Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 22 Min.

DIE BESTEN ZIELE UND STELLPLATZE IN BERLIN, POTSDAM UND IM HAVELLAND


Auto Bild reisemobil - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 08.03.2019

Wilde Waldmöpse, ein wunderbarer Waschsalon und dielängste Kunstgalerie der Welt : Hier sind unsere Reise-Tipps für die Hauptstadt und das Umland


Artikelbild für den Artikel "DIE BESTEN ZIELE UND STELLPLATZE IN BERLIN, POTSDAM UND IM HAVELLAND" aus der Ausgabe 3/2019 von Auto Bild reisemobil. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Berlin zählt rund 120 000 CampingÜbernachtungen im Jahr. Im Schnitt bleiben Urlauber 2,4 Tage in der Stadt


FOTO: T. STARCK

SCHRILL, SCHRAG, SCHÖN: DIT IS BERLIN!

Mehr als 13 Millionen Gäste pro Jahr, gut 31 Millionen Übernachtungen: In Sachen Tourismus ist Berlin einsame Spitze in Deutschland. Die Mischung aus großer Kunst, skurriler Subkultur und Party kommt auch international gut an, knapp die Hälfte der Berlin-Urlauber reist aus dem Ausland an.
Zu den ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 4,49€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Auto Bild reisemobil. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 3/2019 von HINGUCKER. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
HINGUCKER
Titelbild der Ausgabe 3/2019 von LESERBRIEFE. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
LESERBRIEFE
Titelbild der Ausgabe 3/2019 von VW T6.1 MULTIVAN: Schönheitskur für den Bulli. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
VW T6.1 MULTIVAN: Schönheitskur für den Bulli
Titelbild der Ausgabe 3/2019 von VERGLEICH CARADO, HOBBY UND MALIBU: DREI KISTEN mit Komfort. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
VERGLEICH CARADO, HOBBY UND MALIBU: DREI KISTEN mit Komfort
Titelbild der Ausgabe 3/2019 von Carado Vlow 640: Der für Einsteiger. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Carado Vlow 640: Der für Einsteiger
Titelbild der Ausgabe 3/2019 von Hobby Vantana De Luxe: Kasten mit Stil. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Hobby Vantana De Luxe: Kasten mit Stil
Vorheriger Artikel
INTERVIEW: MAX MÖHRLE, GESCHÄFTSFÜHRER CAMPING.INF…
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel MENSCHEN UND IHRE MOBILE (34) Die machen uns glücklich!
aus dieser Ausgabe

Mehr als 13 Millionen Gäste pro Jahr, gut 31 Millionen Übernachtungen: In Sachen Tourismus ist Berlin einsame Spitze in Deutschland. Die Mischung aus großer Kunst, skurriler Subkultur und Party kommt auch international gut an, knapp die Hälfte der Berlin-Urlauber reist aus dem Ausland an.
Zu den touristischen Top-Zielen zählen Klassiker wie Brandenburger Tor, Alex, Museumsinsel oder die hippe East Side Gallery. Auch das Umland der 3,6-Millionen-Einwohner-Metropole holt touristisch auf. Allen voran Potsdam mit seinen grandiosen Parks und Schlössern, darunter das weltberühmte Sanssouci. Doch wer schon mal hier ist, sollte sich einen nicht zu kurzen Abstecher ins Havelland gönnen, am besten gleich zweimal im Jahr: zur Obstbaumblüte im Frühjahr und im Spätsommer, wenn Kirschen, Äpfel und Birnen reif sind. Hier sind unsere Reise-Tipps für Berlin und Umgebung.

1Mauerpark


FOTOS: GETTY IMAGES (2), PICTURE ALLIANCE/DPA

1. PRENZLAUER BERG: Mauerpark

Wo heute Flohmarkthändler mit Ur-Berlinern, Zugezogenen und Touristen aus aller Welt um Wostok-Uhren aus russischen Armeebeständen oder Gartenstühle aus Kaisers Zeiten feilschen, verlief bis 1989 der unüberwindbare DDR-Grenzstreifen zwischen Ost- und West-Berlin. Längst genießt der Flohmarkt im Mauerpark Kultstatus. Das liegt einerseits am Angebot: Hier gibt es Gasmasken aus dem Zweiten Weltkrieg, antike Emaille-Pinkelpötte, Rasiersets für den Herrn aus Ur-Opas Zeiten oder selbstgehäkelte Topflappen. Gefühlt also alles. Was den Flohmarkt aber von anderen Verkaufsveranstaltungen für Trödel unterscheidet, ist seine besondere Atmosphäre. Hier flanieren bärtige Hipster und Arbeitslose, Punks und Paradiesvögel, Familien und frisch Verliebte. Gefühlt also alle. Bei schönem Wetter schaut auch Joe Hatchiban mit seiner Karaoke-Maschine im Mauerpark vorbei. Lässiger als die Berliner bekommt in Deutschland niemand einen Flohmarkt hin.
◊ Bernauer Str. 63-64, 13355 Berlin, Tel. 0 30-29 77 24 86, www.flohmarktimmauerpark.de
◊ Öffnungszeiten: sonntags ab 10 Uhr

2. PRENZLAUER BERG: Prater-Garten

Was 1837 als Bierausschank in einer rumpeligen Bretterbude begann, ist heute eine Berliner Institution: der Prater-Garten an der Kastanienallee. Er ist nicht nur der älteste, sondern wohl auch der schönste Biergarten Berlins. Hier sitzen die Sommerfrischler passend zur Adresse im Schatten ausladender Kastanienbäume, es gibt aber natürlich auch sonnige Plätzchen. Für Abkühlung von innen sorgen ganz nach Geschmack ein Halber Prater Pils (4,20 Euro) oder Prater Schwarzbier (4,50 Euro), natürlich alles frisch vom Fass. Alternativ gibt’s aber auch Berliner Weisse, den Hauptstadt-Klassiker. Abgesehen von Flüssignahrung bietet der Prater bodenständige Küche wie Königsberger Klopse mit Kapernsoße oder Senfeier mit Quetschkartoffeln. Alles läuft per Selbstbedienung, Getränke und Speisen werden nicht am Tisch serviert. Mit dem Essen kann es schon mal länger dauern, denn alles wird frisch zubereitet. Und der Prater ist groß. Auf die endlosen Reihen von Biergarnituren passen bis zu 800 durstige und hungrige Gäste. Die kommen übrigens aus der ganzen Welt, der Prater ist der wohl internationalste Biergarten Deutschlands. Doch auch Ur-Berliner und Hauptstadt-Hipster trinken hier gern ihr Feierabend-Bierchen oder ihren After-Work-Sundowner.
◊ Kastanienallee 7–9, 10435 Berlin, Tel. 0 30-4 48 56 88, www.prater-biergarten.de
◊ Öffnungszeiten: April–September, bei schönem Wetter täglich ab 12 Uhr. Die Prater Gaststätte ist das ganze Jahr über täglich geöffnet

2Prater-Garten


6Reichstag


3. PANKOW: Milchhäuschen

Das Restaurant und Ausflugscafé im Grünen ist eine Berliner Institution. Alles begann anno 1913 mit einer kleinen Milchverkaufsstelle am Weißensee. Hier ging becher- und kannenweise Milch aus dem Kuhstall der Gemeinde Weißensee über den Ladentresen, daher der Name „Milchhäuschen“. Der funktionale Bau aus den 1970er-Jahren gewinnt zwar keinen Schönheitspreis, die Terrasse mit Blick auf die Fontäne im Weißen See hat dagegen Titelchancen. Die Berliner beschreiben den Ort mit einem einzigen Wort: lauschig. Kulinarisch ist das Milchhäuschen-Team flexibel: Vom Zanderfilet auf Rahm-Weinkraut bis zum Apfelkuchen mit Sahne ist hier alles zu haben. Ein toller Ausflugsort für den Sommer.
◊ Parkstraße 33 a, 13086 Berlin, Tel. 0 30-9 27 11 44, www.milchhaeuschen-berlin.com
◊ Öffnungszeiten: tägl. 10–23 Uhr

4. MARZAHN: Gärten der Welt

Der Erholungspark am Kienberg geht zurück auf die Berliner Gartenschau von 1987 und war nach offiziellem Sprachgebrauch ein Geschenk der Gärtner an die Hauptstadt der DDR. Ein sehr großes Geschenk, denn die Gärten der Welt dehnten sich schon damals über rund 22 Hektar Fläche aus. Tatsächlich war die Grünanlage die ostdeutsche Antwort auf die Bundesgartenschau 1985 im West-Berliner Britzer Garten. Inzwischen ist die eingezäunte Grünanlage auf 43 Hektar Größe gewachsen und in zehn Themengärten von China bis England sowie neun kleinere Gartenkabinette geordnet. Besonders sehenswert: der italienische Renaissancegarten und der Rhododendronhain im April und Mai zur Blütezeit. Weiteres Highlight ist die 1500 Meter lange Seilbahnstrecke, die sich seit der Internationalen Gartenschau 2017 über den Landschaftspark spannt. Tipp für Mutige: Sechs der 64 Gondeln sind mit Glasboden ausgestattet. Für den perfekten Blick auf die Gärten der Welt.
◊ Blumberger Damm 44, 12685 Berlin, Tel. 0 30-7 00 90 67 20, www.gruen-berlin.de/gaerten-der-welt ◊ Öffnungszeiten: tägl. 9–20 Uhr, im Winter kürzer; Seilbahn März–Oktober, tägl. ab 10 Uhr, im Winter nur an Wochenenden
◊ Sommer-Eintrittspreise inkl. Seilbahnfahrt: 9,90 Euro (Erw.), 5,50 Euro (Schüler), Kinder bis 5 J. freier Eintritt

5. MITTE: Museumsinsel

Der Gebäudekomplex auf der Nordseite der Spreeinsel ist ein Kunstwerk für sich, findet die Unesco – und hat das aus fünf Museen bestehende Ensemble vor 20 Jahren zum Weltkulturerbe erklärt. Das Quartier entstand innerhalb von 100 Jahren bis 1930 und wurde jüngst um eine zentrale Empfangshalle erweitert, die James-Simon-Galerie. Um alle Kunst anzusehen, die der weitläufige Museumskomplex in der historischen Mitte Berlins zu bieten hat, sind Wochen nötig. Sinnvoller ist es, die Museumsinsel häppchenweise zu erkunden und bei jedem Berlin-Besuch eines der Häuser anzusehen. Zum Beispiel das Alte Museum mit seiner Antikensammlung. Oder das Neue Museum, in dem das Ägyptische Museum mit der berühmten Büste der Nofretete untergebracht ist. Liebhaber der Romantik und französischer Impressionisten wie Monet oder Renoir starten mit dem Museums-Hopping am besten in der Alten Nationalgalerie. Alternativen sind Bode-Museum (byzantinische Kunst, Skulpturen aus Renaissance und Barock) und Pergamonmuseum (archäologische Funde aus der Antike). Tipp: Ein geführter Rundgang über die Museumsinsel, vorbei an Schloss, Dom und altem Staatsratsgebäude sowie durchs Nikolaiviertel. Die unterhaltsamen Touren für acht Euro starten dienstags und samstags am Domcafé, Am Lustgarten.
◊ Bodestraße 1–3, 10178 Berlin, Tel. 0 30-20 90 55 77, www.smb.museum
◊ Eintrittspreise Museumsinsel: 18 Euro (Erw.), 9 Euro (ermäßigt), freier Eintritt für Jugendliche bis 18 J.

4Gärten der Welt


6. TIERGARTEN: Reichstag

Der Reichstag ist so etwas wie ein Spiegel der deutschen Geschichte: Bis zum Brand in der Nacht vom 27. auf den 28. Februar 1933 tagte hier das Parlament der Weimarer Republik. Im Mai 1945 wehte die rote Fahne der Siegermacht Sowjetunion über dem Eingangsportal. Seit 1999 ist das Parlament zurück in dem 1894 fertiggestellten Bau. Seine charakteristische Glaskuppel erhielt der Reichstag ebenfalls 1999. Die 23 Meter hohe und 40 Meter breite, begehbare Konstruktion aus Stahl und Glas erdachte der englische StarArchitekt Sir Norman Foster. Sie ist täglich für Führungen geöffnet. Die Reichstagstour ist kostenlos, allerdings müssen sich Besucher vorab per OnlineFormular oder Fax anmelden. Erweiterte Touren führen zusätzlich durch das Regierungsviertel sowie über den Pariser Platz und durch das Brandenburger Tor. Preis: 12 Euro. Infos zur großen Runde durch das Regierungsviertel unter www.reichstagfuehrung.de

◊ Deutscher Bundestag, Besucherdienst, Platz der Republik 1, 11011 Berlin, Tel. 0 3022 73 21 52, www.bundestag.de, „Besuch“ anklicken
◊ Öffnungszeiten Kuppel: tägl. 8–24 Uhr, geschlossen an Wartungstagen. Termine siehe Internet

7. MOABIT: Freddy Leck sein Waschsalon

In seinem Berliner Waschsalon hat Schauspieler Dirk Martens eine zweite Berufung gefunden. Seit mehr als zehn Jahren betreibt der 54Jährige „Freddy Leck sein Waschsalon“ in Moabit. Oft steht Martens persönlich an den Maschinen und berät seine Kunden dabei, wie sie Kleidungsstücke am besten reinigen. Martens ist erfahrener WaschProfi, und er mag’s persönlich. Das gilt auch für den Umgang mit seinen MieleMaschinen, denen er mittlerweile Namen gegeben hat. Die dickste mit 16 Kilo Fassungsvermögen heißt Chantal, gleich daneben rotiert leise das Tantchen „bei leicht beschwingter Musik“. Kunden und Maschinen sollen es schließlich nett haben. Bei Freddy Leck lassen mehrere namhafte Berliner Hotels waschen, während der FußballWeltmeisterschaft 2006 legten Martens’ Maschinen gar eine Nachtschicht für Trainingsklamotten und Trikots der brasilianischen Nationalmannschaft ein. Natürlich sind auch Kunden aus der Nachbarschaft willkommen – oder Mobilisten mit verschmutzter Wäsche. Während Chantal und ihre Kolleginnen arbeiten und die CamperKleidung säubern, serviert das SalonTeam Kaffee und Kuchen oder auch ein Bier. Alles sehr entspannt bei Freddy Leck. So entspannt, dass Martens das SalonKonzept mittlerweile per Lizenz nach Tokio und Seoul verkauft hat. „Freddy Leck sein Waschsalon“ ist auf dem Weg zur weltumspannenden Marke. Die Keimzelle in Moabit sollte BerlinUrlaubern den einen oder anderen Waschgang mit einem Tässchen Kaffee wert sein.
◊ Gotzkowskystraße 11, 10555 Berlin, Tel. 0 3050 91 66 52, www.freddyleckseinwaschsalon.de
◊ Öffnungszeiten: tägl. 7–23 Uhr

8. MITTE: Deutsches Spionagemuseum

Tote Briefkästen für Post von Agenten für Agenten. Merkwürdige Abhorchapparate und winzige Spionagekameras: Das 2015 eröffnete Privatmuseum bietet einen großartigen Überblick über das Arbeitsgerät von Spionen vom Ersten Weltkrieg über den Kalten Krieg bis heute. Eines der Prunkstücke ist eine originale EnigmaMaschine, mit der die Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg Nachrichten verschlüsselte. Bekanntlich knackten die Alliierten den Code und hörten den Funkverkehr der Nazis Wort für Wort ab, ohne dass die etwas davon mitbekamen. In MultimediaShows erzählt das Museum von spektakulären und mysteriösen Spionagefällen sowie skurrilen Geheimoperationen. Und erklärt außerdem, welche gestandenen Agenten in „Honigfallen“ der Gegenseite tappten. Dabei setzten Geheimdienste gezielt meist weibliche Spione ein, die beim Liebesgeflüster Informationen beschaffen sollten. Viele spitze Spitzel fielen darauf herein und plauderten bis dahin gut gehütete Geheimnisse aus. Ganz anders als in 007Filmen, wo TopAgent James Bond zwar kein einziges Liebesabenteuer mit feindlichen Agentinnen auslässt, die plumpe SpitzenhöschenTaktik des Gegners aber natürlich immer durchschaut und jederzeit Herr der Lage bleibt. Apropos 007: Das Museum zeigt auch eine Reihe von Requisiten aus BondKlassikern.
◊ Leipziger Pl. 9, 10117 Berlin, Tel. 0 303 98 20 04 51, www.deutschesspionagemuseum.de
◊ Öffnungszeiten: tägl. 10–20 Uhr Preise: 12 Euro (Erw.), 8 Euro (erm.), Kinder unter 6 J. frei

9. FRIEDRICHSHAIN: Eastside Gallery

Von der 167,8 Kilometer langen Mauer zwischen Ostund WestBerlin sind nur wenige Meter geblieben: zum Beispiel entlang der Mühlenstraße. Der Eastside Gallery genannte Mauerrest in Friedrichshain ist exakt 1316 Meter kurz, gilt aber als die längste OpenAirGalerie der Welt. Der Betonwall, der die Stadt mehr als 28 Jahre teilte, dient jetzt als großzügige Präsentationsfläche für Kunst. Rund 120 Maler aus 21 Ländern haben sich kurz nach der Wende mit ihren großformatigen Bildern auf dem 3,60 Meter hohen ehemaligen „antifaschistischen Schutzwall“ verewigt. Thema aller Arbeiten: der Fall der Mauer, und das Ende des Kalten Krieges. Entstanden sind die unterschiedlichsten Bilder, vom durch die Mauer brechenden Trabi über die DeutschlandFlagge mit Davidstern bis zum innigen Bruderkuss zwischen Breschnew und Honecker des russischen Künstlers Dimitri Vrubel. Die weltberühmte FreiluftGalerie ist rund um die Uhr zu besichtigen. Farbenprächtige, einzigartige Street Art mit geschichtlichem Hintergrund – und der Mauer als Leinwandersatz.
◊ Mühlenstraße 3–100, 10243 Berlin, www.eastsidegalleryberlin.com

7Freddy Leck sein Waschsalon


FOTOS: FRANK LÖHMER (2), IMAGO, STIFTUNG BERLINER MAUER/ ANNA V. ARNIM-ROSENTHAL, PICTURE ALLIANCE/DPA, REINHARDT & SOMMER

9Eastside Gallery


10. KREUZBERG: Karneval der Kulturen

Die Narren am Rhein frieren sich jedes Jahr durch den Straßenkarneval im Februar oder März. Die Berliner sind da schlauer. Ihr bunter Karneval der Kulturen am Pfingstwochenende umweht nicht nur wegen des oft schon sommerlichen Wetters ein Hauch von Rio. Auch die Samba-Tanzgruppen, die beim schrillen Umzug am Festsonntag am Start sind, sorgen für Copacabana-Stimmung rund um den Park am Kreuzberger Blücherplatz vor der Heilig-Kreuz-Kirche. Jedes Jahr besuchen rund eine Million Menschen das Multikulti-Fest, bei dem Laien und Profis aus aller Welt Musik machen, Theater spielen und exotisches Essen für die Besucher kochen. Eine gute Gelegenheit, sich durch die afrikanische, koreanische, balinesische oder bolivianische Küche zu schlemmen. Wer doch mehr Appetit auf deutsche Imbisskultur hat, geht einfach ein paar Meter den Mehringdamm hinunter, und zwar bis zur Hausnummer 36. Der Kult-Imbiss Curry 36 hat sich auf seiner Website (www.curry36.de) mal eben selbst zum Weltkulturerbe ernannt und verweist auf seinen Ruf als international geschätzter Currywurst-Bräter mit 100-jähriger Tradition seit 1980. Berliner Humor. Im Curry 36 speisten schon viele Promis, darunter auch US-Schauspieler und mehrfacher Oscar-Preisträger Tom Hanks. Der Überlieferung nach hat ihm die Wurst geschmeckt. Zum Nachspülen geht’s am besten auf einen Absinth in die Zyankali-Bar, Gneisenaustraße 17 (www.zyankali.de). Wer hier einkehrt, sollte des Englischen mächtig sein. Das Personal kommt aus Übersee und spricht angeblich kein Deutsch. Das gilt mittlerweile für viele Hauptstadt-Kneipen.
◊ Blücherplatz, Tel. Haus des Karnevals 0 30-346 555 960, www.karnevalberlin.de
◊ Termin: 7.–10. Juni 2019

11. NEUKÖLLN: Street-Food-Markt

Idli aus Indien, Spätzle aus Schwaben, Bio-Roulade aus Brandenburg: In Neukölln ist zweimal wöchentlich Schlemmen angesagt. Am Maybachufer bieten immer dienstags und freitags Profi- und Hobbyköche aus Asien, Afrika, Europa und Südamerika internationale Spezialitäten an. Besucher können sich beim Bummel am Landwehrkanal in Rekordzeit um den ganzen Globus fressen – falls der Magen groß genug dafür ist. Zum Glück gibt es an vielen Ständen auch kleine Probierhappen, das macht die kulinarische Weltreise verträglicher. Wer lieber selbst am Herd steht, findet auf dem Wochenmarkt alle nötigen Zutaten. Am Maybachufer stehen bis zu 150 Händler mit Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch, Käse, Kräutern und Gewürzen. Die Auswahl ist großstädtisch, genauso das Marktgeschrei. Es klingt manchmal ziemlich schräg, aber liebenswert, wenn Afrikaner ihre Waren mit Berliner Akzent anpreisen – sehr hörenswert! Da klingt die „Berliner Schnauze“ gleich viel freundlicher. Ein großer internationaler Markt mit XL-Angebot, echtem Unterhaltungswert – und leckerem Nachtisch! Zum Beispiel Apple Crumble: gekochte Äpfel mit Milchkaramell und Butterstreuseln. Locker 1000 Kilokalorien. Aber zweimal die Woche muss das einfach drin sein.
◊ Maybachufer am Landwehrkanal, nahe der Kotbusser Brücke, 12047 Berlin
◊ Marktzeiten: Di. und Fr. 11–18.30 Uhr

12. ALT-TREPTOW: Badeschiff

Das Badeschiff in der Spree steht ganz in der Tradition der alten Flussschwimmbäder, die um 1900 modern waren. Als Pool dient kein vollwertiges Schiff, sondern ein sogenannter Schubleichter: eine große Wanne zum Transport von Schüttgut wie Kohle oder Kies ohne eigenen Antrieb. Sie wurde von einem Binnenschiff über Flüsse und Kanäle geschoben. Seit Mai 2004 erfrischen sich die Berliner in dem mit türkisfarbener Folie ausgekleideten Stahltrog. Das Auge planscht mit in Alt-Treptow. Vom Pool aus haben die Badegäste einen sensationellen Blick auf die Oberbaumbrücke und den Alex. Rund um die schwimmende Badeanstalt ist im Sommer viel los: Es gibt Stand-up-Paddling- und Yoga-Kurse sowie Musik-Events und Strandpartys auf dem zum Pool führenden Steg und am angrenzenden Ufer. Für Sportschwimmer ist das Badeschiff viel zu klein und an warmen Tagen natürlich auch zu voll. Doch nirgendwo planscht es sich urbaner und hipper als im Spree-Pool. Eine echte Alternative zum weit draußen gelegenen Strandbad-Klassiker Wannsee.
◊ Eichenstraße 4, 12435 Berlin, Tel. 01 62-5 45 13 74, www.arena.berlin/veranstaltungsort/badeschiff
◊ Öffnungszeiten: siehe Internet
◊ Preise: 5,50 Euro (Erw.), 3 Euro (erm.), 2 Euro (Kinder 6–12 J.)

13. KÖPENICK: Neu-Helgoland

Das 100 Jahre alte Hotel und Ausflugslokal an der Müggelspree ist zu jeder Jahreszeit ein Tipp. Bei schlechtem Wetter sitzen die Gäste im großen Wintergarten mit freiem Blick auf die Spree und den Sonnenuntergang. Im Sommer ist Speisen auf der sonnigen XL-Terrasse direkt am Wasser oder im Garten unter Linden und Kastanien angesagt. Der Familienbetrieb serviert Klassiker der Küche wie Schnitzel und Gulasch. Aber auch Fischgerichte und Vegetarisches wie Genfer Schnitzel (panierter Sellerie) stehen auf der Karte. Nicht weit entfernt, in einer Bucht des Kleinen Müggelsees, liegt eine schöne Badestelle mit Sandstrand – darum an warmen Sonnentagen unbedingt Badesachen mitnehmen. Für Wasserscheue gibt es einen Bootsverleih, keine 300 Meter vom Neu-Helgoland entfernt. Ein herrliches Ausflugsziel im grünen Südosten der Hauptstadt.
◊ Neuhelgoländer Weg 1, 12559 Berlin, Tel. 0 30-6 59 82 47, www.neu-helgoland.de
◊ Öffnungszeiten: tägl. ab 11 Uhr

10Karneval der Kulturen


12Badeschiff


FOTOS: TEMPELHOF PROJEKT GMBH (2), HOTEL & RESTAURANT NEU-HELGOLAND GMBH, MARKUS NASS, PICTURE ALLIANCE/DPA

14. TEMPELHOF: Alter Flughafen Tempelhof

Um den 2008 stillgelegten Flughafen Tempelhof ranken sich noch immer viele Gerüchte: Vom Flughafen führen angeblich kilometerlange Tunnel bis in die Innenstadt, heißt es beispielsweise. Sogar das Flugfeld sei unterkellert. Andere behaupten, in dem 1,2 Kilometer langen, bogenförmigen Gebäude am Platz der Luftbrücke wäre eine große Basketballhalle untergebracht. Was davon stimmt, und was ist Legende? Antworten liefern Flughafen-Guides während täglicher Führungen durch den Gebäudekomplex, 1936 von Architekt Ernst Sagebiel geplant und heute Europas größtes Baudenkmal. Die Tour führt durch die monumentale Empfangshalle, verborgene Orte wie den Luftschutzbunker, Kellergewölbe, ein weit verzweigtes Tunnelsystem, Hangars und Nebengebäude und – tatsächlich – durch eine Basketballhalle. Sie liegt direkt über der früheren Abflughalle und war nicht etwa als Zeitvertreib für wartende Fluggäste gedacht. Vielmehr wurde sie nach dem Zweiten Weltkrieg von Soldaten der U.S. Army eingerichtet und genutzt. Viele weitere kuriose Details zu verborgenen Orten in dem größten zusammenhängenden Gebäude des Kontinents liefern die Guides während der rund zweistündigen Führungen.
◊ Ehemaliger Flughafen Tempelhof, Tempelhofer Damm 7, 12101 Berlin, Tel. 0 30-2 00 03 74 41, www.thf-berlin.de/fuehrungen/
◊ Führungszeiten: Mo.–Do. ab 16 Uhr, Fr. 13 und 16 Uhr, Sa. u. So. ab 12 und 15 Uhr
◊ Preise: 15 Euro (Erw.), 10 Euro (ermäßigt), 7 Euro (Kinder bis 14 J.), ab 33 Euro (Familien)

15. SCHÖNEBERG: Museum der unerhörten Dinge

Ganz schön verrückt – und typisch Berlin: Das Museum der unerhörten Dinge zeigt künstlerische, technische und ganz alltägliche Gegenstände und dichtet ihnen frei erfundene, sehr fantasievolle Geschichten an. Da ist zum Beispiel ein altes, ausziehbares Messingfernrohr. Es sei eben das optische Gerät gewesen, durch das Christoph Kolumbus am 12. Oktober 1492 Amerika erspäht habe, behauptet Roland Albrecht, Museumsbetreiber, Fotograf, Künstler und Schriftsteller. Oder das Horn eines Auerochsen, durch das angeblich einst Steinzeitmenschen zur Jagd auf Mammuts bliesen. Und der einzig übrig gebliebene Bernstein aus dem legendären Bernsteinzimmer des Königsberger Stadtschlosses. Albrecht hängt den Dingen hanebüchene Geschichten an. Durch diese Überhöhung werden aus ganz gewöhnlichen Gegenständen spannende Museumsexponate. Albrechts Taktik erinnert an einen Sketch von Schauspieler Dieter Hallervorden, der in der Rolle eines Antiquitätenhändlers einen banalen Putzlappen als „Zumsel“ anpreist, dessen Vorbesitzer Napoleon gewesen sei und mit dem Albert Einstein zum deutschen Kaiser gekrönt werden sollte. Albrechts Museum ist dieser weitergedachte Hallervorden-Sketch, ein Sammelsurium von Zumseln und anderen Merkwürdigkeiten – und ihrer skurrilen Geschichte.
◊ Crellestraße 5–6, 10827 Berlin, Tel. 0 30-7 81 49 32, www.museumderunerhoertendinge.de
◊ Öffnungszeiten: Mi.–Fr. 15–19 Uhr
◊ Preise: Eintritt frei

16. SCHÖNEBERG: Urban Nation

Das Museum versteht sich als eine künstlerische Heimat für „Urban Art“, die legale Form von Streetart und Graffiti. So anders wie die ausgestellte Kunst ist auch das Ausstellungskonzept. Urban Nation kehrt „White Cube“ den Rücken, verzichtet also darauf, Kunst klassisch an weiß getünchten Wänden zu präsentieren. Stattdessen zeigt das Museum die Werke von mehr als 100 „Urban Art“-Künstlerinnen und Künstlern in teilweise spärlich beleuchteten Räumen, in denen nur gezielte Lichtpunkte den Weg zur Kunst weisen. Das passt, denn oft müssen die Künstler im Dunkeln und Illegalen arbeiten, da ihre Werke im öffentlichen Raum häufig als Sachbeschädigung gelten. Die aktuelle Ausstellung umfasst Arbeiten renommierter Urban-Art-Künstler wie Adele, James Bullough, Mimi S, des Berliner Streetart-Duos Herakut und Shepard Fairey, Borondo oder The London Police, denen sich der herkömmliche Ausstellungsmarkt noch immer weitgehend verweigert. Das wohl spannendste Museumsprojekt Berlins: schrill, rebellisch – aber auch umstritten. Die „Musealisierung“ und Kommerzialisierung dieser frischen Kunstrichtung gefällt halt nicht jedem Streetart-Fundamentalisten.
◊ Bülowstraße 7, 10783 Berlin, Tel. 0 30-32 29 59 89, www.urban-nation.com
◊ Öffnungszeiten: Di.–So. 10–18 Uhr
◊ Preise: Eintritt frei

13Neu-Helgoland


14Alter Flughafen Tempelhof


17. GRUNEWALD: Selbstmörderfriedhof

Die seltsamste Ruhestätte Deutschlands ist der Friedhof Grunewald-Forst. Er wurde 1879 für in der Nähe aufgefundene unbekannte Tote angelegt: Immer wieder fanden die Grunewalder Förster Leichen in dem weitläufigen Waldgebiet: erhängt, erschossen, an die Ufer der Havel gespült. Im Volksmund lief der düstere Ort wenig einfühlsam unter „Schandacker“ oder „Selbstmörderfriedhof“. Er ist der einzige seiner Art auf beziehungsweise in deutschem Boden, hier ruhen aber inzwischen auch Menschen, die sich nicht selbst gerichtet haben. Denn seit 1920 wird der Friedhof von der Stadt verwaltet, die dem Spuk vom reinen Selbstmörderfriedhof ein Ende machte. Neben vielen Namenlosen liegt hier seit 1988 auch Christa Päffgen, die an den Folgen exzessiven Drogenkonsums starb. Päffgen ist besser bekannt als Nico, Sängerin der experimentellen Rockband „The Velvet Underground“ aus New York. Ihr Grab ist nicht zu übersehen: Der Stein ist mit Lippenstift verziert, obenauf liegen Zigaretten, in der Erde stecken Weinflaschen – Prost, Nico! Schon als Teenager hatte sich die Kölnerin gewünscht, auf dem Selbstmörderfriedhof bestattet zu werden. Nur ein paar Schritte weiter liegt der Berliner Heimatforscher Willi Wohlberedt, bekannt durch sein mehr als 5000 Ruhestätten umfassendes Gräberverzeichnis berühmter Persönlichkeiten mitsamt Kurzbiografien. Seine Nachbarin Christa Päffgen ist nicht enthalten, denn Wohlberedt liegt bereits seit 1950 im Grunewald neben vielen Namenlosen. Als Friedhofsprofi hatte er sich seine letzte Ruhestätte bereits in den 1930er-Jahren reservieren lassen. Der Selbstmörderfriedhof, ein schauriger, ruhiger und nahezu unbekannter Gänsehaut-Ort mitten in Berlin.
◊ Schildhornweg 33, 14193 Berlin, Tel. 0 30-9 02 91 85 70, www.berlin.de
◊ Öffnungszeiten: tägl. 7–20 Uhr

18. WANNSEE: Glienicker Brücke

Die Glienicker Brücke über die Havel, 1907 errichtet und 128 Meter lang, verbindet Berlin mit Potsdam. Sie ist nicht irgendeine Havelbrücke, sondern weltbekannt. In der Zeit des Kalten Krieges war sie mehrfach Schauplatz spektakulärer Austausch-Aktionen von Agenten zwischen Ost und West. Alles begann kurz nach dem Mauerbau, im Winter 1962, als ein russischer Spitzenspion gegen einen über der Sowjetunion abgeschossenen US-Piloten ausgetauscht wurde. 1985 entließ der Ostblock gar 25 westliche Spione über die Glienicker Brücke in die Freiheit und erhielt im Gegenzug vier eigene Top-Spitzel zurück. Der letzte Agentenaustausch über die Glienicker Brücke fand schließlich im Februar 1986 statt. Insgesamt haben hier 38 Agenten und Bürgerrechtler die Seiten am abgeschieden gelegenen Grenzübergang Glienicker Brücke gewechselt. Die Nacht-und-Nebel-Aktionen boten Stoff für eine Reihe von Agentenfilmen, darunter die deutsch-amerikanische Produktion „Bridge of Spies“ mit Tom Hanks in der Hauptrolle. John Le Carré, der Meister des Spionage-Thrillers, setzte der „Agentenbrücke“ in seinem berühmtesten Roman, „Der Spion, der aus der Kälte kam“, ein literarisches Denkmal. Übrigens: Ein Strich auf der Brücke markiert noch heute die frühere Grenze zwischen den einstigen Machtblöcken.
◊ Königstraße, 14109 Berlin

19. POTSDAM: Schloss Sanssouci

Ein „Lust-Haus zu Potsdam“ sollte es werden, ein intimes Sommerschlösschen im Stile des Rokoko: So stellte sich der Alte Fritz (1712–1786) sein Sanssouci vor – und steuerte auch gleich ein paar Skizzen für das „Maison de Plaisance“ bei. Im Mai 1747, nach nur zwei Jahren Bauzeit, stand das Weinbergschlösschen, in dem Friedrich II. fortan von April bis Oktober eher bescheiden lebte. Hier starb der Preußenkönig auch im Sommer 1786. Rund 100 Jahre später verpasste Wilhelm IV. dem Schloss zwei wuchtige Seitenflügel – und begründete damit den Ruf Sanssoucis als „deutsches Versailles“. Wir können nur ahnen, wie der Alte Fritz den pompösen An- und Umbau seines Schlösschens gefunden hätte. Gesichert ist hingegen, dass Sanssouci der Unesco sehr gefällt. Seit 1990 zählt es zum Weltkulturerbe. Das Schloss und der gigantische Park sind an sechs Tagen in der Woche für Besucher geöffnet. Im Schlosspark ruht Schlossvater Friedrich II., allerdings erst seit 1990. Zuvor lagen seine sterblichen Überreste in der Potsdamer Garnisonskirche. Bitte nicht wundern, wenn immer mal wieder Kartoffeln auf der schlichten Grabplatte des Preußenkönigs liegen. Eine Verneigung vor seiner Lebensleistung und Anspielung auf seine Kartoffelbefehle, mit denen der Alte Fritz die Bauern dazu verpflichtete, Erdäpfel anzubauen, um sein Volk vor Hungersnöten zu schützen.
◊ Maulbeerallee, 14469 Potsdam, Tel. 03 31-9 69 42 00, www.spsg.de
◊ Öffnungszeiten: Di.–So. 10–16.30 Uhr, im Sommer bis 17.30 Uhr
◊ Preise: 12 Euro (Erw.), 8 Euro (erm.) mit Führung oder Audioguide

18Glienicker Brücke


20Schloss Cecilienhof


20. POTSDAM: Schloss Cecilienhof

Der letzte Schlossbau der Hohenzollern war im Sommer 1945 Ort der Potsdamer Konferenz. Hier berieten die USA, die Sowjetunion und Großbritannien nach dem 2. Weltkrieg über die Zukunft Deutschlands und seine Aufteilung in Besatzungszonen. Zuvor musste das letzte deutsche Kronprinzenpaar seine Koffer packen: Bis Kriegsende hatten Wilhelm und Cecilie den 1917 im englischen Landhausstil erbauten Cecilienhof mit seinen 176 Zimmern bewohnt. Heute können sich Besucher ansehen, wo Wilhelm und Cecilie den „Großen Drei“ Weltkriegssiegern Churchill, Truman und Stalin die Schlossklinke in die Hand gaben. Das Zentrum des weitläufigen Hauses ist die große, repräsentative Wohnhalle, von der aus es über eine wuchtige holzgeschnitzte Treppe ins Obergeschoss geht. Hier liegen Rauchsalon, Bibliothek, Musiksalon, Schreibzimmer und ein Kabinett, das im Stil einer Schiffskabine gestaltet ist. Neben den Wohnräumen des Kronprinzenpaars können sich Besucher auch die Gedenkstätte des Potsdamer Abkommens ansehen, wo die genannten Staatsmänner vor rund 75 Jahren tagten. Ein geschichtsträchtiger Ort, der seit 1990 gemeinsam mit mehr als 30 weiteren Schlössern und Parkanlagen in Potsdam und Berlin Weltkulturerbe der Unesco ist.
◊ Im Neuen Garten 11, 14469 Potsdam, Tel. 03 31-9 69 42 00, www.spsg.de
◊ Öffnungszeiten: Di.–So. 10–16.30 Uhr, im Sommer bis 17.30 Uhr
◊ Preise Kombiticket Cecilienhof und Belvedere: 10 Euro (Erw.), 7 Euro

21. POTSDAM: Tulpenfest

Die Potsdamer feiern die Ankunft des Frühlings im Brandenburgischen traditionell in einem Meer aus Tulpen und mit allerlei Kunsthandwerk und Spezialitäten aus den Niederlanden. Da ist der Name Tulpenfest nur zu berechtigt. Die Ursprünge der blütenprächtigen Sause liegen streng genommen knapp 300 Jahre zurück, als Friedrich I. mitten in Potsdam ein Holländisches Viertel errichten ließ. Entlang der Mittelstraße und angrenzender Straßenzüge ließ der Preußenkönig und glühende Holland-Fan in den 1730er- und 1740er-Jahren ein ganzes, nur aus Traufen- und klassischen Rundgiebelhäusern bestehendes Viertel hochziehen. Alles in original holländischem Stil, versteht sich. Dafür ließ der „Soldatenkönig“ extra Handwerker aus dem Nachbarland anrücken. Heute ist das „Klein Amsterdam“ genannte Quartier mit seinem Mix aus hübschen Läden, Kneipen, Restaurants, Cafés, Galerien und Werkstätten eine beliebte Wohngegend. Zu den Höhepunkten in dem Innenstadtviertel zählt besagtes Fest zur besten Tulpenzeit im April. In der Hauptrolle: rund 100 000 Tulpen. Dazu gibt’s alles, was ein holländisches Fest so braucht: Köstlichkeiten wie Poffertjes, Kniepertjes, Matjes, Käse oder Genever und Eierlikör. Mitten durch die große Straßenparty laufen Blumenmädchen mit Körben voller Frühblüher, Musiker – und tanzende Holzschuhträger: Es gibt tatsächlich Könner, die sich mit dem doch eher klobigen Schuhwerk rhythmisch-elegant bewegen können. Respekt. Ein buntes Frühlingsfest mit viel Musik und Leckereien.
◊ Festort: Holländisches Viertel, Mittelstraße, 14467 Potsdam. Info-Tel. 03 31-28 79 03 11, hollaendisches-viertel.com
◊ Termin: 13./14. April 2019
◊ Preise: 5 Euro (Erw.), 2,50 Euro (Kinder 7–18 J.

19Schloss Sanssouci


FOTOS: PICTURE ALLIANCE/DPA (2), STIFTUNG PREUSSISCHE SCHLÖSSER UND GÄRTEN BERLIN-BRANDENBURG

21Tulpenfest


22. POTSDAM: Historisches KGB-Gelände

Kaum jemand weiß: Nicht nur Berlin, sondern auch Potsdam war im Kalten Krieg eine geteilte Stadt. Wenn auch völlig anders als die Hauptstadt. 1945 richtete der sowjetische Geheimdienst KGB seine ostdeutsche Zentrale im Potsdamer Villenviertel am Neuen Garten ein und riegelte das Gelände hermetisch ab. Das KGB-Areal lief unter dem harmlos klingenden Namen „Militärstädtchen Nr. 7“. Doch was sich in der „verbotenen Stadt“ abspielte, war alles andere als harmlos: So wurde Hunderten russischer Soldaten und vielen Deutschen in der ehemaligen Kapelle der Mädchenschule vor Militärtribunalen der Prozess gemacht. Häufigster Vorwurf: antisowjetische Propaganda. Darauf stand meist ein längerer Aufenthalt in einem sibirischen Gulag oder gar der Tod. Wer Glück hatte, saß jahrelang im Gefängnis an der Leistikowstraße ein, in dem jetzt die Gedenkstätte untergebracht ist. Über das Gelände verläuft heute ein sogenannter Geschichtspfad mit vielen Info-Tafeln, auf denen die Geschichte des Ortes nacherzählt wird. Die Tour beginnt am Kontrollposten am Neuen Garten, führt vorbei an Kasernen, über den Exerzierplatz und zum alten Wohnhaus des Geheimdienstchefs. Dort erinnert eine Schautafel an das traurige Schicksal seiner Dolmetscherin. Sie wurde zu 15 Jahren Straflager verurteilt, nur weil ihr Chef in Moskau in Ungnade gefallen war. Ein geschichtsträchtiger Ort, den sich die Potsdamer nach der Wende zurückerobert haben. Das einstige KGB-Gelände ist heute wieder ein hübsches Villenviertel – jetzt aber mit mahnenden Schautafeln. Und dem alten Gefängnis an der Leistikowstraße.
◊ Gedenkstätte Leistikowstraße 1, 14469 Potsdam, Tel. 03 31-2 01 15 40, www.leistikowstrasse-sbg.de
◊ Öffnungszeiten Gedenkstätte: 1. April bis 31. Oktober, jeweils Di.–So. 14–18 Uhr

23. BRANDENBURG: Stadtführung

Die Stadt an der Havel zählt vermutlich zu den am meisten unterschätzten Deutschlands. Sie bietet viel Grün, viel Wasser, eine sensationell schöne Dominsel und die Altstadt. Nur weiß das außerhalb Brandenburgs kaum jemand. Zu den klassischen Sehenswürdigkeiten zählen das Rathaus mit dem Roland von 1474, Dom, Paulikloster und die Bauchschmerzenbrücke. Ihren Namen verdankt sie ihrer auffälligen, katzenbuckelartigen Form. So ähnlich krümmt sich auch ein Mensch mit Bauchschmerzen. Kurios: In Brandenburg ist eine Spezies zu Hause, die es sonst nirgendwo auf der Welt gibt: der gehörnte, plattnasige Waldmops. Das Tier trägt vorn Geweih und hinten Ringelschwanz und ist eine Erfindung des gebürtigen Brandenburgers und Humoristen Vicco von Bülow (1923–2011), besser bekannt als Loriot. Seine Heimatstadt hat ein Rudel Waldmöpse in Bronze gegossen und neben der Johanniskirche aufgestellt. Zur Einweihung des „Waldmopszentrums“ reiste 2015 sogar Frank-Walter Steinmeier an, Vorsitzender des Kulturvereins und damals Bundesaußenminister. Eine Verneigung vor dem großen Künstler Loriot und zugleich Erinnerung an seinen berühmten Waldmops-Sketch. Klar, dass die Stadt auch spezielle Waldmops-Führungen anbietet. Die Brandenburger ziehen die Mops-Nummer konsequent durch.
◊ Touristinformation, Neustädtischer Markt 3, 14776 Brandenburg/ Havel, Tel. 0 33 81-79 63 60, www.erlebnis-brandenburg.de

26Baumblütenfest


25Einsteinhaus/Schwielowsee


24. RIBBECK: Waschhaus von Ribbeck

Das kleine Ribbeck ist Deutschlands Birnen-Hauptstadt, die Region um Nauen steht ganz in der Tradition des Kernobstes. Da ist es keine Überraschung, dass Theodor Fontane der Havelländer Birne schon anno 1889 in dem Gedicht „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ ein literarisches Denkmal gesetzt hat. Darin erzählt der Dichter, wie der gütige und freigiebige Herr von Ribbeck Birnen aus seinem Garten an vorbeikommende Kinder verschenkt. Die Birne spielt auch im Waschhaus von Ribbeck, einem Mix aus Café und Hofladen, die Hauptrolle. Dort wird sie beispielsweise in schmackhafte, hausgemachte Torten eingebacken. Im Café gibt es eine große Auswahl verschiedener Varianten der echten Ribbecker-Birnentorte zum Kaffee. Alternativ serviert das Personal ein Vier-Gänge-Birnen-Menü, nach Voranmeldung können Gäste auch mit Birnen in den Tag starten: Ein Birnenfrühstück macht’s möglich. Tipp: das traditionelle Anwaschen, jedes Jahr am Pfingstmontag. Wer mitmachen will, braucht nur schmutzige Wäsche mitzubringen, Waschzuber und -brett sowie Kernseife stellt das Waschhaus. Natürlich gibt es spätestens nach getaner Arbeit auch den Havelland-Klassiker: Birnentorte.
◊ Am Birnbaum 6, 14641 Nauen, Tel. 03 32 37-8 51 06, www.waschhaus-ribbeck.de
◊ Öffnungszeiten: Do.–So. 11-17 Uhr

25. SCHWIELOWSEE: Einsteinhaus

Die theoretische Physik, Geige, Klavier und Segeln – das waren Albert Einsteins große Leidenschaften. Alle vier konnte das Jahrhundert-Genie in seinem Sommerhaus im Brandenburgischen von Nachbarn unbehelligt ausleben. Einstein, seine Frau Elsa und seine beiden Stieftöchter bewohnten das Holzhaus nahe dem Schwielowsee von 1929 bis 1932. Von hier aus brach der Physiker und Nichtschwimmer zu seinen Segeltörns auf der Havel auf, hier musizierte er und dachte über die Weltformel nach, die Gleichung, die alles im Universum erklärt und zusammenhält. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 kehrte Einstein (1879-1955) nicht von einer USA-Reise zurück. Die Nazis konfiszierten sein Haus am See, später zog hier die Wehrmacht ein. Heute dient die Immobilie Intellektuellen als Ort des Gedankenaustauschs, zudem gibt es Workshops und Seminare. Ganz im Sinne Einsteins, der nicht wollte, dass das Gebäude nach seinem Tod zum Museum wird. Dennoch gibt es Führungen durch das nüchtern eingerichtete Gebäude. Wie bescheiden die Einsteins lebten, zeigt sich im Arbeitszimmer: Hier stehen nur der Nachbau von Einsteins schlichtem Schreibtisch, ein unbequemer Stuhl und ein einfaches Holzregal. Mehr brauchte das Genie nicht, um über die großen Fragen der Physik nachzudenken.

◊ Am Waldrand 17, 14548 Schwielowsee, Tel. 03 31-27 17 80, www.einsteinssommerhaus.de
◊ Öffnungszeiten: April bis Oktober, jeweils Sa. und So. 10–18 Uhr; Besichtigung nur mit Führung
◊ Preise: 5 Euro (Erw.), 2,50 Euro (ermäßigt)

27Spargelfest


26. WERDER/HAVEL: Baumblütenfest

Offiziell trägt das einwöchige Spektakel an der Havel das Etikett „Baumblütenfest“. Das passt, denn in der Festwoche um den 1. Mai blühen hier die Obstbäume um die Wette. Doch auch der inoffizielle Name „Obstweinfest“ ist ziemlich treffend. Denn in Werder wird alles getrunken, was Bäume und Sträucher der Region so hergeben: Wein aus Kirschen, Johannisbeeren, Himbeeren, Äpfeln oder Birnen. Natürlich gibt es das flüssige Obst auch ohne Alkohol als Limonade, Saft und Schorle. In diesem Frühjahr startet die 140. Ausgabe des gut besuchten Volksfestes mit Konzerten, Baumblütenkönigin, Festumzug der Obstbauern, Regatta auf der Havel, Bungeejumping und diversen Verkostungen regionaler Weinspezialitäten. Die Veranstalter rechnen mit bis zu 250 000 Festbesuchern. Damit richten die Werderaner die mit Abstand größte Straßenparty Brandenburgs aus.
◊ Festplatz, 14542 Werder/Havel, Tel. 0 33 27-78 30, www.baumbluetenfest.com
◊ Termin: 27. April bis 5. Mai 2019

27. BEELITZ: Spargelfest

In Beelitz südlich von Berlin ist gefühlt jeder Zweite Spargelbauer – und wohl ausnahmslos jeder Spargelesser. In der 12 000-Einwohner-Stadt dreht sich im Frühjahr alles um das Stangengemüse. Die Beelitzer haben ihm sogar ein eigenes Stadtfest gewidmet, das jedes Jahr am ersten Juni-Wochenende stattfindet. Während der drei Festtage können Spargelliebhaber fast rund um die Uhr durchschlemmen. Das Gemüse gelangt auf schnellstem Weg vom Feld in die Altstadthöfe, wo es sofort gekocht und serviert wird. Frischer geht’s nicht. Trotz der durchschnittlich 30 000 Festbesucher pro Jahr geht den Beelitzern der Spargelnachschub niemals aus. Rund um die Kleinstadt wächst das Stangengemüse auf einer Fläche von etwa 13000 Hektar, pro Jahr ernten die Beelitzer ungefähr 16000 Tonnen Spargel. Doch das Straßenfest in der Altstadt bietet mehr als nur Spargel satt. Für Musik sorgen in diesem Jahr Stars wie Michelle, Wencke Myhre, Wildecker Herzbuben und DJ Ötzi. Nicht verpassen: Der Festumzug am Sonntag mit Spielmannszügen, Spargelkönigin, dem Festmaskottchen „Spargelfresser“ und der Beelitzer Spargelpyramide: ein knapp zwei Meter hoher, nach oben spitz zulaufender Turm aus Spargelstangen, der natürlich gleich nach der Parade gekocht und verzehrt wird.
◊ Berliner Str. 202, 14547 Beelitz, Tel. 03 32 04-3 91 55, www.beelitzer-spargelfest.com
◊ Termin: 31. Mai bis 2. Juni 2019

Alle Angaben ohne Gewähr. Bitte überprüfen Sie vor Beginn der Reise alle Daten wie Öffnungszeiten und Preise.


FOTOS: PICTURE ALLIANCE/DPA (2), GRÜN BERLIN GMBH

FOTOS: HANS BACH POTSDAM (2), PMSG ANDRE STIEBITZ, YVETTE ARNHOLDT, STADT HAVEL/ PAULA GRÜNING, ANDRE STIEBITZ