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Die geniale Ruderweg-Messeinrichtung


FMT Extra - epaper ⋅ Ausgabe 17/2019 vom 03.06.2019

GliderThrow von Mahmoudi Modellsport

STEPHAN LÄMMLEIN

Artikelbild für den Artikel "Die geniale Ruderweg-Messeinrichtung" aus der Ausgabe 17/2019 von FMT Extra. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: FMT Extra, Ausgabe 17/2019

„Ruder einstellen… leicht wie noch nie“, so lautet der Werbespruch zum neuen Ruderwinkelmessgerät von Mahmoudi Modellsport. Viele Stunden schon habe ich in der Werkstatt verbracht -nur um die richtigen Ruderwege und Trimmpositionen eines F3J-Seglers präzise einzustellen. Das soll jetzt alles viel einfacher werden als mit Stahllineal oder den Winkelmessern, die man aus der Hubschrauberszene kennt?

Ruderwege in Millimeter oder Grad zu vermessen ist die Standarddisziplin des GliderThrow. Hier beim Cyclone Pro.


Gerade hatte ich meinen neuen F3J Cyclone-Pro ...

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... aufgebaut, um die Ruderwege einzustellen, da brachte der Postbote das neue GliderThrow von Mahmoudi-Modellsport an die Tür. „Am V-Leitwerk wird es bestimmt falsch messen“, dachte ich direkt und wollte gleich ein Bein stellen. Aber mitnichten: Auch bei einem Öffnungswinkel des Leitwerks von 100 Grad zeigte die Messeinrichtung korrekte Ruderwege an -an einer schräg stehenden Leitwerksfläche wohlgemerkt! Grund genug, sich näher mit der digitalen Messeinrichtung zu beschäftigen. Schließlich möchte ich die zeitraubenden Ruderwegeinstellungen für die unterschiedlichen Flugphasen verkürzen oder die Einstellungen von einem Modell auf das Schwestermodell zeitökonomisch übertragen. Und genau das kann man jetzt mit dem neuen Ruderwinkelmessgerät tatsächlich auf geniale und effiziente Weise.

Lieferumfang und Messprinzip

In der Grundausstattung gehören zum Lieferumfang zwei je 18 g schwere Sensorkästchen, Sensor 1 und Sensor 2. Beide Kästchen sind mit einem eingebauten Li-Akku ausgestattet, der sich mit einem micro-USB Ladekabel von einem Handyladegerät oder vom USB-Anschluss eines PCs laden lässt. Damit bei größeren Aus-schlägen (Butterfly) die Sensoren nicht wegrutschen, können diese von der Ruderunterseite her mit einem mitgelieferten Magneten (je 6 g) fixiert werden. Die Sensoren haben keine eigene Anzeige und kein Kabel. Die Anzeige der Messwinkel beziehungsweise der Ruderwege erfolgt über jedes handelsübliche Smartphone oder einen PC mit WLAN-Zugang und Webbrowser. Ein Aufbewahrungskästchen für die Sensoren wird mitgeliefert.

Synchrone Einstellung der Ruderwege beim V-Leitwerk. Trotz der Schrägstellung werden die Winkel oder die Ruderwege korrekt gemessen.


Die EWDSupports (oben) zum Messen der Einstellwinkeldifferenz sind separat erhältlich.


Sensor und Magnet bringen zusammen 24 g auf die Waage. Ohne Magnet sind es 18g


Nachweis der Messgüte. Die Abweichung beträgt bei 45 Grad Winkeldifferenz nur 0,1 Grad.


Schritt eins: WLAN (Wifi) am Handy oder PC einschalten.


Schritt drei: Im Netzwerk ‚GliderThrow‘ eine unverdächtige Adresse eintippen, beispielsweisewww.xyz.com.


Schritt zwei: Mit WLAN Netzwerk ‚Glider-Throw‘ (SSID) verbinden. Es muss keine App installiert werden.


So funktioniert’s

Sensoren erfassen die Richtung der Erdanziehungskraft im Raum. Solche Sensoren findet man auch als MEMS-Bausteine in modernen Smartphones. Wird das Sensorgehäuse um eine markierte Achse gedreht, wird der Winkel gegenüber einer vom Benutzer definierten Nulllage gemessen. Die Nulllage kann aus jeder Winkellage heraus festgelegt werden (Tara). Da der Winkel gemessen wird, spielt die Entfernung des Sensors von der Drehachse keine Rolle. Wenn die Verwendung der Magnete notwendig sein sollte, kann man den Sensor also auch zur spitz zulaufenden Ruderhinterkante schieben, damit die Magnetkraft reicht.

Die „Installation“ auf dem Rechner

Es muss keine App oder ein Programm installiert werden. Für die Anzeige genügt ein Internetbrowser, wie sie auf den meisten Smartphones installiert sind. Unter Windows 10 (PC) wurde die Anzeige erfolgreich unter Firefox und Windows Edge getestet. Als Smartphone kamen ein Samsung S2 und ein Samsung S5 mit den Standardbrowsern zum Einsatz.

Nachdem die beiden Winkelsensoren eingeschaltet worden sind, wartet man ein paar Sekunden (Handshake) und sucht mit dem Handy oder PC (dort WLAN einschalten) in der Liste der angebotenen WLAN-Netzwerke nach der SSID „GliderThrow“. Nachdem man auf Verbinden geklickt hat, gibt man bei der Erstverbindung noch das Passwort (123456789) an. Wenn die Verbindung steht, ruft man den Webbrowser auf und tippt in die Adressleiste irgendeine Webseite ein, die man noch nicht besucht hat. Bei mir hatwww.abc.com geklappt. Nach wenigen Sekunden meldet sich die Anzeige mit den beiden Sensorwinkeln und der Winkeldifferenz. Die Einrichtung ist jetzt messbereit.

Messung der Ruderwinkel oder der Ruderwege

Innenleben des Sensors. Oben die aufladbare Lithiumbatterie. In der Mitte (blau) die eigentliche Platine mit dem Messaufnehmer (Sensor).


Grundsätzlich werden die Drehwinkel gegenüber einer markierten Linie auf dem Sensorgehäuse gemessen. Daher ist es wichtig, diese Linie bzw. die obere Kante des Gehäuses parallel zur Scharnierachse des Ruders auszurichten. Die Sensoren müssen nicht an der Scharnierlinie aufliegen. Offenbar sind 3D-Lagesensoren verbaut, denn eine Schrägstellung des Tragflügels (V-Knick) oder des Leitwerks (V-Leitwerk) führt zu keiner Messverfälschung. Allerdings darf das Ruder nicht 90 Grad nach oben stehen. Bei der Messung des Seitenruderweges dreht man also den Rumpf um seine Längsachse, bis das Seitenruder ungefähr horizontal liegt.

In manchen Fällen ist es ein Problem, die Neutrallage (Nulllage) der Ruder festzustellen. Denn üblicherweise misst man gegenüber dieser Referenz. Wenn kein feststehender Markierungspunkt vorhanden ist, hilft auf die Schnelle die Spiegelungsmethode: Wenn Spiegelungen auf der Tragfläche ohne Knick und Versatz auf dem Ruder fortgeführt werden, steht das Ruder im Normallfall auf Neutral. Solche Spiegelungen können zum Beispiel vom Horizont, von Gebäudekanten, Fensterrahmen oder Leuchtstoffröhren stammen.

Ermittlung der Einstellwinkeldifferenz mit zwei Sensoren.


Neben der Winkelmessung (Angle View) ist auch eine Angabe des Ruderweges (Throw Page) in Millimetern möglich. Dazu müssen für Sensor 1 und 2 Referenzwerte für die Rudertiefe in Millimeter angegeben werden (Sensor 1 chord und Sensor 2 chord). Da die Winkelangabe unabhängig von der Rudertiefe ist, bietet es sich an, die Klappenausschläge künftig eher in Winkelgraden zu dokumentieren. Zudem ist die Messeinrichtung klein und leicht und kann ohne Weiteres auch auf dem Flugplatz eingesetzt werden.

Messung der Einstellwinkeldifferenz (EWD)

Eine Besonderheit des GliderThrow ist die Möglichkeit, die Einstellwinkeldifferenz direkt zu messen. Dazu werden beide Sensoren zuvor auf eine horizontale, ebene Platte gelegt und genullt. Mit Hilfe des EWD-Supports (optional erhältliches Zubehörteil) lassen sich die Sensoren parallel zu den Profilsehnen von Flügel und Leitwerk positionieren. Die Winkeldifferenz kann dann direkt am Display des Smartphone abgelesen werden. Die maximal einstellbare Sehnenlänge beträgt 28 Zentimeter. Bei Großseglern mit größeren Flügeltiefen kann man sich mit einem Aluwinkel behelfen, der mit Tesakrepp am Flächenansatz des Rumpfes aufgeklebt wird. So einfach war die Messung der Einstellwinkeldifferenz noch nie.

Nicht nur für Seglerpiloten

Der Name des Gerätes impliziert den Einsatz für Glider, also Segelflugmodelle. Möglicherweise schielten die Entwickler, die auch die Schwerpunktwaage GliderCG entworfen haben, zunächst auf die Segelflugklassen. Aber natürlich lassen sich grundsätzlich die Ruder von allen möglichen Modellflugzeugen messen. Gerade bei Motormodellen mit den großen Seitenrudern möchte man symmetrische Ausschläge nach rechts und links. Oder man denke nur an geteilte Höhenruder, die von zwei Servos bedient werden. Und ebenso wie bei den Seglern möchte man Gewissheit über die richtige Einstellwinkeldifferenz. Mit einem Vierkantrohr, welches genau auf die Motorwelle passt, ließe sich auch bequem der Sturz und Seitenzug (Modell 90 Grad um Längsachse gedreht) vermessen.

Für Großsegler mit mehr als 28 Zentimeter Flächentiefe an der Wurzel ist der EWD Support zu kurz. Hier kann man sich mit einem Aluwinkel helfen.


Spiegelungsmethode. Gehen die Spiegelungen der Umgebung ohne Versatz oder Knick über die Scharnierlinie steht das Ruder in etwa in Neutralposition.


Fazit

Nicht nur für Seglerpiloten: Natürlich lässt sich der GliderThrow auch bei Motor-und Jetmodellen anwenden.


Der Preis von 120, € für das Sensorpärchen erscheint zunächst etwas hoch. Die Zeitersparnis beim wirklich sehr handlichen Einstellen der Ruderwege wiegt das aber locker auf. Die Anschaffung wird den Modellbauer über Jahre hinaus erfreuen. Wettbewerbspiloten mit mehreren Modellen im Einsatz werden das besonders zu schätzen wissen. Denn hat man an einem Modell erst einmal „optimale Flugphasen“ eingestellt, möchte man diese Werte gern auf die Schwestermodelle übertragen. Oder man denke nur an den Tausch eines Servos oder die Reparatur eines Ruderhorns. Beide Umstände können den Ruderweg verändern. Dass das Messgerät auch von Großsegler-, Motor-und Jetpiloten sehr vorteilhaft einsetzbar ist, liegt auf der Hand. Ich möchte den GliderThrow in meiner Werkstatt nicht mehr missen.