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DIE BASIS DER PFERDEFÜTTERUNG – GROBFUTTER BESSER VERSTEHEN: DIE BASIS DER PFERDEFÜTTERUNG


Feine Hilfen - epaper ⋅ Ausgabe 45/2021 vom 05.02.2021

Hygienisch einwandfreies Grobfutter wie Heu, Gras oder eine pferdegerechte Heulage ist das A und O in der Pferdefütterung. Es ist die Nahrungsgrundlage unserer Pferde und sollte ihnen möglichst unbegrenzt zur Verfügung stehen, um Magen und Darm gesund zu halten. Was auf den ersten Blick einfach klingt, ist in der Realität heute umso schwieriger, denn was drinsteckt im Grobfutter, hängt entscheidend von der Ernte ab, und die Inhaltsstoffe entscheiden bedeutend darüber, ob ein Grobfutter für eine vernünftige Pferdeversorgung geeignet ist oder nicht. Otfried Lengwenat klärt auf, was bei der Fütterung zu ...

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Bildquelle: Feine Hilfen, Ausgabe 45/2021

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... beachten ist.


GROBFUTTER BESSER VERSTEHEN

Grobfutter ist kein einheitliches Futter. Es unterliegt starken Schwankungen. Ausgangsprodukt für konserviertes Pferdefutter wie Heu oder Gärheu (Heulage) ist Gras (Tab 2). Dabei muss man wissen: Wiesen und Weiden sind immer sehr unterschiedlich in der Zusammensetzung von Gräsern, Kräutern und Leguminosen. Dadurch unterscheiden sie sich auch im Hinblick auf Inhaltsstoffe wie Eiweiß, Rohfaser, Fett, Mineralstoffe und Vitamine. Weiterhin spielt der Vegetationszeitpunkt eine große Rolle: Je älter das Gras wird, je länger es wachsen kann, desto mehr Rohfaser enthält es, während der Gehalt an anderen Inhaltsstoffen sinkt (dies trifft nicht unbedingt auf die Fruktane und Mineralstoffe zu). Auch der Boden, etwa ob es sich um Sand, Lehm, Ton oder Moor handelt, auf dem das Gras wächst, hat einen großen Einfluss auf die Zusammensetzung des Gräserbestands und damit auch auf die Inhaltsstoffe. Ebenso verändert eine Düngung die botanische Zusammensetzung von Wiesen und Weiden.
Um die Pflanzen bedarfsgerecht mit Dünger zu versorgen, sollte deshalb eine Bodenprobe gezogen werden. Die Analysewerte dieser Probe geben dann Aufschluss darüber, ob und, wenn ja, inwieweit und womit eine Düngung notwendig ist.

Ausgangsprodukt für konserviertes Pferdefutter wie Heu oder Gärheu (Heulage) ist Gras.


(Foto: Shutterstock/Photoagriculture)

Die Pferde

Es gibt leichtfuttrige- und schwerfuttrige Pferde. Zu welcher Gruppe das Pferd gehört, hängt stark von der Rasse ab. Leichtfuttrige Pferde neigen eher dazu, rund auszusehen. Sie müssen deshalb aber nicht gleich übergewichtig sein. Inwieweit ein Pferd adipös ist, muss über den BCS (Body-Condition-Score) abgeklärt werden.
Versuchen Sie nicht ein leichtfuttriges Pferd „superschlank“ zu füttern, dies ginge nur über starke Reduzierung des Grobfutters und würde somit Gesundheitsstörungen zur Folge haben. Das Gleiche gilt auch für schwerfuttrige Pferde. Werden sie zu „rund“ gefüttert, führt das schnell zu Verfettung. Grundsätzlich sollte bei allen Pferden der energetische Erhaltungsbedarf nur über Grobfutter abgedeckt werden.
Eine Faustregel besagt, es sollten mindestens eineinhalb Kilo Trockenmasse Grobfutter pro 100 Kilo Lebendmasse gefüttert werden. Das heißt: Ein 600 Kilo schweres Pferd sollte mindestens zehn Kilo Heu bekommen. Dies gilt für das Hochleistungspferd wie für das Freizeitpferd, das gelegentlich geritten oder gefahren wird. Mineralstoffe, Vitamine und eventuell Aminosäuren müssen natürlich zusätzlich ergänzt werden (siehe Rationsbeispiele).
Grundsätzlich sollten Pferden zur Grobfutteraufnahme zwölf Stunden am Tag zur Verfügung stehen. Damit wird das Kaubedürfnis der Pferde befriedigt, sie sind ausgeglichen und fühlen sich wohl. Je nach „Fresslust“ kann das aber auch schon zu viel sein, was schnell zu einer übersteigerten Gewichtszunahme führt.

Das Heu

Oberstes Gebot bei der Behandlung von Futtermitteln ist Hygiene. Heu wird lei-der heute häufig zu früh eingefahren, wodurch das Zeitfenster für die Heutrocknung oftmals zu kurz ist. Um das Gras ausreichend trocknen zu lassen, benötigt man mindestens fünf Tage trockenen Wetters. Das Heu darf am Ende maximal 14 Prozent Feuchtigkeit aufweisen, besser sind zwölf Prozent oder weniger. Bei einer reinen Bodentrocknung wird dieser Trocknungsgrad nur selten erreicht. In einigen Regionen ist das Wetter sehr unbeständig – hier sollte man über eine Unterdachtrocknung nachdenken. Heu kann mithilfe der Sinnenprobe beurteilt werden: a) auf den hygienischen Zustand, ob es verfüttert werden kann oder nicht, und b) auf den Futterwert hin.

Geruch und Griff des Heus geben Auskunft über die Eignung als Pferdefutter. (Fotos: Otfried Lengwenat)


Heubeurteilung und Qualitätskontrollen

In vielen Betrieben wird Heu nicht selbst hergestellt, sondern es muss zugekauft werden. Um die Qualität vor dem Einkauf und beim Einsatz in der Fütterung beurteilen zu können, gibt es zwei Möglichkeiten. Zum einen die chemische Analyse (etwa bei der LUFA) und zum anderen die subjektive Beurteilung nach verschiedenen Kriterien.
Als Erstes wäre hier die oben schon genannte Sinnenprüfung zu nennen. Sie berücksichtigt Geruch, Verunreinigungen, Farbe und Griff oder Gefüge des Heus. Mithilfe eines Schlüssels für die Sinnenprobe ist eine grobe Qualitätsbestimmung möglich und damit eine Aussage darüber, ob das Heu verfüttert werden kann oder nicht. Beim Einkauf von Heu ist in erster Linie darauf zu achten, dass es trocken ist. Feuchtes Heu erwärmt sich in den ersten Wochen stark und ist ein optimaler Nährboden für Bakterien und Schimmelpilze.

Nach der Schwitzphase kühlt das Heu ab, später lässt es sich nur schwer aufschütteln. Häufig enthält es weißliche Stellen, ist staubig und riecht muffig.

Geruch

Der Geruch (Abb. S. 46 links) ist daher ein weiterer wichtiger Punkt bei der Heubeurteilung. Gutes Heu hat einen typischen, angenehmen Heugeruch. Überlagertes, verregnetes Heu riecht fad. Wenn es trocken ist, kann es aber verfüttert werden. Riecht es dagegen dumpf oder gar muffig, eventuell sogar verschimmelt, so darf es auf keinen Fall verfüttert werden. Wenn Heu vom Feld gekauft wird, kann man sich schnell täuschen, es riecht angenehm, auch wenn noch zu viel Feuchtigkeit im Heu ist. Der Feuchtigkeitsgehalt sollte nicht über 14 Prozent betragen. Hier ist Messen angesagt! Dafür können Sie ein Kilo Heu abwiegen, vier Stunden im Backofen bei 105 °C trocknen und dann erneut wiegen. Die Differenz ist die Feuchtigkeit, z. B. Einwaage 1.000 Gramm Heu, nach Trocknung 860 Gramm Heu, die Differenz sind 140 Gramm Wasser oder 14 Prozent Feuchtegehalt. Es gibt aber auch Messgeräte, mit denen die Feuchtigkeit im Heu und Stroh direkt gemessen werden kann.

Verunreinigungen

Das nächste wichtige Kriterium zur Beurteilung sind darin enthaltene Verunreinigungen. Hierzu schüttelt man das Heu kräftig über einem weißen Blatt Papier aus (Abb. unten). Grüne Teile sind abgefallene Blatt-, Blüten- oder Halmpartikel, braune oder schwarze Teile sind Verunreinigungen wie Erde, Kot, abgestorbene Pflanzenreste oder andere Schmutzpartikel.
Auf den Bildern unten ist deutlich zu sehen, dass die linke Partie grün und sauber ist, die rechte Probe weist deutliche Verunreinigungen auf: Sand- und Erdpartikel sind ein Zeichen für einen zu tiefen Schnitt und/oder eine falsche Einstellung des Wenders und Schwaders. Abgestorbene Blätter weisen auf einen zu späten Schnitt hin (die unteren Blätter waren schon abgestorben und fingen an zu vermodern), während sehr viele helle bis braune Stängel ebenfalls typisch sind für einen zu späten Schnitt oder darauf hindeuten, dass es mehrmals in das Heu geregnet hat.

Farbe

Die Farbe des Heus sollte grün sein, ähnlich dem Ausgangsmaterial. Es muss berücksichtigt werden, dass spät geschnittenes Gras viele Stängel enthält. Diese sind erheblich heller. Ist die Farbe grau, so ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das Heu verregnet ist. Bei brauner Färbung ist das Heu zu feucht eingefahren worden, es hat sich erwärmt, durch teilweise hohe Temperaturen kommt es zur Eiweißdenaturierung – so verfärbt sich das Heu braun und riecht teilweise karamellartig. Der Futterwert verringert sich dadurch.
Zeigt das Heu Schimmelnester, so ist es verdorben und darf nicht mehr verfüttert werden. Die Abbildung Seite 36 oben zeigt links ein blattreiches, grünes, rechts ein stängeliges Heu. Wenn blattreiches Heu nicht mehr grün, sondern eher gelb aussieht, ist es stärker ausgewaschen oder zu lange gelagert. Spät geschnittenes oder überständiges Heu hat nur wenig Blattmasse und ist daher immer gelber.

Eine Untersuchung auf Verunreinigungen kann mithilfe eines Blatts Papier durchgeführt werden. (Fotos: Otfried Lengwenat)


Links blattreiches grünes Heu von einem frühen Schnitt, rechts stängelreiches Heu eines späten Schnittes. (Fotos: Otfried Lengwenat)


Der Ampfer im Heu (links) deutet auf eine schlechte Weidepflege hin. Rechts: Der Löwenzahn zeugt von einem frühen Schnitt.


(Fotos: Otfried Lengwenat)

Der Griff

Durch eine Griffprobe (Abb. S. 34 rechts) merkt man, ob das Heu eventuell klamm oder feucht ist. Des Weiteren kann so auch eine Aussage über den Schnittzeitpunkt gemacht werden. Ist das Heu relativ früh geschnitten worden, so ist es blattreicher und damit von der Struktur her weicher. Es ist eiweißreicher als härteres Heu und hat einen höheren Stängelanteil. Weiches blattreiches Heu muss in der Sportpferdefütterung und besonders bei Kleinpferden und Ponys etwa zu zwei gleichen Teilen mit Stroh verschnitten werden. Mithilfe der genannten Kriterien kann abschließend beurteilt werden, ob das Heu an die Pferde verfüttert werden kann (Tab. 1 auf Seite 32).

Der Schnittzeitpunkt verändert Inhaltsstoffe

Bei älterem Gras steigt der Rohfaseranteil stark an, während der Eiweiß- und Energiegehalt sinken. Damit nimmt auch die Verdaulichkeit insgesamt ab. Später geschnittenes Heu enthält zwar weniger Energie, da aber der Eiweißgehalt noch stärker abnimmt, wird das Eiweiß-Energie-Verhältnis unausgeglichener. Damit ist später geschnittenes
Heu für Pferde, die keine große Leistung erbringen müssen, gut geeignet. Ein früherer Schnitt (Abbildung S. 36 unten rechts) kann sehr gut für hochtragende oder laktierende Stuten und Fohlen eingesetzt werden. Ein früher Heuschnitt sollte für Freizeitpferde mit Stroh verschnitten werden. Für jedes Heu gilt der Grundsatz: je später geschnitten, desto mehr Rohfaser, weniger Eiweiß und weniger Energie (siehe Kasten Seite 38).
Mithilfe der genannten Kriterien – Sinnenprüfung und Schnittzeitpunkt – kann abschließend die Qualität von Heu recht genau abgeleitet werden. Häufig wird bei Heu vom ersten oder zweiten Schnitt gesprochen. Viele verbinden damit eine Aussage über den Nährstoffgehalt. Dies ist aber kein allgemeingültiges Kriterium. Beim zweiten Schnitt hängt die Nährstoffkonzentration genauso vom Schnittzeitpunkt ab wie beim ersten. Ein früh geschnittener erster Schnitt ist eiweißreicher als ein spät geschnittener zweiter, umgekehrt ist ein spät geschnittener erster Schnitt eiweißärmer als der frühe zweite Schnitt. Fazit: Die verlässlichste Aussage über die Inhaltsstoffe ergibt der Schnittzeitpunkt. Ein typisches Pferdeheu ist spät geschnitten, das heißt, es ist sehr rohfaserreich. Die Pferde kauen länger als beim früheren Schnitt, damit wird bei genügend Heu das Kaubedürf-nis des Pferdes befriedigt, es ist ausgeglichen und zufrieden. Wird das Heu spät geschnitten, enthält es weniger Nährstoffe, dies kann durch Futterzusätze ausgeglichen werden. Bei einem zu späten Schnitt sterben aber viele Pflanzen durch den Schatten der langen Gräser ab. Hier bilden sich Pilze und Bakterien, das Futter kann kaum hygienisch einwandfrei geborgen werden.
Ein früher Schnitt bedeutet viele Nährstoffe, das bedeutet aber für viele Pferde, wenn sie das Heu zur freien Aufnahme angeboten bekommen, dass sie dann verfetten. Besonders Freizeitpferde, die nur wenig arbeiten, sind davon betroffen. Da Heu, witterungsbedingt, nicht immer zur gleichen Zeit geerntet werden kann, wird es früher oder später ge-erntet, man hat also meist verschiedene Schnittzeitpunkte. Wenn man die Inhaltsstoffe der verschiedenen Heusorten kennt, kann man sie gezielt miteinander mischen. Eine Heuanalyse kostet nur etwa 30 Euro. Dieser geringe Kostenfaktor wiegt die Tierarzt- und Behandlungskosten nach falscher Fütterung bei weitem aus.

Bei Hitzestress und Kälteeinbrüchen schützt sich die Pflanze, indem sie Fruktane bildet (Frostschutz). Die Fruktane werden hauptsächlich im Stängel und in den Wurzeln eingelagert. Dies bedeutet generell, dass in den Blättern weniger Fruktane sind, also ein blattreiches Heu (früherer Schnitt) häufig weniger Fruktane enthält als ein später Schnitt, der sehr stängelreich ist. Wird zu tief gemäht, tiefer als zehn bis sieben Zentimeter, dann ist der Fruktangehalt auch in einem frühen Schnitt erheblich höher.
Pferde, die auf einer abgeweideten Fläche stehen oder im hohen Gras, sind stark gefährdet durch zu hohe Fruktangehalte. Ein frischer Aufwuchs, unterstützt durch gezielte Düngung, weist den niedrigsten Fruktangehalt auf. Wichtig ist ein gutes „Weidemanagement“. Der größte Fehler ist, die Pferde lange auf einer Weide stehen zu lassen, ohne diese zu pflegen und zu düngen. Die Pferde müssen umgetrieben werden, wenn die Fläche abgefressen ist.
Es muss dann ausgemäht, Kot abgesammelt und gedüngt werden. Mindestens drei Wochen braucht die Weide Ruhe, damit sich die Pflanzen erholen können. Leider wird diese Art der Weideführung bei den meisten Pferdehaltern nicht eingehalten.
Der Zucker und Fruktangehalt können über die Sinnenprobe nicht erkannt werden, nur über die Analyse kann hier eine klare Aussage getroffen werden.

MERKE Grundsätzliches zu Heu

• Vor dem Kauf an möglichst vielen Stellen Proben entnehmen
• Am sichersten ist es, Heu nach der Analyse zu kaufen
• Heu muss trocken und luftig gelagert werden. Zur Außenwand hin muss es vor Feuchtigkeit geschützt werden, da Heu hygroskopisch ist. Nach außen hin eine Schicht Stroh fest packen, innen Heu lockerer packen.
• Heu nicht im Stall lagern
• Bei frischem Heu Temperatur überprüfen, über 40 °C ist bedenklich
• Heu muss vor dem Verfüttern etwa zehn Wochen lagern und durchschwitzen
• Frisches Heu kann zu Verdauungsstörungen führen
• Nur einwandfreie Qualitäten dürfen verfüttert werden
• Für Freizeitpferde ist spät geschnittenes Heu günstiger, ansonsten mit Stroh verschneiden

INHALTSSTOFFE IM GROBFUTTER

Grundsätzlich gilt: Den stärksten Schwankungen unterliegt der Rohfasergehalt.

Je später der Schnittzeitpunkt…

– desto höher der Rohfasergehalt
– desto geringer der Eiweiß- und Aminosäurengehalt
– desto geringer die Verdaulichkeit der Nährstoffe
– desto niedriger die Energie
– desto weniger Mineralstoffe

Rationsbeispiele

• 600 kg Pferd (optimaler Futterzustand), Erhaltung und leichte Arbeit, Heu: Ende Blüte

• Der Erhaltungsbedarf liegt bei 65,5 MJ ME, bei einem Energiegehalt von 6,4 MJ ME im Heu (Tab. 3) benötigt das Pferd zehn Kilo Heu, bei kalter Witterung und Offenstallhaltung etwas mehr, etwa elf Kilo pro Tag. Bei leichter Arbeit sind dies 13 bzw. 14 Kilo Heu. Diese Menge kann bequem vom Pferd am Tag aufgenommen werden. Möchte ich unbedingt Kraftfutter dazufüttern, so wären dies bei elf Kilo Heu zusätzlich etwa 0,5 Kilo Hafer. Pauschal kann man sagen, zwei Kilo Heu können energetisch durch ein Kilo Kraftfutter ersetzt werden.

• Mit etwa 30 bis 50 Gramm Mineralfutter (ohne Kalziumund Phosphor-Zusatz) ist die Ration ausgeglichen. Bei einem früheren Schnitt kann auch bei leichter Arbeit auf Kraftfutter verzichtet werden.

• Bitte beachten: Bei zwei gleich schweren Pferden ist, je nach Trainingszustand bzw. Fettauflage des Pferdes, der Energiebedarf für die Erhaltung unterschiedlich. Die Muskulatur ist am Stoffwechsel beteiligt, das Fett nicht. Das heißt, ein intensiv trainiertes Pferd benötigt mehr Energie nur für die Erhaltung als ein adipöses Pferd. So braucht ein adipöses 600 kg Pferd nur 48 MJ ME anstelle von 65,5 MJ ME und ein gut trainiertes Pferd 70 MJ ME für die Erhaltung.

• Wenn beide Pferde mit 65,5 MJ ME gefüttert werden, dann wird das dicke Pferd noch dicker und das trainierte Pferd nimmt ab. Deshalb ist eine Rechnung nur über Körpergewicht nicht ausreichend, der BCS muss unbedingt geprüft werden, um dann mit dem entsprechenden Faktor Zu- oder Abschläge vornehmen zu können.

• So kommt ein 600 kg Pferd nur für den Erhaltungsbedarf bei leichtem Übergewicht mit zehn Kilo Heu aus, ein Pferd, das gut trainiert wird, benötigt nur für die Erhaltung bei gleicher Heumenge zusätzlich zwei Kilo Hafer.

• Für die entsprechende Leistung muss bei beiden Pferden der Leistungsbedarf gefüttert werden, dieser ist gleich hoch, ob das Pferd nun zu dick ist oder muskulös.

• Man kann daraus folgern, dass dicke Pferde entweder zu viel Futter bekommen oder zu wenig gearbeitet werden. Häufig überschätzen die Pferdebesitzer die Leistung ihrer Pferde, eine Stunde Spazierenreiten fällt nicht in die Waagschale.

Technisierung

• 24 Stunden freie Futteraufnahme geht bei den meisten Freizeitpferden nicht, da sie für ihren Futterkonsum zu wenig gearbeitet werden, wenn möglich sollten sie aber zwölf Stunden pro Tag Grobfutter fressen können. Hier kann man technisch etwas machen, damit die Pferde langsamer fressen.
• Heu mit Stroh verschneiden
• Heuraufen mit engen Gitterstäben (auf den richtigen Fresswinkel achten)
• Heunetze
• Häufiger am Tag kleine Mengen füttern
• Futterautomaten mit Zeitbegrenzungen

OSTR. DIPL.-ING. AGR. OTFRIED LENGWENAT

(Foto: B. Lengwenat)

… studierte Landwirtschaft in Göttingen, nach dem anschließenden Studienseminar arbeitete er an der Berufsbildenden Justus-von-Liebig-Schule Hannover. In den Fachstufen Pferdewirt unterrichtete er die Fächer Fütterung, Haltung sowie Reitlehre. Um immer „aktuell“ zu sein, arbeitet er wissenschaftlich mit einigen Professoren der Tierernährung zusammen. Er leitet Seminare, Workshops und hält Vorträge zur Pferdefütterung, Haltung und Weide. Außerdem ist er in der Betriebsberatung zur Pferdefütterung, Haltung und Weide tätig.

www.ifp-lengwenat.com