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Die Datensammler


Deutsch perfekt - epaper ⋅ Ausgabe 8/2019 vom 26.06.2019

Für ein Bankkonto oder auch bei einer Bestellung im Internet ist sehr oft die Schufa wichtig. Denn die Firma sammelt Informationen im ganzen Land – und macht damit finanzielle Prognosen über Menschen.


WIE DEUTSCHLAND FUNKTIONIERT

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Bildquelle: Deutsch perfekt, Ausgabe 8/2019

Das Ganze erinnert an einen Science-Fiction-Film: Stellen Sie sich eine Zahl zwischen eins und 100 vor. Fast jeder Mensch bekommt so eine Zahl. Er kann sie aber nicht sehen. Und meistens kennt er sie auch nicht. Aber für sein Leben ist die Zahl ziemlich relevant. Von ihr hängt ab, ob er Dinge tun kann oder nicht.

Dieses Szenario ist schon lange nicht mehr futuristisch. Es ist die ...

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... Realität des deutschen Alltags. Die Zahl heißt Score. Und dieser Score gibt Auskunft über die Bonität eines Menschen. Der Score ist ein Prozentwert. Ist er niedrig, ist die finanzielle Prognose der Person negativ. Ist er hoch, ist sie positiv.

Der Score ist in vielen Situationen wichtig. Zum Beispiel für ein Konto bei einer Bank, einen Handyvertrag oder einen Kredit. Bei einem niedrigen Score ist es wahrscheinlich, dass die Bank oder die Telekommunikationsfirma Nein sagt. Bei einem hohen Score ist die Chance auf ein Ja viel größer. Aber wie entsteht die Zahl? Um das Score-System zu verstehen, geht es nach Wiesbaden. Dort ist die Zentrale der Schufa – der Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung. Diese Firma weiß ziemlich viel über uns. Denn sie sammelt unsere Daten. Die Schufa ist dabei nicht die einzige, aber die bekannteste Firma. Nach eigener Auskunft hat sie 864 Millionen Informationen zu 67,5 Millionen Personen. Die Daten bekommt die Firma zum Beispiel von Banken, Versicherungen, Geschäften, Telekommunikations- und Inkassofirmen.

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Zu den Informationen gehören Name, Geburtsdatum, Geburtsort und Adresse. Außerdem hat die Schufa Informationen über Bankkonten, Kreditkarten, Telekommunikationsverträge, Onlineshopkonten, Verträge mit Teilzahlungen, Kredite und so weiter. Die Schufa weiß zum Beispiel auch, wenn eine Person einen Kredit nicht zurückgezahlt hat. Was sie aber nicht kennt, sind der Beruf eines Menschen und seine Nationalität. Sie weiß auch nicht, wie viel Geld jemand verdient und wie viel eine Person gespart hat. Auf Basis der Informationen berechnet die Schufa per Computer den Score-Wert eines Menschen. Ein Algorithmus vergleicht dabei unter anderem die Daten der Person mit den Daten anderer Personen.

Wenn ein Verbraucher ein Bankkonto haben möchte, fragt der Bankangestellte die Schufa nach dem Score des potenziellen neuen Kunden. Er bekommt dann eine elektronische Auskunft von der Firma. Der Score kann sich dabei mit dem Kontext ändern. Zum Beispiel kann die Zahl eine andere sein, wenn ein Angestellter einer Telekommunikationsfirma die Schufa fragt.

Der Prozess ist also ziemlich komplex. Auch deshalb sehen viele Verbraucherschützer das Scoring-System kritisch.

Eine von ihnen ist die Juristin Tatjana Halm, Chefin des Referats Markt und Recht der Verbraucherzentrale Bayern. Sie sagt: „Die Menschen wissen und verstehen oft nicht, wie ihr Score-Wert entsteht. Im Scoring-System fehlt die Transparenz.”

Halm erklärt ihre Kritik mit dem Beispiel eines Onlineeinkaufs: „Wenn ich im Internet etwas kaufen und bezahlen möchte, läuft automatisch und in wenigen Sekunden die Schufa-Anfrage: Meine Adressdaten gehen an die Schufa. Und diese bewertet meinen Score. Bei einem niedrigen Wert kann es dann sein, dass im nächsten Schritt manche Zahlmethoden für mich nicht möglich sind – zum Beispiel der Kauf auf Rechnung.”

Die Schufa-Anfrage passiert also still im Hintergrund. Die meisten Verbraucher wissen in diesem Beispiel nicht, dass sie vielleicht wegen ihres niedrigen Score-Werts nicht auf Rechnung zahlen können. Sie denken wahrscheinlich, dass es die Option mit Rechnung bei diesem Onlineshop nicht gibt – was natürlich auch möglich sein kann.

In manchen Situationen aber wird es deutlicher, dass der Score-Wert das Problem ist. Zum Beispiel, wenn man einfach kein Bankkonto oder auch keinen Handyvertrag bekommt. „Spätestens dann empfehle ich eine Selbstauskunft bei der Schufa”, sagt Verbraucherschützerin Halm.

Jeder Mensch in Deutschland hat das Recht, von der Schufa eine kostenlose Kopie seiner Daten zu bekommen. Man kann diese online unter www.schufa.de mit einem Scan seines Personalausweises bestellen. Die Informationen schickt die Schufa danach mit der Post.

Die Selbstauskunft ist nicht nur bei Problemen eine gute Idee. Es kann nämlich passieren, dass in den Daten der Schufa Fehler sind. „Es hat auch schon Fälle von Identitätsverwechslungen gegeben”, erzählt Halm. Bei Fehlern sollte man den Verbraucherservice der Schufa zur Korrektur auffordern – am besten schriftlich und mit einer Frist, wie Halm empfiehlt. Wenn es dann Probleme mit der Schufa gibt, dann helfen die Verbraucherzentralen, diese zu lösen (sieheDeutsch perfekt 4/2017). Die Schufa selbst erklärt, dass sie über mehr als 90 Prozent der Verbraucher nur positive Informationen hat.

„Fehler in den Daten der Schufa sind kein Massenproblem, können im Einzelfall aber erhebliche Konsequenzen haben”, sagt auch Halm. „Es sollte den Menschen daher einfach klar sein, dass die Schufa ihre Daten sammelt – und was sie damit macht.

Jeder Mensch in Deutschland kann eine kostenlose Kopie seiner Daten bekommen.

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,hier: Bitte um Information
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,hier: ≈ Aktion
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Spätestens d„nn empfehle“ch …
, ≈ Dann empfehle ich
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,von: verwechseln =hier:
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,hier: ≈ um eine Änderung
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, Problem von vielen
Menschen
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,hier: in der speziellen
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