Der Sieg des Golf geriet nur durch seinen hohen Preis in Gefahr, bis auf vier Punkte rückte der rundum gelungene, aber weniger komfortable Ceed so an ihn heran. Ebenso knapp das Duell zwischen Ford und Kia in der Eigenschaftswertung. Doch das neue Bediensystem und der Mildhybrid bringen dem gelifteten Focus keine Vorteile.