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Die Dolomiten, ein Hochgenuss


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myself - epaper ⋅ Ausgabe 12/2021 vom 10.11.2021

Artikelbild für den Artikel "Die Dolomiten, ein Hochgenuss" aus der Ausgabe 12/2021 von myself. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Der Berg ruht ? noch: Wer sich im ?Rifugio Fuciade? auf knapp 2000 Metern einquartiert, wacht mit Blick auf den San-Pellegrino-Pass auf.

Ein eisiger Wind weht ins Gesicht, wirbelt den Schnee auf und lässt ihn auf dem Dach der Wallfahrtskirche von La Crusc tanzen. Der Horizont verschwindet hier oben an der Liftstation in all dem Weiß, nur hin und wieder blitzt eine massive Bergspitze auf: die Marmolata – mit 3343 Metern einer der imposantesten Gipfel der Dolomiten. Von der Station führt ein verschneiter Pfad ins Gadertal, das mitten im Skigebiet von Alta Badia liegt und als eines der malerischsten Täler der Südalpen gilt. Unberührt liegt der Pfad vor uns, wir sind die Ersten, die sich an diesem Wintervormittag aufgemacht haben. Nach rund 20 Minuten sehen wir unser Ziel: An einem steilen Hang liegt der Alfarëi-Hof wie im Dornröschenschlaf. Teile der Bausubstanz des malerischen Gehöfts stammen aus dem 13. Jahrhundert. Je näher wir kommen, desto deutlicher zeigt sich, dass die uralte Mauer hier und da bröckelt, das Lärchenholz ist ...

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... verwittert. Der Ort soll Geschichte atmen, so will es der Besitzer Anton Piccolruaz, der uns mit „Bun dì!“ begrüßt, was auf Ladinisch „Guten Tag“ bedeutet – hier und in einigen anderen Alpentälern Oberitaliens sprechen die Menschen noch diesen alten rätoromanischen Dialekt.

In der gemütlichen Zirbenholzstube, in die Anton uns führt, ist gerade mal Platz für vier Tische. Antons Frau Rosa hat schon geräucherten Speck, Kräutertopfen und Gerstensuppe aufgetragen. Es gehört zu den Besonderheiten der Dolomitenregion, dass man in jedem noch so einfachen maso oder rifugio grandios essen kann. Die kleinen Häuser aus Stein und Holz erinnern oft an Herbergen und tischen alles von ausgefallenen lokalen Gerichten bis zu Haute Cuisine auf. Die Zutaten, die aus der Region stammen, sind oft einfach, die Gerichte dafür raffiniert. Gegensätze zeichnen diese Gegend eben aus, in der sich steinige Riffe über ausgedehnten, sanft gewellten Hochalmen erheben. Das schönste Bauwerk der Welt hat der legendäre Schweizer Architekt Le Corbusier die Dolomiten genannt. Ihre Berge sind karg, aber die Felsen leuchten majestätisch im Abendrot. Ihren Namen gab ihnen der französische Geologe Déodat de Dolomieu (1750–1801), der auch das Rätsel ihres warmen Leuchtens löste: Verantwortlich ist der hohe Magnesiumgehalt im schroffen Gestein.

In dieser extremen Landschaft, die eine natürliche Grenze zwischen Österreich und Italien bildet, lagen Auf bruch und Abschottung schon immer nah beieinander. Im Ersten Weltkrieg wurde erbittert um die Gebirgsfront gekämpft. Es kam zu einem zermürbenden Stellungskrieg, in dessen Verlauf Österreich ein ausgeklügeltes Seilbahnsystem errichtete, das Kriegsgerät und Verpf legung sowie anderes Material auf die Gipfel transportieren sollte. Es nützte nichts. Österreich verlor den Krieg, und die Dolomiten fielen 1919 als Teil von Südtirol an Italien. Von Österreichs Präsenz profitieren sie aber bis heute: Touristisch ist die Gegend bestens erschlossen. Nicht verändert haben sich, wenn man Überlieferungen glaubt, die Einheimischen. In manchem sind sie der Landschaft, die sie umgibt, sehr ähnlich. Monolithen, denen nichts ferner liegt, als sich zu verbiegen – auf eine fast trotzige Art bescheiden, gleichzeitig enorm gastfreundlich und weltoffen.

Das schönste Bauwerk der Welt nannte der Architekt Le Corbusier die Dolomiten

Davon überzeugen kann man sich im „La Perla“ in Corvara. Auf seiner Homepage wirbt das Hotel explizit damit, was es nicht hat: keinen riesigen Wellness-Bereich, keinen Wein aus Australien, keinen Marmor aus Carrara. „Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt, nicht der Gewinn“, sagt Besitzer Michil Costa, der sein Haus nach den Prinzipien der Gemeinwohl-Ökonomie führt – soziale und ökologische Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit und Mitbestimmung. Michil Costa ist im „La Perla“ aufgewachsen, einst leiteten seine Eltern das Haus. Er wurde Punk, schlug sich in London als DJ durch und kandidierte als Grünen-Politiker fürs Europaparlament, bevor er in den 1980ern zurückkehrte und im elterlichen Hotel das Gourmetrestaurant „La Stüa de Michil“ eröffnete. Seit 2002 hat es einen Michelin-Stern. Auch hier kommen nur regionale Produkte auf den Teller, diniert wird bei Kerzenschein in einer Südtiroler Holzstube. Bei einem Glas ladinischen Weins erzählt Michil Costa hier in der Stube stolz, dass die Mitarbeiter im Hotel abstimmen, wie das erwirtschaftete Geld investiert wird. Danach gibt es eine Führung durch den imposanten Weinkeller „Mahatma Wine“, benannt nach seinem persönlichen Helden Gandhi. Was für ein Kontrast zur gemütlichen Stube! Empfangen werden wir von einer ausgefeilten Lichtshow und lauter Musik von den Doors, Frank Zappa und den Ramones.

Auf eine fast trotzige Art bescheiden – darin ähneln die Menschen hier der Natur

Ob Feinschmecker, Extremsportler oder exzentrischer Jetset – in den Dolomiten ist für jeden etwas dabei. Während es im Bergdorf Corvara eher leger zugeht, sollte man seiner Garderobe für Cortina d’Ampezzo – eines der exklusivsten Skiziele Europas – ein Upgrade verpassen. Auf der Seiser Alm warten Winterwanderwege und 60 Kilometer Langlauf loipen. Wer es rasant mag, kann es in Piz Sorega in St. Kassian auf der Naturrodelbahn krachen lassen. Und in Bozen f laniert und genießt man vor malerischer Alpenkulisse. Selbst mit Hobbysportlern meinen es die Dolomiten gut und halten für sie die Sellaronda bereit. Der Rundweg zählt zu Europas eindrucksvollsten Skitouren, führt durch die drei Provinzen Südtirol, Trentino und Venetien sowie über vier Dolomitenpässe mit atemberaubenden Ausblicken: den Campolongopass, das Pordoijoch, das Sellajoch und das Grödnerjoch.

Nach vorn schauen, ohne aus den Augen zu verlieren, was hinter einem liegt – nach diesem Motto läuft vieles in den Dolomiten. Man imitiert nicht, sondern besinnt sich lieber auf eigene Stärken und entwickelt diese weiter. So hat es auch Norbert Niederkof ler gemacht. Der Mann, der als Küchenrebell gilt, hat diese Region mit der größten Dichte an Michelin-Sternen in ganz Italien früh maßgeblich geprägt. Sein Restaurant „St. Hubertus“ im Hotel „Rosa Alpina“ in

In den Dolomiten ist für jeden was dabei und am meisten für Genießer

St. Kassian ist heute eine der ersten kulinarischen Adressen. Die Stärke liege in der Reduktion, sagt Niederkof ler: „Als ich das ‚St. Hubertus‘ 1996 eröffnet habe, ging ich zurück zu meinen Wurzeln. Wir kochen mit dem, was uns die Natur in der jeweiligen Jahreszeit gibt.“ Alles, wofür das weltberühmte „Noma“ seit Jahren gefeiert wird – in den Dolomiten wusste man es schon immer: In der Kargheit liegt ein immenser Reichtum, der nach Kreativität verlangt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, so auch der „St. Hubertus“-Klassiker, der uns serviert wird: Rote-Bete-Gnocchi, ein Gericht, das wie gemalt wirkt. Die Gnocchi liegen auf einem schwarzen Grund aus Schüttelbrot, Bier und essbarer Kohle. Man hat tatsächlich das Gefühl, die Berge zu essen, so hatte es Norbert Niederkof ler umschrieben. Ähnlich spek­ takulär ist Roland Lamprechts „Waldküche“ im Hotel „Forestis“ in Brixen. Wo früher inmitten der Natur ein Sanatorium stand, liegt heute das Fünf-Sterne- Hideaway. Durch die große Panoramafront im minimalistisch gehaltenen Speisesaal genießt man draußen großes Kino, drinnen aber auch. Auf die Teller kommt, was die Wälder der Region hergeben: Pilze, Beeren, Kräuter, Nüsse.

Am nächsten Morgen wollen wir zu den Drei Zinnen, Unesco-Weltnaturerbe und das wahrscheinlich meistfotografierte Dolomiten-Motiv. An der Auronzohütte, unserem Ausgangspunkt, schnallen wir die Ski an. Der Wind weht bereits so heftig, dass man den Guide kaum versteht. Nach ein paar Hundert Metern machen wir kehrt, an eine Skitour ist nicht zu denken. Unser Guide lacht. „Wenn ihr mal im Sommer hier seid, nehmt den Weg links um die Drei Zinnen. Da ist es herrlich ruhig, weil die meisten Wanderer in die andere Richtung auf brechen.“ Er weiß, wir kommen wieder.

Übernachten

La Perla Der Beweis, dass nachhaltiges Wirtschaften und gutes Leben eben doch zusammengehen: In dem Familienbetrieb in Corvara bleiben keine Wünsche offen. Ab 165 Euro/Zimmer, laperlacorvara.it

San Lorenzo Mountain Lodge Das Jagdhäuschen aus dem 16. Jahrhundert bietet Platz für zehn. Ab 2400 Euro/Nacht, sanlorenzolodges.com

Forestis Stylish-luxuriöser Rückzugsort mitten im Waldgebiet nahe Brixen mit viel Sonne und einem der schönsten Ausblicke in den Dolomiten. Ab 566 Euro/Zimmer, forestis.it

Maso Alfarëi Einfache, aber gemütliche Ferienwohnung oberhalb des Örtchens San Leonardo bei Badia. Ab 40 Euro/ Nacht, über miaaltabadia.it

Essen

St. Hubertus Norbert Niederkoflers Drei-Sterne-Küche bietet Gourmeterlebnis auf höchstem Niveau. st-hubertus.it

Rifugio Fuciade Der traditionelle Hof mitten auf einer Alm serviert ladinische Küche auf Michelin-Niveau, dazu gibt es ausgewählte Weine aus der Region. fuciade.it

La Stüa de Michil Ein Muss: Abendessen in der sterneprämierten urigen Stube von Hotel-Rebell Michil Costa. laperlacorvara.it

Alpes Tiroler Grauvieh-Tatar, Ente mit Moos-Sauce – im Restaurant des Hotels „Bad Schörgau“ im Sarntal kocht der kreative Mattia Baroni. bad-schoergau.com

Terra Gnocchi mit getrocknetem Habichtspilz, Forelle mit Sanddornöl: Die mit zwei Sternen dekorierte Küche von Heinrich Schneider im Sarntal ist raffiniert und regional. terra.place

Stüa dla Ladinische Spezialitäten werden von Andrea Irsara im Hotel „Gran Ander“ in Badia neu interpretiert. granander.it

Erleben

❚ Im Messner Mountain Museum Corones (MMM) am Gipfel des Kronplatzes wird Alpingeschichte erzählt. Der Bau stammt von Star-Architektin Zaha Hadid. messner-mountain-museum.it

❚ Ebenfalls am Gipfel des Kronplatzes in unmittelbarer Nähe zum MMM liegt das Lumen Museum, das die Geschichte der Bergfotografie von ihren Anfängen bis zur Gegenwart dokumentiert. lumenmuseum.it

❚ Wie erbittert von 1915 bis 1917 am Fuß des Marmolata-Gletschers gekämpft wurde, zeigt das Museum des Ersten Weltkrieges. dolomiti.org

❚ Die Weingüter von Elena Walch, Alois Lageder und Manincor zählen zu den besten von Südtirol. Hinfahren und gleich auf Vorrat einkaufen!

❚ Blättern, lesen, genießen: „Cook the Mountain“ von Norbert Niederkofler ist die perfekte Einstimmung auf die Dolomiten – oder ein schönes Souvenir. Südwest Verlag, 98 Euro.