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Die Angst vor Herpes – und der Spritze


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Cavallo - epaper ⋅ Ausgabe 12/2022 vom 22.11.2022

DOSSIER

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Bildquelle: Cavallo, Ausgabe 12/2022

Stellen Sie sich vor, der Deutsche Fußball-Bund hätte die Corona-Impfung für alle Fußballer angeordnet. Wer nicht geimpft ist, darf weder in Kreis- noch Bundesliga spielen – dafür aber international, weil der Weltfußballverband Fifa die Impfung lediglich empfiehlt. Andere nationale Verbände tun nicht einmal das, raten nur bestimmten Risikogruppen dazu. Hätte eine solche Entscheidung unter Fußballern für Skepsis, für Unmut, für Widerwillen gesorgt? Höchstwahrscheinlich.

Kein Wunder also, dass es deutschen Reitern angesichts der ab 1. Januar 2023 geltenden Pflichtimpfung gegen Herpes (EHV 1) für Turnierpferde teils ähnlich geht. Die Angst vorm Virus ist groß, doch der Impfschutz umstritten.

Welche Gründe stecken hinter der kontroversen Entscheidung der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN)? Wir beleuchten die medizinischen und politischen Argumente, die dafür angeführt wurden.

WIE WIRKSAM DIE ...

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... IMPFUNG IST

Equine Herpesviren (EHV, vor allem die Untertypen EHV1 und EHV4) lösen Atemwegsinfektionen aus, virusbedingte Aborte und die neurologische Verlaufsform (Equine Herpes-Myelopathie, EHM), die zu Ataxien oder Lähmungen führt.

Von den derzeit zugelassenen Impfstoffen schützt keiner gegen EHM, sondern gegen Aborte und Atemwegsinfekte. Sie sollen nicht das einzelne Tier schützen (80 Prozent der Pferde gelten als latent infiziert), sondern den Bestand: Das „Ziel einer Impfung gegen Equine Herpesviren“, so die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StiKo Vet), sei „in erster Linie die Reduktion des Infektionsdrucks in den Pferdebeständen“. Heißt: Erkrankte Pferde sollen so weniger Viren ausscheiden und weniger Tiere anstecken.

Anders sieht das Prof. Dr. Dr. Peter Thein, der sich seit den 1970er-Jahren mit diesen Virusinfektionen befasst. Kein derzeitiger EHV-Impfstoff verhindere eine Neuinfektion oder die Reaktivierung ihrer latenten Infektion. Daher, so Prof. Thein, „sollte man sich Herpesimpfungen sparen“.

VALENCIA UND DER DRUCK VON AUSSEN

Sicher ist, dass die Ursprünge der Entscheidung in Valencia liegen. In der Stadt an der Südostküste Spaniens finden im Februar 2021 mehrere Springprüfen statt, mit hunderten Pferden. Erste Fieberfälle treten am 14. Februar auf, werden aber nicht an die FEI gemeldet; nicht mal 14 Tage später sind Dutzende Tiere erkrankt. 18 von ihnen werden sterben, es wird zu weiteren Ausbrüchen in Deutschland, der Schweiz und anderen Ländern kommen. Der Turniersport in Europa und Deutschland wird bis in den März und April hinein gestoppt.

IMMUNSYSTEM VOR IMPFUNG STÄRKEN

Mal eben schnell impfen, weil der Tierarzt gerade da ist? Nicht so gut. Nach einer Impfung ist das Immunsystem damit beschäftigt, die Erregerinformationen zu verarbeiten. Damit das bestmöglich gelingt, rät Tierärztin Tina Wassing, im Vorfeld Stress möglichst zu vermeiden und Pferde nicht direkt vorher körperlich zu arbeiten. „Immunstimulanzien wie Zink, Echinacea oder Propolis sowie immunmodelierende Medikamente wie Engystol können das Immunsystem unterstützen“, so Wassing. Auch für ein bis zwei Tage nach dem Piks gilt Schonprogramm, also mäßige Bewegung. Dann klingen lokale Reaktionen an der Injektionsstelle zudem gut ab.

Dieser Stopp, so FN-Tierärztin Dr. Enrica Zumnorde-Mertens, sollte die Weiterverbreitung verhindern. Die FN hätten „viele Nachrichten von Mitgliedern erreicht, in der die Einführung einer Herpesimpfpflicht gefordert wurde“, sagt Dr. Zumnorde-Mertens. Dazu kam weiterer Druck von außen: Überregionale Medien wie Süddeutsche, FAZ, Spiegel berichten über die „Seuche“; Fachmagazine wie CAVALLO sowieso.

Wie groß der Druck in dieser Gemengelage auf den Beirat Sport war, der über die Impfpflicht beriet, kann zwar nur gemutmaßt werden. Fakt ist aber, dass sich die FN im Juli 2021 von der bisherigen Empfehlung abwandte und Impfen für Turnierpferde verpflichtend machte. „Die Entscheidung wurde mit einer breiten Mehrheit getroffen“, sagt Dr. Zumnorde-Mertens.

DIE MEDIZINISCHEN ARGUMENTE

Die FN argumentiert dabei wie auch die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StiKo Vet) mit dem Impfschutz durch die Hintertür. „Die Impfung gegen Herpes kann das einzelne Pferd nicht sicher vor der Infektion mit EHV und dem Ausbruch der hervorgerufenen Krankheiten schützen“, sagt Dr. Zumnorde-Mertens – dies gelte insbesondere für den Schutz vor der gefürchteten neurologischen Verlaufsform EHM (siehe Kasten auf der vorigen Seite).

Aber: Geimpfte Pferde würden im Fall einer Infektion oder Reaktivierung des schlummernden Virus weniger Viren ausscheiden. Diese Reduktion, erklärt Prof. Klaus Osterrieder vom Institut für Veterinärmedizin der FU Berlin und Ex-Mitglied der StiKo Vet, erschwere die Ansteckung: „Keine Ansteckung, keine EHM.“ Was so unumstößlich klingt, ist es indes nicht.

Denn Prof. Osterrieder gibt auch zu: Belastbare Daten, wonach in Ställen mit Bestandsimpfungen weniger Erkrankungen und Todesfälle auftreten, gebe es seines Wissens nicht. Dazu kommt: „Es ist unglaublich schwer, aufgrund der existierenden Datenlage eine belastbare Empfehlung abzugeben. Deswegen gibt es einen Flickenteppich, und der wird auch noch eine Weile erhalten bleiben.“

So divers wie die Datenlage sind auch die Empfehlungen anderer Verbände. Die amerikanische Tierärzteorganisation AAEP empfiehlt etwa die Herpes- nicht als Core-Impfung, also als Schutz für jedes Pferd zu jeder Zeit. Turnierpferde müssen jedoch laut Regeln des Verbands USEF gegen EHV geimpft sein. Auf internationalen Turnieren des Weltverbands FEI ist die Impfung wieder nicht erforderlich – aus einfachen Gründen.

IMPFEN ALLEIN REICHT NICHT AUS

Die FEI stützt sich in ihrer Argumentation vor allem auf den Nicht-Schutz vor EHM. „Es gibt derzeit keine Impfstoffe, die effektiv gegen die neurologische Form des Virus schützen“, sagt FEI-Veterinärdirektor Göran Akerström. Solange Pharmakonzerne Vakzine, die diesen Schutz bieten, nicht produzieren würden, werde die FEI eine verpflichtende Impfung nicht in Erwägung ziehen.

Empfehlenswert sei die Impfung dennoch, so Akerström, wenn auch nicht die alleinige Antwort. Die Virenanzahl lasse sich so während eines Ausbruchs verringern, der Ausbruch selbst jedoch nicht verhindern. Der wird durch schlechtes Management befeuert, wie in Valencia.

Diesen Eindruck hat man zumindest, wenn man sich mit Tierärztin Dr. Christine Fuchs von der Tierklinik Lüsche unterhält. Sie war im Februar 2021 in Valencia, um zu helfen – und erzählt von chaotischen Zuständen. Tierärzte hätten etwa anfangs nicht dokumentiert, welche Pferde mit welchen Medikamenten behandelt wurden. Negativ getestete Tiere waren in einem separaten Stalltrakt, „aber bei den Stallzelten, wo die übrigen Pferde standen, gab es keine Einlasskontrollen. Da hätte jeder einfach reinspazieren können.“ Desinfiziertes Equipment oder Stallzelte? Abgesperrte Bereiche? Schutzkleidung? Fehlanzeige. Stattdessen liefen Hunde, Kinder, Pfleger frei durch alle Bereiche.

Da habe die FEI mittlerweile nachgebessert, sagt Dr. Fuchs, die seither als Veterinärin auf zwei FEI-Turnieren war. Bei jedem Pferd werde nach Ankunft die Körpertemperatur gemessen und in der FEI Horse App vermerkt; erst dann dürfen die Tiere starten. Während ihrer Zeit auf dem Turnier muss zweimal täglich die Temperatur kontrolliert werden. Es stünden mehr Isolationsboxen und Tierärzte zur Verfügung, so Dr. Fuchs – die überzeugt ist: „Wären mehr Pferde geimpft gewesen, wäre Valencia nicht so massiv gewesen.“

Das sieht Vielseitigkeitsreiterin Julia Mestern anders: „Die Pferde wurden hunderte Kilometer transportiert, zum Teil nach Spanien, von dort nach Doha und wieder zurück.“ Dass es bei diesem Transport- und Leistungsstress zum Ausbruch kam, wundert sie nicht. „Vielleicht sollten wir hier über andere Lösungen als eine Impfpflicht nachdenken, etwa darüber, Pferde nur zweimal im Monat auf Turnieren starten zu lassen, um diesen Stress zu reduzieren.“ Mestern selbst hat sich klar gegen die Impfpflicht positioniert (siehe rechts) – weil zwei ihrer Pferde Bekanntschaft mit Nebenwirkungen machten, einerseits. Und weil die Deutsche Meisterin der Vielseitigkeit von 2010 andererseits in Frage stellt, wo der Nutzen der Impfung sei, wenn der Schutz nicht gegeben sei.

Für ihre Haltung muss sie Abstriche hinnehmen: Ab Januar darf sie nicht mehr auf FN-Turnieren starten. Denn das macht der Dachverband klar: Ausnahmeregelungen wird es keine geben.

WEITERE INFOS ZU HERPES UNTER:

Für die Impfpflicht – oder dagegen?

Profi-Reiter sind unmittelbar von der Impfpflicht betroffen. Wir fragten exemplarisch zwei Profis, die sich dafür und dagegen positionieren.

PRO

SVEN SCHLÜSSELBURG ist Springreiter. Er war vom Ausbruch in Valencia betroffen.

Ich war mit acht Pferden in Valencia. Von dort reiste ich ab, bevor die Herpes-Meldung kam. Die Info erreichte uns erst Tage später, als ich schon mit zwei Pferden beim Turnier in Doha war. Meine Frau ließ darauf alle Valencia-Pferde daheim testen; sie waren wie die Tiere in Doha negativ. Wir hatten uns noch gefreut, weil wir uns sicher fühlten. Doch einige Tage später brach dann doch Herpes aus. Innerhalb weniger Tage verfohlten neun Stuten; nur eine Stute brachte ihr Fohlen lebend zur Welt. Ein Pony starb, dazu vier Sportpferde. Als alle Tiere wieder negativ waren, warteten wir drei Monate – dann haben wir den kompletten Stall durchgeimpft, aus Überzeugung. Die Impfung mag nicht jedes einzelne Pferd komplett schützen, aber ich glaube, dass der Bestand auf jeden Fall besser geschützt ist als zuvor. Und ich hoffe, dass ich Herpes nicht nochmal erleben muss.

CONTRA

JULIA MESTERN ist Vielseitigkeitsreiterin und Dressurreiterin. Zwei ihrer Pferde litten an Impf-Nebenwirkungen. www.juliamestern.de

Keines meiner Pferde ist mehr gegen Herpes geimpft. Mein Grand-Prix-Pferd Ludwig Löwenherz hatte im Herbst immer wieder schwere, kreuzverschlagähnliche Anfälle. Auch einem Hengst ging es so; die Pferde konnten von jetzt auf gleich nicht mehr laufen. Ich habe sie tiermedizinisch durchchecken lassen, aber ohne Befund. Dr. Karl Blobel, der ehemalige Mannschaftstierarzt der Vielseitigkeitsreiter, riet mir dann, die Herpes-Impfungen wegzulassen – und Ludwig erholte sich. Der Hengst leider nicht, er musste seine Karriere vorzeitig beenden. Für mich war der Zusammenhang mit der Impfung klar; ich hatte sonst nichts geändert, aber meinen Pferden ging es deutlich besser als zuvor. Wie ich auf die Impfpflicht reagieren werde, weiß ich ehrlicherweise noch gar nicht. Vielleicht werde ich nur noch auf internationalen Turnieren starten.

Was über Nebenwirkungen von Impfungen bekannt ist

TRETEN BEI EINER IMPFUNG GESUNDHEITLICHE FOLGEN AUF, die im Zusammenhang mit der Impfung stehen könnten, werden diese an das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) gemeldet – von Tierärzten wie auch von den Impfstoffherstellern direkt. Das seien aber „Meldungen über den Verdacht von Nebenwirkungen und Impfreaktionen“, betont Dr. Susanne Stöcker, Pressesprecherin des PEI, „nicht über bestätigte, also kausal verursachte Reaktionen“.

2021 gingen insgesamt 22 solcher Meldungen für Herpes-Impfungen beim PEI ein; davon 21 als schwerwiegend kategorisiert. Im ersten Halbjahr 2022 wurden 61 Fälle bei Equiden (Pferde und ein Esel) gemeldet, davon 8 als schwerwiegende Reaktion. Ein klarer Fallanstieg? Nein, meint Dr. Stöcker: Das System für die Erfassung solcher Verdachtsfälle habe sich zu Jahresanfang grundsätzlich geändert.

Zuvor mussten die Zulassungsinhaber der Impfstoffe nur Verdachtsfälle auf schwerwiegende Reaktionen ans PEI melden; nicht-schwerwiegende Fälle wurden über eine Dauer von bis zu drei Jahren gemeldet. Seit 29. Januar 2022 müssen Fälle beider Kategorien innerhalb 30 Tagen übermittelt werden. Die Meldezahlen insgesamt hätten sich so durchgängig um das Drei- bis Vierfache erhöht, bei schwerwiegenden Reaktionen gebe es eher einen Rückgang.

VERGLEICHT MAN DIE LETZTEN ÜBERSICHTSZAHLEN ÜBER „UNER-WÜNSCHTE ARZNEIMITTELWIRKUN-GEN“ (UAW) AUS DEM JAHR 2020, fällt auf: Hier liegt eine andere Impfung vorne. 2020 gingen beim PEI insgesamt 114 Meldungen zu Nebenwirkungen nach der Anwendung von immunologischen Arzneimitteln ein; 98 betrafen Impfstoffe. „Spitzenreiter“ waren die equinen Influenza-Impfstoffe – hierzu wurden 83 Fälle gemeldet (36 davon betrafen Kombi-Impfstoffe Influenza/ Tetanus). Danach folgten 24 Meldungen zur West-Nil-Impfung. Für Herpes-Impfungen waren es lediglich fünf Meldungen. Um die Zahlen ins Verhältnis zu setzen, müsste man wissen, wie viele Dosen an Herpes- und Influenza-Vakzinen 2020 generell verimpft wurden. Doch unabhängig davon: Nebenwirkungen nach Herpes-Impfungen waren nicht so häufig wie oft gedacht.

Als unerwünschte Reaktionen nach der EHV-Impfung wurden am häufigsten lokale Reaktionen an der Injektionsstelle gemeldet, „zum Teil in Verbindung mit Muskelsteifheit, Ataxie oder Lahmheit“. Danach folgten erhöhte Körpertemperatur, Lethargie, Appetitlosigkeit (Anorexie) sowie Hypersensitivitätsreaktionen wie – in wenigen Fällen – Anaphylaxie, eine allergische Reaktion.

Das Problem: Selbst vermeintlich „leichtere“ Nebenwirkungen können schwere Folgen haben. Etwa wenn Pferde nach einer Impfung apathisch werden und tagelang kaum fressen. Magen-Darm-Probleme oder Koliken sind dann nicht auszuschließen. Für Tierärzte dennoch nur „leichte“ Folgen. Prof. Klaus Osterrieder sagt dazu etwa: „Jede Impfung ist eine Behandlung mit einem Medikament. Da kann es zu unerwünschten Arzneiwirkungen kommen. Es bleibt aber festzuhalten, dass es sehr wenige Meldungen von unerwünschten Wirkungen von EHV-Impfstoffen gibt.“

SUCHT MAN IN REITER-FOREN, LIEST MAN VON HEFTIGEN FÄLLEN. Von einer Stute etwa, die monatelang nach der Impfung schubweise Rittigkeitsprobleme zeigte und apathisch wurde. Oder eine Stute, die danach steif und zittrig in der Box stand und anschließend drei Wochen mit unerklärlichen Lähmungserscheinungen in der Klinik. Das Ende ihres Einsatzes als Springpferd. Auch wenn das angesichts der Zahlen des PEI „nur“ Einzelfälle sein mögen: Für den betroffenen Reiter und sein Pferd sind solche Nebenwirkungen schrecklich – und abschreckend.