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DIE FREUDEN DER HUNDEHALTUNG


SitzPlatzFuss - epaper ⋅ Ausgabe 36/2019 vom 10.07.2019

Als Hundehalter gehört man zu den Auserwählten, zu jenen, die bedingungslos geliebt werden. Hundehalter sind glücklich und zufrieden, mit sich und der Welt im Reinen. Denn Hundehaltung ist vor allem eins: Glück zum Anfassen. Oder war das nur in der Theorie so? In der Zeit, als man sich noch vorstellte, wie es wohl sein müsse, endlich mit einem Hund sein Leben zu teilen? Damals, als man noch schwarze Kleidung ohne Haarbüschel tragen konnte, Abfalleimer nicht beschweren musste, um sie vor unbefugtem Zugriff zu schützen, und noch überall ein gern gesehener Gast war. Einen Hund (oder mehrere Hunde) zu ...

Artikelbild für den Artikel "DIE FREUDEN DER HUNDEHALTUNG" aus der Ausgabe 36/2019 von SitzPlatzFuss. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: SitzPlatzFuss, Ausgabe 36/2019

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... haben, ist toll – mit Einschränkung. Aber Humor ist ja bekanntlich, wenn man trotzdem lacht, und wenn eine Gruppe jede Menge davon mitbringt, dann ja wohl wir: die Hundehalter, die aus Erfahrung nicht klug werden und mit jedem Welpen oder adoptierten erwachsenen Vierbeiner wieder und wieder in dieselben (oder gern auch neuen) Fallen tappen, die das Leben mit Hund so mit sich bringen. Doch am Ende des Tages sind wir alle froh, wenn wir es uns mit dem Hund auf dem Sofa bequem machen und ihm ins Ohr flüstern: Du bist eine echt lästige Knallbohne, aber ich liebe dich über alles.

(Foto: Shutterstock/smrm1977)

Bis aber der gnädige Abend da ist, kann so ein Tag mit Hund ziemlich aufregend sein. Im Leben jedes Hundes kommt es vor, dass er sich den Magen verdorben hat. Leckerchen werden nicht immer gleich gut vertragen, oder der herzhafte Happs in den Haufen Pferdeäpfel war einer zu viel. Könnte auch sein, dass die letzte Maus des Tages verdorben war. Egal, was es ist, wir kennen es alle: Eben noch in süßen Träumen und plötzlich hellwach vom wahlweise würgenden Geräusch des geliebten Vierbeiners oder von Blähungen, untermalt mit Gewinsel, das überdeutlich zum Ausdruck bringt, dass wir jetzt, und zwar jetzt SOFORT, eine Möglichkeit, nach draußen zu gelangen, anbieten sollten. Als Hundemenschen schaffen wir es zwar durchaus, schon auf den Beinen zu sein, bevor das Hirn realisiert hat, was zu tun ist, trotzdem ist es oft zu spät: Wir hören den sich entladenden Schwall (geübte Vierbeinerfreunde machen ab dem Moment nicht mehr den Fehler, durch die Nase zu atmen). In Windeseile wird abgecheckt, welche Möbelstücke oder Teppiche in Mitleidenschaft gezogen wurden, und auch mitten in der Nacht werden hochkarätige Putzutensilien hervorgeholt, um alles wegzuwischen. Die Sorge um das arme Tier wechselt mit Selbstmitleid, denn wenn in wenigen Stunden der Wecker zur Arbeit ruft, interessiert es niemanden, warum die Augenringe so sind, wie sie sind. Aber hey, shit happens, und Hauptsache, dem Hund geht es wieder gut. Schnell vergessen ist dieser Mist, und das unbeschwerte Leben geht weiter.
Jedenfalls so lange, bis es mal wieder zur Matsch-oder-Mist-auf-den-Feldern-Saison kommt. Wettererprobt sind wir ja alle. Wo früher einmal der stylische, aber nichtsnutzige Mantel hing, wurde Platz geschaffen für Regenhose und -parka, Allwetterjacke, Cape und Trekkingweste. Auch der Schuhschrank weist eine Vielfalt auf, die Besucher staunend zur Kenntnis nehmen, weil sie die bisher nur im Laden für den Profibergsteiger gesehen haben. Spätestens nach dem ersten Jahr hat auch der Ersthundehalter für jegliche Wetterkonstellation vorgesorgt und kann warm und trockenen Fußes auch den heftigsten Blizzard überstehen. Der Hund freut sich sowieso über jedes Wetter und suhlt sich, je nach persönlicher (rassespezifischer) Veranlagung, mit Vorliebe im tiefsten Schlamm.
Wunderschön ist es, dieser Begeisterungsfähigkeit staunend beizuwohnen und sich gemeinsam mit dem Tier darüber zu freuen, dass wirklich jeder Situation das Beste abgewonnen werden kann. Hach, wäre man doch noch einmal Kind und ebenso einfach glücklich zu machen, wie es uns der Hund gerade zeigt. Aber halt! Ist das so großartig? Wir können unsere Matschschuhe im Hausflur abstellen, doch was mit Fiffi anstellen, der zwar glücklich, aber auch triefnass, dreckig und vielleicht stinkend im Flur steht?

Wen kümmert schon das Schlammbad angesichts dieses Blicks?


(Foto: Shutterstock/smrm1977)

Im Mehrfamilienhaus oder Hotel heimlich den Hund durchs Treppenhaus schleusen und hoffen, dass es keiner sieht? Wohl kaum. Nach dem Gassi erst den Hund abrubbeln und dann noch schnell die Treppe putzen?
Schon eher. Da fällt es wenigstens nicht so sehr ins Gewicht, dass auch Tage später noch trockene Dreckklumpen aus dem Hundehaar in die Sofaritzen purzeln oder beim Schütteln durch die Luft auf Essen oder Gäste geworfen werden – Haar mit Ballast sozusagen, wer kennt es nicht?! Das mit den Haaren ist ohnehin so eine Sache, die einem vorher keiner realistisch gesagt hat. Also, dass sie da sind, war klar, aber nicht, dass sie sich weitervermehren, quasi nie wieder verschwinden und sich überall (wirklich und ehrlich: ÜBERALL) festsetzen. Zugegebenermaßen führt das dazu, dass die meisten Hundehalter einen eher farbenfrohen Kleidungsstil haben – da sind die Haare nicht so leicht zu sehen wie auf den dunklen Tönen. Machen wir diese triste Welt ein kleines bisschen bunter. Herrlich ist das!
Für Gäste legt man Fusselroller in verschiedenen Variationen bereit und weist dezent, aber nachdrücklich darauf hin, dass zum Hausbesuch eben auch die Mitnahme kleiner Gastgeschenke in Haarform gehört. Ebenso wie die netten, wenn auch für Herrchen und Frauchen manchmal peinlichen Anekdoten, die der hundelose Besucher erfahren und mitnehmen darf: Wenn Fiffi zum Beispiel wortwörtlich über Tische und Bänke geht, um den Gast bis in jede Ritze abzuschnüffeln oder ein für alle Mal klarstellen will, wer in dieses Haus gehört und wer nicht – es gibt immer einen Grund, sich als Gastgeber mit Tier zu entschuldigen (meist halbherzig und nur, weil es sich gehört, denn immerhin wussten die Besucher ja, worauf sie sich einlassen). Der Vorteil kann sein, dass man von nun an eher eingeladen wird als einzuladen hat – vielleicht mit dem verdeckten Hinweis darauf, den Hund zuhause zu lassen, da die schneeweiße Couch der Gastgeber sich vom letzten Hundebesuch noch nicht erholt hat oder die ausgebuddelte Palme gerade wieder eingepflanzt wurde. Kurze Momente der Scham, in denen wir im Geist verifizieren, ob die letzte Zahlung an die Hundehalterhaftpflicht auch wirklich getätigt wurde. Denn freundlich gemeintes, aber nicht besonders geliebtes Anspringen von Spaziergängern, wildes Auskläffen und Jagen von Katzen oder Radfahrern, emsiges Verteidigen des Gassireviers gegen Erzfeinde oder das pubertäre Zerstören von Einrichtungsgegenständen – ein Hund ist über die Jahre ein schier nicht versiegender Quell von Kreativitätsausbrüchen. Es gibt so viele Ideen, auf die unser Hund kommt, die wir nie für möglich gehalten hätten. Manches lässt uns den Atem vor Angst stocken, einiges das Herz vor Scham in die Hose rutschen und noch mehr erst verärgert aufräumen, um dann lachend in unsere persönlichen „Meine besten Erinnerungen“ aufgenommen zu werden.

Das Leben, wie es bis dahin war, wird anders, sobald ein Hund einzieht. Egal, ob es der erste ist oder das bestehende Rudel erweitert wird. Der Alltag verändert sich, denn jeder Hund kommt mit seinem ganz eigenen Päckchen an Erfahrungen an und alles wird auf den Kopf gestellt. Und das ist gut so! Wer nicht bereit ist, sich selbst ein Stück weit zu öffnen und auf den Hund zuzugehen, wer eine Maschine will, die sich eins zu eins ins bisherige Leben integriert, ohne dabei aufzufallen und individuell zu sein, der ist besser mit der japanischen Roboterausgabe des Vierbeiners bedient. Und ja, wir müssen alle dazulernen. Lernen geschieht immer, überall – mal mehr, mal weniger offensichtlich. Egal, ob bereits 40 Jahre Hundeerfahrung vorhanden sind oder man wie die Jungfrau zum Hunde kam. Wir lernen vor allem viel über uns selbst. Dass wir weniger Schlaf brauchen als angenommen; dass wir statt mit Sportwagen doch mit Kombi viel glücklicher sind; dass wir statt Disco lieber die Sterne beim Gassigehen betrachten oder dass statt Karibik ohne Hund die Nordseeküste mit Hund irgendwie geiler ist.
Wir sind anpassungsfähiger, als wir dachten, wenn wir uns mit Menschen zum Spaziergang verabreden, die wir unter normalen Umständen weitläufig umgehen würden; aber Emma ist nun mal Jackos liebste Tobefreundin, sodass unsere persönlichen Befindlichkeiten eben außen vor bleiben, damit der geliebte Vierbeiner über beide Ohren strahlend über die Felder toben kann.
Und wo bis vor dem Einzug des Hundes noch jede Menge teurer Nippes und edle Designerstücke das Interieur verschönerten, da stehen jetzt Körbchen und Wassernäpfe, liegen Teppiche als Rutschschutz und verschwinden Gegenstände, die zwar ansehnlich, aber unpraktisch sind.
Ming-Vasen werden auf den Dachboden verbannt, weil Hund dagegenlaufen könnte, und freie, aufgeräumte Flächen werden zu Gymnastik- und Clickerlandschaften umgebaut, damit auch bei schlechtem Wetter ein Indoorparcours zur Verfügung steht.
Nachbarn werden mit quietschenden Spielzeugen malträtiert, weil nur das Teil mit dem lautesten, hochtönendsten Geräuschpegel als die ultimative Rückrufbelohnung funktioniert, und die Worte: „Entschuldigung, das hat er noch nie gemacht“, oder: „Wir arbeiten da noch dran, er muss das noch lernen – es war keine Absicht“, kommen uns ohne nachzudenken über die Lippen. Kein Tag gleicht dem anderen, und Alltag, wie er vorher war, existiert nicht mehr. Wir ärgern uns, wir ängstigen uns, und vor allem freuen wir uns: Und während anfangs noch haareraufendes „Warum haben wir uns das nur angetan?“ mehrmals täglich zum Gedankengut gehört, wird daraus im Laufe der Zeit ein „Wow, wer hätte gedacht, dass das mal so gut klappen würde?“ bis hin zum „Was würden wir nur ohne Hund machen?“ und letztlich ein „Ich wünschte, unsere gemeinsame Reise würde niemals zu Ende gehen. Wir hatten eine großartige gemeinsame Zeit“.
Es wird immer Momente geben, in denen es scheint, als hätte sich alles gegen einen verschworen, als hätte man den schlimmsten Hund der Welt oder als könnte alles gar nicht mehr krasser werden (nur um zu sehen, dass es immer noch eins drauf geben kann). Aber mit der richtigen Einstellung zum Leben und Lernen ist eines gewiss: Alles wird gut (auch wenn es manchmal ganz und gar nicht so scheint).

NICOLE RÖDER…

…ist Diplom-Pädagogin mit Schwerpunkt Erwachsenenbildung und im Hauptberuf als Personalerin in einem internationalen Unternehmen tätig. Seit 2001 beschäftigt sie sich außerdem mit Lehr-/Lernprozessen bei Mensch und Hund. Alltagstaugliches Trick- und Denktraining, sowie angemessene Beschäftigung für Seniorenhunde sind ihre Schwerpunkte in der Ausbildung vom Mensch-Hund-Team. Das Training über positive Verstärkung gibt sie auch in ihren Büchern weiter, hierzu zählen „Du gehörst zu mir. Die Bindung zum Hund spielend vertiefen“, „Raus aus dem Körbchen – rein ins Vergnügen“ und „Hundetraining mit Spass“, die im Cadmos Verlag erschienen sind.

Weitere Infos:
www.tierisch-daneben.de