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Die geheimen Bayern-Pläne mit der Säbener Straße


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Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 7/2022 vom 16.02.2022

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Bildquelle: Sport Bild, Ausgabe 7/2022

Es ist ein scherzhafter Spruch, in dem doch viel Wahrheit steckt. Es gäbe Spieler, so heißt es intern beim FC Bayern, die einen Wechsel nach München überdenken, sobald sie das Trainingsgelände des deutschen Rekordmeisters einmal besichtigt haben.

Die Säbener Straße ist ein Mythos: Der Begriff steht für den FC Bayern, es ist die Heimat des Klubs, seit 1949 (siehe S. 14) das Vereinsgelände. Immer wieder wurde das rund 80 000 Quadratmeter große Areal verändert, die Gebäude wurden erneuert. Selbst kleine Änderungen sorgten in der Vergangenheit für einen Aufschrei. Beispielsweise im Jahr 2008, als bekannt wurde, dass unter Neu- Trainer Jürgen Klinsmann das Vereinslokal „Insider“ geschlossen wird.

Nach SPORT BILD- Informationen wird im umfassenden AHEAD-Programm, das der Vo rstandsvorsitzende Oliver Kahn (52) vorantreibt, der Punkt „Infrastruktur“ angepackt. Im Strategie-Papier gibt es keine ...

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... Denkverbote, die Führung um Kahn, Präsident Herbert Hainer (67) und Sportvorstand Hasan Salihamidzic (45) sucht nach Entwicklungsmöglichkeiten. Dabei geht es nun um die Heimat im Herzen Münchens. Hier gibt es nach einer internen Analyse „Nachholbedarf “. „Viele europäische Top-Klubs haben inzwischen einen signifikanten Wettbewerbsvorteil, und wir als FC Bayern müssen Wege finden, um konkurrenzfähig zu bleiben“, betonte Kahn bereits mit Blick auf AHEAD: „Dafür benötigen wir neue Wachstumsimpulse.“

Das Problem an der Säbener Straße: Das Trainingsgelände ist nicht auf dem neuesten Stand, kann in vielerlei Hinsicht weder mit deutschen Top-Verhältnissen wie bei RB Leipzig noch mit internationalen Standards bei Spitzenvereinen mithalten. Manchester City eröffnete 2014 den „Etihad Campus“, das gilt als leuchtendes Beispiel. Der FC Liverpool investierte zuletzt rund 60 Millionen Euro in einen neuen Komplex in Kirkby, zehn Kilometer von der Anfield Road entfernt. Hier liegt bei Liverpool genau wie bei City oder dem FC Arsenal ein Unterschied zu den Bayern: Die Zentren sind außerhalb der Stadt.

Zum Standard bei hochprofessionellen Trainings-Centern gehören u. a. Begegnungsstätten für die Spieler, Lounge-Bereiche, Hallen mit Kunstrasen-Plätzen oder Hightech-Geräten wie dem „Footbonaut“, einer Anlage, in der Spieler mithilfe eines Bildschirms Reaktionen und Handlungsschnelligkeit verbessern können. Zudem so gut wie immer integriert: neueste Arzt- und Reha- Zentren sowie Analyse-Möglichkeiten. Oder auch – wie bei Real Madrid – Zimmer für die Spieler, in denen sie sich beispielsweise zwischen zwei Einheiten aufhalten können. Ex-Bayern-Profi David Alaba (29) schwärmte nach seinem Wechsel zu Real: „Alle Spieler haben zudem ein eigenes Zimmer auf dem Klub-Gelände, das ist eine Super-Sache. Zwischen den Trainingseinheiten hat man dort einen Rückzugsort, an dem man sich ausruhen kann. Das ist schon lässig.“

1949 wird die ehemalige Bezirkssportanlage Harlaching die Heimat des FC Bayern. Eine Holzhütte dient den Profis um Franz Beckenbauer als Umkleidekabine.

1970 beginnt auf Initiative des damaligen Präsidenten Wilhelm Neudecker der Bau einer modernen Geschäftsstelle. Sie wird 1971 fertiggestellt, ebenso unmittelbar daneben eine Mehrzweck-Turnhalle.

1979 wird das Gelände erstmals erweitert. Ende der 80 er-Jahre entstehen nach und nach weitere Gebäude für den Amateur- und Profibereich.

2008 wird unmittelbar neben dem Profi-Haus ein Service-Center eröffnet. Darunter befindet sich eine Tiefgarage. Auf Wunsch des damals neuen Trainers Jürgen Klinsmann wird zudem der Bereich für die Spieler umdekoriert: vier weiße Buddhas auf dem Dach neben einer Lounge mit Rattan-Gartenmöbel. „Wir werden ein Energiefeld aufbauen, das den Spielern viel Spaß machen wird“, so Klinsmann. Nach einem Fehlstart mit zwei Remis werden die Buddhas noch im August wieder entfernt.

2017 wird in Stadion-Nähe der FC-Bayern-Campus fertiggestellt. Das Frauen-Team sowie alle Jugendteams verlassen damit das Gelände an der Säbener Straße. Auch die Spielstätten für diese Teams befinden sich seitdem auf dem Campus. Auf den frei geworden Flächen an der Säbener Straße werden neue Trainingsmöglichkeiten für die Profis geschaffen: ein Athletikbereich mit Sandgrube, eine Tartanbahn, ein Fußballtennis-Feld und ein kleiner Kunstrasenplatz.

Hier haben die Bayern einen Rückstand: Zum einen fehlen Möglichkeiten wie Zimmer für die Profis oder ein Footbonaut. Oder es wurde Stück für Stück im Laufe der Jahre improvisiert und aufgerüstet, wie beispielsweise mit einem Unterwasserlaufband inklusive einer Gegenstromanlage im Erdgeschoss des Leistungszentrums. Die Säbener Straße platze aus allen Nähten, heißt es: Der Verein wächst, die Infrastruktur hinkt hinterher.

Deswegen der Anstoß vom neuen CEO Kahn und seinen Kollegen im AHEAD-Programm: In der ersten Februar- Woche soll es diesbezüglich eine Sitzung gegeben haben, um über verschiedene Möglichkeiten zu diskutieren. Selbst ein Umzug von der Säbener Straße Richtung Campus im Norden der Stadt soll kurz ein Diskussionsthema gewesen sein. Die Profis künftig auf dem Areal, wo sich aktuell die Nachwuchsspieler einfinden?

Der für rund 70 Mio. Euro 2017 eröffnete Campus bietet gute Möglichkeiten, dort entsteht demnächst ein modernes „Performance Center“ mit einer Halle, einem Reha-Zentrum und Örtlichkeiten für Physiotherapie. Der Campus soll als Option jedoch kaum umsetzbar sein: Das Gelände wurde der Bundeswehr abgekauft und darf für einen bestimmten Zeitraum – angeblich zehn Jahre – nur gemeinnützig vom Verein verwendet werden. Heißt vereinfacht: für den Nachwuchs, aber nicht für die Profiabteilung. Ein Umzug mit den Profis auf das Gelände wäre daher aktuell nicht möglich. Der FC Bayern wollte die Pläne auf SPORT BILD-Anfrage nicht kommentieren.

Die Frage ist: Welche Möglichkeiten gibt es nun an der Säbener Straße? Insgesamt stehen sechs Plätze zur Verfügung, die Profis benötigen drei davon. Jedoch wird auf einem Platz beispielsweise Schulsport betrieben, es muss geprüft werden, ob baurechtlich überhaupt weitere Projekte möglich wären. Das Erbbaurecht soll hier eine Rolle spielen. Schon vor über einem Jahr wurde über ein neues Gebäude hinter den Trainingsplätzen nachgedacht.

Vor der Corona-Pandemie hatten Trainingseinheiten vor Fans an der Säbener Straße Tradition. Zudem liegt das Gelände mit den Hausnummern 51-57 unweit vom Nobel-Vorort Grünwald, wo die meisten Spieler wohnen. Die Säbener Straße steht für Tradition und den FC Bayern, für Fan-Nähe: So können Fans wie Reporter von einem Hügel aus die größten Teile von (eigentlich) geheimen Einheiten beobachten – bei anderen Topklubs Europas, die komplett abgeschottet sind, undenkbar.

Der Spagat zwischen Tradition und Moderne ist den Bayern mit den Bossen Kahn und Hainer wichtig. Die Säbener Straße steht für DNA und Geschichte des Klubs. Anhand des Trainingsgeländes merken die Verantwortlichen aber, wie kompliziert dieser Spagat sein kann.

RB SALZBURG – BAYERN

Mittwoch, 16. Februar, 21 Uhr live bei DAZN.

BAYERN – FÜRTH

Sonntag, 20. Februar, 15.30 Uhr live bei DAZN, Highlights direkt nach Abpfiff bei BILD.de, Sportbild.de und in der Spor t BILD-App.