Lesezeit ca. 4 Min.

DIE DIGITALISIERUNG IHRER GESUNDHEIT: DIE AKTE 2.0


Computer Bild - epaper ⋅ Ausgabe 13/2019 vom 07.06.2019

Das Gesundheitsministerium erzwingt die rasche Digitalisierung von Arztpraxen, Kliniken und Krankenkassen. Was bedeutet das für die Patienten?


Artikelbild für den Artikel "DIE DIGITALISIERUNG IHRER GESUNDHEIT: DIE AKTE 2.0" aus der Ausgabe 13/2019 von Computer Bild. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Computer Bild, Ausgabe 13/2019

„Die überstürzte Digitalisierung ist eine Gefahr für sensible Patientendaten.
Georg Oevermann Leitender Redakteur


Einmal falsch abgebogen, und schon liegt man schwer verletzt in der Notaufnahme. Dann kann es über Leben und Tod entscheiden, wie gut die Ärzte über den Patienten Bescheid wissen: Blutgruppe, eventuelle Unverträglichkeiten mit Schmerz-oder Betäubungsmitteln, am besten auch über eine Herzinsuffizienz.

Die Gesundheitsakte kommt

Gesundheitsminister Spahn ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 3,99€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Computer Bild. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1000 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 13/2019 von Wie geht’s weiter mit Huawei?: Verlierer und Gewinner. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Wie geht’s weiter mit Huawei?: Verlierer und Gewinner
Titelbild der Ausgabe 13/2019 von BILD DER WOCHE: ICH DRUCK MIR EIN AUS. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
BILD DER WOCHE: ICH DRUCK MIR EIN AUS
Titelbild der Ausgabe 13/2019 von WICHTIGE NEWS. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
WICHTIGE NEWS
Titelbild der Ausgabe 13/2019 von TOP STORY DER WOCHE: DAS HUAWEI-DR AMA: WAS SOLL ICH TUN?. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TOP STORY DER WOCHE: DAS HUAWEI-DR AMA: WAS SOLL ICH TUN?
Titelbild der Ausgabe 13/2019 von NEWS DER WOCHE. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
NEWS DER WOCHE
Titelbild der Ausgabe 13/2019 von WINDOWS 10 MAI-UPDATE. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
WINDOWS 10 MAI-UPDATE
Vorheriger Artikel
REPORT DER WOCHE eSCOOTER AB SOMMER : ENDLICH ELEKTRISCH!
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel PC SCHNELLER MACHEN: HIGH- SPEED für Ihr WINDOWS
aus dieser Ausgabe

Gesundheitsminister Spahn will dafür sorgen, dass diese Daten Ärzten zur Verfügung stehen: Bereits das „T ermins ervice-undV ersorgungsg esetz” (TSVG), das seit Mitte Mai in Kraft ist, zwingt Krankenkassen, ihren Versicherten ab 2021 einee lektronischeP atientenA kte (ePA) anzubieten. Patienten haben dann einen Anspruch darauf, dass Ärzte Daten in die ePA eintragen. Und wer möchte, kann auch Impfausweis, Mutterpass, das Vorsorgeuntersuchungs-Heft für Kinder oder das Zahn-Bonusheft darin speichern lassen. Natürlich speichern auch jetzt fast alle Ärzte und Krankenhäuser Patientendaten – allerdings nur für sich. Kein Arzt kommt also ohne Weiteres an Daten, die bei einem anderen Arzt gespeichert sind. Und das hat negative Konsequenzen, etwa wenn verschiedene Ärzte Medikamente mit unerwünschten Wechselwirkungen verschreiben. Die ePA soll deshalb den – möglicherweise lebensrettenden – Zugriff im gesamten Gesundheitswesen erlauben. Aber auch die Versicherten sollen bequem per Handy, Tablet oder PC auf ihre ePA zugreifen können.

Apps auf Rezept?

Das TSVG greift zwar noch nicht umfassend, aber Minister Spahn bereitet schon den zweiten Schritt vor. Sein Gesundheitsministerium hat dazu einen Entwurf für das „Gesetz für eine bessere Versorgung durch Digitalisierung und Innovation” auf den Weg gebracht, kurz auch das „Digitale Versorgung Gesetz”. Damit will Spahn die Digitalisierung im Gesundheitswesen weitertreiben. So soll es künftig auch Gesundheits-Apps auf Rezept geben, etwa um sich bei der regelmäßigen Einnahme von Medikamenten helfen zu lassen oder seinen Blutzuckerspiegel besser in den Griff zu bekommen. Solche Apps gibt es zwar längst, aber künftig sollen bei nachgewiesenem Bedarf die Krankenkassen für die Kosten aufkommen, zudem soll es Prüfungen der Qualität und des Datenschutzes geben. Schließlich weiß bislang kein Nutzer, wo die Daten seiner Gesundheits-oder Fitness-Apps aus den App Stores am Ende überall landen.

Ärzte, Apotheken unter Zugzwang

Noch ein Riesenschritt ins Neuland: Künftig sollen Ärzte leichter Videosprechstunden anbieten können. Bislang braucht der Arzt dafür eine „persönliche oder schriftliche Einwilligung” seiner Patienten. Das neue Gesetz soll diese Einwilligung auch im Rahmen einer Videosprechstunde ermöglichen und zudem Ärzten Werbung für diesen Service auf ihrer Internetseite gestatten.

All diese geplanten Innovationen setzen die Beteiligten mächtig unter Zugzwang, also Software-Entwickler, Ärzte, Krankenhäuser. Denn schnell soll es gehen: Ärzte und Apotheken sollen sich bis März 2020 an die „T elematik-I nfrastruktur” (TI) des Gesundheitswesens anschließen, Krankenhäuser bis März 2021. Hebammen, Physiotherapeutinnen und -therapeuten sowie Pflege-und Rehabilitationseinrichtungen dürfen freiwillig mitmachen.

Damit das klappt, gibt’s reichlich Druck: Ärzten und Krankenkassen, die sich bis März 2020 noch nicht haben vernetzen lassen, droht eine Honorarkürzung um immerhin 2,5 Prozent – so der aktuelle Entwurf.

Kritik an Zeitdruck und Kosten

Spahns Gesundheitsministerium drückt also mächtig aufs Tempo, und das in sensiblen und teuren Bereichen. Das provoziert natürlich auch Kritik. So müssen Ärzte ältere Praxis-Netzwerke häufig auf eigene Kosten erneuern, um sich überhaupt an die TI anschließen zu können. Die Kosten für die Telematik-Infrastruktur sollen die gesetzlichen Krankenkassen tragen – die das wiederum von ihren Versicherten einholen müssen.

Außerdem gibt’s Schwächen beim Datenschutz: Ursprünglich sollten Patienten entscheiden können, welche Beteiligten welche Informationen aus der ePA auslesen dürfen, wenn etwa die Zahnärztin oder der Apotheker nichts von der psychotherapeutischen Behandlung erfahren soll. Wohl wegen der Terminlage ist dieser für die Privatsphäre wichtige Teil bereits wieder gestrichen: Die Software und weitere nötige Strukturen dafür würden nicht rechtzeitig fertig. Gesundheitsminister Spahn wiegelt die Bedenken ab: Patienten könnten schließlich einzelnen Ärzten den Zugriff auf die ePA verwehren. Weil die dann aber auch nichts eintragen können, bliebe die Gesundheitsakte unvollständig – und für Ärzte und Patienten weniger wert.

Am Nutzen des Projekts zweifelt indes kaum jemand, wenn es denn gut umgesetzt wird. Nur der Zeitdruck, alles bis 2021 durchzupeitschen, gilt vielen als kontraproduktiv – zufällig knapp vor den Bundestagswahlen im Oktober des Jahres.

Laut einem Bericht des „Tagesspiegels” befürchten gesetzliche Krankenkassen, das man wegen der Eile „viel Geld in den Sand setzt”, während Patienten keinen nennenswerten Nutzen hätten. Das müsse die Versicherten enttäuschen – und diese Enttäuschung würden sie über die Krankenkassenbeiträge auch noch selbst bezahlen.[ap]

GESUNDHEITSDATEN IN GEFAHR

Daten über ihre Gesundheit sind die wertvollsten und sensibelsten Daten, die Privatpersonen besitzen können. Richtig eingesetzt, können sie Leben retten, allerdings wecken sie Begehrlichkeiten im Gesundheitswesen: Krankenversicherungen könnten sie nutzen, um bestimmte Patienten auszuschließen. Dubiose Anbieter könnten versuchen, verzweifelten Kranken wirkungsloses „Schlangenöl” zu verkaufen. Im Darknet gibt es daher immer wieder mal Angebote gestohlener Patientendaten – allein das zeigt, wie brisant Gesundheitsdaten sind.

Mythos Anonymisierung

Für die medizinische Forschung werden Daten oft anonymisiert gespeichert und verarbeitet. Das allein gibt aber keine Sicherheit: Studien zeigen, dass sich bereits aus wenigen Laborwerten, etwa fünf Blutzuckerwerten oder vier Cholesterinwerten, Personen eindeutig identifizieren lassen. Daher brauchen Gesundheitsdaten besonderen Schutz!

AKTUELLE GEFAHREN IM NETZ

Die Porno-Erpressung

In E-Mails behaupten Erpresser, sie hätten peinliches Material über Sie – und geben darin eines Ihrer echten Passworte an! Das allerdings stammt aus gestohlenen Passwortlisten, belastendes Material existiert gar nicht. Also: natürlich nicht zahlen, dieses Passwort ändern, falls noch nicht geschehen, und bei jedem Dienst ein anderes nutzen.

Der Homografen-Trick

Mit Massen-E-Mails rufen Betrüger auf, für gute Belange zu spenden, etwa für den Chaos Computer Club, oder sich wegen angeblich nötiger Einstellungen bei einer Bank oder auch Amazon anzumelden. Die in der E-Mail verlinkte Webseite sieht echt aus, gehört aber Betrügern! Der Trick: Das „a” etwa in postbank.com ist kein a, sondern ein identisch aussehender kyrillischer Buchstabe. Damit können Kriminelle eine legal aussehende Webseite sogar mit einem echten Sicherheitszertifikat versehen. Daher: Wenn’s um Geld geht, keine Links in ungefragt erhaltenen E-Mails nutzen, sondern die Web-Adresse per Hand eingeben oder aus der Favoritenliste aufrufen.

Der falsche Strafbefehl

Sie haben einen Strafbefehl per E-Mail bekommen und sollen mehrere Hundert Euro bezahlen? Der Absender – Amtsgericht Gotha – ist natürlich gefälscht, die E-Mail ein Betrugsversuch; auch im Jahr 2019 versendet kein Amtsgericht Strafbefehle per E-Mail. Falls Sie bezahlen, freuen sich Kriminelle. Daher: nicht bezahlen, auch keine Telefonnummer aus der E-Mail anrufen. Echte Behörden stellen ihre Dokumente per Einschreiben zu, deren Empfang Sie quittieren müssen.


Fotos: istock; Montage: COMPUTER BILD