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Die großen Skandale: KOMMUNE I: Ein Leben zwischen Wahn und Wonnen


Meine Stars von damals - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 08.01.2020

Revolution und freie Liebe: Davon träumt eine Gruppe junger Menschen, die 1967 eine ganz besondere Wohngemeinschaft gründet. Bald will ganz Deutschland wissen, was da vor sich geht …


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Bildquelle: Meine Stars von damals, Ausgabe 1/2020

Sex, Musik, Drogen: Rainer Langhans und Uschi Obermaier sind das Kult-Paar der „Kommune I“


Ob Uwe Johnson ahnte, wem er seine Dachwohnung in der Berliner Niedstraße zur Verfügung gestellt hatte? Der berühmte Schriftsteller weilte gerade im Ausland, als die Polizei im April 1967 das Apartment stürmte. Dort bastelten mehrere junge Leute an einer Bombe, die den US-Vizepräsidenten Hubert Humphrey bei einem Staatsbesuch treffen ...

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... sollte. Über Nacht wurde die Gruppe, deren Plan nun vereitelt war, in ganz Deutschland berühmt – und berüchtigt. Das Magazin „Der Spiegel“ zählte sie zu „den absonderlichsten Politzirkeln“ Berlins. Sich selbst nannte die Gemeinschaft „Kommune I“. Erst im Februar waren vier Frauen und vier Männer in Johnsons Wohnung eingezogen, um ein radikales Experiment zu wagen: ein Zusammenleben jenseits aller bürgerlichen Normen. Ihr Ziel war die Abschaffung von Privatsphäre und persönlichem Besitz. So sollte zerschlagen werden, was die Revolutionäre verachteten: Egoismus, Konsumdenken und vor allem sexuelle Unterdrückung. Einer der Gründer formulierte es ein wenig anders: „Ich habe Orgasmus-Schwierigkeiten, und ich will, dass dies der Öffentlichkeit vermittelt werde.“ Diese Aussage macht deutlich, worum es der Kommune ging: Politik, Provokation, aber auch nackte Gaudi (durchaus im wörtlichen Sinn). Alles durfte, musste sogar ein wenig gaga sein! Zu den bekanntesten Mitgliedern zählten bald die Studenten Rainer Langhans (heute 79) und Fritz Teufel († 67). Sie störten mit ihren Streichen bewusst die öffentliche Ordnung – und landeten deshalb mehr als einmal vor dem Richter.

Nach der Demo ist vor der Demo: Die Kommune malt Plakate


Die Revolution wird für eine Frau verraten

Aber zurück zum Attentat! Ganz Deutschland zitterte nun vor der „Horrorkommune“. Dabei wurde bald bekannt, woraus die „Bombe“ eigentlich bestand: aus Pudding! Die Polizei war blamiert. Auf einmal sprach alle Welt über die „Kommune I“. Aus Revolutionären wurden über Nacht Medienstars, die fleißig an ihrer Legende strickten. Gerüchte über Gruppen-Sex und wilde Ausschweifungen geisterten durch die Zeitungen. Dass es in Wahrheit eher verklemmt zuging, hängte man nicht an die große Glocke.

Uschi Obermaier wird durch die Kommune zur Medien-Ikone


Auf Matratzen diskutiert es sich am besten


Jedenfalls ließen sich Langhans, Teufel und Genossen ihre Interviews mit klingender Münze bezahlen. „Erst blechen, dann sprechen“, pinselten sie auf ihre Eingangstür. Inzwischen war die Kommune an den Stuttgarter Platz umgezogen. Dort genossen vor allem die Männer ihren Ruhm – der endlich die heiß ersehnten hübschen Mädchen in ihre Arme lockte.

Eines Tages erblickte Rainer Langhans auf einem Konzert die schöne Uschi Obermaier (heute 73). Das Fotomodell raubte ihm den Atem: „Sie sah aus wie ein Engel.“ Es dauerte nicht lange, bis Obermaier in die „Kommune I“ einzog. Und natürlich hatte Langhans nicht die geringste Absicht, sie mit den anderen zu teilen. Stattdessen führte er eine klassische Zweierbeziehung, die der Gemeinschaft doch als Auslaufmodell galt! Langhans bemerkte dazu trocken: „Die Revolution für eine Frau zu verraten, ist immer gerechtfertigt.“

Sein weiterer Lebensweg führt Rainer Langhans 2011 ins „Dschungelcamp“ von RTL


Eine typische Aktion: provokante Flugblätter verteilen!


Die Kommune bricht auseinander

Die Gruppe, die in den Stadtteil Moabit weitergezogen war, brach immer mehr auseinander. An die Stelle von politischen Diskussionen traten zunehmend Drogen-Trips. Wo die Kommunarden einst über die Abschaffung des Eigentums philosophiert hatten, träumte Langhans nun von einer eigenen Plattenfirma.

Im November 1969 versetzte eine Rocker-Bande, mit der sich Langhans angelegt hatte, der „Kommune I“ den Todesstoß: Sie verwüstete die Wohnung, in die keiner der Kommunarden mehr zurückkehrte. 35 Monate hatte ihr Experiment gedauert. Wahn und Wonnen dieser Zeit: beides nimmt in der Legende mal fantastische, mal monströse Züge an. Die „Kommune I“ wusste eben, was Menschen fürchten. Und was sie fasziniert.

Fritz Teufel hat keine Scheu vor Mikrofonen


Ein Teil der Gruppe stellt sich 1967 der Presse


Rainer Langhans wird von der Polizei abgeführt


Langhans und Teufel haben auch im Gericht ihren Spaß

Haben Sie das gewusst…?

Als die Journalistin Marianne Schmidt 1967 die „Kommune I“ besuchte, stellte sie fest: „Ich habe nie gesehen, dass sie dort einander auch nur umarmt hätten. Es war vollkommen unkörperlich, über Sex haben sie im Grunde nur diskutiert.“ Weil dieser Bericht nicht zum Mythos passte und „keine Erotik“ hatte, wollte ihr Chef die Geschichte nicht drucken lassen.


Fotos: INTERFOTO (4), picture alliance (5), RTL/Stefan Gregorowius