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DIE FAHRT MEINES LEBENS


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Auto Bild - epaper ⋅ Ausgabe 19/2022 vom 12.05.2022

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Traumwagen auf Traumstraße: mit dem flachen, breiten Lucid Air im Redwoods State Park 61

„Im Smooth-Modus ist der Lucid erstaunlich effizient. Im Swift-Modus unglaublich agil. Und wenn ich den Sprint-Modus wähle, fragt der Air: Willst du das wirklich?“

Hauke Schrieber

KURZ VOR PESCADERO, WO AMERIKA aufhört und der Pazifik beginnt, ist endgültig Schluss mit Zurückhaltung. „Holy Fuck!“, das ist alles, was ich noch rausbringe. Voller Verzückung.

Der Wagen hört einfach nicht auf zu beschleunigen. Die Straße vor mir wird immer schmaler, das Meer rechts ein blauer Fleck, die kommende Kurve eine Verheißung. Ein Blick auf die Geschwindigkeitsanzeige. Jetzt bitte keine Highway Patrol. Eben noch knapp 70 km/h, ein kurzes Zucken meines rechten Fußes, plötzlich gut 200. In was? Fünf Sekunden?

Mein Leben zieht an mir vorbei wie der Highway 1 am Fenster meines Wagens. Mein Autofahrerleben. 35 Jahre, 25 davon beruflich. Hunderte von Modellen, sehr schnelle, sehr schöne, ganz viele ...

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... elektrisch, einige faszinierend.

Und jetzt das: Lucid Air Dream Edition Performance. Fünf Worte für ein Halleluja. Die Fahrt meines Lebens.

LUCID AIR DREAM EDITION PERFORMANCE

ANTRIEB 2 E-Motoren, Allrad LEISTUNG 817 kW (1111 PS) • L/B/H 4975/2198/1410 mm • LEERGEWICHT 2375 kg • 0-100 KM/H unter 3,0 s AKKUKAPAZITÄT 118 kWh REICHWEITE bis 753 km • PREIS 169 000 Dollar (netto)

Die Fahrt meines Lebens führt vom Firmensitz von Lucid Motors in Newark, Kalifornien, über das Silicon Valley, auf dem Pacific Coast Highway und über die gewundene, hügelige Landstraße 9 durch den Wald zurück. 263 Kilometer pures Autofahrerglück – in fast jedem Auto.

In diesem aber ganz besonders. Ein E-Motor pro Achse, zusammen 1111 PS. Ein Antrieb wie ein kleines Wunder: kompakt, leicht und vor allem ultraeffizient. Die Energie in dem 118 kWh großen Akku reicht für bis zu 721 Kilometer (nach strenger US-Berechnung EPA). Hätte ich statt der 21-Zoll-Räder die 19er drauf – es wären 753 Kilometer. Und in der Air-Version mit etwas weniger Leistung sind es sogar 832 Kilometer Reichweite. „Die Studie Mercedes EQXX gibt es nur wegen uns“, sagt mir Lucid-Boss Peter Rawlinson, bevor ich einsteige.

Alles an dem Auto ist voll auf Effizienz getrimmt: der Antrieb, der Akku, die Aerodynamik.

DIESE REISE wurde unterstützt von Lucid. Unsere Standards zu Transparenz und journalistischer Unabhängigkeit finden Sie unter go2.as/ unabhaengigkeit

Lucid – das sind vor allem vier Männer. Der Brite Peter Rawlinson, Boss und Technikchef, gilt als Vater des Tesla Model S. Designchef Derek Jenkins zeichnete einst den Mazda MX-5. Der deutsche Chefingenieur Eric Bach lernte sein Handwerk bei VW. Und Produktionschef Peter Hochholdinger kam ebenfalls von Tesla.

Finanziert wird Lucid vor allem vom saudi-arabischen Staatsfond. Die Saudis orderten gerade 100 000 Air. Mir genügt heute dieser eine.

Ich sitze vor einem leicht gebogenen 34-Zoll-Instrument unter einem riesigen Glasdach und fahre die Brücke über die Bucht von San Francisco. Ich vernehme laute Windgeräusche an der A-Säule und denke: 169 000 Dollar? Außerdem spiegelt sich die fette Ziernaht hinter dem Cockpit in der Windschutzscheibe. Aber der Verbrauch (im Display angegeben in Kilometer pro kWh) ist beeindruckend. Umgerechnet 14,3 kWh/100 km.

Die Lenkung gibt noch etwas wenig Rückmeldung, doch das ändert sich, als ich den Fahrmodus Smooth verlasse und in Swift schalte. Plötzlich wird die Fünf-Meter-Limousine agil wie ein Sportwagen. Vor allem bei der Beschleunigung von 80 km/h an aufwärts bleibt mir schon jetzt die Spucke weg. Ich frage mich: Was passiert, wenn ich auf Sprint stelle? Diese Fahrstufe, die die vollen 1111 PS freigibt, muss ich erst am Touchscreen bestätigen. Was ich dann erlebe, ist eine Kraft, die anders ist als im Porsche oder Bugatti: gewaltig, aber unangestrengt, lässig. Und der Verbrauch steigt bei Tempo 200 auf gerade mal knapp 30 kWh.

Was für eine Air-fahrung! Ich kann den Lucid fahren wie einen echten Sportwagen und hinter der nächsten Kurve rollen lassen wie eine Luxuslimousine. Auf der Landstraße im Swift-Mode wird der Air gefühlt kürzer und leichter. Springt um die engen Kurven wie ein Roadster, beschleunigt heraus wie ein Supersportwagen.

Die Ankündigung, es könnte irgendwann theoretisch auch eine Air-Version mit drei Motoren geben, macht mir doch etwas Angst.

Pause in Pescadero. Für ein Foto lade ich kurz nach, aber der Akku ist noch fast voll. Die Ladeleistung des Air ist gewaltig: im Idealfall über 300 kW. Das 924-Volt-Bordnetz sorgt dafür, dass der Air in 20 Minuten Strom für 480 Kilometer aufnehmen könnte. Auch ein bidirektionales Laden funktioniert. Kein Wunder also, dass Eric Bach den Onboard-Charger „Wunderbox“ getauft hat.

In Pescadero treffe ich in einem Café einen Mann namens David Beswick. Er kann gar nicht glauben, einen Lucid in freier Wildbahn zu sehen. Wenige Hundert sind bislang verkauft; auch das Lucid-Werk in Arizona leidet unter der Chipmangel, Pandemie, Krieg.

„Ich habe ihn schon bestellt, er wird meinen Volvo ablösen“, sagt der große, kräftige David, der trotzdem Platz ohne Ende im Air hat. Audi-A6-Maße, aber A8-L-Platz, so bemessen sie das bei Lucid. Dazu das Fahrassistenzsystem „Dream Drive Pro“ mit Lidar, Radar, Kamera, insgesamt 32 Systeme.

„Heute fordern wir Mercedes heraus“, so Peter Rawlinson nach meiner Rückkehr. „Aber ab 2025, wenn wir nach dem SUV Gravity auch unsere viel günstigere Mittelklasse-Limousine fertig haben, dann werden wir Tesla angreifen.“

Auch in Deutschland. Noch in diesem Jahr kommt Lucid Motors zu uns. Gerade hat in München der erste Showroom eröffnet.

Die Fahrt meines Lebens, sie bekommt eine Fortsetzung.

FAZIT

HAUKE SCHRIEBER

Ich kenne Peter Rawlinson und das Projekt Lucid Air seit fünf Jahren. Als ich nun an einem Morgen die Zentrale in Kalifornien besuchte, standen dort neben dem Air ein Model S, ein EQS und ein Taycan Turbo S. Ich möge alle Autos vergleichen. Tesla, Mercedes und Porsche würden sich ja auch den Air genau ansehen. Und SUV sowie Mittelklasse-Modell kämen ja erst noch. Ich spürte: Das Selbstvertrauen von Lucid ist enorm. Am Abend wusste ich warum.

LUCIDS KONKURRENTEN: MERCEDES EQS UND BMW i7

Als Lucid 2017 erstmals den Air zeigte, waren Elektrolimousinen noch rar. Jetzt hat es das US-Start-up unter anderem mit etablierter deutscher Konkurrenz zu tun. Der Mercedes EQS auf der neuen E-Plattform ist fast gleich lang, aber zehn Zentimeter höher als der Air. Auf der Rückbank des Lucid ist trotzdem mehr Platz. Der EQS hat weniger Leistung (max. 761 PS), eine ähnliche Reichweite (bis zu 782 km), lädt langsamer (bis 200 kW). Hat dafür aber den Hyperscreen. Preis: 107 326 Euro (EQS 450+). Ganz neu ist der klobige BMW i7, die E-Version des 7er. Geringere Reichweite (bis 625 km) bei etwas kleinerem Akku (101,7 kWh). Spektakulärer 31-Zoll-Bildschirm im Fond. Preis: ab 135 900 Euro.