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Die Bienenretter


Frau im Leben - epaper ⋅ Ausgabe 6/2021 vom 05.05.2021
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Bildquelle: Frau im Leben, Ausgabe 6/2021

Eine Bienenwabe besteht aus Bienenwachs und hat viele sechseckige Zellen


60 000 Bienen leben in einem Bienenvolk

Sie produzieren rund 90 Kilo Honig im Jahr, wovon sie 70 selbst brauchen.

Summen ist nicht gleich Summen. Denn wenn die Bienen entspannt sind, weil die Sonne scheint und viele Blumen blühen, dann klingt ihr Summen so, wie wenn wir Menschen beimSpaziergang pfeifen. Wenn aber ein Gewitter aufzieht und jemand meint, gerade jetzt Honig ernten zu müssen, wird das Summen zur Kampfansage. Also laut und bedrohlich und plötzlich ganz nah. Zu nah! „Mein Mann wird das nie wieder wagen“, sagt Bettina ...

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... Müller und erinnert sich gut an den Tag, als ihr Florian von mindestens 30 Bienen gestochen wurde, weil er zur falschen Zeit zu den Bienenstöcken ging.

Wachter- und Arbeitsbienen begegnen sich am Eingang des Bienenstocks


An den Farben und Mustern erkennen Bienen ihr Zuhause


„Die Kinder erleben, wie Fleiß und Gemeinschaft zum Erfolg führen“


Franz Grabenbauer (58) ist Lehrer und halt Bienen vor dem Klassenzimmer

Aber heute, an diesem warmen Frühlingstag, ist die Welt in Ordnung. Auch die Welt der Bienen, die so geheimnisvoll und faszinierend gleichermaßen ist. Vor den zehn Bienenstöcken der Müllers in Rammingen im Unterallgäu herrscht reger Flugbetrieb, während einige Tiere über dem Eingangs-Schlitz hin und her krabbeln. „Das sind die Wächter“, erklärt Bettina Müller, „die passen auf, dass nur die reinkommen, die in den Stock gehören.“ Bis zu 60 000 Bienen leben in einer solchen Gemeinschaft und erkennen sich am Geruch. Außen an der Holzkiste ist ein Muschel-Symbol angebracht, an anderen eine Sonne oder eine Blume. Diese Art Hausnummern helfen den Bienen, die über ein räumliches Sehen verfügen, dabei, die richtigen Waben anzusteuern. Manche Imker bemalen dafür die Stöcke bunt.

Grose Liebe entdeckt

Die 33-jährige Bettina Müller war 21, als sie in Frankreich die Liebe zu den Bienen entdeckte. Damals, als Au-pair, war sie in einer Familie, in deren Garten ein Imker einige Bienenvölker betreute. „Das fand ich so spannend, dass ich mir in Deutschland zahlreiche Bücher über Bienen und die Imkerei kaufte.“ Schon bald begeisterte sich auch ihr Mann für das Thema und gemeinsam besuchten sie einen Imkerkurs.

Bluh-Flachen entstehen

Wenn die beiden aus ihrer Küche schauen, dann sehen sie vor dem Haus den Blumengarten, dann einen Grünstreifen, auf dem es ebenfalls blüht, die Wiese dahinter mit dem Schuppen und den Bienenstöcken und weit im Hintergrund den Wald. „Ein Bienenparadies“, sagt Bettina Müller, die in einem Großhandel für Möbel arbeitet. In ihrem Dorf verteilt sie regelmäßig kleine Säckchen mit Blumensamen und seit einigen Jahren ist so manche Stein- und Rasenwüste einer blühenden Gartenparzelle gewichen. Auch der Einsatz von Pestiziden ging überall dort zurück, wo die Imker aufklären, dass dies Gift für die Insekten sei. „Das Engagement für die Bienen istbeigeenorm“, sagt die Hobby-Imkerin, „weil die Menschen erkannt haben, dass wir diese Tiere zum Überleben brauchen.“ Spätestens seit dem Volksbegehren „Rettet die Bienen“ in Bayern ist das Thema auch in der breiten Öffentlichkeit angekommen.

85 % der Erträge beim Obstund Gemüseanbau hangen von der Bestaubung durch Honigbienen ab Quelle: Deutscher Imkerbund

Insektenhotel fur Balkon oder Garten.


An den Bienenstocken wird Waldhonig geerntet


140 000 Imker gibt es in Deutschland, 96 Prozent davon halten ihre Bienen als Hobby

Quelle: Deutscher Imkerbund

Eine Biene muss für ein Honigglas rund dreimal um die Welt fliegen

Tatsächlich sind die Imkerkurse landauf und landab ausgebucht. 133 000 Imker waren 2020 im Deutschen Imkerbund organisiert, das sind über fünf Prozent mehr als im Jahr zuvor. Der Frauenanteil unter den Imkern verdreifachte sich 2020 sogar.

Vor allem in den Städten wird neuerdings viel geimkert – auf Balkonen, Dachterrassen und in Hinterhöfen. „Die Stadt ist ein idealer Lebensraum für Bienen“, sagt Claudia Gerhard (35) vom Verein Stadtbienen in Berlin. „Die Tiere haben hier ein breiteres Nahrungsangebot und bleiben vor Pflanzengiften weitgehend verschont.“ Gourmets schätzen den Honig von Stadtbienen, weil sich dieser aus dem Nektar von ganz unterschiedlichen Blüten zusammensetzt. Schadstoffe, etwa durch Abgase, sind dabei nicht nachweisbar. In ihren Kursen machen die Stadtimker den Teilnehmern klar, dass die Artenvielfalt der Stadt auch draußen auf dem Land wieder einkehren muss. Claudia Gerhard sagt: „Wir wollen ein Bewusstsein für ökologische Zusammenhänge, für bienenfreundliche Flächen und nachhaltigen Konsum schaffen. Man sollte nur Honig von heimischen Bioimkern kaufen und keine Chinaware aus dem Supermarkt.“

Schwarmende Volker

Gerade bei jungen Leuten gebe es hier noch großen Infobedarf, denn die meisten Neu-Imker sind Leute über 40. Ein Imkerkurs bei den Stadtimkern kostet rund 340 Euro und die Teilnehmer müssen acht Termine wahrnehmen. Dabei geht es um das Einlogieren der Bienen über die Futterkontrolle bis hin zur berüchtigten Schwarmzeit.

„Oh ja, die Schwarmzeit von April bis Juni, da fährt kein Imker in Urlaub“, sagt Bettina Müller. Das sind die Monate, in denen sich ein Bienenvolk teilt und eine Königin mit ihrem Anhang ausfliegt, um einer jüngeren Regentin Platz zu machen. Die schwärmenden Bienen sammeln sich meistens nach einerSchlechtwetterperiode um die Mittagszeit an einem Ast oder auch an ganz unmöglichen Stellen wie einer Markise. „Dann rufen die Leute bei mir an und ich gehe los, um den Schwarm einzufangen“, sagt Florian Müller, von Beruf Informatiker. Dazu schützt er sich mit einem Imkeranzug aus Tüll vor Stichen, besprüht die Tiere leicht mit Wasser, damit sie meinen, dass es regnet, und legt sie dann behutsam in einen Bienenstock. „Für mich ist dieser Neubeginn immer wieder ein Wunder“, sagt die Imkerin, „wie die Tiere Waben bauen, ihre Rollen im Volk verteilen und bald so viel Honig gesammelt haben, dass man ihn ernten kann.“ Die frische Süße direkt aus einer Wabe in den Mund tropfen zu lassen, das sei für sie ein absoluter Hochgenuss. Gut 20 Kilo liefert ein Bienenvolk, ein 500-Gramm-Glas kostet bei den Müllers etwa sechs Euro.

Todliche Milbe aus Asien

Bei ihnen wird den Bienen nur ganz wenig Glukose zugefüttert und sie dürfen ihren eigenen Honig naschen. So hat es den Hobby-Imkern der 92-jährige Donath Waltenberger beigebracht, eine Koryphäe in der Bienenzucht und passionierter Tierfilmer. Ihn rufen die Müllers an, wenn es mal ein Problem gibt. Zum Beispiel mit der Varroa- Milbe, einem Parasiten aus Asien, der bereits Milliarden Bienen getötet hat. „Wir hatten bislang Glück und wurden verschont“, sagt Bettina Müller. Um mehr über die Plage zu lernen, flog sie sogar zu Imkern nach Thailand. Zurück kam sie mit einem Hoffnungsschimmer: „Dort überleben die Bienen Varroa und Experten sagen, dass das auch in Europa in drei oder vier Jahren der Fall sein könnte.“


„Wir verteilen Samen an die Leute, damit aus Steinund Rasenwüsten wieder Blühflächen werden“


Bettina und Florian Muller sind Hobby-Imker in Rammingen im Unterallgau. Sie wollen nicht nur Honig produzieren, sondern auch uber den Schutz von Bienen informieren (www.bienenflo.de)

Das hofft auch Hobby-Imker Franz Grabenbauer (58) aus Memmingen, Rektor an einer Grundschule. Er hatte eine tolle Idee, um seinen Schülern den Fleiß der Bienen zu demonstrieren. Einen seiner Stöcke stellte er direkt an die Außenmauer des Klassenzimmers. Er bohrte Löcher durch zwei Wände, verband diese mit einem durchsichtigen Plexiglasrohr, sodass alle Bienen, die in den Stock reinoder rauswollen, durch das Schauglas fliegen müssen.

Ohne Bienen keine Ernte

„Besser kann man den Kindern nicht demonstrieren, wie Fleiß und Zusammenhalt zum Erfolg führen“, sagt er. Immer dann, wenn ein Kind lustlos ist, nimmt es eine Bienenschau-Auszeit vor dem Plexiglasrohr. „Das steht in keinem Pädagogik-Handbuch, wirkt aber besser als jede mündliche Ermahnung“, sagt Grabenbauer und würde am liebsten seine Motivations-Methode dem Kultusminister präsentieren.

Die Bienen von Bettina und Florian Müller summen derweil um die Wette, fliegen mal zum Wald, mal in die Nachbargärten, mal auf den Friedhof, ganz nach Lust und Laune. Die Apfelsaft- Gläser und süßen Erdbeerrollen der Leute sind ihnen weitgehend egal, schließlich sind sie Bienen und keine Wespen. Bienen, die für über 80 Prozent der Bestäubungen von Obst- und Gemüsepflanzen verantwortlich sind. Ohne Bienen keine Ernte. „Dass wir mit unserer Arbeit einen entscheidenden Beitrag zur Lebensmittel-Produktion leisten dürfen, ist ein Geschenk“, sagt Bettina Müller.

Das würde Biene Maja lesen

1


Ein Junge mit einer Gabe

1 Die Geschichte eines Findelkindes, das mit einem Bienenschwarm lebt. In Lateinamerika bereits ein Bestseller!

Sofía Segovia: „Das Flüstern der Bienen“, List, 22 Euro

3


Wie alles zusammenhangt

2 Ein Roman, der jedes Sachbuch uber Bienen und ihre Bedeutung fur die Menschen ersetzt. Dieses Buch passt perfekt in unsere Zeit!

Maja Lunde: „Die Geschichte der Bienen“, btb, 20 Euro

4


Bienenweiden richtig anlegen

3 So wird der Garten zum Paradies fur Bienen und Hummeln. Mit Flugzeitenkalender.

Elke Schwarzer: „Mein Bienengarten“, Verlag Eugen Ulmer, 16,95 Euro

3


Lust auf die eigenen Volker

4 Ein informativer Ratgeber fur alle, die uberlegen, Bienen zu halten. Er zeigt, wie viel Arbeit das bedeutet.

Kaspar Bienefeld: „Imkern Schritt für Schritt“, Kosmos, 16 Euro

4


Flucht in Bienenstocken

5 Ergreifende Kriegsgeschichte aus der Eifel, in der Juden mit Bienenstocken gerettet werden. Grosartiger Roman in Tagebuchform!

Norbert Scheuer: „Winterbienen“, Beck, 22 Euro

Imkern für Einsteiger

Wer Bienen hat, hat auch Verantwortung. Deshalb steht ganz am Anfang ein Imkerkurs – am besten an einem Lehrbienenstand. Informationen dazu gibt es bei den Imkervereinen. Im Einsteigerkurs werden die Grundlagen vermittelt: Biologie der Bienen, Standortwahl, Kauf von Bienen, Arbeiten im Bienenjahr, Honigernte und Verarbeitung, Bienenkrankheiten. Kosten fur Kurs und Grundausstattung: ca. 1.400 Euro.


Fotos: Getty Images/Thomas Fricke/Maskot, Picture Alliance/Jochen Tack/Robin Loznak/lenawurm, Peter Hummel, Verlage (5), privat; Illustrationen: Shutterstock.com