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Die gute hand


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Mein Pferd - epaper ⋅ Ausgabe 110/2022 vom 07.10.2022

TITELSTORY

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Bildquelle: Mein Pferd, Ausgabe 110/2022

Bevor an den Händen herumkorrigiert wird, müssen die Zusammenhänge von Gewichts-, Schenkel- und Zügelhilfen klar sein

Unsere Hände sind nahezu ununterbrochen im Einsatz: Wir sehen die Welt nicht nur mit den Augen, sondern auch mit den Händen. Wir greifen und begreifen, wir fühlen und tasten, wir halten und lassen los. Für uns Menschen sind die Hände ein oft unterschätztes Wahrnehmungsorgan. Visuelle Informationen, also das, was wir über den Sehsinn wahrnehmen, gelangen in entscheidendem Maße erst über die Hände zum Gehirn. Das gilt vor allem für den sogenannten Handlungsraum, also den Raum in Reichweite der Hände. Dort finden Greifen und Berühren statt. Im Sattel sitzend sehen wir das Pferd vor beziehungsweise unter uns und bauen über die Hand eine Verbindung zum Maul auf. Wir stehen also permanent über die Zügelhilfen im Kontakt mit unserem Vierbeiner. Nun ist das Maul des Pferdes sehr empfindlich, und die Hilfen, die wir über die Zügel geben, sind nicht selten stärker, als wir denken. Haben wir das ...

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... Gefühl für unsere Hände verloren?

Außen- und Innenwelt

Kinder entdecken die Umgebung mit vollem Körpereinsatz. Zunächst werden Tastversuche vor allem mit dem Mund begonnen. Wenn sich die Feinmotorik der Hände weiterentwickelt und das Greifen besser klappt, übernehmen die Hände nach und nach die Erkundung. Kinder erfahren, wie sich Gegenstände anfühlen, welche Eigenschaften sie haben. Sie stützen sich ab, halten sich fest und ziehen sich hoch, um Räume zu erforschen. Die Hände sind also ein Werkzeug, um die Außenwelt wahrzunehmen. Gleichzeitig sind sie ein Spiegel der Innenwelt: Wer nervös ist, spielt häufig mit den Fingern, wer wütend ist, ballt die Fäuste, wer aufgebracht oder aufgeregt ist, zeigt ebenso deutliche Gesten. Dagegen sind die Hände locker, wenn wir entspannt sind. Wir berühren nicht nur Gegenstände, sondern auch andere Menschen oder eben unser Pferd mit den Händen.

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Dabei spüren wir die Berührung, und gleichzeitig nimmt unser Gegenüber den Kontakt wahr. Wir geben also Signale weiter. Diese können eine unterschiedliche Intensität haben. Wenn wir sanft über das Fell unseren Pferdes streicheln, fühlt sich das anders an, als wenn wir es durch Klopfen am Hals loben. Fühlen findet in der Regel eher unbewusst statt. Das liegt aber nur daran, dass wir es gewohnt sind, uns im Alltag keine Zeit für bewusstes Wahrnehmung zu nehmen. Dadurch stumpfen wir regelrecht ab und verlieren das Gefühl für unsere Hände. Das spiegelt sich auch im Sattel wider.

Kein Gegner, sondern ein Freund

Im Unterricht ist die Hand des Reiters häufig Thema. Doch die Anweisungen umzusetzen, fällt vielen Reitern schwer. Das liegt nicht selten daran, dass sich unsere Hände efühlt automatisch bewegen und wir die Bewegungen nicht bewusst steuern. Das macht im Alltag durchaus Sinn. Stellen Sie sich vor, Sie stolpern – was ist Ihre erste Reaktion? Meist greifen wir um uns, in der Hoffnung etwas in die Hände zu bekommen, an dem wir uns festhalten können. Beim Reiten ist das ähnlich: Wenn der Reiter die Balance verliert, hält er sich meist am Zügel fest. Das können auch kleine Bewegungen sein, die allerdings dazu führen, dass der Reiter mit der Hand immer härter wird. Bevor an den Händen herumkorrigiert wird, müssen also die Zusammenhänge klar sein und erkannt werden. Wenn Sie zum Beispiel immer in der Hüfte einknicken und dadurch die falschen Gewichts-, Schenkelund eben auch Zügelhilfen geben, bringt es nichts, nur die Handhaltung zu verändern. Voraussetzung für eine gute Hand ist der losgelassene Balancesitz.

Genauso wichtig ist aber das Vertrauensverhältnis von Reiter und Pferd. Ein Pferd kann sich nur dann trauen, ans Gebiss heranzutreten, wenn es keine Angst hat. Die Hand darf also niemals zum Gegner werden, sondern muss immer Freund des Pferdes bleiben. Das Maul des Pferdes ist eines seiner sensibelsten Körperteile. Die Art und Weise, wie Sie sich an das Maul heranfühlen, ist für Ihr Pferd ein entscheidendes Kriterium dafür, wie es Sie einschätzt. Die Verbindung sollte zwar konstant, aber dennoch elastisch sein.

Losgelassen, aber kontrolliert

Ein kleines Wunderwerk(zeug)

Überlegen Sie einmal, welche vielfältigen Bewegungen Sie mit Ihren Händen ausführen können: von sanftem Streicheln bis zu starkem Festhalten. Die Hand ist sowohl sehr feingliedrig als auch komplex aufgebaut:

• Dank der Muskeln und Gelenke können Sie Ihre Hände bei einer optimalen Kraftverteilung mit großer Präzision bewegen. Immerhin können Sie sowohl Garn durch ein Nadelöhr fädeln als auch kräftig und schnell zupacken.

• Über die Hände können Sie zwar eine gewisse Kraft ausüben, dennoch ist die Hand anatomisch verletzlich. Direkt unter der Haut liegen die Sehnen, Nerven, Blutgefäße, sowie die relativ dünnen Knochen. Sie sind im Vergleich zu anderen Bereichen des Körpers nur mit wenig schützendem Muskel- und Fettgewebe bedeckt.

• Etwas anders sieht es mit der Handinnenfläche aus. Sie ist durch eine robuste Sehnenplatte geschützt, wodurch Sie in der Lage sind, kraftvoll zu greifen.

• Tagtäglich werden die Hände stark belastet. Sie sind eins unserer wichtigsten Werkzeuge. Daher sind Handverletzungen und Verschleiß an dieser Stelle nichts selten.

• Ob wir Rechts- oder Linkshänder sind, beeinflusst auch unsere Hilfengebung im Sattel. Das liegt daran, dass das Gehirn des Menschen meist die Hand einer Seite für komplexe und feine Bewegungsabfolgen bevorzugt.

Über Berührungen nehmen wir sanft Kontakt zum Pferd auf und stellen eine Verbindung her

Beobachten ohne Pferd

Diese Übung können Sie über den Tag verteilt immer mal wieder ausprobieren und so ständig etwas Neues erfahren.

So geht’s:

• Beginnen Sie damit, sich zum Beispiel nach dem Aufwachen fünf Minuten Zeit zu nehmen. Nehmen Sie einfach nur wahr, wie Sie Ihre Hände halten, wie sie sich anfühlen und welche Bewegungen Sie ausführen.

• Dabei sind nicht nur große Bewegungen gemeint: Achten Sie auch auf kleinste Regungen der Finger. Ihre Hände sind so komplex aufgebaut, dass sie auch zu sehr vielfältigen Bewegungen fähig sind.

• Es kann hilfreich sein, den Fokus immer mal wieder auf einzelne Finger oder Bereiche wie die Handinnenflächen zu legen.

• Als Nächstes lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit auf die Gelenke. Zunächst zum Handgelenk und dann immer weiter über die Fingergelenke Richtung Fingerspitzen.

• Nach dem Aufstehen können Sie im Alltag immer mal wieder beobachten, wie Sie die Außenwelt über Ihre Hände wahrnehmen: Wonach greifen Sie, was halten Sie mit welchem Druck fest und was berühren Sie bewusst oder nebenbei?

• Was können Sie anhand Ihrer Hände über Ihre Innenwelt lernen? Was machen Sie mit den Händen, wenn Sie sich freuen, aufgeregt oder entspannt sind? Können Sie Unterschiede wahrnehmen?

• Sind Ihre Hände auch die meiste Zeit in Bewegung? Dann nehmen Sie auch das wahr. In welchen Momenten sind Ihre Hände locker? Wann spielen Sie mit den Fingern? Durch diese Übung lernen Sie sich selbst immer besser kennen.

Im Schritt zeigen Pferde eine mehr oder weniger deutliche Nickbewegung. Diese gilt es mit der Hand zuzulassen und dennoch nicht den Kontakt zum Pferdemaul zu verlieren. In der ruhigen Gangart ist das für einige Reiter bereits eine Herausforderung und erfordert einfach Übung sowie eine gute Sitzschulung. Kommen dann Trab und Galopp hinzu, beginnen immer mehr Reiter damit, zu klammern und mit (aller) Kraft Kontrolle über den Zügel herzustellen. So ist es schwer, dem Pferd ein gutes Gefühl über die Hand zu vermitteln. Daher heißt es: back to basics. Zunächst müssen Sie die Fähigkeit entwickeln, die Hände unabhängig vom Sitz zu tragen – und wirklich erst mal nur zu tragen. Anschließend lernen Sie, die Hände unabhängig zu bewegen. Dazu müssen Sie losgelassen und ausbalanciert im Sattel sitzen. Doch bei aller Losgelassenheit ist es nun wichtig, dass Sie die Arme und Beine kontrolliert bewegen können, um präzise Hilfen zu geben. Wir lernen neue Bewegungen und Bewegungsmuster nicht in fünf Minuten. Vielmehr sind regelmäßige Wiederholungen und das korrekte, bewusste Ausführen wichtig.

Doch warum fällt es selbst schon recht gut im Gleichgewicht sitzenden Reitern manchmal schwer, die Hände korrekt zu tragen? Das kann daran liegen, dass die Hände nicht getrennt von Schultern, Ellbogen und Unterarmen betrachtet werden dürfen. Ellbogen, Hand und Pferdemaul sollen eine gerade Linie bilden. Allerdings haben Unterarm und Hand durchaus auch ein gewisses Gewicht. Daher muss der Reiter eine gewisse Muskelkraft aufwenden, um die Hand in der richtigen Position zu halten, ohne dabei hart einzuwirken.

Das Pferd gibt die Richtung vor

Eine zu hohe Hand ist genauso falsch, wie eine zu tiefe. Was „zu hoch“ und „zu tief “ ist, bestimmt immer das Pferd. Je nach Alter und Ausbildungsstand ist das Pferd in der Lage, sich zu tragen und aufzurichten. Dadurch verändert sich auch die Kopf-Hals-Position. Der Reiter sollte immer bemüht sein, die Position seiner Hand auf die des Pferdemaules abzustimmen. Die Linie zwischen Ellenbogen, Hand und Gebiss sollte also immer ungebrochen sein. Dann ist eine konstante, leichte Zügelverbindung möglich. Wenn das Pferd den Hals fallen lässt, tragen Sie die Hände also tiefer, als wenn es mehr in Aufrichtung geht.

Beobachten am Pferd

Bevor Sie sich in den Sattel setzen, nehmen Sie sich kurz Zeit, um wahrzunehmen, was Ihre Hände eigentlich machen.

So geht’s:

• Sie kommen am Stall an und gehen zu der Box Ihres Pferdes. Nehmen Sie wahr, wie Sie Ihre Arme und Hände halten. Schwingen die Arme locker in der Bewegung mit und geht diese Bewegung bis in die Fingerspitzen? Was machen Ihre Finger? Spüren Sie irgendwo eine vermehrte Spannung?

• Bevor Sie auf Ihr Pferd zugehen, halten Sie einen Moment inne. Normalerweise sind die Bewegungen wie Halfter anziehen oder das Pferd aus der Box führen schon so automatisiert, dass wir nicht mehr merken, wie wir unserem Vierbeiner eigentlich begegnen.

• Strecken Sie Ihrem Pferd Ihre Hand entgegen und laden Sie es zum Kontakt mit Ihnen ein. Unsere Vierbeiner nehmen ganz genau wahr, wie wir uns fühlen, und über diese erste Berührung geben Sie sozusagen schon ein großes Paket an Informationen über sich preis. Daher sollte sie nicht „zwischen Tür und Angel“, sondern ganz bewusst geschehen.

• Fragen Sie sich, was Sie Ihrem Pferd über Ihre Hände alles vermitteln. Nicht nur bei der ersten Berührung, sondern auch beim Führen, Putzen oder Satteln. Sind Sie zum Beispiel eher hektisch oder führen Sie ruhige Bewegungen aus? Wie reagieren Sie, wenn Ihr Pferd plötzlich etwas unruhiger wird? Bleiben Sie entspannt oder werden Sie genauso unruhig?

Das ohne Hilfe vom Sattel aus zu erkennen, ist nicht unbedingt einfach. Regelmäßiger Unterricht und ein Feedback eines guten Trainers sind daher Gold wert. Ein weiterer Tipp ist, auf dem Pferd nicht in einer Haltung zu erstarren, sondern Bewegung zuzulassen. Es geht nicht darum, dass Sie eine äußerlich betrachtet korrekte Haltung einnehmen, dabei allerdings völlig verkrampfen. Reiten ist Bewegung und nicht starres Sitzen – machen Sie sich das immer wieder bewusst.

Manchmal reicht es aus, einfach einmal tief in den Bauch zu atmen und den Körper zu lockern. Kreisen Sie mit den Schultern, bewegen Sie dabei, wenn möglich, die ganzen Arme und versuchen Sie möglichst wenig dieser Bewegungen an das Maul Ihres Pferdes weiterzugeben. Nehmen Sie wahr, wie Ihr Pferd darauf reagiert. Vielleicht kaut es entspannt auf dem Gebiss oder lässt selbst auch etwas mehr los. Wenn Sie zügelunabhängiger sitzen und sowohl Handgelenk als auch Ellenbogen beweglich sind, sind Sie in der Lage, den Bewegungen des Pferdes mit weicher Hand zu folgen.

Mal folgend, mal führend

Überfallen Sie Ihr Pferd nicht, wenn Sie die Zügel aufnehmen, sondern tasten Sie sich langsam an das Maul heran. Bauen Sie nach und nach eine freundliche Verbindung auf. Eine sanfte und einfühlsame Hand ist nicht immer starr, sondern mal folgend und mal führend. Sie gibt dem Pferd einen Rahmen vor. Jeder Mensch und jedes Pferd ist etwas anders gebaut. Zwei Lebewesen mit einem unterschiedlichen Körperbau müssen sich also aufeinander einstimmen. Generell ist es wichtig, dass die Gelenke passend ausgerichtet sind. Das können Sie selbst ausprobieren: Setzen Sie sich zuerst korrekt hin. Jetzt drehen Sie das Handgelenk aus, so dass Ihre Handinnenflächen nach unten zeigen.

Die richtige Reihenfolge

Wenn Sie eine Lektion reiten, ist das Zusammenspiel von Gewichts-, Schenkelund Zügelhilfen wichtig. Den Gewichtshilfen kommt dabei immer die größte Bedeutung zu.

In der Wendung driftet Ihr Pferd plötzlich nach außen. Automatisch versuchen Sie, die Situation durch die Einwirkung mit der Hand zu korrigieren. Doch Ihr Pferd macht sich dabei nur noch fester, anstatt sich zu biegen. Achten Sie in solchen Momenten einmal genau darauf, wie Sie sitzen und wie Ihr Gewicht im Sattel verteilt ist. Wenn Ihre Gewichtshilfe nicht stimmt, kann Ihr Pferd Ihre Schenkel- und Zügelhilfen auch nicht oder zumindest nicht in die gewünschte Richtung umsetzen. Haben Sie das Gefühl, dass die Kommunikation zwischen Ihnen und Ihrem Vierbeiner im Sattel nicht gelingen will? Dann denken Sie daran, Ihren Sitz beziehungsweise Ihren Schwerpunkt zu kontrollieren und ihn gegebenenfalls zu korrigieren. Das braucht natürlich Übung. Lernen Sie mithilfe Ihres Trainers, ein immer feineres (Körper-)Gefühl für Ihr Gleichgewicht und Ihre Hilfengebung zu entwickeln. So vermeiden Sie, dass Sie plötzlich einer verstärkten Einwirkung reagieren, obwohl Ihr Pferd Sie ja eigentlich richtig verstanden hat und lediglich Ihren Signalen folgt – Sie müssen diese nur eben richtig und in der entsprechenden Reihenfolge geben.

Beobachten auf dem Pferd

Wenn Sie die ersten beiden Übungen ein paar Mal ausprobiert haben, können Sie auch auf dem Pferd in die Position des Beobachters wechseln.

So geht’s:

• Steigen Sie auf und setzen Sie sich entspannt in den Sattel. Wenn Sie nach den Zügeln greifen, spüren Sie ganz genau hin: Wie ist die Spannung in den Handgelenken und Fingern? Greifen Sie schnell oder eher ruhig zum Zügel?

• Ihre Hände nehmen nun behutsam Kontakt zum Pferdemaul auf. Wie reagiert Ihr Pferd darauf ? Reagiert es anders, wenn Sie die Zügel weniger achtsam und eher schneller aufnehmen? Erkennen Sie einen Unterschied zwischen dem bewussten Aufnehmen und dem „Nebenbei-nach-den-Zügeln-Greifen“?

• Stellen Sie sich vor, Sie bekommen einen Anruf – würden Sie dann sofort ins Telefon schreien oder sich erst mal ruhig vorstellen? Natürlich ist das Pferd kein Telefonhörer, aber es findet eine wechselseitige Kommunikation statt. Machen Sie sich das immer wieder bewusst.

• Reiten Sie im Schritt an und beobachten Sie zunächst nur, welche Bewegungen Sie mit den Händen ausführen. Das Beobachten ist immer der erste Schritt. Erst dann können Sie mit Ruhe und bewusst etwas ändern.

• Nehmen Sie wahr, wie die Bewegungen Ihrer Hände mit Ihrer Balance und Ihrem Körpergefühl zusammenhängen. Wenn Sie das Gleichgewicht verlieren, ist der erste Impuls meistens, nach etwas zu greifen. In der Regel sind das leider die Zügel. Sie müssen also lernen, ausbalanciert zu sitzen, um fein mit der Hand einwirken zu können.

• Halten Sie noch einmal an und lassen Sie die Zügel leicht anstehen. Richten Sie Ihren Blick auf einen Zügelsteg vor Ihnen, den Sie nicht in der Hand haben. Jetzt spannen Sie Ihre Zügelfaust an und lassen sie wieder los. Wie weit bewegt sich der Zügelsteg dabei vor beziehungsweise zurück?

Spüren Sie, wie Ihr gesamter Unterarm fester wird und Sie den Ellbogen automatisch etwas nach außen drehen? Sobald Sie an einer Stelle des Armes oder der Hand unnachgiebig werden, können Sie keine weiche Verbindung zum Pferdemaul aufbauen. Manchmal hilft es, für einen Moment solche falschen Positionen einzunehmen, um anschließend deutlicher zu spüren, wie sich eine korrekte Handhaltung anfühlt, und dieses Gefühl auch zu verinnerlichen. Probieren Sie es aus und denken Sie immer daran: Was Sie in der Hand fühlen, fühlt Ihr Pferd im Maul.

Hula-Hoop

Jetzt wird’s sportlich! Ein locker angewinkelter Arm ist Voraussetzung für ruhige Hände im Sattel.

Genau das können Sie mit einem Hula-Hoop-Reifen üben.

So geht’s:

• Zum Aufwärmen lassen Sie zunächst ohne Hula-Hoop die Schultern und Arme kreisen. Dann sind die Hüften dran.

• Lassen Sie die Arme erst locker und strecken Sie diese dann nach vornunten durch. Was machen Ihre Hände? Nehmen Sie einfach nur wahr. Anschließend kreisen Sie die Hüfte mit locker angewinkelten Armen und spüren den Unterschied.

• Nehmen Sie den Hula-Hoop-Reifen dazu und machen Sie die gleichen Übungsschritte mit der Hüfte und den Armen mit Reifen. Dann lassen Sie die Arme locker, aber angewinkelt und achten darauf, dass die Hände trotz Kreisen mit der Hüfte ruhig bleiben.

• Das gilt auch fürs Reiten. Jede Bewegung des Pferdes überträgt sich auf den Körper der Reiterin, und auch hier ist der locker angewinkelte Arm Voraussetzung für ruhige Hände.