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Die berühmteste Frau der Welt


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TV Digital XXL-Ausgabe - epaper ⋅ Ausgabe 9/2022 vom 14.04.2022

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Bildquelle: TV Digital XXL-Ausgabe, Ausgabe 9/2022

DAS WAHRZEICHEN Die Freiheitsstatue steht auf der Insel Liberty Island, etwa 2,5 Kilometer von der Südspitze Manhattans entfernt

Sie ist exakt 46,05 Meter hoch und wiegt mehr als 200 Tonnen. Mit dem rechten Arm reckt sie eine Fackel in den Himmel, ihren Kopf schmückt eine Krone mit sieben Zacken. Seit 1886 steht sie im Hafen von New York City und mehr als vier Millionen Menschen kommen jedes Jahr mit der Fähre hierher, um ihre Magie aus nächster Nähe zu spüren. Offiziell trägt sie den Namen „Liberty Enlightening the World“ – Freiheit erleuchtet die Welt, auf Deutsch nennt man sie meist nur treffend: Freiheitsstatue. Sie symbolisiert Auf bruch, das Ende der Sklaverei, Demokratie, die Hoffnung auf ein besseres Leben. Angesichts ihrer Bedeutung und ihrer Beliebtheit ist es heute kaum vorstellbar, dass sie beinahe nicht gebaut worden wäre.

Ein Geschenk aus Frankreich

Die Idee zu ihrer Gestaltung hat der französische Bildhauer Frédéric-Auguste Bartholdi im Jahr 1865 bei einem Bankett im Haus des Publizisten und Politikers ...

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... Édouard René de Laboulaye in Paris. Laboulaye ist ein Bewunderer der USA und Gründer der Französisch-Amerikanischen Geselschaft. Er begrüßt die Abschaffung der Sklaverei in den USA und sagt im Lauf des Abends: „Wenn in Amerika zur Erinnerung an seine Unabhängigkeit ein Denkmal gebaut werden soll, dann wäre es für mich nur natürlich, dass es als ein gemeinsames Werk beider Nationen errichtet würde.“ Bartholdis Gedanke: Frankreich entwirft und bezahlt eine Statue, Amerika finanziert den Sockel. Aufgrund von Krieg und politischer Instabilität in Frankreich findet er erst fünf Jahre später Zeit und Muße, Skizzen zu zeichnen. Libertas, die römische Göttin der Freiheit, dient ihm dabei als Vorlage.

1871 reist er in die USA, um Unterstützer für sein Projekt zu finden. Gleich bei der Einreise fällt ihm die kleine Insel ins Auge, auf der die Statue heute tatsächlich steht. Ihn reizt der Gedanke, dass jedes Schiff, das nach New York kommt, dort vorbeifährt. Nach seiner Rückkehr macht er sich mit noch mehr Elan ans Werk. Klar ist: Es soll die größte Statue werden, die es jemals gab. Unterstützung bekommt Bartholdi von Laboulaye, der sich ab 1875 in Frankreich erfolgreich um die Finanzierung durch Spenden kümmert. Noch bevor die endgültige Gestaltung der Statue feststeht, lässt Bartholdi in Paris die Hand mit der Fackel und den Kopf fertigstellen. Das Gesicht löst Spekulationen aus: Bartholdi soll es nach dem Ebenbild seiner Mutter gestaltet haben. Manche Zeitgenossen vermuten allerdings, dass Isabella Eugénie Boyer, die charismatische Ehefrau des Nähmaschinen-Entwicklers Isaac Merritt Singer, Modell gestanden habe. Später wird über den Körper von Lady Liberty getratscht: Hat Bartholdi etwa eine Geliebte verewigt? Endgültige Antworten gibt es bis heute nicht.

TV TIPP

Bauprojekte, die die Welt veränderten

DOKU Die spannende Geschichte der New Yorker Freiheitsstatue SO 1.5. 21.05 HISTORY

Die Hand mit der Fackel wird in die USA gebracht und 1876 bei der Weltausstellung in Philadelphia mit Erfolg ausgestellt. 1882 beginnt in den USA die Spendensammlung für den Sockel, den der Architekt Richard Morris Hunt gestaltet – aber fast niemand möchte seine Dollars dafür hergeben. Ist das Projekt also zum Scheitern verurteilt? Beschämt von der Zurückhaltung seiner Landsleute, startet der Verleger Joseph Pulitzer 1885 in seiner Zeitung „New York World“ einen Spendenaufruf. Er veröffentlicht die Namen der Geldgeber sowie kleine Geschichten über sie – und innerhalb von fünf Monaten kommen durch Kleinspenden mehr als 100.000 Dollar zusammen.

In Frankreich hat Bartholdi die Statue inzwischen mithilfe von über 600 Arbeitern fertiggestellt. Für die Umsetzung seines Entwurfs sichert er sich die Dienste des Ingenieurs Gustave Eiffel, der später durch die Konstruktion des Eiffelturms berühmt wird. Eiffel entwickelt ein Eisengerüst als Tragekonstruktion, auf dem er die einzelnen Kupferteile befestigt.

Ein Meisterwerk im Detail Bei ihrer Enthüllung im Jahr 1886 war die Freiheitsstatue die größte Statue der Welt. Bis heute faszinieren die Baukunst und die verwendete Symbolik

FACKEL Sie steht für die Freiheit, die die Welt erleuchtet. Bei der Restauration der Statue wurde das Feuer 1986 mit 24-karätigem Gold veredelt, das die Sonnenstrahlen reflektiert

KRONE Die sieben Zacken stehen für die sieben Kontinente und die sieben Weltmeere. Jeder einzelne ist 2,50 Meter lang und wiegt knapp 70 Kilogramm. In die Krone sind 25 Fenster eingelassen, in der Mitte liegt der Aussichtspunkt

GERÜST Die Tragkonstruktion wurde vom berühmten Ingenieur Gustave Eiffel entwickelt. Sie besteht aus einem Eisenturm, auf den mithilfe eines Rahmengeflechts die Kupferplatten der eigentlichen Statue aufgesetzt wurden. Zwei Wendeltreppen in der Mitte des Turms führen zum Aussichtspunkt in der Krone

MATERIAL Die Statue besteht aus einer Kupferverschalung, die gerade mal 2,4 Millimeter Stärke erreicht. An ihrer Taille ist Lady Liberty etwas mehr als zehn Meter breit

TAFEL In römischen Lettern ist hier das Datum der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung zu lesen: 4. Juli 1776. Die Tafel ist 7,19 Meter lang, 4,14 Meter breit und 61 Zentimeter dick

GRÖSSE Lady Liberty ist 46,05 Meter hoch – von den Füßen bis zur Fackel. Inklusive des gewaltigen Sockels misst sie 92,99 Meter

SOCKEL Er ist 27,13 Meter hoch und besteht aus bis zu sechs Meter dicken Zementwänden, verkleidet mit Granitblöcken

EIN BLICK IN DIE FREIHEITSSTATUE

27 Tonnen Kupfer wurden für den Bau der Statue eingesetzt

Wenn man die gewaltige Statue sieht, kann man es kaum glauben: Ihre Hülle ist gerade mal 2,4 Millimeter dünn. Da das Eisengerüst beweglich ist, schwankt sie ab einer Windgeschwindigkeit von 80 km/h bis zu acht Zentimeter, ihre Fackel sogar bis zu 15 Zentimeter!

Eine große Überraschung

1885 zerlegt Bartholdi die Statue für den Transport in die USA. In 214 nummerierten Kisten erreicht sie am 17. Juni 1885 an Bord der Fregatte „Isère“ den Hafen New Yorks, Hunderte Schiffe sind zu ihrer Begrüßung unterwegs. Im April 1886 ist auch der Sockel fertig. Am 28. Oktober enthüllt US-Präsident Grover Cleveland das Monument, in Manhattan findet eine Parade mit Hunderttausenden Teilnehmern statt. 21 Jahre nach der ersten Idee für diese „Statue aller Statuen“ hat Bartholdi es geschafft. Sein Wegbegleiter Laboulaye erlebt diesen Tag nicht mehr: Er ist bereits 1883 verstorben.

Die Freiheitsstatue wird in den ersten Jahren vor allem zum Symbol der Hoffnung für die Millionen Einwanderer, die bis Mitte des 20. Jahrhunderts nach New York kommen und hier von ihr begrüßt werden. Sie scheint zu sagen: Ihr seid willkommen, ihr werdet hier ein besseres Leben führen als in eurer alten Heimat! Wenn die Menschen aus Irland, Deutschland oder Osteuropa die Freiheitsstatue erblicken, kommt es auf den Schiffen regelmäßig zu emotionalen Szenen. Es wird gejubelt, geweint, gesungen. Einige Jahre nach ihrer Enthüllung hat Lady Liberty eine Überraschung parat: Sie wechselt die Farbe! Aus dem matten Kupferton wird ab 1902 ein sanftes Grün. Zunächst wertet man diese Veränderung der Oberf läche als Zeichen für den Zerfall des Materials. Der US-Kongress bewilligt 62.000 Dollar für Reparaturmaßnahmen, bei denen die Statue auch neu gestrichen werden soll. Zwei Wochen vor Beginn der Arbeiten stellt eine Gruppe von Ingenieuren aber fest: „Die Veränderungen tragen zum Schutz der Außenhülle bei, lassen die Konturen der Statue weicher erscheinen und machen sie somit noch schöner.“ Lady Liberty darf r ihre markante Farbe behalten. Eine gute Entscheidung!

SVEN SAKOWITZ