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„DIE BEANSPRUCHUNG WAR ENORM GROSS“


schule - epaper ⋅ Ausgabe 3/2021 vom 26.08.2021

INTERVIEW

Schule: Die Anforderung, Homeschooling durchzuführen, kam für viele Lehrkräfte im Grundschulbereich doch recht überraschend. Wie hat sich die Situation dargestellt?

Edgar Bohn: Die Grundschulen waren nicht auf diese Situation vorbereitet. Was es ihnen besonders schwer gemacht hat, war, dass beim ersten Lockdown nur in den allerwenigsten Grundschulen eine auch nur annähernd ausreichende digitale Ausstattung vorhanden war. Im zweiten Lockdown hatte sich diese Situation dann an einigen Schulen verbessert.

Da hieß es dann kreativ sein. Wie haben es viele Lehrkräfte doch geschafft, Kontakt mit den SchülerInnen zu halten?

Viele Kollegien fanden Möglichkeiten, konstruktiv mit der Situation umzugehen. Das reichte von Fensterbesuchen der Klassenleitungen bei den Kindern zu Hause bis zu Einzelsprechstunden für Kinder am offenen Fenster der Schule. Arbeitspakete ...

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Edgar Bohn Grundschullehrer (bis 2017), Lehrbeauftragter Pädagogik u. a. in Freiburg; seit 2020 Bundesvorsitzender Grundschulverband (Infos: www. grundschulverband.de)
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... wurden geschnürt und an die Haushalte verteilt, Rückmeldungen halfen den Kindern, auch in der schwierigen Situation Lernfortschritte zu erzielen.

Wie sah die Unterstützung seitens der Ministerien aus?

Die Klage aus den Landesgruppen lässt sich auf den Nenner bringen: Entscheidungen kamen meist zu spät, etwa am Freitag nach 13 Uhr, und sollten am nächsten Unterrichtstag umgesetzt sein. Über lange Zeit gab es keine Orientierungswerte für Entscheidungen mit der Folge, dass die Entscheidungen der Länder – bei gleichen Inzidenzwerten – völlig unterschiedlich ausfielen. Dies setzte Schulleitungen und auch Lehrkräfte unter ständigen Druck, schnell Lösungen zu finden. Diese mussten dann den Kindern und deren Eltern sowie den Kollegien mitgeteilt werden, die diese nicht immer nachvollziehen konnten und nun ihrerseits vor allem Schulleitungen mit mehr oder weniger konstruktiven Rückmeldungen zusätzlich beschäftigten. Hier drängen wir immer wieder darauf, einheitliche Lösungen aufgrund von festgelegten Werten zu installieren, damit Schulen und Öffentlichkeit nicht mehr den Eindruck von willkürlichen Entscheidungen haben müssen.

Hatten ältere Kolleginnen und Kollegen größere Probleme als jüngere?

Das lässt sich nicht so einfach beantworten. Vielleicht hilft folgende Unterscheidung weiter: Personen – unabhängig vom Alter –, die eine höhere Affinität zu digitalen Medien hatten, taten sich leichter als solche, die über diese Affinität nicht oder nur rudimentär verfügten. Gleiches galt für Personen mit hohem pädagogischen Ethos.

Wie haben SchülerInnen reagiert?

Gerade für GrundschülerInnen ist das Vorbild und die wertschätzende Rückmeldung von Erwachsenen sowie das Lernen in einer sozialen Gruppe in besonderem Maße notwendig. Dieser Aspekt fiel über längere Zeiträume teilweise völlig weg. Das hat sich als schwierig erwiesen. Eltern waren in besonderem Maße gefordert. Hier spielten Wohnverhältnisse in der Pandemiezeit eine besondere Rolle: Gab es die Möglichkeit für die Kinder, sich im Freien aufzuhalten, oder mussten sie sich die meiste Zeit in einer möglicherweise engen Wohnung aufhalten? Wie konnten Eltern ihre Kinder unterstützen? Welche Anregungen konnten sie ihren Kindern – über das Lernen hinaus – bieten? Das Eingesperrtsein während der Pandemie stellte für alle Eltern und Kinder eine erhöhte Belastung dar, die nicht immer zu friedlichen und glücklichen Ergebnissen führten.

Ist es überhaupt sinnvoll, Grundschüler im Fernunterricht zu unterrichten?

Grundsätzlich benötigen Kinder im Grundschulalter eine allseitige Bildung. Dazu gehören unabdingbar Erfahrungen und Erlebnisse, die sich nicht auf digitalem Weg einstellen können. Insofern muss auch Fernunterricht für Grundschulkinder diese Bereiche erschließen. Dies lässt sich gestalten durch entsprechende kognitiv herausfordernde Aufgabenstellungen. Auch digitale Mittel können den Grundschulunterricht bereichern. Und das nicht nur im Fernlernen. Dazu müssen jedoch Voraussetzungen geschaffen werden: Wir benötigen wissenschaftlich abgesicherte pädagogische Medienkonzepte, einen Leitfaden für die digitale Grundbildung in Grundschulen und geeignete technische Voraussetzungen wie eine grundschulgerechte Plattform und entsprechende Tools. Diese Entwicklung steht erst am Anfang und nimmt die spezifischen Bedürfnisse von Grundschulkindern, insbesondere von Abc-Schützen noch viel zu selten in den Blick.

Was bleibt? Was sind die Lehren?

Gezeigt hat sich, dass Schulen, die proaktiv handelten, die Situation besser bewältigten als andere. Daraus sollte der Schluss gezogen werden, dass auch Schulen bei uns mehr Handlungsspielräume erhalten sollten, wie dies in anderen Ländern schon längst der Fall ist. Die Schwächen unseres Schulsystems haben sich während der Pandemie klar gezeigt. Nun muss die Chance genutzt werden, um die Voraussetzungen für gelingende Schulentwicklungen jetzt zu schaffen.

INTERVIEW: GERNOT KÖRNER

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