Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 7 Min.

DIE CHRONOLOGIE DES AUFSTIEGS: NIE MEHR 2. LIGA!


Köln.Sport Plus - epaper ⋅ Ausgabe 6/2019 vom 09.05.2019

Es ist geschafft: Der 1. FC Köln spielt im kommenden Jahr wieder in der Bundesliga! Doch so komfortabel, wie die Rückkehr auf dem Papier letztlichaussah, war sie nicht – ein guter Grund, die Ereignisse der vergangenen M onate noch einmal Revue passieren zu lassen


Artikelbild für den Artikel "DIE CHRONOLOGIE DES AUFSTIEGS: NIE MEHR 2. LIGA!" aus der Ausgabe 6/2019 von Köln.Sport Plus. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Köln.Sport Plus, Ausgabe 6/2019

Geschafft: Nach nur einer Saison kehrt der 1. FC Köln wieder in die Bundesliga zurück


Wer sich am 8. Juni 2018 zufällig auf die Kölner Stadionvorwiesen verirrt hatte, dürfte seinen Augen nicht getraut haben. An diesem Tag wurde dort unter dem Motto „Mer danze överall“ die Saison eröffnet, wurde der kommenden Europa-Reise entgegengefiebert. Mit ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 3,50€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Köln.Sport Plus. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 6/2019 von GALERIE. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
GALERIE
Titelbild der Ausgabe 6/2019 von DER VIZE-KAPITÄN IM INTERVIEW: „ICH SEHE MICH IN DER VERANTWORTUNG“. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
DER VIZE-KAPITÄN IM INTERVIEW: „ICH SEHE MICH IN DER VERANTWORTUNG“
Titelbild der Ausgabe 6/2019 von LEVERKUSENS NEUE OFFENSIV-POWER: DEMIR BAYER. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
LEVERKUSENS NEUE OFFENSIV-POWER: DEMIR BAYER
Titelbild der Ausgabe 6/2019 von RALF RICHTER IM INTERVIEW: „DIE FORTUNA IST WIE EIN SCHATZ“. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
RALF RICHTER IM INTERVIEW: „DIE FORTUNA IST WIE EIN SCHATZ“
Titelbild der Ausgabe 6/2019 von SPIELEN NEUES TRAININGSLEVEL ERREICHEN: TRAININGSEFFEKT(IV). Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
SPIELEN NEUES TRAININGSLEVEL ERREICHEN: TRAININGSEFFEKT(IV)
Titelbild der Ausgabe 6/2019 von BESSER PUTTEN: FEUER FREI. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
BESSER PUTTEN: FEUER FREI
Vorheriger Artikel
GALERIE
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel DER VIZE-KAPITÄN IM INTERVIEW: „ICH SEHE MICH IN DER V…
aus dieser Ausgabe

... den anwesenden Fans hätte man das RheinEnergieStadion komplett füllen können. Schließlich handelte es sich ja auch um die sehnlichst erwartete Rückkehr auf die internationale Bühne – wohin der FC in den Augen seiner Fans ohnehin gehört.

Der Auftakt: Rafael Czichos erzielt das erste FC-Tor der Spielzeit


Was folgte, ist bekannt. Ein Jahr später zelebrierte man vor den Stadiontoren in Müngersdorf nicht mehr Reisen nach London oder Belgrad, sondern nach Fürth und Ingolstadt. Einen derartigen Absturz sucht man selbst in der ereignisreichen FC-Historie vergebens – es hätte also außerhalb Deutschlands wohl niemanden gewundert, wenn die Vorwiesen vergleichsweise leer geblieben wären. Doch in Köln ticken die Uhren, was den 1. FC Köln angeht, bekanntlich etwas anders: Es kamen erneut 50.000 positiv Verrückte, wenn nicht sogar noch ein paar mehr – unter dem Motto „Mer sin eins“. Es war eine für diese Situation schon fast absurde Euphorie spürbar: „Jetzt erst recht“ lautete allgemein die Devise. Denn das große Saisonziel, der sechste Wiederaufstieg der Vereinsgeschichte, erreiche man schließlich nur gemeinsam.

Und obwohl diese Mission am 32. Spieltag erfolgreich abgeschlossen wurde: So romantisch, wie sich viele die Zweitligasaison mit Reisen in beschauliche Städtchen in der Fußballprovinz – wie Sandhausen oder Regensburg – vorgestellt hatten, war sie 2018/19 nicht.

Ein Präsident trat zurück. Sie kostete einen Trainer trotz Platz eins den Job. Und hatte genug Nebenkriegsschauplätze, um den Klub in der öffentlichen Wahrnehmung wieder zurück in die Zeit vor Stöger/Schmadtke zu katapultieren. Aber der Reihe nach.

Der Jubel der Saison: Simon Terodde ist in Liga zwei von niemandem zu stoppen


Am 17. April 2018 wird bekannt, was die Spatzen am Geißbockheim schon seit Jahresbeginn von den Dächern pfeifen: Markus Anfang, der Coach von Holstein Kiel, wird als neuer FC-Trainer vorgestellt. Es erscheint wie eine Traumehe: Ein gebürtiger Kölner soll den krass abgestürzten Klub zurück ins Oberhaus führen. “Ich bin Kölner,” sagt der Neue, „mir muss also niemand erklären, was es bedeutet, für diesen großartigen Traditionsverein mit diesen Fans zu arbeiten.“ Sportchef Armin Veh ist voll des Lobes für den Shootingstar auf der Trainerbank. „Markus Anfang ist ein Trainer, der einer Mannschaft erkennbar eine Handschrift mit auf den Weg geben kann. Er hat gezeigt, dass er auch unter schwierigen Bedingungen erfolgreich arbeiten kann und sich nicht aus der Ruhe bringen lässt.“

Der erste Tiefpunkt: Beim HSV enttäuscht der FC auf ganzer Linie, verliert 0:1


Anfangs System, in dem die beiden Außenverteidiger, wo es sich anbietet, als zusätzliche Mittelfeldspieler einrücken und das vor allem auf große Variabilität im Angriff setzt, wird schnell zum Diskussionsthema. Die einen erkennen in Anfang einen taktisch versierten Trainer, der seinen Kollegen zumindest in Liga zwei immer einen Schritt voraus ist, die anderen zweifeln bereits früh an seiner Spielidee. In den Testspielen sind Anfangs Vorstellungen zwar schon erkennbar, auch wenn er immer wieder versichert, dass das Lernen seines Systems ohnehin „ein Prozess“ sei, „der nie abgeschlossen ist.“

Gala: Louis Schaub überragt gegen Dresden


Als ersten Neuzugang verpflichtet der FC den bisherigen Kieler Abwehrchef Rafael Czichos, kurz vor der Saison kommt zudem noch Dominick Drexler, der unter Anfang bei den Kieler „Störchen“ zu einem der besten Spieler der zweiten Bundesliga gereift ist. Mit Lasse Sobiech und Niklas Hauptmann wird zusätzliche Zweitliga-Erfahrung verpflichtet, Matthias Bader kommt als Perspektivspieler. Aus der Bundesliga kommt Benno Schmitz von RB Leipzig ans Geißbockheim, aus Österreich Spielmacher Louis Schaub. Dazu bekennen sich Leistungsträger wie Jonas Hector oder Timo Horn bereits im Vorfeld dazu, den „Betriebsunfall“ Abstieg wieder reparieren zu wollen.

TorGala und Modeste-Rückk ehr
Und der FC legt gut los, holt aus den ersten vier Partien zehn Punkte, unter anderem gewinnt man das Auftaktspiel in Bochum und bei Kiez-Klub St. Pauli spektakulär mit 5:3. Besonders in Hamburg werden die Probleme im Spiel der Geißböcke aber auch zum ersten Mal sichtbar: Hinter einer Offensive, die in jedem Spiel für mindestens drei Tore gut ist, schafft es der Coach zu Saisonbeginn nicht, die Defensive zu stabilisieren. Im folgenden Heimspiel bekommen die Kölner dann zum ersten Mal richtig „auf die Ohren“, im Heimspiel gegen Paderborn setzt es fünf Gegentore. Fehlende Balance zwischen Angriff und Verteidigung wird Anfang früh vorgeworfen, und spielen die Kölner zu Null, leidet darunter die offensive Durchschlagskraft.

Traumtor: Der Ex-Kölner M arcel Hartel schockt den FC in Berlin per Fallrückzieher


So beginnt mit der Heimniederlage gegen Duisburg am 9. Spieltag die erste Krise der Saison, sie findet mit dem uninspirierten Auftritt in Hamburg ihren Höhepunkt. Erstmals sieht sich Armin Veh gezwungen, seinem Trainer öffentlich Rückendeckung zu geben, auch er selbst richtet nach vier sieglosen Spielen in Folge einige Worte an die Mannschaft. Anfang stellt um, bringt einen zweiten Stürmer ins Spiel – und der FC fegt fortan durch die Liga. Dem phänomenalen 8:1 gegen Dresden folgen Siege gegen Darmstadt, Fürth, Regensburg und Magdeburg, in denen die Kölner 13 Tore erzielen und lediglich eines zulassen. Zudem verkündet der „Effzeh“ auf der Feier zu seinem 70. Geburtstag die Rückkehr von „Volksheld“ Anthony Modeste. Das Team scheint nun auch spielerisch endgültig in der Liga angekommen zu sein, weiß mit Simon Terodde und Jhon Cordoba ohnehin bereits ein Sturmduo der Extraklasse in den eigenen Reihen. Alles perfekt also? Denkste!

Schneechaos in Aue: Die Partie im Erzgebirge muss abgesagt werden


Machtkampf und Entlass ung
Es setzt ein unnötiges 1:2 gegen Bochum, ein 0:2 im Spitzenspiel bei Union Berlin und – nach einem 4:1 gegen St. Pauli – das denkwürdige Spiel in Paderborn, wo Anthony Modeste Minuten nach seiner Einwechslung gleich wieder trifft und aufgrund der vergangenen Wochen und Monate seine Tränen nicht zurückhalten kann. Was dann geschieht, ist allerdings wirklich zum Heulen: Ohne Not geben die Kölner die Führung aus der Hand, kassieren drei Tore in zwölf Minuten und fahren ohne Punkte heim. Schon wird die Kritik am Trainer wieder lauter, erneut sieht sich Veh gezwungen, öffentlich Stellung zu beziehen: Noch viele Jahre wolle er mit dem gebürtigen Kölner zusammenarbeiten, erklärt der Geschäftsführer. Und wie beim ersten Mal zeigt Vehs Maßnahme Wirkung: Fünf Siege am Stück holt der FC, der Aufstieg ist ihm zu diesem Zeitpunkt praktisch schon nicht mehr zu nehmen.

„Das machen die Stars“ – Dominick Drexler (M.) übt nach dem Spiel in Dresden Kritik an den Mitspielern


Dennoch trifft die Geißböcke mitten in dieser Phase ein schwerer Schlag: Präsident Werner Spinner tritt durchaus überraschend am 6. März zurück. Zuvor hat Geschäftsführer Armin Veh von einem „Problem innerhalb des Vereins“ gesprochen und vieldeutig hinzugefügt. „Das hat mit Vertrauen zu tun. Und wenn es einen Vertrauensverlust gibt, dann kann man den bei mir nicht mehr reparieren. Zumindest nicht so einen.“ Dass es bei Veh und Spinner Differenzen gibt, ist ein offenes Geheimnis – dass der Geschäftsführer den medial als „Machtkampf“ ausgerufenen Streit jedoch so deutlich für sich entscheidet, ist dann schon überraschend. Mitgliederratschef Stefan Müller-Römer rückt in den Vorstand auf, die endgültige Nachfolge wird im September geklärt. Der FC lässt sich sportlich davon allerdings nicht beeindrucken, überzeugt zu Hause mit einem 5:1 gegen Arminia Bielefeld.

Doch so richtig will sich die zu Saisonbeginn ausgegebene Aufstiegseuphorie noch immer nicht einstellen, obwohl sowohl die Kölner selbst als auch die stets patzende Konkurrenz alles dafür tun, der Anfang-Truppe den Aufstieg auf dem Silbertablett zu servieren. Womöglich hat dies die Profis mental ein Stück weit gehemmt: Bei einem 4:4 in Duisburg, das durch einen medizinischen Notfall bei Markus Anfangs Vater in den Hintergrund rückt, präsentiert sich der FC chaotisch, im Heimspiel gegen Hamburg schenkt man sich in der zweiten Halbzeit aufgrund unglaublicher Passivität selbst ein Gegentor ein, spielt nur 1:1. In Dresden gehen die Kölner mit 0:3 unter, spätestens zu diesem Zeitpunkt werden dann auch Differenzen in der Kabine öffentlich. Als es im darauffolgenden Heimspiel gegen Darmstadt erneut eine unglückliche Niederlage setzt, sieht sich Veh zum Handeln gezwungen.

Er traut Markus Anfang nicht zu, diese Mannschaft in der Bundesliga betreuen zu können – und zum Schluss wohl nicht mal mehr, sie überhaupt dorthin zu führen. Er zieht die Reißleine, Anfang muss drei Spieltage vor Schluss gehen. „Mein Kölner Herz trägt Trauer, denn mein klares Ziel war es, gemeinsam mit dem FC aufzusteigen. Ich muss die Entscheidung akzeptieren, auch wenn sie natürlich schmerzt. Ich bedanke mich bei allen, die mich unterstützt haben, und wünsche dem Verein alles Gute für die Zukunft.“ Er soll Recht behalten, unter Interimscoach André Pawlak gelingt ein souveränes 4:0 in Fürth. Anschließend werden die Aufstiegsshirts ausgepackt, einige wenige Kölner Fans stürmen auf den Platz und feiern gemeinsam mit dem Team den sechsten Aufstieg der Vereinsgeschichte.

Kapitel beendet: Trotz Platz eins muss Markus Anfang nach dem 1:2 gegen Darmstadt gehen


Mit einem Dreierpack macht Jhon Cordoba in Fürth alles klar!


Sin mer Ei ns?
Was bleibt nun übrig von diesem Intermezzo in Liga zwei, auf dessen Ende sich ganz Köln bereits seit Wochen, ja Monaten gefreut hat? Zuvorderst, dass Markus Anfang trotz teils berechtigter Kritik den Löwenanteil an diesem Aufstieg hat – reine Ergebnisse, die er und seine Kollegen im Verbund mit der Mannschaft über die meiste Zeit geliefert haben, allerdings auch nicht alles sind. Dass die Anhänger in der Domstadt ihn, aus welchen Gründen auch immer, nicht ins Herz schließen konnten, dies vielleicht auch gar nicht wollten. Dass der Anspruch an den Klub so groß ist, dass jeder Punktverlust in einer zweifellos qualitativ schwachen Liga als Krise betrachtet wird. Und dass das Saisonmotto „Mer sin eins“ nicht in jedem Fall uneingeschränkt zutrifft – sowohl auf sportlicher, als auch auf Funktionärsund sogar Fanebene.

„Do, wo mer hinjehüre“ – Lasse Sobiech, Jonas Hector und Salih Özcan feiern den Aufstieg


Aber auch, dass die Kölner offensiv über weite Strecken begeistert haben, mit Cordoba, Drexler, Schaub und Meré absolut positive Entdeckungen der Saison vorweisen können. Und vor allem, dass die Uhren in Köln anders ticken, wenn es um den FC geht, dass hier Dinge infrage gestellt werden, die andernorts vielleicht keine Diskussion wert sind. Doch so ist es eben in einem Klub, für den 50.000 Menschen zu einer Saisoneröffnung für die 2. Bundesliga pilgern. Und wer sich im Juni oder Juli dieses Jahres auf die Stadionwiesen verirrt, sollte das im Hinterkopf behalten. Denn in diesem Jahr dürfte es dort noch ein bisschen voller werden.


Fotos: Erzgebirge Aue Twitter (1), imago images/ Laci Perenyi (1)/ Eduard Bopp (1)/ Sven Simon (4)/ mika (1)/ Jan Huebner (1)/ Matthias Koch (1)/ MIS (1)