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Die faszinierende Welt der SCHAFE


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Gong - epaper ⋅ Ausgabe 37/2022 vom 09.09.2022

NATUR

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Bildquelle: Gong, Ausgabe 37/2022

NEUGIERIG Schafe können Artgenossen erkennen, ja sogar vertraute Menschen ? am Gesicht

3–5 KILO WOLLE liefert ein Schaf pro Schur. Dass Schafe geschoren werden müssen, hat sich im Lauf der Jahrtausende entwickelt

Viele Menschen, die in Regionen mit Schafhaltung leben, kennen diese Geschichte: Manchmal müssen Lämmer mit der Flasche aufgezogen werden – von einer einzigen Person, anders geht es nicht. Nähert diese sich später der Herde und ruft „ihr“ Schaf beim Namen, antwortet es und läuft herbei. Gelegentlich beobachten das Touristen, rufen denselben Schafsnamen – und wundern sich, dass nichts passiert. Aber würden sie selbst sofort auf einen Fremden zulaufen, der ihren Namen ruft? Eben! Wir Menschen kommen einfach nicht auf die Idee, dass Schafe Individuen genauso gut erkennen wie wir selbst.

Ziemlich schlau und sehr empfindsam

Dumme Schafe? Mitnichten. Der bekannte schwedische Verhaltensforscher Per Jensen beschreibt Schafe in seinem Buch „Wie Tiere fühlen“ (National Geographic ...

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... Verlag, 200 Seiten, 24,99 Euro) als „soziale Tiere mit einer erstaunlichen Fähigkeit, die anderen in der Herde im Auge zu behalten. Sie erkennen ihre Schäfer wieder und vertrauen darauf, dass sie ihnen wohlgesonnen sind. Außerdem sind sie empfindsame Lebewesen, die voll und ganz auf den sozialen Rückhalt durch andere angewiesen sind, damit es ihnen gut geht. Allein wirken sie einfach hilflos und verunsichert. In dieser Hinsicht sind sie uns recht ähnlich.“

Immer wieder erstaunt es Forscher, wie gut und lange Schafe sich die Gesichter von Artgenossen merken können – aber auch jene von Menschen. Selbst wenn sie über Jahre von einem zuvor vertrauten Individuum getrennt sind, erkennen sie es später wieder. Studien weisen darauf hin, dass sie Freundschaften mit Artgenossen schließen. Auch Glück, Langeweile, Wut, Verzweif lung und Angst können die Tiere empfinden.

Neugeborene Lämmer sind von Anfang an fit fürs Leben und folgen ihrer Mutter überallhin. Spielen finden sie genauso toll wie Fressen – das wurde wissenschaftlich bewiesen. Das Gehör von Schafen ist sehr viel feiner als das von Menschen. Zudem scheinen sie mindestens einen Sinn zu haben, der uns abgeht: Sie nehmen das Magnetfeld der Erde wahr – eine Erklärung für ihren guten Orientierungssinn. Dank ihrer länglichen, fast rechteckigen Pupillen sehen sie einen weiteren Horizont als wir, können sich so besser vor Raubtieren schützen.

Und warum machen Schafe ständig „Mäh“? Weil sie miteinander kommunizieren. Auch wenn sich für uns alles gleich anhört: Die Sprache der Schafe kennt diverse Laute, um Botschaften auszutauschen. Etwa um vor Gefahren zu warnen oder auf gute Nahrung aufmerksam zu machen.

Ohne Schafe keine Zivilisation?

Ohne das Schaf wäre die Menschheit vielleicht nicht da, wo sie heute steht. Tatsächlich ist die menschliche Zivilisation eng verknüpft mit der Schafhaltung. Ihr Ursprung liegt in Mesopotamien, dem legendären „Zweistromland“ zwischen Euphrat und Tigris, das heute zu Iran, Irak, Jordanien und Syrien gehört. Etwa 9000 Jahre vor Christus fingen Menschen dort erstmals Mufflons, die Vorfahren aller gezüchteten Schafe, und domestizierten sie.

Seit 11.000 Jahren also dienen die robusten, duldsamen Tiere den Menschen als Fleisch-, Milch-, Leder- und Felllieferanten. Auch in unserem Kulturkreis haben Schaf- und Hirtensymbole eine wichtige Bedeutung. Agnus Dei, das Lamm Gottes, steht in der christlichen Religion für die Auferstehung Christi: Zart, wehrlos und unschuldig ist es – und doch trägt es die Sünden der Welt. Zu Ostern essen viele Familien traditionell Lammfleisch. Und wer leitet in der evangelisch-lutherischen Kirche die Gemeinde? Der Pastor, lateinisch für Hirte, und natürlich die Pastorin.

200 SCHAFRASSEN gibt es weltweit. 70 davon auch in Deutschland

Weltweit gibt es heute etwa eine Milliarde Schafe, 1,5 Millionen davon leben in Deutschland. Sie dienen hier vor allem der Gewinnung von Lammfleisch – aber auch der Landschaftspf lege. Die Lüneburger Heide etwa würde von Wald verdrängt, wären dort keine Heidschnucken, die den Bewuchs kurz halten. An den Deichen verdankt man Schafen den Küstenschutz. Ihr Tritt und Biss sorgen dafür, dass Grasnarben und Wurzelwerk Festigkeit bewahren – das wirkt der Erosion der grünen Bollwerke entgegen. Wie wichtig Schafe für die Artenvielfalt sind, verrät in einer Doku einer der letzten Wanderschäfer (siehe TV-Tipp). Von April bis Dezember zieht er mit seiner Herde von bis zu 1000 Tieren über die Weidegebiete rund um Augsburg und verhindert so die Verbuschung.

Seit 1990 ging die Zahl der Schafe hierzulande um mehr als die Hälfte zurück. Jetzt deutet sich eine Trendwende an: Seit 2020 nehmen die Bestände wieder zu. Und anders als fast alle weiteren Nutztiere werden Schafe bei uns beinahe ganzjährig draußen gehalten: artgerecht in Bewegung an der frischen Luft.

NELE-MARIE BRÜDGAM

Die 6 schönsten Schafe der Welt

Alle Schafe stammen von Mufflons ab, die in Mesopotamien domestiziert wurden. Sie kommen auf jedem Kontinent vor, sind vielerorts ein Lebensgarant. Den Verzehr von Schaffleisch akzeptieren alle großen Religionen

JAKOBSCHAF

Besonderheit der Rasse: zwei, vier oder sechs Hörner und geflecktes Fell. Benannt ist sie nach dem alttestamentarischen Hirten Jakob

WALLISER SCHWARZNASENSCHAF

Das Tier mit den kurzen Beinen hat am ganzen Körper Fell und einen festen Tritt – gut in den Bergen. Beide Geschlechter tragen Hörner

SKUDDE

Eine alte kleine Rasse, die ursprünglich aus Ostpreußen und dem Baltikum kommt. Die Tiere werden nur 50 bis 60 Zentimeter groß

ZACKELSCHAF

Die letzte überlebende Rasse mit Schraubenhörnern. Diese sind bei Widdern bis zu einem Meter, bei Weibchen 50 Zentimeter lang

KÄRNTNER BRILLENSCHAF

Namensgebend war erkennbar die dunkle Färbung um die Augen. Das Tier pflegt die alpine Landschaft und liefert feines Fleisch

OUESSANTSCHAF

Das Bretonische Zwergschaf stammt von der Île d’Ouessant und wird laut Zuchtziel nur 46 (Weibchen) oder 49 Zentimeter (Bock) hoch