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DIE DURCHS FEUER GEHEN


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The Red Bulletin-Deutschland Ausgabe - epaper ⋅ Ausgabe 5/2022 vom 12.04.2022

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Bildquelle: The Red Bulletin-Deutschland Ausgabe, Ausgabe 5/2022

ARFF heißt die Eliteeinheit der Feuerwehr am Flughafen L.A. International. Das steht für ?Aircraft Rescue and Firefighting? ? und dass der Job tatsächlich ein Kampf ist, wird bei jedem Training deutlich.

Er sah die Boeing 767, als der Morgen dämmerte. Vielleicht hundert Meter tief, direkt über dem Los Angeles International Airport (LAX). So nahe, dass Michael Flores am Vordersitz seines Feuerwehr-Trucks fast jedes Detail erkennen konnte. Vor ein paar Minuten hatte ihr Kapitän einen Notruf an die Flugverkehrskontrolle am LAX abgegeben: linkes Fahrwerk defekt, Notlandung unvermeidbar. Der Tiefflug war eine taktische Entscheidung. Die Einsatzkräfte sollten vom Boden aus den Schaden begutachten, den der Pilot im Cockpit nicht sehen konnte. Da war nur ein Haken: Flores sah nichts. Grund: Das Fahrwerk war nicht ausgefahren. „Gar nicht gut“, sagte der Feuerwehrmann rechts von Flores.

Die Boeing 767 der FedEx-Frachtflotte befand sich eigentlich auf dem Weg nach Newark, New Jersey. Mit der gesamten Fracht an Bord wog sie mehr als 180 Tonnen. Wenn jetzt etwas schiefging, könnte diese Maschine am viertgrößten ...

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... Flughafen der Welt ein Inferno auslösen.

Flores, 51, war erst kurz davor nach dreißig Dienstjahren beim LAFD, dem Los Angeles Fire Department, zur ARFF gestoßen, der Eliteeinheit Aircraft Rescue and Firefighting am LAX. In Gedanken spielte er jetzt einen Fall von vor ein paar Jahren durch: Damals musste ein Jet-Blue-Flug von Burbank nach New York am LAX notlanden. Beim Aufsetzen auf die Landebahn stand das vordere Fahrwerk quer, und bis das Flugzeug zum Stillstand kam, waren die Vorderräder verbrannt und das Fahrwerk kaum mehr als ein schwelender Metallstumpf. Trotzdem hatte es keine Verletzten gegeben. Und heute?

Als die 767 auf der 3940 Meter langen Landebahn 25R aufsetzte, schlug das linke Triebwerk auf der Landebahn auf, und sofort zogen Funken eine leuchtende Spur durch die Dunkelheit. Das Startsignal für Flores und den Rest des ARFF-Teams der Station 80: Sechs riesige Feuerwehrautos – eine Million Euro teure grüne Monster namens Panther, von der österreichischen Firma Rosenbauer speziell für den LAX adaptiert, rasten jetzt auf die Startbahn. Vor Ort teilten sich die Feuerwehrleute in mehrere Teams auf: Eines holte den unverletzten Piloten mit einer Rettungstreppe aus dem Cockpit. Ein anderes Team kümmerte sich um den Co-Piloten, der sich in Panik an einem selbst zusammengeknoteten Seil aus dem Cockpitfenster abseilen wollte. Dabei stürzte er ab und verletzte sich beim Aufprall auf der Betonpiste am Bein.

Immerhin ein vergleichsweise glimpflicher Ausgang des befürchteten Albtraumszenarios mit hunderten Toten und Schäden in Milliardenhöhe. Flores und seine Leute bereiten sich dennoch Tag für Tag auf die ultimative Katastrophe vor. Während die anderen Feuerwehreinheiten der Umgebung – davon zwei in unmittelbarer Nähe des LAX – für medizinische Notfälle und Brände innerhalb der acht Flughafen-Terminals zuständig sind, ist die Station 80 nur auf eine Art von Einsätzen spezialisiert: den Schutz der rund 700.000 Flugzeuge, die jedes Jahr den LAX passieren. Ausgelaufener Treibstoff, Rauch im Cockpit, ein seltsamer Geruch: Diese Warnzeichen können binnen Sekunden zu lebensbedrohlichen Feuersbrünsten führen.

Denn jedes der im Schnitt 1900 Flugzeuge, die pro Tag am LAX starten oder landen, fasst zigtausende Liter hochentzündlichen Kerosins, ein vollgetankter zweistöckiger Airbus 380 sogar über 300.000 – und hat direkt daneben ein paar hundert Passagiere sitzen.

Deshalb patrouilliert die Elite-Crew rund um die Uhr durch die labyrinthartigen Korridore der Start-und Landebahnen, stets bereit zum sofortigen Eingreifen.

„Am LAX musst du immer zu hundert Prozent fokussiert sein“, sagt Leonard Sedillos, ein sanftmütiger Kumpeltyp in der rauen Schale eines abgebrühten Feuerwehr-Profis, „denn deine ganze Karriere kann an einem einzigen Einsatz gemessen werden.“ Sedillos ist einer von mehreren Feuerwehrhauptleuten in der Station 80 und wacht mit der Selbstlosigkeit einer Glucke über seine Jungs.

Auch wenn Zwischenfälle selten vorkommen, sind er und sein ARFF-Team dank der Kombination aus perfekt abgestimmtem Teamwork, hochmoderner Ausrüstung und jahrelanger Erfahrung für jeden vorstellbaren Unfall gerüstet – bis hin zur gigantischen Massenkatastrophe, die eine Stadt oder ein Land für Generationen prägen könnte. Präventionsarbeit und Katastrophentraining finden weitgehend im Verborgenen statt. Sie sind der Garant dafür, dass der Ernstfall niemals eintritt und jedes Jahr Millionen Passagiere sicher an ihr Ziel kommen.

Trainings so hart wie ein Einsatz

Die Feuerwehreinheit des LAX hat eine lange Geschichte – und sie war von Anfang an ein Experimentierfeld für kühne Zukunftsideen. So setzten die ersten ARFF-Einheiten schon 1937 Hochdrucknebel zur Brandbekämpfung ein, zu jener Zeit ein revolutionäres Konzept.

Damals wie heute: Die Eliteeinheit ARFF repräsentiert so etwas wie die Champions League der Branche. Nur wer jahre-oder jahrzehntelange Erfahrung aus Stadt-und U‐Bahn-Feuerwehreinheiten mitbringt, darf am 3000 Hektar großen Mikrokosmos LAX in der Top-Liga mitspielen. „Wenn du als erfahrener Feuerwehrmann neu zu uns stößt, lernst du deinen Job nochmals von der Pike auf“, sagt Flores, der davor zwanzig Jahre lang bei der Stadtfeuerwehr von Los Angeles – durchaus wörtlich – durchs Feuer gegangen war.

Alles, was hier passiert, hat Auswirkungen auf die Flugwelt. Ein Zwischenfall am LAX löst Chaos aus. Auch bei uns.

Auf Knopfdruck schießen aus dem Panther 15.000 Liter Wasser auf ein brennendes Flugzeug. Das kann reichen. Muss es aber nicht.

48 Stunden dauert eine Schicht in der ARFF, bei ärgster Hitze und schlimmstem Stress. Trotzdem hat das Team keinerlei Nachwuchsprobleme.

Pflicht, Ehre, Gemeinschaft sind die Werte, die die Firefighter zusammenhalten. Sagen sie.

Der LAX, der pro Jahr 88 Millionen Passagiere abfertigt, ist so etwas wie eine Insel innerhalb von Los Angeles, eine Stadt in der Stadt. Spezielle Markierungen unterscheiden erlaubte von verbotenen Wegen, auch das Fahrverhalten der Spezialfahrzeuge muss berücksichtigt werden: Erst am Vortag war ein Feuerwehrmann mit seinem Panther fast vom Rollfeld gerutscht, weil das untersteuernde Monstrum aus der Kurve schob. Merke: Ein Panther-Truck kann zwar auf 140 km/h beschleunigen, allzu beherzt gelenkt aber auch schon mit 25 km/h umkippen.

Noch ein bisschen mehr Stress gefällig? Kann ein kleiner Zwischenfall am LAX nicht im Handumdrehen unter Kontrolle gebracht werden, gerät die gesamte Flugsituation in den USA und zum Teil auch weltweit aus dem Gleichgewicht. Aber nicht für Stunden. Für Tage.

Eine Ruheoase innerhalb der roten Hölle

Dass die Feuerwehrleute trotz ihres Heldenstatus relativ unbehelligt ihrer Arbeit nachgehen können, hat einen praktischen Grund: Der beste Aussichtsplatz für Planespotters befindet sich nicht am Flughafen, sondern etwas außerhalb am Imperial Highway. Hier finden sich jeden Tag – und noch mehr jede Nacht – hunderte Flugzeugfans ein, um die Show zu beobachten.

Das ist aber nicht der einzige Grund, warum die Feuerwehr-Profis „ihren“ Flughafen als Ruheoase innerhalb einer verrückten Welt empfinden. Warum sie den LAX (wohl auch wegen der Farbe ihrer Rosenbauer-Panther) „grüne Welt“ nennen. Er ist für sie das wohlgeordnete, friedliche Gegenstück zur chaotischen „roten Welt“ außerhalb der Flughafenzäune, zum Moloch L. A. mit seinen Obdachlosenlagern, Autounfällen und Verbrecher-Verfolgungsjagden. „Die rote Welt ist die Hölle“, sagt Flores’ Kollege Billy Barnes, Flugzeug-Nerd von Geburt an und Feuerwehrmann seit 21 Jahren. „Alle meine Kumpels wären lieber hier am LAX als draußen“, sagt er. Sein erster Stützpunkt war die Station 94 im sogenannten „Jungle“.

Mitte 2021 landete Barnes auf Station 80, wo er am liebsten den Rest seines Berufslebens verbringen würde. Der Afroamerikaner, der mindestens zehn Jahre jünger aussieht, als sein Personalausweis behauptet, ist Amateurfilmer und wandelndes Archiv der Einheit. In seiner Freizeit baut er Flugzeugmodelle für Sicherheits-Tutorials, rahmt Schwarz-Weiß-Fotos historischer Einsätze oder bewahrt die schlimmsten Flugzeugunfälle der Geschichte vor dem Vergessenwerden. Etwa mithilfe seiner Fotosammlung in der Ecke des Besprechungssaals, in dem er dreißig Jahre alte Zeitungsausschnitte aufgehängt hat: „Pilot tot, viele vermisst nach Feuer-Inferno in L. A.!“

Kein Fehler passiert zweimal

Über Traumata wie dieses reden die harten Jungs nicht gerne. Aber das heißt nicht, dass alle Einsätze spurlos an ihnen vorübergegangen sind. Barnes bekam zum Beispiel nie den Absturz einer Asiana-Airlines-Maschine am 6. Juli 2013 am San Francisco International Airport aus dem Kopf. Das Heck der Maschine war gegen eine Mauer geprallt und das Flugzeug in zwei Teile zerbrochen, drei Tote und 187 Verletzte waren zu beklagen. Aber das war damals noch nicht das Schlimmste: Den Feuerwehrleuten, die seinerzeit Dienst hatten, war ein folgenschwerer Fehler unterlaufen – sie hatten in der Hektik ein Opfer übersehen, das auf die Rollbahn geschleudert worden war, und überrollten es mit ihrem Feuerwehr-Truck. Bei der Autopsie wurde später festgestellt, dass die Person zu dem Zeitpunkt noch gelebt hatte.

„Manchmal hört man von Kollegen, die in Depression verfallen oder sich das Leben nehmen, weil sie eine falsche Entscheidung getroffen haben“, sagt Barnes. „Dabei kann jedem einmal ein Fehler passieren. Aber kein Fehler passiert uns zweimal – wir lernen aus unseren Lektionen.“

Die Garantie dafür ist permanentes Training. An einem heißen, wolkenlosen Tag machen sich mehrere Mitglieder der ARFF-Station 80 auf den Weg zum Flughafen von San Bernardino, hundert Kilometer östlich der Feuerwache. Hier trainieren oft Feuerwehr-Teams aus der ganzen Welt, etwa aus Nigeria, Kanada und Deutschland. Ein Dunstschleier verdeckt die nahe gelegenen San Bernardino Mountains. Am Programm steht heute ein sogenannter „live fire burn“.

Das Firefighter-Glossar

Fakten zum Einsatzteam des Flughafens in Los Angeles

LAX: Los Angeles International Airport mit 3000 Hektar Fläche

LAFD: Los Angeles Fire Department

ARFF: Eliteeinheit Aircraft Rescue & Fire Fighting Working Group

Panther: Großflughafenlöschfahrzeug, das 15.000 Liter Wasser und Löschschaum fasst

Forever foam: chemisches Brandbekämpfungsmittel

1900 Flugzeuge starten/landen pro Tag am LAX

Station 80: zuständig für den Schutz von ca. 700.000 Flugzeugen

Auf einer riesigen Betonfläche in der Nähe von zwei riesigen Lagerhäusern stehen mehrere Reihen ausgemusterter Flugzeuge, bereit für die Schlachtbank. Der Schauplatz für die heutige Schulung: zwei leere Flugzeughüllen. Das größere Wrack liegt in einer kreisförmigen, mit Steinen gefüllten Grube von 16 Meter Durchmesser, gemeinsam mit 78 Gasleitungen, die unterirdisch mit einem mehr als 100.000 Liter fassenden Flüssigpropantank verbunden sind. Auf Kommando der diensthabenden Test-Ingenieure geht die Grube in Flammen auf. Sofort lodert rund um das Flugzeug eine sechs Meter hohe Flammenwand auf und frisst sich durch den Flugzeugtorso. Jetzt muss sich ein Sechs-Mann-Trupp von Feuerwehrleuten in die überdimensionale Feuerhölle wagen, geschützt durch feuerfeste Anzüge und ausgestattet mit Atemschutzgeräten. Das Team schließt einen Schlauch an den Rosenbauer-Panther, rückt weiter Richtung Brandherd vor und löscht die Flammen.

Wissen ist Speed. Und Sekunden können im Ernstfall den Unterschied ausmachen. Das ist das Wichtigste, was man am Airport wissen muss.

Heute kommt dabei nur Wasser zum Einsatz, aber im Falle eines realen Brandeinsatzs wären Polyfluoroalkyl-Substanzen (PFAS) die bessere Wahl. Der sogenannte „forever foam“, ein chemisches Brandbekämpfungsmittel, bindet den Sauerstoff, das Lebenselixier der Flammen. In seltenen Fällen wird auch eine teure und hochgiftige Verbindung namens Halotron eingesetzt. Ihr Vorteil: Wird sie bei einem Cockpit-Brand eingesetzt, kommen empfindliche elektrische Geräte nicht zu Schaden.

Jeder der sechs grünen Lastwagen der Station 80 führt fast 15.000 Liter Wasser und weitere 4000 Liter PFAS mit. Wie der Stachel eines Skorpions lauert auf dem Geschützturm auf dem Dach der Trucks eine zwei Meter lange ausfahrbare Kanone, die ein Loch durch Metall schlagen kann – etwa um die Hülle eines Flugzeugs zu öffnen. Durch den Hohlraum können die Feuerwehrleute dann Wasser oder Schaum ins Innere pumpen.

Wissen ist Speed. Und Sekunden können, wie Gonzalez seinen jüngeren Kollegen eintrichtert, in einem Einsatz den Unterschied zwischen Leben und Tod ausmachen. Als Faustregel gelten dabei 90 Sekunden: So lange haben die Einsatzkräfte im Schnitt Zeit, bevor ein Brand im Flugzeug den gesamten vorhandenen Sauerstoff zum Atmen verbraucht hat. Gelingt die Rettung nicht schnell genug, könnten Menschen sterben – als Erstes die Alten, die Gebrechlichen, die Menschen mit einem Handicap. Und manchmal auch Feuerwehrleute. Sogar ein Training kann zum Ernstfall werden; so erlitt vor ein paar Jahren ein Feuerwehrmann während einer Ausbildungseinheit in San Bernardino einen Herzinfarkt. Zum Glück konnten ihm seine Kollegen das Leben retten.

Eiserne Entschlossenheit brennt nicht

Als einer der Verantwortlichen ist heute auch Hauptmann Leonard Sedillos am Trainingseinsatz in San Bernardino beteiligt. Aufgewachsen in einer Familie von Feuerwehrleuten, wusste Sedillos schon als Kind, dass er in die Fußstapfen seines Vaters treten wollte. Zu dessen Zeit mussten die Feuerwehrleute der Gefahr noch mit vergleichsweise primitiver Ausrüstung ins Auge blicken. Nicht selten traf man damals Kollegen, deren Ohren infolge übermäßiger Hitzeeinwirkung halb verbrannt waren. Atemschutzgeräte und feuerfeste Anzüge gab es nicht, und an den Beinen trug man normale Stiefel – keine stahlkappenbewehrten Sicherheitsstiefel wie heute.

Nur das Berufsethos ist dasselbe geblieben: Pflicht, Ehre, Gemeinschaft. Sedillos verbrachte seine Kindheit in der Station seines Vaters, wo die Kollegen zur Familie gehörten und Tragödien und Triumphe gemeinsam durchlebt wurden.

Heute verbringt Sedillos seine Nachtschichten sowohl in der „roten“ als auch in der „grünen“ Welt. Die Überstunden helfen ihm, seine Zwillingsmädchen durchs College zu bringen.

Starke Bande retten über den Ernstfall

Zwei Wochen später treffen wir die Crew wieder am LAX. Die Stimmung ist entspannt, trotzdem sind alle einsatzbereit. Es sind andere Zeiten, doch eine Familie ist Sedillos’ Team noch immer. Jedes Mitglied arbeitet in Schichten von 48 Stunden, verbringt also ein Drittel seines Lebens zusammen mit den anderen auf der Wache. Beim Kochdienst wechselt man sich ab – heute gibt es Pulled-Pork-Sandwiches, frisches Obst und Schokoladekuchen. „Das mag hier recht gemütlich aussehen“, sagt Sedillos, „aber wir sind jede Sekunde bereit für den Ernstfall, auch für eine Megakatastrophe.“

Denn jeder hier – Michael Flores, der gerade über Football redet, Billy Barnes, der lachend einen seiner legendären Witze reißt – hat schon Leben gerettet, Bewusstlose wiederbelebt, Schwerverletzte und Tote aus brennenden Wracks geschnitten.

„Ich wollte was erleben – und das habe ich hier bis zum Überfluss“, sagt Barnes, „aber ich bleibe hier bis zu meinem letzten Arbeitstag.“

Draußen starten und landen die Flugzeuge, das Dröhnen der Düsentriebwerke verebbt zu einem angenehmen Hintergrundgeräusch. Flores beißt in sein Sandwich. „Wer hier bei uns anruft, hat normalerweise ein wirklich ernstes Problem. Und bei dem können wir ihm helfen, weil wir die Ausrüstung und Erfahrung dafür haben. Eigentlich ist das ein gutes Gefühl.“

Tony Guzman, das dienstälteste Mitglied des ARFF-Teams, gibt seinen jungen Kollegen trotzdem gerne eine Warnung mit auf den Weg: dass die Dinge nicht immer so laufen, wie man sich das erhofft. Immer wieder ertappt er sich dabei, an Feuerkatastrophen vergangener Tage zurückzudenken.

„Vergesst nie, dass jede Sekunde zählt. Und dass Menschenleben davon abhängen, dass ihr euren Job perfekt macht“, sagt er. Es ist diese Überzeugung, die alle diese Feuerwehrleute hier im Raum teilen. Fast eine Art Besessenheit, die den LAX auch morgen wieder ein Stück sicherer machen wird.

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