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Die BMI-Lüge


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In Touch - epaper ⋅ Ausgabe 19/2022 vom 04.05.2022

Lifestyle Update

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Bildquelle: In Touch, Ausgabe 19/2022

NINA AGDAL Zu dünn? Nö: Dass das Model (30) nicht nur schlank, sondern auch muskulös ist, würde sein BMI nämlich gar nicht anzeigen.

Seit Jahren gilt der BMI, also der Body-Mass-Index, in Sachen Fitness als das Maß aller Dinge. Er zieht die magische Grenze zwischen Unter-, Normaloder Übergewicht. Errechnet wird er nach der Formel „Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch Körpergröße in Metern zum Quadrat“, doch keine Sorge: Mathemuffel können die Angaben auch einfach in einen der zahlreichen Online-BMI-Rechner eintippen und – schwups! – weiß man angeblich, ob man noch „healthy“ genug ist Alle Werte zwischen 18,5 und 24,9 gelten laut Tabelle als normal. Alles darunter als Untergewicht und alles darüber dementsprechend als Übergewicht …

Aber ist die Sache wirklich so klar? Nicht selten führt die errechnete Zahl zu Frust – und ...

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... schlimmstenfalls zu einer ungesunden Crash-Diät, die oft ohnehin gar nicht nötig wäre! Denn:

Ein fitter Körper kann total unterschiedlich aussehen! Auch wenn uns die allgegenwärtigen Fotos von Models, Stars und Influencern das Gegenteil weismachen wollen … Wir machen jetzt Schluss mit dem BMI-Wahn! Und verraten, warum Fett nicht gleich Fett ist und mehr Masse nicht automatisch Übergewicht bedeuten muss.

Hinter dem Index steckt ein Mathematiker

Eins vorweg: Es war kein Arzt, der die Grundlage für die vermeintliche Schlankheitsformel ausgetüftelt hat, sondern der belgische Astronom und Statistiker Lambert Adolphe Jacques Quetelet – und das schon im 19 Jahrhundert. Die Kategorien, die uns in „gesund“ und „ungesund“ aufteilen, puzzelte dann der US-Wissenschaftler Ancel Keys 1972 dazu. Der Grund: Man wollte beobachten, wie sich die Menschheit im Laufe der Zeit verändert. Der BMI war also nie als Analyse-Tool für die optimale Körperfett-Verteilung gedacht. Aha!

Es geht (mal wieder) nur um Männer …

Der BMI ist im Grunde nur für eine ganz bestimmte Gruppe von Menschen wirklich aussagekräftig: Für Männer des 19. Jahrhunderts. Gender-spezifische Unterschiede oder Veränderungen der letzten 200 Jahre werden bei der Auswertung gar nicht erst berücksichtigt. Mal ehrlich: Warum sollten wir uns also an einer Skala messen, die gar nicht für uns entwickelt wurde?

Andere Health-Faktoren spielen gar keine Rolle

Studien zeigen, dass sich unsere Gesundheit aus verschiedenen Faktoren zusammensetzt – darunter viele, die gar nicht vom BMI berücksichtigt werden. Nur rund 35 Prozent der Gesundheitsfaktoren werden von Schlafqualität, Stresslevel, der Ernährung und der Menge an Bewegung beeinflusst. Der Rest ist auf genetische Faktoren, soziale Umstände und dem Zugang zur medizinischen Versorgung zurückzuführen. Und der BMI hat noch ein Manko: Er unterscheidet nicht zwischen Fett-und Muskelmasse! Bei körperlich aktiven Menschen kann die BMI-Skala also zu krassen Fehleinschätzungen führen. Viel besser geeignet ist das gute alte Maßband! Denn der Bauchumfang gilt tatsächlich als aussagekräftig: Je größer, desto höher das Risiko für Diabetes oder Bluthochdruck. Für Frauen gilt: Ab 80 cm ist das Risiko erhöht, ab 88 cm sogar deutlich. Übrigens, auch das verschweigt der BMI: Breite Hüften und kräftige Oberschenkel sind gesundheitlich nicht bedenklich!

5 Tipps für einen gesunden Lifestyle

Eine ausgewogene Ernährung

Wer am Tag fünf Portionen Obst und Gemüse isst, versorgt seinen Körper mit ausreichend Nährstoffen. Auf rotes Fleisch, fettiges Essen, Fertiggerichte und Zucker sollte man möglichst verzichten, denn solche Sünden schlagen sich nicht nur auf der Waage unschön nieder, sondern auch bei der Gesundheit!

Viel Wasser trinken

Wassermangel schadet dem Körper: Das Blut kann nicht mehr richtig fließen, die Gehirnleistung nimmt ab und Giftstoffe werden nicht mehr ausreichend aus dem Körper geschwemmt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt deshalb, etwa 2 Liter Flüssigkeit am Tag zu trinken.

Genug Bewegung

Nein, man muss nicht von heute auf morgen zum Profisportler werden. Schon eine halbe Stunde leichte Bewegung am Tag sorgt bewiesenermaßen dafür, Übergewicht, Osteoporose und Diabetes vorzubeugen.

Einen Ausgleich finden

Stress macht krank – und lässt uns auch gern viel zu oft zu Süßem greifen. Deshalb ist es wichtig, sich immer wieder kleine Ruhepausen (z. B. in Form von Yoga) zu gönnen.

Genug schlafen

Schlafmangel fördert die Entzündungsaktivität im Körper, verlangsamt den Stoffwechsel und kann auf Dauer zu Depressionen führen. Eine gesunde Schlafdauer liegt im Schnitt bei etwa 6,5 Stunden pro Nacht.