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DIE BLUMENJUNGS


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florieren! - epaper ⋅ Ausgabe 5/2022 vom 03.05.2022

Kein Blumengeschäft, sondern eine Werkstatt in einer ehemaligen Fabrik führen Benjamin und Manuel Ehrenberger seit 2021. Das Erste, was hier auffällt, ist die lockere und zugewandte Art der beiden Unternehmer. „Manche, vor allem ältere Kunden, sind erst einmal irritiert, dass hier jeder geduzt wird, aber dann finden sie es toll“, lachen beide. Und ganz ehrlich: Ein „Sie“ würde in diese stylish-trendige Atmosphäre gar nicht passen. Selbst wenn das Team gerade alle Hände voll zu tun hat, fühlen sich die Kunden willkommen. Sie dürfen stöbern, den Floristen bei der Arbeit zuschauen, ihre Tasse Kaffee genießen und werden wie selbstverständlich fast nebenbei bedient. Aber wie gesagt: Geplant war es anders.

In die Selbstständigkeit mit unternehmerischem „Vorleben“

Hinter beiden liegt schon eine spannende berufliche Laufbahn: Benjamin Ehrenberger arbeitete nach seiner Floristiklehre in Oldenburg mehrere ...

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... Jahre lang in verschiedenen Hamburger Blumengeschäften. Es folgte die Meisterschule in Hannover, eine mehrjährige Fachmagazin-Arbeit bei Bloom’s in Minden, danach viele Jahre bei Blume 2000 in Norderstedt, wo er unter anderem für die Entwicklung von Ausbildungskonzepten zuständig war. Sein Partner und Ehemann Manuel ist hauptberuflich bundesweit für die Ausbildung in einem großen Unternehmen für Sicher- heitstechnik zuständig. Beide haben also schon ein unternehmerisches „Vorleben“, das sie beim Umgang mit Kunden und Entwickeln von Konzepten geprägt hat.

1, 2 + 4 Die Werkstatt in den ehemaligen Büros einer Möbelfabrik haben die jungen Unternehmer komplett selbst gestaltet: mit dunklen Wänden, Warenträgern und Rollcontainern aus Holz. Sie setzen auf ein bewusst reduziertes Warenangebot und eine gezielte Beleuchtung. Angelegt war die Werkstatt erst als Rundgang: entlang von Werkstücken und ausgewählten Dekoartikeln, hin zum Arbeitstresen, zurück zu einem floral gedeckten Tisch und zum Ausgang. Zu innovativ aber war eine Kabine mit autarker Bezahlmöglichkeit gedacht – selbst stylish-moderne Kunden brauchen am Ende des Rundlaufs eine Kasse, an der sie persönlich bei einem Mitarbeiter bezahlen können.

5, 6 + 8 Manuel und Benjamin Ehrenberger freuen sich, dass der neue Standort auch neue Kunden anlockt.

Der samstägliche Wochenmarkt in Bad Oldesloe hat sich mittlerweile zu einem wichtigen Standbein entwickelt und trägt 30 bis 40 % zum Gesamtumsatz bei – obwohl im Winter zwei Monate Markt- und damit Verschnaufpause ist. Dann sind die Temperaturen eh nicht für den Außenverkauf von Blumen geeignet. Ab Weihnachten und im Sommer bleibt auch die Werkstatt für zwei bis drei Wochen geschlossen, denn Urlaub für alle muss sein.

Den Wochenmarkt stemmen die beiden Unternehmer übrigens alleine. Die fünf Mitarbeiter – von der 450-€-Kraft bis zur Vollzeitfloristin – haben am Wochenende frei. Freitags wird das Team zusätzlich von einer Mitarbeiterin unterstützt, die den ganzen Tag anschneidet, ausputzt und entdornt. Beim Jahreshighlight, der zweiwöchigen Adventsausstellung, helfen dann auch die Familien mit.

Professionelle Planung und Kundenansprache

Was macht neben ihrer individuellen Floristik und der Verteilung auf mehrere Standbeine den Erfolg des Betriebs aus? Ihr unternehmerisches „Vorleben“ hat sie geprägt, sagen beide Ehrenbergers. Sie führen ihr Unternehmen sehr organisiert und strukturiert, mit Arbeitsplänen und einer genauen Regelung, wie zu Stoßzeiten effektiv in Serie gearbeitet wird. Zu den vorgegebenen Zielen gehört, dass „jeder Florist pro Stunde mindestens zehn Werkstücke oder mindestens 100 A Umsatz binden muss – bis auf den, der für die Kundenbetreuung zuständig ist“. Auch die Mitarbeiterauswahl erfolgt akribisch:

Selbst für 450-A-Kräfte gibt es zwei Bewerbungsgespräche. Genauso professionell ist die Kundenansprache: Das Team merkt sich mit speziellen Techniken Namen und Geschichten zu jedem einzelnen Kunden, auch für Wochenmarktkunden. „Wir sind da seit Jahren als die Blumenjungs gut bekannt“, lachen beide. Was sie außerdem auszeichnet, ist „totale Transparenz und Offenheit“ gegenüber den Kunden. Sie sind immer um Feedback bemüht und tauschen ohne Zögern um, wenn ein Kunde unzufrieden ist. Auch dann, wenn kein Grund vorliegt oder der Kunde den Mangel selbst verschuldet hat. „Wir haben sogar schon mal einen Strauß umgetauscht, der gar nicht von uns war“, blicken sie zurück. Eine bessere Kundenbindung gebe es nicht: „Das haut den Kunden um.“

Totale Transparenz bedeutet auch, den Kunden zu erklären, warum es manche Dinge nicht gibt: Gerbera zum Beispiel (die mögen sie nicht) oder frische Sträuße am Abend (weil abverkauft). Grundsätzlich aber werden alle Kundenwünsche ohne Wenn und Aber erfüllt. Bestellt zum Beispiel jemand aus dem Ausland einen Strauß für einen Bekannten im Ort, werden die Blumen unkompliziert geliefert. Auf die Nase gefallen sind sie damit nur ein einziges Mal, ansonsten wurde immer verlässlich bezahlt.

Kunden beteiligen sich gerne an Instagram-Umfragen

Ein Feedback darüber, was den Kunden gefällt, holen sich Benjamin und Manuel Ehrenberger aktiv über eigene Instagram-Umfragen, die vor allem bei jüngeren Kunden auf große Resonanz treffen: „Unsere Kunden fühlen sich einbezogen, das sehen wir an den Votings.“ Der Online-Shop dagegen wird nicht mehr ernsthaft betrieben. Der war eher in der ersten Coronazeit wichtig, als Workshops nicht mehr möglich waren. „Wir hatten 400 Anmeldungen für unsere Kranzbinde-Workshops vor Weihnachten und mussten auf die Schließungen reagieren“, blicken beide zurück. Die Lösung: ein Video-Kurs, für den die Materialien geliefert wurden (zum reduzierten Preis). Die Kunden konnten gegen Aufpreis aber auch den fertig gebundenen Kranz bestellen.

Mit dem Erfolg der Werkstatt ist Benjamin Ehrenberger zwar äußerst zufrieden, aber er hat weitere Veränderungen im Sinn: „Ich hoffe, dass wir in zehn Jahren wieder etwas ganz anderes machen.“ Denn man müsse sich als Florist wandelbar zeigen und an aktuelle Entwicklungen anpassen. Selektieren, fokussieren, weniger Laden, mehr Werkstatt, vielleicht ein zweiter Wochenmarkt – das könnte die künftige Richtung sein: „Ich möchte dem Produkt treu bleiben, aber nicht in einer Blase leben“, blickt der Floristmeister nach vorne.