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Die berührende Weihnachtsbotschaft einer unheilbar kranken Frau: Lacht! Lebt! Liebt!


Bild der Frau - epaper ⋅ Ausgabe 51/2018 vom 14.12.2018

Sabine Dinkel (51) hat Eierstockkrebs. Doch statt zu jammern steckt die Hamburgerin ihre verbleibende Zeit lieber in ihr Herzensprojekt: Sie motiviert Leidensgenossinnen mit viel Humor, selbst in der Krankheit mehr Glücksmomente zu sammeln. BILD der FRAU-Reporterin Jana Henschel hat sie besucht


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Bildquelle: Bild der Frau, Ausgabe 51/2018

Sabine will mit ihren Büchern dabei helfen, dass andere Krebskranke besser durch die schwere Zeit kommen


Die Tür geht auf – und dann steht da diese fröhliche Frau. Ihre blauen Augen leuchten, als warte sie auf das Taxi zum Urlaubsflieger. Neugierig, lebenslustig, freundlich. Ihre Wangen sind gerötet wie von Rouge, ...

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... das blonde Haar wirkt frisch geföhnt. „Schön, dass ihr da seid“, sagt Sabine Dinkel.

Ihre Frische, ihre Fröhlichkeit und ihre Offenheit zu ihrer Krebserkrankung entwaffnen sofort. „Die Wangen sehen nur von der Chemo so schön rot aus“, sagt sie und grinst, „und die Haare sind ’ne Perücke. Schick, was?“

Wir sitzen am Esstisch, streicheln ihre Hündinnen „Wilma“ und „Frieda“. Wie haben Sie erfahren, dass Sie Krebs haben, Sabine? „Es war im November 2015.“ Die frühere Personalreferentin, damals schon Coach für Hochsensible, hat dieses Zwicken im Bauch. Der erste Arzt findet nichts. „Erst bei der Bauchspiegelung ein halbes Jahr später haben sie im Krankenhaus das ganze Elend entdeckt.“

Das Elend heißt Ovarialkarzinom, ist ein bösartiger Eierstockkrebs, der bereits gestreut hat. „Die Ärzte sagen, er sei vermutlich unheilbar.“ Das Leben steht still. „Und dann bekam ich so richtig Schiss.“ Im Dezember werden Sabine an der Uni-Klinik Hamburg in einer Acht-Stunden-OP beide Eierstöcke, Bauchnetz, 46 Lymphknoten, ein Stück Darm und die Milz entfernt. Es folgen Chemotherapie, Bangen, Reha – und kurze Erleichterung, als sie einige Monate krebsfrei ist.

Doch schon im Dezember 2016 steigen die Tumor-Marker erneut. Wieder Chemo, dazu Bluttransfusionen, weil ihr Knochenmark schlappmacht. Sabine kämpft! Was lässt sie durchhalten? „Die Hoffnung, noch ein paar lustige Jahre zu gewinnen.“

Dabei lernt sie schnell: Betroffenheits-Gedusel hilft ihr nicht weiter. Sie muss dem Krebs den Schrecken nehmen – mit Humor! „Es gab nur kein lustiges Krebs-Buch.“ Also beginnt Sabine, ihre Krankheit als Comic zu zeichnen. Metastasen nennt sie Familie Baufellfloh, ihre Erhaltungstherapie wird zum Türsteher Leon der Profi, ihre Angst heißt Hildegard. Sabine schreibt flapsige Gespräche mit den Fantasiepersonen auf, die ihr durch Tiefs helfen – am Ende werden zwei neue Bücher daraus. Sabine beginnt Workshops und Lesungen zu geben, trotz Behandlung. Ihr neues Ziel: Sie will auch anderen Krebserkrankten durch die schwere Zeit helfen.

Sabine Dinkel (r.) nahm dem Thema Tod im Gespräch mit Reporterin Jana Henschel seine Schwere. Es wurde für beide ein fröhlicher Nachmittag


Treue Freunde: Mit den Hündinnen „Wilma“ und „Frieda“ spielen gibt Kraf


Starkes Paar: Sabine kann sich voll auf ihren Mann Alexej verlassen


Heute hat Sabine Dinkel Hunderte Fans, sie saugen bei Facebook ihre Mutmach-Botschaften auf. Die wichtigste: „Lacht! Lebt! Liebt! Sammelt so viele Glücksmomente wie möglich.“ Sabine tut es auch. Am Kühlschrank klebt ein Kalender, in dem sie nur schöne Pläne einträgt, daneben Karten für Theater, Festivals … Sie weiß nicht, wie lange sie das noch schafft. Ob dieses Weihnachten ihr letztes ist. Sie fragt den Arzt nicht danach. Hat sie Angst vor dem Sterben? „Und wie.“ Sie legt die Hand auf den Bauch. „Sie sitzt hier.“

Dabei schaut Sabine ihrer Angst immer ins Gesicht. Sie hat ihren Abschied bereits vorbereitet. Sich eine Sterbeamme, ein Palliativteam und ein Hospiz gesucht, das Testament geschrieben. „Auf meiner Beerdigung sollen alle Ringelshirts tragen, die Musikliste liegt fertig auf dem Computer.“ Swing, Helge Schneider, Deichkind. „Bloß nicht so trauriges Zeug. Mein Mann Alexej soll getragen sein.“


„Die Angst vor dem Sterben sitzt im Bauch“


Leben UND loslassen – wie geht das zusammen? Jetzt, wo alles besprochen sei, hat Sabine die Hände wieder frei – zum Leben. Um mit Alexej auf den Bauernhof nach Mecklenburg zu fahren. Erdbeertorte zu essen. Vielleicht ein weiteres Buch anzufangen – das noch mehr Leidensgenossinnen hilft. Sabine lacht. „Dann hätte sich der Mist hier wenigstens gelohnt.“

Als wir gehen, zieht sie ihre Perücke vom Kopf. Sieht zum ersten Mal verletzlich aus. Als hätte sie unser Mitgefühl gespürt, winkt sie ab. „Vielen Dank für das schöne Gespräch, das war heute mein Glückspeng“, sagt sie. Immer das Gute im Schlechten sehen – das kann Sabine wirklich. Was für eine starke Frau.

So malte Sabine ihren Tod. Er trägt lila Jogginghosen


Sabines Angst heißt Hildegard und klammert sich an ihr fest


BUCH-TIPP

„Krebs ist, wenn man trotzdem lacht. Wie ich von heute auf morgen Krebs hatte und wieder zu neuem Lebensmut fand“ ist Sabines zweiter Mutmach-Ratgeber (Humboldt, 19,99 €).

Für „Meine Arschbombe in die Untiefen des Lebens“ hat die Autorin ihr eigenes Comictagebuch geöffnet (HAWEWE, 24,95 €).

Mit guten Gedanken durch harte Zeiten: Sabines Seelen-Tipps

Gleiche aus

Negatives braucht dreimal so viel Positives. An Tagen der Chemotherapie oder nach Kontrollterminen gönne ich mir ein Frühstück mit einem lieben Menschen, einen Café-Besuch, einen Film …

Suche „Glückspeng“

Wenn ich verzage, übe ich mich ein bis zwei Wochen in Dankbarkeit: Ich notiere jeden Abend, was am Tag schön war – von der Sonne beim Aufwachen bis zum netten Postboten. Das richtet den Fokus auf das Schöne.

Trainiere Frohsinn

Kaufe lustige Postkarten, schau fröhliche Filme von Katzen, die Staubsauger fahren, probiere Lachyoga aus. Lächle dich im Spiegel an oder beiße eine Minute auf einen Bleistift. Der mechanische Reiz der Muskeln überlistet dein Gehirn: Du wirst fröhlicher.

Schreib Angsttagebuch

Male deine Angst, locke sie aus dem Körper, rede mit ihr. Gestaltete Angst verliert an Schrecken!

Suche geistige Auszeiten

Denke bewusst an etwas anderes als an den Krebs. Suche dir weite Landschaften, mache anderen eine kleine Freude, schreib jemandem eine nette Postkarte.

Weine

Jede Träne ist ein Stück Trauerarbeit. Mir hilft traurige Musik gut dabei, Tränen loszuruckeln.


Fotos: Ulrike Schacht; Illustrationen: Sabine Dinkel