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Die Entspannungsformel: (Hund + Mensch) x Bindung = Entspannung pur


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Der Hund - epaper ⋅ Ausgabe 2/2021 vom 06.01.2021

„Stimmt die Bindung, dann läuft’s!“ weiß Verhaltensbiologin und Hundeverhaltensberaterin Dr. Iris Schöberl. Wollen Sie herausfinden, ob Sie eine gute Bindung zu Ihrem Hund haben? Dann lesen Sie jetzt weiter! Woran wir Bindung erkennen, wie wir sie im Alltag fördern und warum Bindung und Stressmanagement untrennbar sind, klären wir hier.


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„Die fünf goldenen Leitworte sind: Schutz, Feinfühligkeit, Sicherheit, Verlässlichkeit und Verfügbarkeit.“


Ein großer Mythos, der sich seit Jahren hält, besagt: Geht mein Hund beim Spaziergang weit von mir weg, ist er selbstständig und ...

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... unabhängig, hat er keine gute Bindung zu mir. „Alles Quatsch!“, sagt Dr. Iris Schöberl. „Wenn keine Gefahr droht, gibt es keinen Grund, dass der Hund mir am Rockzipfel hängt, im Gegenteil: Nur ein bindungsfester Hund kann die Welt entspannt erkunden!“. Auch ein jagender Hund ist kein Grund zur Sorge, zumindest nicht, was die Bindung angeht. Einige Rassen sind in der Zucht auf bestimmte Eigenschaften selektiert worden – so jagt zum Beispiel der Beagle in der Meute und braucht dazu den Menschen nur bedingt. Beagle gehen auch ohne Probleme alleine auf die Jagd und empfinden dabei keinen Stress durch die Trennung vom Halter. Auch Terrier sind, was die Jagd angeht, meist unabhängig und gehen bei entsprechender Witterung von Wild auch in fremdes Gelände.

Bindung und Hunderasse

Ist dann vielleicht die Rasse Schuld? Spielt sie bei der Bindungsfähigkeit unserer Vierbeiner eine Rolle? „Zwar gibt es keine eindeutige Datenlage“, sagt Dr. Schöberl, „aber einige Rassen zeigen Bindung auf eine andere Art und Weise, als es zum Beispiel ein Labbi tut, der voller Liebe auf uns springt und uns abschleckt.“ Hunde, wie etwa der Akita, der Shiba Inu, oder auch der Thai Ridgeback sind zwar eher selbstständig, aber dennoch sehr bindungsfähig. Sie zeigen Bindungsverhalten oft subtiler, etwa durch Blickkontakt und fragende Rückerversicherungen zum Halter. Alle Hunderassen sind bindungsfähig! Problematisch wird es allein bei Hunden – egal welcher Rasse –, die nie auf den Menschen sozialisiert wurden. Sie entwickeln womöglich eine engere Beziehung zu einem Menschen, werden aber keine feste Bindung aufbauen.

Beziehung versus Bindung

Eine Beziehung hat der Hund zu mehreren Lebewesen, die er regelmäßig trifft und mit denen er kommuniziert. Beziehungen können ganz unterschiedlicher Natur sein. Eine Bindung hingegen befriedigt grundlegende soziale Bedürfnisse nach Verlässlichkeit, Schutz und Zuwendung. Der Bindungspartner ist nicht ersetzbar. Er begleitet und unterstützt den Hund bei seiner Persönlichkeitsentwicklung.

Daran erkennen Sie Bindung

Ist der Hund in Ihrer Anwesenheit entspannt, offen gegenüber neuen Erfahrungen und erkundungsfreudig, ist das schon mal ein tolles Zeichen. Schaffen Sie es jetzt noch, ein sicherer Hafen für Ihren Hund zu sein, wenn Gefahr droht? Jackpot! Nicht immer muss sich der Hund dabei übrigens gleich schutzsuchend hinterm Halter verstecken. Oft kommt aber eine Kontaktaufnahme, ein hilfesuchender Blick, der zum Beispiel sagt: „Oh weh, sag mal, ist das ok, dass die beiden Hunde mich hier so bedrängen?“ Es liegt am Menschen, aufmerksam und empfänglich für diese Kommunikation zu sein und den Blick nicht nur wahrzunehmen, sondern auch situationsgebunden richtig zu interpretieren. Idealerweise retten Sie Ihren Hund aus der unangenehmen Situation, indem Sie mit ihm weitergehen oder sich sachte zwischen Ihren Vierbeiner und die anderen Hunde stellen.

Auch wenn Ihr Hund Ihre körperliche Nähe sucht, ist das ein wichtiges Element der sozialen Bindung. Gemeinsames Kuscheln schüttet das Bindungshormon Oxytocin aus – bei Hund UND Mensch – und sorgt für eine tiefere Verbindung. Bei einer tollen Bindung orientiert sich der Hund grundsätzlich am Halter – drinnen wie draußen. Ein weiterer Anhaltspunkt, der auf eine gute Bindung schließen lässt: Sie schaffen es, Ihren Hund in stressigen Situationen zu beruhigen und seine Emotionen zu regulieren.

So geht Bindung NICHT

Wer sich für seinen Hund unberechenbar verhält, also zum Beispiel erst lieb und freundlich und dann plötzlich – ohne einen für den Hund ersichtlichen Grund – böse und aggressiv auftritt, lässt sich nicht gut einschätzen. Das bedeutet Stress für den Vierbeiner. „Natürlich sind wir nur Menschen und können nicht 100 Prozent feinfühlig sein – das schafft keiner! Aber ein aggressives Auftreten und die innere Einstellung: ‚Du machst jetzt gefälligst, was ich dir sage!‘, ist definitiv nicht bindungsfördernd“ erklärt die Expertin. Da Hunde sehr viel Bindungsbereitschaft mitbringen, entsteht meist dennoch eine Bindung zum Halter – aber eben keine sichere. Der Hund passt sich dabei an die soziale Umwelt an und macht das Beste daraus. Hunde mit unsicherer Bindung zeigen oft auch selbst ambivalentes Verhalten oder kontrollieren ihre Halter. Dabei geht es nicht um Momentaufnahmen, sondern um Verhaltensmuster, die tagtäglich auftreten. Das unsichere Bindungsmuster funktioniert – aber eben nicht ideal.

So geht Bindung

Die fünf goldenen Leitworte sind: Schutz, Feinfühligkeit, Sicherheit, Verlässlichkeit und Verfügbarkeit. Orientieren Sie sich daran, werden Sie ein sicherer Bindungspartner für Ihren Hund. Schutz zu bieten, ist eines der wichtigsten Elemente – am besten tun Sie das bereits proaktiv: Sie schützen ihn beispielsweise vor dem Auto, BEVOR er droht, hineinzulaufen und nehmen ihn aus einer unangenehmen Situation heraus, BEVOR diese zu eskalieren droht.

Hund + das richtige Bett = Entspannung

Die Art des Schlafens kann ein Zeichen für Sicherheit sein und dafür, dass der Hund sich wohl fühlt. Präsentiert der Hund etwa gerne seinen Bauch – eine hochsensible Region – bringt er seinem Bindungspartner viel Vertrauen entgegen. Das Hundebett sollte ein Ort der Entspannung sein – aber finden wir das passende? Bernd Moser von der Albert Kerbl GmbH gibt Tipps.

Welches Material empfehlen Sie?
Dabei sollte man die saisonalen Gegebenheiten berücksichtigen. Im Winter eignen sich zum Beispiel kuschelige Liegeplätze mit Langhaarplüsch oder Schafsfellimitat. Auch sehr gut geeignet sind Betten mit eingearbeiteter Reflektfolie. Diese bewirkt, dass die Eigenwärme des Hundes zurückreflektiert und gleichzeitig die Bodenkälte isoliert wird. In den Sommermonaten hingegen eignen sich Bettchen aus glattem Polyester oder Oxfordmaterial. Sie verteilen die Abwärme des Hundes gut und wirken somit kühlend.

Gibt es Füllungen, die gesünder oder nachhaltiger sind?
Matratzen mit Memory-Foam Schaumstoff eignen sich besonders gut für sensible oder ältere Hunde. Der Schaumstoff passt sich an die Körperform des Hundes an und stabilisiert ihn. Ein Trend bei den nachhaltigen Füllungen ist Watte aus recycelten PET. Hierbei wird recyceltes Plastik in seine polymeren Einzelteile zerlegt und dann wieder in Watte umgeformt.

Was macht eine gute Liegefläche aus?
Die Menge des Füllmaterials ist von großer Bedeutung. Bei einer zu geringen Befüllung kann es sein, dass der Hund diese schon nach wenigen Monaten durchgelegen hat. Wenn Sie selbst mit der Handfläche auf die Liegefläche drücken und den Boden darunter fühlen, ist die Lebenserwartung des Bettes nicht allzu hoch.

Wie sieht es mit der Hygiene aus?
Die Waschbarkeit eines Hundekissens hat eine sehr hohe Priorität. Da sich in den Stoffen Gerüche und Schmutz sehr lange halten können, ist es wichtig, das Kissen regelmäßig waschen zu können. Dabei sind besonders Kissen von Vorteil, deren kompletter Bezug abnehmbar ist.

Gibt es einen Art TÜV für Hundebetten?
Ein wirkliches Prüfsiegel für Hundebetten gibt es nicht, jedoch kann man die Qualität der Stoffe beurteilen, zum Beispiel, wenn diese ein Oeko-Tex Zertifikat haben.

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„Seid so, wie ihr gerne jemand anderen hättet, der für euch da ist, dann kommt die Bindung von ganz allein.“


Nach stressigen Situationen bieten Sie Ihrem Hund Körperkontakt an und versuchen, seine Emotionen zu regulieren. Das klappt besonders gut mit einem Sicherheitssignal, über das Sie dem Hund sagen, dass alles gut ist und ihm nichts passiert. Stimmungsübertragung hilft in den Situationen oft viel besser als Futter, auch weil ein sehr gestresster Hund kein Futter mehr annimmt. Das bedeutet aber zugleich, dass Sie selbst ruhig und gelassen sein müssen. Genau das gestaltet sich für viele Halter aber als Herausforderung.

Eine tolle Übung für den Alltag ist das Füttern hinter dem Rücken. Sie machen dabei einen großen Schritt vor den Hund und geben ihm hinten Leckerlis, sodass er hinter Ihnen bleibt. Das fördert das Einordnen hinter dem Halter – ein Verhalten, dass Sie Ihrem Hund auch in stressigen Situationen anbieten können, um ihm Sicherheit und Schutz zu vermitteln. Um die Bindung zuhause zu fördern, helfen viele positive gemeinsame Interaktionen: Kuscheln, Suchspiele und viel gemeinsamer Spaß sind hier wichtig. Achten Sie insgesamt darauf, bedürfnisgerecht zu handeln: Was braucht Ihr Hund gerade in der jeweiligen Situation? Seien Sie für ihn verfügbar. „Es lohnt sich, denn durch Bindungsarbeit ist weit mehr möglich als durch rein instrumentalisiertes Lernen“ betont Dr. Schöberl.

Das Sicherheitssignal

Ist Ihr Hund irritiert und gerät in Stress, zum Beispiel durch einen seltsam aussehenden Gegenstand, können Sie das etablierte Sicherheitssignal nutzen, um ihm zu signalisieren: „Es ist alles in Ordnung, dir wird nichts passieren.“ Dafür atmen Sie selbst einmal tief durch, entspannen sich und geben aus dieser Stimmungslage heraus Ihr Signal. Das kann ein Begriff sein, mit dem Sie etwas Schönes verbinden, wie zum Beispiel „Apfeltasche“, oder auch ein „Alles gut“. Ob der Hund es annehmen kann, wird an seiner Körpersprache deutlich – er entspannt Rute und Ohren. Kommt er zu Ihnen, darf er sich auch einen Keks abholen, das muss aber nicht sein. Wichtig ist, dass Sie das Signal nur in Situationen anwenden, in denen Ihrem Hund auch wirklich nichts passiert. Gibt zum Beispiel der Tierarzt eine Spritze, ist es unangebracht, denn dann passiert für den Hund ja etwas Unangenehmes.

Bindung in der Pubertät?

Keine leichte Zeit für Hund und Halter, und trotzdem: So dämlich sich der Hund auch aufführt, bleiben Sie auch in der Pubertät jederzeit für ihn verfügbar. Reagieren Sie weiterhin feinfühlig, auch wenn das Pubertier die Couch zerfetzt oder Futter verweigert und seien Sie trotzdem für ihn da. Sie verteidigen Ihren Hund, lösen Konflikte und bieten Ersatzhandlungen an. Wichtig ist gerade in der Pubertät auch ein sehr vorausschauendes Handeln, damit Konflikte gar nicht erst entstehen. Alles, was sonst noch Sicherheit vermittelt, ist zusätzlich hilfreich. Schaffen Sie zum Beispiel für den Hund einen klaren, sicheren Rahmen, verständliche Regeln und bauen Sie in den Alltag feste Rituale ein. Berührungen, Sicherheitssignale, Suchspiele und regelmäßige Ruhephasen helfen, in Wallung geratene Emotionen zu beruhigen.

Fazit

„Seid so, wie ihr gerne jemand anderen hättet, der für euch da ist, dann kommt die Bindung von ganz allein“ rät Dr. Iris Schöberl.


„Nicht verrückt machen, nicht alles überinterpretieren und intuitives Handeln ist ebenfalls hilfreich.“