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Die Coups der IT-Dienstleister: Diese Anbieter waren 2019 auf Einkaufstour


Computerwoche - epaper ⋅ Ausgabe 3/2020 vom 10.01.2020

Seit Jahren übernimmt Accenture rund um den Globus immer wieder Digitalagenturen – das war 2019 nicht anders. Capgemini indes will sich im Bereich der Ingenieurs-und Entwicklungsdienstleistungen verstärken und bemüht sich um die Übernahme von Altran. Auch die Konkurrenz war aktiv.


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Bildquelle: Computerwoche, Ausgabe 3/2020

Von Heinrich Vaske, Editorial Director


Die Digitalisierung der Industrieprozesse und -anlagen ist für den IT-Beratungs-und Systemintegrationssektor ein Geschäft mit gewaltigen Dimensionen. So verwundert es nicht, dass Unternehmen wie Capgemini oder DXC Technology 2019 gezielt Unternehmen zugekauft haben, um die Bereiche ...

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... Industrie 4.0, Internet of Things (IoT) und Data Analytics optimal abzudecken. Ein zweiter Zukunftsmarkt ist das Customer-Experience-Management: Große Beratungshäuser verstärken sich mit Digitalagenturen, die auf die Gestaltung der digitalen Kundenschnittstelle, das Touchpoint-Management und generell auf das Generieren von Kundenerlebnissen fokussiert sind. Das impliziert auch das Designen und Entwickeln digitaler Produkte im Kundenauftrag.

Die Hintergründe sind klar: Nie gab es so gute Möglichkeiten, anhand von persönlichen Daten individuelle Kundenerlebnisse zu schaffen und damit die Kundenbindung zu intensivieren. Für diejenigen, die sich damit nicht beschäftigen, besteht umgekehrt ein wachsendes Risiko, Kunden zu verlieren. Wir haben vor dem Hintergrund dieser beiden Megatrends die wichtigsten Übernahmen im internationalen IT-Beratungsmarkt zusammengestellt.

Capgemini geht in Paris shoppen

Die Pariser Altran, einer der weltweit größten Anbieter von Ingenieurs-sowie F&E-Dienst-leistungen (Forschung und Entwicklung), soll Capgemini bei digitalen Transformationsprojekten in der Fertigung voranbringen – sofern die Aktionäre und Aufsichtsbehörden dem Deal zustimmen. Die internationale Reichweite des Duos wäre beeindruckend: Capgemini, hierzulande laut Lünendonk-Liste die Nummer vier im Markt für IT-Beratung und Systemintegration, bekäme zu seinen weltweit 200.000 Mitarbeitern weitere 45.000 Experten hinzu, überwiegend Ingenieure. Für Altran will Capgemini 3,6 Milliarden Euro zahlen.

Zukäufe sind für das Branchenschwergewicht nichts Ungewöhnliches: Mit der Akquisition von iGate bauten die Franzosen 2015 ihr US-Geschäft aus und zielten dabei ebenso wie mit Altran und dem Unternehmenszweig Sogeti High Tech auf das Segment der Engineering-Dienstleistungen. Übernahmen von Firmen wie Idean und Fahrenheit 212 schärften zudem das Profil im Bereich der digitalen Transformation und hier vor allem im Segment Customer-Experience-Management.

Accenture kauft weiter Digitalagenturen

Accenture schlug 2019 gleich mehrmals zu. Mit der 475 Millionen Dollar teuren Übernahme von Droga 5 gelang der Erwerb einer New Yorker Agentur von internationalem Renommee. Sie gehört nun zu Accenture Interactive, der Digitalberatung des IT-Dienstleisters, und bringt rund 500 zusätzliche Kreative ins Team. Der IT-Dienstleister bezeichnet seine Agentur inzwischen als „Experience Agency“.

Mit einem autonom fahrenden, elektrisch betriebenen Shuttle-Bus zeigte Altran Anfang 2018 seine Kompetenz in der Mobilität der Zukunft.


Zwei weitere Zukäufe, Shackleton und Insitum, führen den Konzern jetzt zudem tiefer in den spanischen und lateinamerikanischen Markt hinein. Generell ist Accenture seit Jahren dabei, das Agenturgeschäft auszubauen, um den Zukunftsmarkt Customer Experience zu besetzen. Hierzulande hatte sich der Konzern mit SinnerSchrader (2017), Kolle Rebbe (2018) und der D-Group (2016) verstärkt, in Dänemark wurde im vergangenen Jahr auch noch die Agentur Hjaltelin Stahl übernommen. In den Niederlanden landete Storm Digital und in Großbritannien Karmarama im Einkaufskorb des weltgrößten IT-Beratungshauses.

Neu kam 2019 außerdem die Londoner Beratung Happen dazu, ein privat gehaltenes Unternehmen, das Kunden mit eigenen Methoden, Frameworks und Tools dabei unterstützt, neue Geschäftsideen, Produkte und Services zu entwickeln. Das Unternehmen unterhält auch in Amsterdam und New Jersey Büros.

Die übernommenen Mitarbeiter sollen in diesem Fall in Accentures Geschäftsbereich Industry X.0 angesiedelt werden, der Kunden hilft, mit modernen digitalen Technologien Produkte, Services und Geschäftsmodelle voranzubringen. Für dieses Geschäftsfeld hatte der hierzulande größte IT-Dienstleister 2019 auch schon den spanischen Analytics-und KI-Experten Pragsis Bidoop und die britische ?What If! übernommen. In den Jahren zuvor waren mit der Hardware-Engineering-Firma Mindtribe, der auf Strategiedesign konzentrierten Beratungsgesellschaft Designaffairs und der auf Produktdesign und Innovation spezialisierten Altitude weitere Unternehmen zugekauft worden.

McKinsey will an die ganz großen Aufträge

Mit dem Fokus auf Experience-Management und Design steht Accenture nicht allein, auch die großen Management-Beratungen kümmern sich um dieses Geschäftsfeld. McKinsey etwa setzt hier seit Jahren einen Schwerpunkt – deutlich sichtbar seit Ende 2018, als die Gründung der Unit McKinsey Design bekannt gegeben wurde. In einer Welt, in der immer mehr Produkte und Dienstleistungen austauschbar seien, komme es stark darauf an, eine einzigartige Kundenerfahrung zu schaffen und bestmöglich gestaltete Produkte und Services anzubieten, hieß es damals zur Begründung. In der neuen Unit wurden die 2015 und 2016 erworbenen Agenturtöchter Lunar, Carbon 12 und Veryday zusammengezogen.

Die größte Übernahme im vergangenen Jahr war für McKinsey aber Westney Consulting, ein Beratungshaus, das Kunden und öffentliche Einrichtungen bei sehr großen Innovationsvorhaben unterstützt – etwa dem Bau von Fabriken, der Errichtung von Brücken oder dem Anlegen großer Straßen. Wie das Beispiel des Flughafens Berlin zeigt, geraten solche Großprojekte schnell einmal aus dem Zeit-und Budgetrahmen. Die Unternehmen wollen digitale Angebote rund um solche Vorhaben vorantreiben.

Bezeichnete den Verkauf wichtiger Produkte an HCL Technologies als den richtigen Schritt für IBM: CEO Virginia Rometty.


Boston Consulting Group kauft in London ein

Auch der McKinsey-Rivale Boston Consulting Group (BCG) erwarb im Oktober 2019 eine Designberatung aus London: AllofUs soll der Unternehmenseinheit DigitalBCG zugeteilt werden, in der das Unternehmen Produkte, Lösungen und Analytics Services rund um das Thema Digitalisierung zusammenführt. Erst 2017 hatten die Berater Maya Design aus Pittsburgh gekauft, um Digital Design und Innovationen für Kunden vorantreiben zu können.

DXC Technology übernimmt Luxoft

Von den Management-Consultants zurück zu den klassischen IT-Beratern: Dem von HP Enterprise ausgegliederten IT-Servicegeschäft DXC Technology gelang mit dem Kauf des Schweizer Dienstleisters Luxoft für zwei Milliarden Euro ein größerer Coup. Das Unternehmen aus Zug ist zwar nicht besonders sichtbar am Markt, doch es handelt sich um einen weltweit aktiven IT-Beratungskonzern mit 13.000 Mitarbeitern. Spezialisiert auf „Digital Engineering“ soll er DXC dabei helfen, Kunden verschiedener Branchen in der digitalen Transformation zu begleiten. „In der Automobilindustrie wird das aus DXC und Luxoft zusammengeführte Unternehmen mehr als 20 Hersteller und Erstausrüster in Nordamerika, Europa und dem asiatisch-pazifischen Raum versorgen“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung. Zusammen erreiche man zudem die Hälfte der größten Finanzinstitute in den USA und Europa.

NTT Data investiert mehrfach

Auch NTT Data, inzwischen zur Nummer fünf im deutschen IT-Beratungs-und Systemintegrationsmarkt aufgestiegen, hat sich 2019 international verstärkt: Die Japaner kauften das Beratungsgeschäft von Cognosante, einem US-amerikanischen Anbieter von IT-Services und -Systemen für das US-Gesundheitswesen. Mit den 250 zusätzlichen Beratern will man den Footprint im US-Healthcare-Sektor und generell im öffentlichen Dienst vergrößern.

Außerdem wurde die bereits bestehende Zusammenarbeit mit dem indischen Dienstleister Cloudhedge Technologies Private Ltd. durch eine Minderheitsbeteiligung untermauert. CloudHedge bietet Know-how und Technologien rund um die Containerisierung von Anwendungen mit Hilfe von Kubernetes sowie für die Gestaltung von DevOps-Prozessen an. NTT Data will das Wissen des Partners in seine eigenen Digitalisierungstechnologien integrieren, um Kunden bei der Modernisierung und „Cloudifizierung“ von Legacy-Anwendungen zu helfen.

Die Bielefelder SAP-Beratung itelligence AG, Tochter von NTT Data, hat 2019 ebenfalls zugekauft – und zwar in Großbritannien. Dort erwarb der SAP-Berater die zehn Jahre alte Weaveability Ltd., um seinen Einfluss auf der Insel zu vergrößern und sein Wissen in den Bereichen CRM (C/4HANA) und E-Commerce (Hybris) auszubauen – hier gilt Weaveability als Spezialist. NTT Data bleibt ein eigenständiges börsennotiertes Unternehmen; das ist erwähnenswert, weil der japanische Konzern 2019 ansonsten alle Portfoliounternehmen, darunter Dimension Data, NTT Security und E-Shelter, zur NTT Ltd. mit Sitz in London verschmolzen hat. NTT Data soll in Zukunft eng mit diesem Konglomerat zusammenarbeiten.

Wipro investiert in den USA

Die großen indischen IT-Dienstleister haben sich 2019 ebenfalls nicht lumpen lassen. So übernahm Wipro den CAD-und PLM-Spezialisten International Technegroup Inc. (ITI) aus Milford, Ohio, um sich im Bereich Digital Engineering und generell im Fertigungsbereich zu verstärken. ITI steuert Lösungen für das Model Based Enterprise (MBE), Dateninteroperabilität und Datenmigration bei – laut Wipro die Building Blocks für Industrie-4.0-Lösungen. Zudem unterhält das Unternehmen enge Beziehung zu den wichtigsten CAD-, CAM-, CAE-und PLM-Anbietern.

Zugekaufte IBM-Produkte beschäftigen HCL

Dass HCL Technologies über seine Software-Unit unter anderem IBMs Notes/Domino-Business kaufen würde, war bereits 2018 bekannt geworden. Im Sommer 2019 kam der Deal zum Abschluss, die Inder übernahmen neben Notes/Domino auch Produkte wie AppScan, BigFix, Commerce, Connections, Digital Experience (Portal and Content Manager) und Unica. Verantwortlich ist die neu gegründete HCL Software, die im Konzern zum Bereich „Products and Platforms“ gehört und bereits Produkte wie Informix 14.10, Domino 10 und Workload Automation 9.5 ausgeliefert hat. Man wolle in Produktinnovationen investieren und sehe gute Chancen, rund um die IBM-Technologien ein „As-a-Service-Geschäftsmodell“ zu etablieren, sagte C Vijayakumar, President und CEO von HCL Technologies.

HCL investierte 2019 außerdem in ein amerikanisches Beratungsunternehmen, das seinen Schwerpunkt auf die digitale Transformation legt: Strong-Bridge Envision (SBE) mit Büros in Seattle, Atlanta, Denver und New York City wurde in die globale HCL-Unit Digital and Analytics integriert. Customer Experience, Business Transformation und Change-Management gehören zu den Schwerpunkten.

Cognizant suchte Cloud-Know-how

Mit Enterprise DevOps und Cloud-Transformation beschäftigt sich das Londoner Beratungshaus Contino, das von Cognizant aufgekauft wurde. Cognizant ist zwar ein US-Unternehmen, beschäftigt aber die Mehrheit seiner 260.000 Mitarbeiter im indischen Chennai. Die rund 350 Berater von Contino entwerfen Cloud-Plattformen, migrieren Legacy-Anwendungen, implementieren DevOps-Strukturen und bauen Datenplattformen mit Advanced-Analytics-Eigenschaften. Zur angepeilten Zielgruppe gehören Unternehmen aus hochregulierten Industrien, etwa Banken und Versicherungen.

Um sich im pharmazeutischen und medizinischen Sektor besser aufzustellen, erwarb Cognizant außerdem Zenith Technologies mit Sitz im irischen Cork. Die mehr als 800 Mitarbeiter werden in den Cognizant-Geschäftsbereich Life Science Businesses eingegliedert und sollen Lösungen für Anbieter von biopharmazeutischen und medizinischen Geräten entwickeln und einführen.

Meritsoft bringt Banking-Wissen

Im Bankensektor hat Cognizant zudem das in Dublin ansässige Fintech Meritsoft gekauft. Zusammen wollen die Partner integrierte Managed-Services-Lösungen für Bankkunden bereitstellen. Meritsoft ist bekannt für seine Plattform „Finbos“ für das „Post Trade Processing“. Sie bietet eine Automatisierungslösung zur Verwaltung von Steuern, Gebühren, Provisionen und Cashflow-Funktionen zwischen Kreditinstituten. Die Produkte von Meritsoft werden derzeit von fünf der acht weltweit führenden Investmentbanken eingesetzt.

Mehr zu IT-Dienstleistern

Auf computerwoche.de finden Sie eine Reihe von aktuellen Artikeln zum IT-Dienstleistungsmarkt:

Zahlen und Fakten Den aktuellen Status quo im IT-Services-Markt gibt eine aktuelle Studie von Lünendonk wieder. www.cowo.de/a/3547785

Was will Capgemini mit Altran? Exklusiv für CW-Leser analysiert ein PAC-Analyst den 3,6-Milliarden-Euro-Kauf. www.cowo.de/a/3547292

Große Herausforderungen Das Nachfrageverhalten im IT-Dienstleistungsgeschäft ändert sich massiv. www.cowo.de/a/3265746


Foto: Grzegorz Czapski/Shutterstock

Foto: IBM