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Die große Schwester


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fotoMAGAZIN - epaper ⋅ Ausgabe 120/2022 vom 08.11.2022

TEST

Die Fujifilm X-H2 ist ein Exemplar einer inzwischen seltenen Gattung, des Spitzenmodells mit APS-C-Sensor. Für die meisten Kamerahersteller bilden APS-C-Modelle das Einsteigersegment ihrer Systeme, deren Topmodelle einen Sensor im Kleinbildformat haben. Fujifilm bekennt sich dagegen zum kleineren Format und bietet innerhalb des X-Systems ein breites Spektrum zwischen Lifestyle-Modellen und Kameras für professionelle Anwendungen, die innerhalb einer Generation meist den gleichen Sensor verwenden.

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Der Unterschied der X-H2 zur äußerlich identischen Zwillingsschwester X-H2s liegt im 40-MP-Sensor, der noch höher aufgelöste Foto- und 8K-Videoaufnahmen möglich macht.

Wie beim Schwestermodell X-H2S und der X-S10 folgt das Bedienkonzept dem Mainstream. Es gibt ein Moduswahlrad für P, A, S und M sowie sieben benutzerdefinierte Modi, für die sich viele (aber leider nicht alle) Einstellungen speichern und mit einer Drehung des Rades abrufen lassen. Für die Belichtungssteuerung sind zwei Rändelräder zuständig, sofern man die Blende nicht am Objektiv einstellen will. ...

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Da sich die eingestellten Werte nicht an den Rädern ablesen lassen, werden sie in einem konfigurierbaren LC-Display auf der Oberseite angezeigt, das bei ausgeschalteter Kamera über die Akkuladung und den verbleibenden Speicherplatz informiert – zwei Steckplätze nehmen CFexpress-Karten des Typs B beziehungsweise SD-Karten auf. Weiterhin gibt es einen Mini-Joystick (unter anderem für die AF-Messfeldwahl), 14 konfigurierbare Funktionstasten und vier virtuelle Funktionstasten auf dem Touchdisplay.

Das 3-Zoll-Display mit 1,62 Millionen Bildpunkten ist dreh- und schwenkbar und lässt sich zum Schutz des Panels nach innen einklappen. Der Sucher mit 5,76 Millionen Bildpunkten, einer Vergrößerung von 0,8-fach und einem Augenabstand von 24 Millimetern ist auch von Brillenträgern gut zu nutzen; bei 120 Hz ist die Life-View flüssig und erst am Ende des erweiterten ISO-Bereichs (bis ISO 25600) macht das Rauschen augenfällig, dass man auf ein OLED-Panel statt auf eine Einstellscheibe blickt.

Mit Schnittstellen wie USB-C (nach USB 3.2-Standard), HDMI (Typ A), einer Synchronbuchse sowie Klinkenbuchsen für Mikrofon, Kopfhörer und Fernauslöser ist die Kamera reichhaltig ausgestattet; daneben können Funkverbindungen per WLAN (IEEE 802.11a/b/g/n/ac) und Bluetooth 4.2 aufgebaut werden. Der integrierte Bildstabilisator für fünf Achsen lässt sich mit einem Stabilisator im Objektiv kombinieren, soll aber auch auf sich gestellt eine Stabilisierung um 7 EV erreichen.

DER SENSOR

Der entscheidende Unterschied zwischen der X-H2 und der X-H2S besteht in ihrem Sensor. Der 40,2 Megapixel auflösende X-Trans CMOS 5 HR ist ein BSI-CMOS-Chip, der wie der X-Trans CMOS 5 HS der X-H2S bislang in keiner anderen Kamera auf dem Markt eingesetzt wird. Im Gegensatz zum gestapelten Sensor des Schwestermodells, bei dem die A/D-Wandler in eine zweite Siliziumschicht ausgelagert sind, liegen die Wandler und die Pixel auf demselben Chip.

Der Sensor ist auch für den Preisunterschied zwischen rund 2250 Euro für die X-H2 und 2750 Euro für die X-H2S verantwortlich. Dass der Sensor daher nicht so schnell wie der des Schwestermodells ausgelesen werden kann, zeigt sich bei der Serienbildgeschwindigkeit, die statt 40 aber immerhin noch 15 Bilder/s erreicht. Bei einem 1,29fachen Beschnitt sind 20 Bilder/s möglich. Verwendet man den elektronischen Verschluss, liegt die höchste Bildfrequenz ohne Beschnitt bei 13 Bilder/s. Dank des großen Pufferspeichers erlauben alle Optionen des Speicherformats, mehr als 300 Bilder in Folge zu schießen, bevor die Geschwindigkeit abfällt.

Der hochauflösende Sensor ermöglicht der X-H2 einen 8K-Videomodus, der bei einem Sensor im Seitenverhältnis 3:2 mindestens 39 Megapixel erfordert. Neben 8K- und 6,2K-Video mit bis zu 30p stehen auch 4K mit 60p und 2K mit bis zu 240p zur Wahl. Der vom Schwestermodell bekannte optionale Lüfter kann auch an die X-H2 geschraubt werden, um die bei der Verarbeitung hochauflösender Videodaten entstehende Wärme abzuführen.

Der elektronische Verschluss ist langsamer als der der X-H2S, da mehr Pixel auszulesen sind und es keinen zweiten Chip für die A/D-Wandler gibt. Daher ist er auch anfälliger für Verzerrungen bewegter Motive und Streifenmuster bei gepulsten Lichtquellen.

Die Blitzsynchronisation mit dem elektronischen Verschluss ist auf 1/125 s beschränkt; für 1/250 s wie bei der X-H2S muss man auf den mechanischen Verschluss umschalten. In anderer Hinsicht ist die X-H2 dagegen schneller: Ihr elektronischer Verschluss erreicht eine kürzeste Belichtungszeit von 1/180.000 s, was derzeit kein anderes Modell in dieser Klasse schafft.

AUTOFOKUS

Während die AF-Algorithmen der X-H2 und X-H2S identisch sind und auch dieselben KI-Verfahren zur Motivverfolgung von Menschen, Vögeln, anderen Tieren, Autos, Zweirädern, Flugzeugen und Zügen einsetzen, kann der Autofokus den Sensor nur 26 statt wie bei der X-H2S 120 mal pro Sekunde auslesen, auch weil der höher auflösende Sensor 50 Prozent mehr Phasendetektionspixel enthält, die auszuwerten sind. In der Praxis fallen die Unterschiede zwischen den Schwestermodellen geringer aus, als diese Zahlen erwarten ließen. Nur bei sehr schnell bewegten Motiven ist die X-H2S deutlich im Vorteil, da die höhere Frequenz der AF-Berechnungen eine präzisere Voraussage von Bewegungen und eine effektivere Motivverfolgung ermöglicht.

NOMINELLE UND EFFEKTIVE AUFLÖSUNG

Der Sprung von den 26 zu 40 Megapixeln erscheint groß, entspricht aber einem linearen Zuwachs von lediglich 24 Prozent. Um diese 24 Prozent löst die X-H2 feinere Details auf, und in diesem Maß sollte man auch kürzer belichten, um Bewegungsunschärfen zu vermeiden, also beispielsweise 1/125 statt 1/100 s. Die Anforderungen an das Auflösungsvermögen der Objektive steigen ebenfalls nur moderat.

Fujifilms Liste von 20 Systemobjektiven, die den größten Nutzen aus dem 40-MP-Sensor ziehen können, ist nicht so zu interpretieren, dass andere Objektive nicht profitieren würden – das XF 60 mm F2.4 R Makro, eines der ältesten Objektive des X-Systems und nicht in der Liste enthalten, hat sich im Labortest als dem Sensor vollauf gewachsen gezeigt. Selbst wenn die Randschärfe eines Objektivs sichtbar abfällt, wird das optische Bild vom höher auflösenden Sensor immerhin feiner und mit weniger Artefakten abgetastet. Man könnte die 40 auf 26 Megapixel herunterrechnen und erhielte ein Ergebnis, das dem einer 26-MP-Kamera überlegen wäre. Die größte Herausforderung stellt der Pixel-Shift-Modus, in dem sich aus 20 Aufnahmen mit verschobenem Sensor 160-MP-Bilder berechnen lassen.

Dabei wird das optische Bild noch feiner abgetastet, die Auflösungsgrenzen des Objektivs aber nicht erweitert. Während dieser Modus bei Fujifilms Mittelformatkameras mit Bayer-Muster nur vier Aufnahmen und Verschiebungen um eine Pixelbreite beziehungsweise -höhe benötigt, damit jeder Bildpunkt von mindestens einem rot-, grün- und blauempfindlichen Sensorpixel abgebildet wird, erfordert der X-Trans-Sensor der X-H2 dazu fünf Aufnahmen, zwischen denen der Sensor teilweise auch um zwei Pixel oder diagonal verschoben wird. Für die Auflösungsvergrößerung wird das Verschiebungsmuster viermal wiederholt und der Ausgangspunkt jeweils um eine halbe Pixelgröße verschoben.

Für die Verrechnung der Bilder braucht man Fujifilms Software Pixel Shift Combiner (für Windows und macOS), die ab Version 1.3.0 auch die X-H2 unterstützt. Wenn eine Tethering-Verbindung zwischen Kamera und Computer besteht, kann man die Kamera über die Anwendung steuern, die aus den Raw-Dateien sofort eine DNG-Datei berechnet. Alternativ lassen sich die Bilder auch im Nachhinein verrechnen. Die lineare DNG-Datei mit 160 Megapixeln kann dann von den meisten Raw-Konvertern entwickelt werden.

Um Artefakte zu vermeiden, dürfen sich zwischen den Aufnahmen weder die Kamera noch das Motiv oder die Lichtquelle bewegen. Die sinnvollen Anwendungen des Pixel-Shift-Modus beschränken sich daher auf Bereiche wie Still Life, Produktfotografie oder die Reproduktion von Kunstwerken.

TESTERGEBNISSE

Die X-H2 kann nicht nur nominell die höchste Auflösung aller APS-C-Kameras für sich geltend machen; auch die im Labortest ermittelte effektive Megapixelzahl von 36,9 MP bei der Grundempfindlichkeit spiegelt diesen Vorsprung wider. Die in dieser Disziplin zweitplatzierte Canon EOS R7 löst effektiv 32,5 MP auf und bleibt auch bei steigenden ISO-Werten auf Distanz, wenngleich die Differenz schrumpft. Beim Rauschen schneidet die X-H2 überraschenderweise besser als die ältere X-T4 und das Schwestermodell X-H2S – beide mit 26 Megapixeln – ab. Gegenüber der Canon EOS R7 und der Nikon Z 50 muss sie sich jedoch geschlagen geben.

Ähnliches gilt für den Dynamikumfang; auch hier platziert sich die X-H2 leicht vor den 26-MP-Modellen aus eigenem Haus, aber hinter Canon und Nikon. Das als Option verfügbare HEIF-Bildformat macht hier keinen Unterschied, da die Kamera dessen 10 Bits pro Farbkanal nicht nutzt, um einen höheren Kontrastumfang wiederzugeben.

FAZIT

»Alle Zweifel, die Fuji X-H2 würde ihre hohe Sensorauflösung nicht auf die Straße bringen, haben die Labortestergebnisse ausgeräumt«

Die hohe Megapixelzahl wird auch nicht mit Nachteilen bei Rauschverhalten oder Dynamikumfang erkauft. In der Geschwindigkeitswertung liegt das Schwestermodell X-H2s in einer anderen Klasse, was sich beim Autofokus weniger stark als erwartet auswirkt. Praktisch gleichauf mit der Canon EOS R7 platziert sich die X-H2 mit dieser an der Spitze der APS-C-Systemkameras, noch vor der X-H2s.

Das Testverfahren finden Sie unter: