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Die große Acht


Bergsteiger - Das Tourenmagazin - epaper ⋅ Ausgabe 3/2020 vom 08.02.2020

Direkt über Lecco am südöstlichen Arm des Comer Sees ragt die Grigne in den Himmel. Eine dreitägige Runde führt auf einer großen Acht durch die Höhepunkte der Gebirgsgruppe.


Artikelbild für den Artikel "Die große Acht" aus der Ausgabe 3/2020 von Bergsteiger - Das Tourenmagazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Zauberreich Grigne - mit Seeblick, Westalpen in der Ferne und wilden Felszacken rundum


Fotos: Andreas Strauß

Grigne Bergwandern

Ein Wechselspiel aus Felstürmen, Blumenparadies und charmanten Hütten erwartet uns.

1 Ausblick auf die Grigne-Gipfe


Die Grigne, sie steht für sich. Eigentlich wäre die korrekte Bezeichnung »Bergamasker Alpen«. Vor Ort aber spricht man lediglich von der Grigne. »Wo warst du am Wochenende?« »In der Grigne.« Der ...

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... höchste Gipfel ist der Grignone, der zweithöchste die Grignetta, alles andere »die Grigne«. Schnell verfällt man ihrem Zauber. Direkt über dem Riesenrad von Lecco und der Basilika San Nicolo ragt sie schroff in den Himmel auf.

So innig lieben die Einheimischen ihre Grignetta, dass sie eine Beschilderung glatt für unnötig halten. Erst nach einer halben Stunde bekommt man die Alternativen angeboten: Cresta oder Diretissima, also Südgrat oder Klettersteig. Für eine schöne, runde Acht ist die Diretissima die beste Wahl. Im zweistündigen Auf und Ab mit einigen Leitern und vielen Ketten durchsteigt man die Felstürme. Viel Fantasie braucht man nicht, um die sagenhafte versteinerte Königin und ihren Ritter zu sehen. Wir entdecken auch ein paar magersüchtige Hofdamen und den vollschlanken Burggeistlichen. Der Code für den Eintritt in dieses Königreich heißt Trittsicherheit, Schwindelfreiheit, gutes Wetter und ein nicht allzu schwerer Rucksack.

Direkt am Gratrücken

»Bruno! Vieni!« In der Nähe des Rifugio Rosalba hören wir die Rufe der Kletterer. Am beliebtesten ist die markante Nadel vor der Hütte, denn sie erlaubt den Fans von der Terrasse aus mitzuzittern und mitzujubeln. Was gäbe es für einen schöneren Lohn?

2 Das Rifugio Rosalba mit der markanten Felsnadel vor der Tur


Für die Acht könnten wir das Rifugio Rosalba auslassen. Aber das wäre eine Sünde bei dieser Lage. Als graziler, ein wenig hoch geratener Bau steht sie direkt am Gratrücken, rund 1500 Meter über dem Blau des Sees. An Schönwettertagen glaubt man, man könne auf der Hüttenterrasse sitzend die Füße im See kühlen und mit der Hand zum Monte Rosa hinübergreifen. Jetzt treibt uns der Durst hinab zum Rifugio Elisa, mitten im Grünen. Grün-weiß-rot flattert die Flagge vor der Hütte. Schatten und ein kühles Bier wecken unsere Lebensgeister wieder. Einer der Gäste packt ein Lederfutteral aus seinem Rucksack und entnimmt ihm eine in Samt geschlagene Mundharmonika. Während des kurzen Ständchens wird es andächtig still rund um die Hütte.

Vom Grün-weiß-rot am Rifugio Elisa wechseln wir in eine Blumenwelt aus Grün-weiß-gelb: Grün wie die saftigen Frühlingswiesen. Weiß wie die Blütendolden des Affodill und die Sterne der Graslilien. Gelb wie die Trollblumen und das zartgelbe Läusekraut, das so viel schöner aussieht, als sein Name vermuten lässt. Später mischt sich das Dunkelviolett von wildem Salbei in die Farbenpracht. Nach der felsigen Grigne beruhigt die grüne Grigne Auge und Psyche.

Aus der sonnenwarmen Blumenwiese tauchen wir am Nachmittag in den Canalone ein. Die Temperatur sinkt um etliche Grade. In der linken Begrenzungswand dieser Schlucht hängen einige Seilschaften. Mit 500 Metern Wandhöhe ist der Sasso Cavallo die höchste Wand der Grigne. Schnell bringen wir den Aufstieg hinter uns. Die Stimmen, die uns der Wind in die Bocchetta di Val Cassina heraufträgt, stammen schon von den Gästen des Rifugio Bietti. Das liegt im oberen Bogen der Acht, ein wenig mehr als ein Drittel der Grigne-Tour haben wir geschafft.

▶ hoch uber dem comer see

Lecco als Ausgangsort fur Touren in der Grigne liegt am sudostlichen Arm des Comer Sees (Lago di Lecco), rund 30 km ostlich von Como.

Wo einkehren?

Die Hutten auf der Runde sind alle empfehlenswert: Rifugio Rosalba (1730 m), Anfang Juni-Ende Sept., danach an Wochenenden, Tel. 00 39/03 47/6 95 46 10; Rifugio Elisa (1515 m), Mai-Sept. an den Wochenenden, im Hochsommer taglich, Tel. 00 39/03 41/73 56 49; Rifugio Bietti- Buzzi (1719 m), Anfang Juni-Ende Sept., davor und danach an Wochenenden, Tel. 00 39/0341/735741, www.rifugiobiettibuzzi. it; Rifugio Arnaldo Bogani (1816 m), 20. Juni-20. Sept., danach an Wochenenden, Tel. 00 39/03 68/3 52 70 21, www.rifugiobogani.com; Rifugio Brioschi (2403 m), geoffnet am Wochenende, im Sommer auch wochentags, Tel. 00 39/03 41/91 04 98, www.rifugiobrioschi.com http://www.rifugiobrioschi.com

BEste Zeit

Von Mai bis Juni oder im September

Wo anklopfen?

Tourismusverein Comer See, Via Camillo Benso Conte di Cavour 78, 23900 Lecco LC, Italien, Tel. 00 39/03 41/32 10 36, www.lakecomotourism.it http://www.lakecomotourism.it

Sich orientieren

Kompass-Wanderkarte 1:50 000, Nr. 91 Lago di Como, Lago di Lugano; Iris Kurschner Huttentrekking Westalpen , Bergverlag Rother, 2017

Personlicher Tipp

Vom Talort und den Hutten ausreichend Getranke mitnehmen, Karstgebiet! Vor oder nach der Tour noch ein paar Tage rund um den Comer See einplanen. Die prachtvollen Garten, Palaste und Promenaden sind herrlich und eine Fahrt mit dem Schiff uber den See ein Muss!

EINE RUNDE SACHE: DREI TAGE DURCH DIE GRIGNE

Charakter: Sehr abwechslungsreiche Huttenrunde hoch uber dem Comer See. Auf allen Tagesetappen gibt es kurze und mittellange versicherte Abschnitte. Technisch wird dabei KS 2/B nicht uberschritten. Trittsicher und schwindelfrei sollte man aber sein.

Ausgangspunkt: Parkplatz in Piani Resinelli (1280 m), erreichbar von Lecco Route: Von Piani Resinelli steigt man uber die Diretissima zum Rifugio Rosalba auf. Uber den Colle Valsecchi quert man im Nordwesten unter der Grignetta hindurch in den Buco di Grigna. Uber das Rifugio Elisa und die Bocchetta di Val Cassina geht es zum Rifugio Bietti- Buzzi (Tag 1). Man quert zur Bocchetta di Piancaformia und steigt auf der Ostseite des Kammes uber das Rifugio Bogani und das Karstplateau zum Grignonegipfel mit dem Rifugio Brioschi auf (Tag 2). Immer entlang des Kammes geht es nach Suden und uber den Grignettagipfel zuruck nach Piani Resinelli (Tag 3).

Tourenkarte Heftmitte:

Fast so gros wie die Hutte: die Flagge vorm Rifugio Elisa


Halbzeit am nördlichsten Punkt

Tag 2. Er beginnt mit dem Felsentor nördlich der Biettihütte. Ein freistehender Felsbogen steht da hoch über den Wiesenflanken mit einem schlichten Kreuz in seiner Mitte - ein magischer Fleck. Bald wechseln wir über eine Scharte auf die andere Kammseite. Ein unspektakulärer Übergang, aber der nördlichste Punkt unserer Acht und damit Halbzeit.

»Der allerbeste Rosmarin von ganz Italien!« Auf unsere Nachfrage nach dem frischen Rosmarin in der Gemüsesuppe kommt gleich der Koch des Rifugio Brioschi aus seiner Küche und erklärt uns wortreich dessen Vorzüge. Er hat uns spontan ins Herz geschlossen und wird uns am Abend mit einer extragroßen Portion bedenken. Die meisten Gäste allerdings haben ihr Fassbier mit nach draußen genommen. Wenn der Grignone einmal von der Sonne verwöhnt ist, muss man das nutzen. Die Bilder in der Hütte sprechen eine andere Sprache. Eisverkleistert wie ein Zuckerhaus sieht das Gebäude da aus und in dem Pappmasche- Modell der Hütte steht Maria mit dem Kind am Rifugio und die Heiligen Drei Könige spuren bis zum Bauch durch tiefen Schnee.

2 Lohnt sich: Lecco am Abend


Der letzte Tag folgt dem langen Grat vom Rifugio Brioschi bis zum Grignettagipfel. »Jener Arm des Comer Sees, der sich nach Süden wendet …«, heißt es im Eröffnungssatz von Manzonis »Die Brautleute «. Der italienische Klassiker beginnt in Lecco und zeichnet den Verlauf unseres letzten Tages nach: Wir folgen jenem Arm des Comer Sees. Ein ständiges Auf und Ab, mal führt der Steig seeseitig, mal landseitig dahin. Mal Panoramaweg, mal Drahtseil-Hangeln.

»Laura non c’e«, summe ich vor mich hin, als wir an einer versicherten Felskante den Gegenverkehr, ein italienisches Pärchen, durchlassen. »Laura! Laura! Komm, die warten auf uns!«, hatte der Voraussteigende hinab gerufen. Aber Laura hatte nicht gehört. »Nein, Laura ist schon da. Sie kommt gleich«, lacht Lauras Partner. Die beiden bleiben die einzigen, denen wir begegnen.

Schauen, Bergpanorama genießen, die Essensvorräte vertilgen. Auf der Grignetta ist der zweite Kreis der Acht fast geschlossen. Was fehlt, ist nur noch der Südgrat hinab nach Piani Resinelli. Dann kühlen wir die Füße im Comer See und planen die Besichtigungstour zu den Palazzi am Ufer. Hinter uns liegen drei wunderbare Tage, in denen wir vom Südende der Grigne wieder zurück zum Südende gekommen sind. Herrlich!

Viel Aussicht und naturlich den besten Rosmarin in ganz Italien - Andrea Strauß hat sich in der Grigne rundum wohl gefuhlt.