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Die H einzelmännchen Ihre Spur führt ins Siebengebirge


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Sieben Tage - epaper ⋅ Ausgabe 44/2022 vom 29.10.2022

Serie

17. Folge

Eine Serie von Antje Windgassen

Die Heinzelmännchen haben viele Verwandte. So nennt man sie zum Beispiel im Norden Deutschlands Niß Puk, in England und Amerika Brownies, in Skandinavien Nissen, in den Niederlanden Kabouters, und sogar in Japan kennt man die guten Hausgeister als Korpokkur

Wie war zu Köln es doch vordem, mit Heinzelmännchen so bequem!“ So beginnt das bekannte Gedicht, das der Maler und Schriftsteller August Kopisch 1836 verfasste. Es handelt davon, dass in Köln ein kleines Völkchen von Hausgeistern lebte, das die liegen gebliebene Arbeit der Menschen des Nachts, heimlich und wenn alles schlief, erledigte. Die Kölner waren auch durchaus glücklich über diese Unterstützung. War ihr Leben durch sie doch um vieles leichter. ...

Artikelbild für den Artikel "Die H einzelmännchen Ihre Spur führt ins Siebengebirge" aus der Ausgabe 44/2022 von Sieben Tage. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Der Maler und Dichter August Kopisch schreibt ein Gedicht über die Heinzelmännchen
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... Und vermutlich hätte es ewig so weitergehen können, wenn nicht eine neugierige Schneidersfrau gewesen wäre. Sie wollte unbedingt wissen, wie die fleißigen Heinzelmännchen aussahen. Und um das herauszubekommen, streute sie eines Abends Erbsen auf die Treppe der Schneiderei und legte sich auf die Lauer. Gerade schlug die Uhr Mitternacht, als aus der Werkstatt lautes Gepolter und Geschrei zu vernehmen war. Die Heinzelmännchen waren auf den Erbsen ausgeglitten und die Treppe hinabgestürzt. Als die neugierige Frau herbeikam und die kleinen Wichtel mit ihren roten Zipfelmützen sah, spottete und höhnte sie. Da machten sich die Heinzelmännchen auf Nimmerwiedersehen davon, und die Kölner mussten ihre Arbeit von nun an alleine verrichten. Knapp 70 Jahre später errichteten sie, gegenüber dem alten „Cölner Hofbräu Früh“ am Dom, den fleißigen Wichteln zu Ehren einen Heinzelmännchenbrunnen. Tatsächlich schrieb August Kopisch sein Gedicht in Anlehnung an die Volkssage des Kölner Schriftstellers Ernst Weyden, die dieser 1826 zu Papier brachte, die aber eigentlich aus dem Siebengebirge stammte. Dort lebten die Heinzelmännchen auf dem Berg Briberich (Breiberg) und kamen, so hieß es, des Nachts in die Häuser der Bürger von Honnef. Unter anderem suchten sie auch einen Bäcker auf und buken ihm das Brot. Doch als die Frau des Bäckers den Wichteln als Dank dafür neue Kleider nähte, blieben sie aus und kamen nie wieder.

Die Wichtel laden den Burgherrn ein

Als Vorlage der Kölner und der Honnefer Sagen diente, wie vermutet wird, eine Erzählung der Brüder Grimm, die diese 1816, einer mündlichen Überlieferung folgend, in ihrem Buch der „Deutschen Sagen“ veröffentlichten. Die Geschichte trug den Namen „Des kleinen Volkes Hochzeitsfest auf der Eilenburg“ und handelt von einer Hochzeit, die die fleißigen Wichtel der Burg im großen Ballsaal abhielten. Als die Feier zu ausgelassen wurde, erwachte der Burgherr. Er ging dem Lärm nach, fand die tanzenden und musizierenden Gesellen und wunderte sich sehr. Daraufhin luden ihn die Wichtel höflich ein, an ihrem Fest teilzuhaben – doch nur er allein. Anderen menschlichen Burg-Bewohnern sollte der Anblick der Hochzeitsfeierlichkeiten verwehrt sein. Das Fest wurde nun mit dem Grafen fröhlich fortgesetzt. Doch auch diesmal war es – wie üblich – eine neugierige Frau, die gegen die Regel verstieß und die Feiernden heimlich beobachtete. Als die Wichtel sie bemerkten, beendeten sie sofort ihr Fest, dankten dem Grafen für seine Gastfreundschaft und verschwanden. Nur ihr Anführer blieb zurück und sagte: „Weil unsere Freude und unsere Hochzeit gestört worden ist, soll fortan Euer Geschlecht nie mehr als sieben Eilenburger zählen.“ Der Fluch der Heinzelmännchen soll bis heute fortbestehen. Trotz des traurigen Endes dieser Geschichte hat sich kein geringerer als Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe von der Eilenburg-Sage zu seinem Gedicht „Hochzeitslied“ inspirieren lassen.

Enge Verwandte der Heinzelmännchen leben in vielen Teilen der Welt – auch in Nordamerika, wo sie Brownies genannt werden. Hier, genauer gesagt in Texas, lebte der Präsident der Kansas-City-Eisenbahn Arthur Stilwell. Schon als Kind hatte er enge Kontakte zu Brownies und daran änderte sich auch nichts, als er erwachsen wurde. Stets bat er die kleinen Hausgeister um Rat – egal ob es sich um seine Heiratspläne oder den Bau einer neuen Eisenbahnstrecke handelte. Als er eine Bahnstation in Galveston bauen wollte, warnten ihn die Brownies eindringlich. Ein Jahr später suchte ein Hurrikan die texanische Stadt heim und zerstörte sie. Stilwell starb 1928. Seine eingeäscherten Überreste verschwanden spurlos.

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Unheimliche Berg-Geister

Von Mönchen, Teufeln und Männlein