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DIE HIGHLIGHTS 2020


Weltkunst Spezial - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 17.12.2019
Artikelbild für den Artikel "DIE HIGHLIGHTS 2020" aus der Ausgabe 1/2020 von Weltkunst Spezial. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Weltkunst Spezial, Ausgabe 1/2020

MESSEN

Antik & Ambiente

Sindelfingen

16.–19. Januar

Art Innsbruck

16.–19. Januar

Winter Bruneaf, Brüssel

22.–26. Januar

Antiquaria

Ludwigsburg

23.–25. Januar

Stuttgarter

Antiquariatsmesse

24.–26. Januar

Brafa, Brüssel

26. Januar – 2. Februar

Artgenève, Genf

30. Januar – 2. Februar

Januar

Angelika Kauffmann

Als Feministin der ersten Stunde muss man Angelika Kauffmann (1741–1807) begreifen: Die Schweizer Malerin, die in London und Rom lebte, hatte einen außergewöhnlichen Blick auf die Menschen ihrer Zeit. Starke Frauen wie Kleopatra oder die zeitgenössische Tänzerin und Stehgreifdichterin Teresa Bandettini-Landucci ...

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... beherrschen ihre Leinwände, die viel Anerkennung fanden. Dies gilt auch für ihr »Selbstporträt mit Zeichengriffel« von 1768.

I’M NOT A NICE GIRL Noch eine Manifestation weiblicher Entschlossenheit in Düsseldorf: In der Gegenwart kritisiert die Künstlerin Adrian Piper Geschlechterungleichheit im Kunstbetrieb, während Lee Lozano in den Sechzigern sexuell aufgeladene Bilder von Werkzeugen malte und dann 1970 im »Dropout Piece« mit der Kunstwelt Schluss machte. Eleanor Antin und Mierle Laderman Ukeles komplettieren das amerikanische Konzeptkünstlerinnen-Quartett. K21, Düsseldorf, 18. Januar bis 26. April

EDWARD HOPPER

Gemälde von Edward Hopper wirken oft so, als habe jemand einen Spielfilm an der atmosphärisch dichtesten Stelle gestoppt. Die feinen Details und die Lichtregie eines Meisterwerks wie »Gas« (o.) kann man lange studieren, ohne sich daran sattzusehen. Das Museum of Modern Art in New York leiht das Gemälde von 1940 nun nach Basel aus. Die Ausstellung bietet noch weitere 60 wundervolle und geheimnisvolle Bildräume des amerikanischen Realisten und erklärten Kinofanatikers, die zum ewigen Hineinträumen einladen. Fondation Beyeler, Basel/Riehen, 26. Januar bis 17. Mai

UWE KOWSKI. SEHEN

So sieht es aus, wenn sich das Leben in die Kunst schleicht: Auf den Bildern von Uwe Kowski sind eigentlich nur bunte Flecken und Striche zu erkennen – doch wenn man die zugehörigen Titel liest, entspinnen sich aus dem Gewirr plötzlich Erzählfäden. Locker verteilte blaue und rosa Tupfer werden zu Menschen in einem »Gruppenbild« (2018), und im Gemälde, auf dem sich die roten Linien zur Mitte hin verdichten, tarnt sich ein unbekanntes Wesen »Im Gras« (2017). Der in Berlin lebende gebürtige Leipziger kann immer noch als Geheimtipp gelten. Wie schön, dass er jetzt in Rostock eine Bühne bekommt! Kunsthalle Rostock, 12. Januar bis 23. Februar

Teruko Yokoi

An den ausblutenden Rändern ihrer Formen erahnt man, dass Teruko Yokoi in den Fünzigerjahren in New York bei Hans Hofmann studierte. Auch zu Werken ihres 1994 verstorbenen Ehemanns Sam Francis gibt es formale Parallelen. Was die Bilder der heute 95-jährigen Japanerin aber einzigartig macht, ist ihre Farbe. Diese wirkt nicht künstlich wie bei ihren Wegbegleitern, sondern an der Natur orientiert. An den Mohnblumen, die in manchen Bildern auftauchen. Oder an den fallenden Ginkgoblättern (u. o. T., 1958). Kunstmuseum Bern, 31. Januar bis 10. Mai

Februar

AMUSE-BOUCHE

Das Museum Tinguely schärft wieder die Sinne: Nach Riechen (2015) und Tasten (2016) ist nun der Geschmack an der Reihe. Doch Obacht: Während Emeka Ogbohs Bierkunst »Sufferhead« oder Elizabeth Willings Werke aus Pfeffernüssen gut munden, ist Dieter Roths verschimmelte Schokokunst ungenießbar. Museum Tinguely, Basel, 19. Februar bis 17. Mai

MALERINNEN DER ROMANTIK Die Benachteiligung der Malerinnen im 19. Jahrhundert findet heute in den Museen ihre Fortsetzung. Umso erfreulicher, dass sich hier 16 Künstlerinnen wie Caroline Bardua oder Marie Ellenrieder zu ihren männlichen Kollegen gesellen. Museum Georg Schäfer, Schweinfurt, 16. Februar bis 10. Mai

DAVID HOCKNEY

Wer es 2017 nicht zur großen Retrospektive des englischen Malers nach London oder Paris geschafft hat, wird jetzt zumindest zum Teil getröstet: Rund 100 Werke, die vor allem aus der Tate Gallery stammen, kommen nach Hamburg. Darunter auch Gemäldeknüller wie das Bild »Mr and Mrs Clark and Percy« (1970–1971), das ein Bohemienpaar mit blütenweißer Katze in einem geschmackvoll eingerichteten Wohnzimmer zeigt. Oder das Doppelporträt »My Parents« von 1977 (o.), das in Stille und Zartheit ein ganzes Universum widerstreitender familiärer Gefühle ausbreitet. Bucerius Kunst Forum, Hamburg, 1. Februar bis 10. Mai

JAN VAN EYCK

Er konnte Engel ebenso realistisch malen wie ein Butzenscheibenfenster. Das macht Jan van Eyck (1390–1441) zum Vorreiter in der altniederländischen Kunst. In Gent werden zehn seiner rund 20 eigenhändigen Werke gezeigt. Auch die gerade restaurierten Außenflügel des Genter Altars, den Jan gemeinsam mit seinem Bruder Hubert schuf, verlassen dafür ihren Platz in der St.-Bavo-Kathedrale. Weiteren Kontext bieten Künstler der Epoche wie Tydeman Maes (oben »Engel mit den Arma Christi«, ca. 1425–1435). Museum der Schönen Künste, Gent, 1. Februar bis 30. April

Monet. Orte

Was wünschen wir uns bei einer Claude-Monet-Ausstellung? Die rauchenden Dampfloks im »Gare Saint-Lazare« aus der Londoner National Gallery? Einen »Getreideschober, Schnee, Sonnenlicht« (1891, re.) aus Privatbesitz? Die »Seerosen« aus dem Dayton Art Institute? Eine Steilküstenansicht? Ein Feld voll Mohn und Pappeln? Das Museum Barberini stemmt einen kuratorischen Kraftakt und lässt keinen Wunsch unerfüllt. Museum Barberini, Potsdam, 22. Februar bis 1. Juni

FANTASTISCHE FRAUEN

Frida Kahlo war zweifellos eine fantasievolle Künstlerin. Und doch wuchs sie mit Bildern wie »Selbstbildnis mit Dornenhalsband« von 1940 (o.), die das eigene Leiden thematisieren, aus dem surrealistischen Stil heraus, wurde größer als sehr viele ihrer Kollegen, die bekannteste Malerin der Geschichte. Nun kehrt sie für eine Ausstellung zurück in den Kreis ihrer Gesinnungsgenossinnen: Die Schirn richtet das Klassentreffen der Surrealistinnen aus, und die Liste der geladenen Namen mit Louise Bourgeois, Claude Cahun, Meret Oppenheim oder Dorothea Tanning deutet die Vielfalt der vertretenen Ästhetiken an. Rund 260 Werke wurden ausgewählt und zeigen, was die lose Gruppe der 30 »Fantastischen Frauen« eint: dass sie sich nicht mit dem Status als Muse begnügten, sondern weibliche Rollenklischees hinter sich ließen. Schirn Kunsthalle, Frankfurt, 13. Februar bis 24. Mai

DOROTHEA LANGE

Ohne die Fotografien von Dorothea Lange wäre unser Bild der »Great Depression« diffuser. Wir hätten beim Lesen von John Steinbecks Roman »Früchte des Zorns« nicht Langes Porträt der müden Wanderarbeiterin mit ihren beiden zerzausten Kindern vor Augen, würden nichts von der Verzweiflung des Tankstellenbesitzers im »Kern County, California« (1938, li.) ahnen. Doch so ist die Einzelschau der Fotografin auch eine Reise in die Geschichte der USA. Museum of Modern Art, New York, 9. Februar bis 9. Mai

ROBERT MORRIS

Vom Kritiker Peter Schjeldahl liebevoll-respektlos als »Karriere-Avantgardist« beschrieben, hat der 2018 verstorbene Robert Morris sein Werk tatsächlich auf ständigem Wandel aufgebaut. Die Schau zeigt sein Spiel mit dem Material und rekonstruiert wichtige Arbeiten wie »Portland Mirrors« (1977, u.). Mudam, Luxemburg, 8. Februar bis 26. April

WIEDERERÖFFNUNG SEMPERGALERIE

Nach mehrjähriger Sanierung kommt die Gemäldegalerie Alte Meister der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden wieder an ihren gewohnten Platz: Highlights wie Raffaels »Sixtinische Madonna« oder Rembrandts »Ganymed« finden sich künftig nach Schulen geordnet und im Dialog mit Skulpturen. Sempergalerie, Dresden, ab 29. Februar

George Stubbs

Der Sohn eines Gerbers aus Liverpool bewies im 18. Jahrhundert, dass man als Künstler auch in der Nische Erfolg hat, wenn diese ein Hobby der Aristokratie betrifft: Neben »Whistlejacket« (u.), dem Lieblingsgaul eines Premierministers, den Stubbs um 1762 porträtierte, verewigte er viele weitere Rennpferde. Tierisch gut! Mauritshuis, Den Haag, 20. Februar bis 1. Juni

März

Tizian: Liebe, Leidenschaft und Tod

Mitte der 1550er-Jahre beauftragte der junge spanische König Philipp II. den alten Tizian mit einem Zyklus, der zum Schönsten und Sinnlichsten gehört, was die Kunst jemals hervorgebracht hat. Zum ersten Mal seit Jahrhunderten sind die sechs Gemälde – Tizian nannte sie »Poesie« – wieder vereint. In dramatischen Szenen zeigt er die Körper der Göttinnen und Königstöchter aus verschiedenen Blickwinkeln und bettet sie in die Farbnebel seiner Landschaften ein. »Der Raub der Europa« (1562, u.) aus Boston ist ebenso dabei wie zwei Diana-Motive, die der Herzog von Sutherland kürzlich für 95 Millionen Pfund den Nationalgalerien von London und Edinburgh überließ. National Gallery, London, 16. März bis 14. Juni

CHRISTO IN BERLIN

Bevor im Herbst der Arc de Triomphe in Paris mit Stoff verhüllt wird, haben Christo und seine verstorbene Frau Jeanne-Claude einen großen Auftritt in Berlin: Die Sammlung von Ingrid und Thomas Jochheim spannt einen Bogen von frühen Projekten der Sechzigerjahre bis in die Gegenwart – mit besonderem Fokus auf der Reichstagsverhüllung. Palais Populaire, Berlin, 21. März bis 17. August

DÄNISCHE GÄSTE

Der Sammler Christoph Müller hat dem Land Mecklenburg-Vorpommern rund 400 Werke dänischer Künstler aus drei Jahrhunderten geschenkt. Ab März stellt Schwerin die lebensnahen Porträts, stillen Landschaften, kühlen Seestücke und stimmungsvollen Interieurs vor. Staatliches Museum Schwerin, 20. März bis 30. August

DONALD JUDD

Einen Großteil seines Lebens verbrachte Donald Judd (1928–1994) in New York. Zwar ist sein ehemaliges Wohnhaus auf der Spring Street in SoHo nach Anmeldung zu besichtigen, doch die letzte Museumsausstellung mit seinen minimalistischen Skulpturen ist eine gefühlte Ewigkeit her. Das wird sich 2020 ändern: Das MoMA versammelt für seine Retrospektive frühe Skulpturen wie »Untitled« (1963, o.) und spätere Werke, die mit industriellen Materialien wie Plexiglas, Aluminium und Stahl experimentieren und Räume, Hohlräume und serielle Anordnungen erforschen. Seit 1970 verbrachte der Künstler viel Zeit in Marfa, wo die Farbe für ihn immer wichtiger wurde. Vielleicht trug das Licht der texanischen Wüste dazu bei. Museum of Modern Art, New York, 1. März bis 11. Juli

Giovanna Garzoni

In kleinen Formaten entfaltet sich das entzückende Universum der einst berühmten Barockkünstlerin, deren Stillleben und Porträts während des 17. Jahrhunderts nicht nur am Hof der Medici gefragt waren. Oft malte Giovanna Garzoni (1600–1670) ihre Miniaturen auf Pergament: Schmetterlinge neben reifen Feigen, Igel, Quitten oder Weinbergschnecken, Spargel und Stieglitze. Auch ihr unwiderstehliches »Hündchen mit Biscotti und chinesischer Tasse« (u.) ist dabei. Palazzo Pitti, Florenz, 6. März bis 7. Juni

April

Katharina Grosse

Die Sprühpistole ist ihr Pinsel – so macht die Künstlerin die Welt zu ihrer Leinwand. Wir sind gespannt auf Katharina Grosses nächstes Pigmentgewitter im Hamburger Bahnhof in Berlin, wo sie die riesige Historische Halle und Teile des Außenbereichs für ein Dimensionen sprengendes Bild mit skulpturalen Elementen im Auge hat (re. Detail aus ihrer Ausstellung »Wall Works« von 2013). Eine Einladung zum Fest aus Farbe, Raum und Mut! Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart, Berlin, 24. April bis 4. Oktober

Die Kunst des Sammelns

Joseph Heller (1798–1849) setzte in seinem Testament die Königliche Bibliothek in Bamberg als Alleinerbin seiner rund 45 000 Grafiken, 6000 Bücher, Gemälde, Glasmalereien, Münzen und Schriften ein. Er lebe gesund, schrieb er einem Vertrauten, »von des geräuschvollen Lebens zurückgezogen, und blos in meiner Ihnen bekannten Kunstwelt«. In diese Welt einzutauchen, ermöglicht nun eine Ausstellung mit Grafiken aus seinem Besitz, darunter Holbein, Cranach und Dürer (o. »Sternkarte«, 1515). Staatsbibliothek Bamberg, 27. April bis 18. Juli

GIUSEPPE BEZZUOLI

Die Uffizien richten dem vergessenen Meister des 19. Jahrhunderts die erste monografische Ausstellung überhaupt aus und zeichnen seinen Weg vom Klassizismus zur Romantik nach. Neben Historienbildern und großen Porträtaufträgen seiner vornehmen Klientel werden Gemälde von einigen Zeitgenossen wie Jean-August-Dominique Ingres und Sir Thomas Lawrence zu sehen sein sowie Werke von Bezzuolis amerikanischen Schülern, die seine Kurse an der Accademia di Belle Arti in Florenz besuchten (unten ein Selbstbildnis Bezzuolis aus jungen Jahren). Uffizien, Florenz, 2. April bis 31. Juli

ARTEMISIA

Rund 35 Werke zeigen den Weg der Künstlerin und feministischen Ikone Artemisia Gentileschi von ihrer Lehrzeit in Rom Anfang des 17. Jahrhunderts über die Zeit in Florenz bis zu ihren letzten Lebensjahren in Neapel. National Gallery, London, 4. April bis 26. Juli

MAX BECKMANN

Der Untertitel »weiblich–männlich« verrät den Fokus der Schau mit 180 Gemälden, Plastiken und Papierarbeiten: Es geht um die Rolle der Geschlechter in Beckmanns Kunst – ein fruchtbares Feld, denn nichts interessierte ihn mehr als der Mensch. Hamburger Kunsthalle, 3. April bis 2. August

Mai

Emil Pirchan

Dass die Kunst der Bühnenbildnerei eine kolossal unterschätzte ist, zeigt folgendes Beispiel: Emil Pirchan bekam seine erste große Einzelschau im vergangenen Jahr – sage und schreibe 62 Jahre nach seinem Tod. Dabei war der Architekt so einflussreich wie fleißig, mit Hausbauten, Plakatentwürfen (unten eine um 1912 entstandene Collage) sowie seinem innovativen Verständnis von Bühnengestaltung, das er in München, Berlin, Prag und Wien umsetzte. Leopold Museum, Wien, 30. Mai bis 21. September

KEITH HARING

Wenn zahllose Strichmännchen durch die Bilder einer Museumsschau tanzen, weiß man: Die Keith-Haring-Retrospektive hat nach Liverpool und Brüssel nun Deutschland erreicht. Und wer den 1990 an Aids verstorbenen Künstler des Kitsches verdächtigt, sollte sich an seinen Slogan erinnern: »Ignorance = Fear«. Museum Folkwang, Essen, 29. Mai bis 20. September

DER BELGISCHE SYMBOLISMUS

Der Titel der Schau – »Todessehnsucht und Dekadenz« – verweist auf die zwei Grundstimmungen, zwischen denen die belgischen Symbolisten zuverlässig pendelten. Und ein Könner wie Jean Delville kombinierte beide, als er 1900 in »L’amour des âmes« in den Himmel schwebende Seelen als extrem knackige nackte Männer- und Frauenkörper malte. Alte Nationalgalerie, Berlin, 15. Mai bis 13. September

RETROSPEKTIVE JUDY CHICAGO

Ein Werk voll Rauch und Feuer: Die Leidenschaft von Judy Chicago für eine politische Kunst brennt bis heute. Das Feminist Art Program, das die 1939 geborene Künstlerin an Universitäten in Fresno und Los Angeles leitete, ist legendär wegen Aktionskunstwerken wie »Immolation« (o.) aus der Serie »Women and Smoke« von 1972 – Chicago kritisierte damit auch die Tradition der Witwenverbrennung in Indien. Ihre Retrospektive erstreckt sich nun bis zu Arbeiten der Gegenwart, die etwa das Artensterben thematisieren. De Young Museum, San Francisco, 9. Mai bis 6. September

ITALIENISCHE SKULPTUREN

Mit Donatello beginnt die italienische Skulptur zu leben, mit Michelangelo ist man bereit, sich restlos in sie zu verlieben. Dazwischen liegen ein Jahrhundert und viele Wunderwerke der Renaissance-Bildhauerei, von denen der Louvre eine große Anzahl versammelt. Bemerkenswert ist ihre Zeitlosigkeit: In Tullio Lombardos Marmorrelief »Bacchus und Ariane« (um 1505–1510, u.) können sich auch die jungen Neo-Hippies von heute wiederentdecken. Louvre, Paris, 6. Mai und 17. August

Juni

TRAITS D’UNION.S – DIE MANIFESTA IN MARSEILLE

Sonne, Meer, Fischsuppe und Le Corbusiers »Wohnmaschine«: Marseille hat doch schon so vieles und bekommt jetzt noch mehr. Denn die Manifesta – Europas nomadisch umherziehende Biennale – macht in Frankreichs zweitgrößter Metropole halt. Und verstärkt das üppige Angebot, das sechs verschiedene Museen für Kunst und Kunsthandwerk in der Stadt ohnehin liefern. Einige Häuser wie das Musée des Beaux-Arts oder das Centre de la Vieille Charité, ein ehemaliges Krankenhaus im pittoresken Panier-Viertel, werden Spielorte der Manifesta 13. Die gemäß dem Charakter Marseilles bunt und spannungsgeladen ausfallen dürfte. Diverse Orte in Marseille, 7. Juni bis 1. November

ISA GENZKEN

»Das Glatte ist die Signatur der Gegenwart«, hat der Philosoph Byung-Chul Han vor ein paar Jahren festgestellt. Wenn das stimmt, was sollen dann die Skulpturen sein, die Isa Genzken vor immerhin viereinhalb Dekaden schuf: Gegenwart vor der Gegenwart? Das schon damals Aufsehen erregende frühe OEuvre der Künstlerin lässt sich nun in der Ausstellung »Isa Genzken: Werke von 1973–1983« bewundern. »Ellipsoide« und »Hyperbolos« nannte Genzken ihre dynamischen Holzformen, die sie mit dem Computer so berechnete, dass diese nur in einem Punkt auf dem Boden aufliegen. Farbig lackiert, scheinen sie makellos. Die Künstlerin suchte damals die Glätte und Perfektion, die auch im technoiden Design von Stereoanlagen steckt. Und ein Foto, das ihr späterer Ehemann Gerhard Richter 1982 in ihrem Atelier machte (u.), beweist: Stil und Eleganz sind keine Erfindungen unserer Zeit. Kunstmuseum Basel, 6. Juni bis 11. Oktober

Hito Steyerl

Die gebürtige Münchnerin entwirrt seit 1994 in Dokumentarfilmen und Videokunstwerken die Verstrickungen deutscher Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in diversen Krisengebieten. Wer glaubt, das sei dröge, hat sich noch nie von ihren neueren Montagen aus Beats, Soundblobs und computerbearbeiteten Bildern zum Nachdenken verführen lassen. Ihre Retrospektive, die Highlights wie den Videoraum »Factory of the Sun« (2015) von der Venedig- Biennale zeigt, wandert Ende September ins Düsseldorfer K21. Centre Pompidou, Paris, 24. Juni bis 24. August

Philip Guston – Now

Die Bedeutungsschichten eines realen Objekts, abgeschmolzen zur Prägnanz eines Cartoons. Ein Schuh, der aussieht wie ein Schnittmuster – das reicht für »Untitled (Shoe)« von 1968–1973 (o.). Drei Ku-Klux-Klan-Hauben auf einer Schiefertafel: »Blackboard« (1969)! So einfach scheint Philip Gustons Malerei, und doch ist es so schwer, diese Balance zwischen Humor und Ernsthaftigkeit beständig zu halten. Ab 1966 verfeinerte der Amerikaner seinen Schnodderstil. Die Retrospektive zeigt mit 125 Gemälden auch die vorangegangenen surrealistischen und abstrakten Phasen. National Gallery of Art, Washington, 7. Juni bis 13. September

GEZEICHNETE STADT

Berlin auf einem Blatt Papier. Ab Mitte des 20. Jahrhunderts spiegelte die Kunst immer wieder auch die radikalen Transformationen, die die Stadt durchlief – von Werner Heldts gezeichnetem »Häuserstillleben« (1948), das noch Weltkriegsruinen enthält, bis zu Tacita Deans Fotogravur »Palast VI« (u.), die 2005 in einem DDR-Relikt, dem längst abgerissenen Palast der Republik, entstand. Berlinische Galerie, Berlin, 19. Juni bis 5. Oktober

Juli

Kamm, Pastell und Buttermilch

Genau: »Helle Bewegung (mit rotem Hintergrund)« aus dem Jahr 1947 (o. eine Detailansicht) ist ein »Kammzug-Bild« von Willi Baumeister – das er aber nicht mit Buttermilch malte! Denn die nutzte er nur zur Verhinderung von Glanz auf schwarzen Flächen. Flankiert wird der Experimentator in dieser Schau von seinem Lehrer Adolf Hölzel und seinem Schüler, dem Kunsttheoretiker Fritz Seitz. Kunstmuseum Stuttgart, 4. Juli bis 11. April 2021

500 JAHRE MECHANISCHE FIGURENAUTOMATEN

Wie durch einen Zauber bewegt sich die feuervergoldete Metallspinne (re.) vorwärts. In ihren nur 2,6 Zentimeter langen Körper hat der Uhrmacher Tobias Reichel vor 1604 ein verborgenes Laufwerk eingebaut. Der Dresdner Bestand umfasst zahlreiche dieser wundervollen Automaten. Japanisches Palais, Dresden, 25. Juli bis 10. Januar 2021

Rembrandt Competition

Früh wetteiferten Hessens Herrscher um Rembrandts Bilder: Wilhelm VIII., Landgraf aus Kassel, legte 1750 mit dem Erwerb des »Selbstbildnisses mit Sturmhaube« (1634, li.) vor – doch der Darmstädter Landgraf Ludwig X. übertrumpfte ihn 1802 mit einem wichtigen Konvolut an Radierungen. Mit dieser Schau feiert das Landesmuseum sein 200-Jahre-Jubiläum. Hessisches Landesmuseum Darmstadt, 9. Juli bis 4. Oktober

GUTAI

Unklar, wer exakt wann im Westen etwas von Gutai wusste. Fakt ist, dass die von den Künstlern Jiro Yoshihara und Shozo Shimamoto 1954 in der japanischen Stadt Ashiya gegründete Gutai Art Association Avantgardegedankensprünge machte, die wenig später auch in Europa und den USA en vogue waren – die Verbindung von körperlicher Aktion und Material bestimmte einige Werke der Nouveaux Réalistes, etwa Yves Kleins »Anthropometrie «-Bilder, oder das amerikanische Happening. Städel Museum, Frankfurt, 23. Juli bis 1. November

MICHAEL ARMITAGE

Die auf Sperrholzwänden präsentierten, bunten afrikanischen Straßenszenen von Michael Armitage waren ein Hingucker der letzten Venedig-Biennale. Aber wer hat bemerkt, dass eines seiner Bilder der Mariä Himmelfahrt von Tizian in der venezianischen Frari-Kirche ähnelte? Es lohnt definitiv ein zweiter Blick. Haus der Kunst, München, 24. Juli bis 3. Januar 2021

TIFFANYS GENIE

Edward C. Moore, Silberschmied aus New York, war so sagenhaft begabt, dass Tiffany & Co. nicht nur seine Entwürfe kaufte, sondern 1868 auch seine Firma und ihn dazu. Fortan schuf Moore exklusiv für den legendären Juwelierhändler Prunkstücke wie einen Krug, der mit Schwertlilien, Fischen und Libellen verziert ist, oder eine Vase, an deren Körper das Silber wie flüssiges Wachs herabrinnt. Zum Niederknien! The Met Fifth Avenue, New York, 7. Juli bis 4. Oktober

August

Mouse on Mars

Elektronische Piepser und übersteuertes Speakerkratzen als Kunst zu empfinden hat mittlerweile Tradition im Kunstbau des Lenbachhauses, dessen Kellerlage im U-Bahnhof Königsplatz ja auch behagliche Clubatmosphäre erzeugt. Nach Michaela Melián (2016) und Raster-Noton (2018) schaffen jetzt Mouse on Mars (Andi Toma und Jan St. Werner) eine eigens auf den Raum abgestimmte Soundinstallation, die zwischen Struktur und Chaos oszilliert. Vermutlich tanzbar! Lenbachhaus (Kunstbau), München, 28. August bis 25. Oktober

STEPHAN BALKENHOL

In ambivalenter Haltung stehen die Figuren von Stephan Balkenhol da und rühren uns mit ihrer Menschlichkeit. Selbst als monumentale Denkmäler scheinen sie sich nicht über uns zu erheben. Die Werkschau des Kasseler Bildhauers bietet mit Zeichnungen und Modellen auch Einblicke in seine Arbeitsweise. Lehmbruck Museum, Duisburg, 29. August bis 28. Februar 2021

ELENA LIESSNERBLOMBERG

Mit ihren wundervollen kubistisch gezeichneten Skulpturen und Collagen müsste die russische Künstlerin, die 1921 nach Berlin kam, eigentlich viel berühmter sein. Aber da die Kunstwelt eher auf bekannte Namen schielt, wird Elena Liessner-Blomberg alle 15 Jahre von den Museen »wiederentdeckt«. Sprengel Museum, Hannover, 12. August bis 15. November

MADE IN CHINA – PORZELLAN

Da Schalen und Vasen aus der Ming- und Qing-Dynastie auf dem Auktionsmarkt schon Preise im zweistelligen Millionenbereich erzielt haben, ist etwas Ehrfurcht geboten, wenn man sich dieser Ausstellung nähert: Das MKG zeigt über 150 Stücke aus seiner Sammlung chinesischen Porzellans, darunter die so schlichte wie perfekte Vase im kaiserlichen Gelb aus der Kangxi-Ära der Qing-Dynastie (1622–1722, re.). Erzählt wird auch, wie die Keramiken nach Hamburg kamen. Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg, 21. August bis 25. April 2021

PAUL MÜLLER-KAEMPFF

Ein sandiger Weg führt durch eine Wiese zu einer reetgedeckten Kate. Dahinter wogt ein Kornfeld. In die Gemälde von Paul Müller-Kaempff möchte man sofort einziehen und dort endlose Sommer verbringen. Der Maler fand seine Motive wie »Gehöft mit blühendem Garten« (1903/04, o.) im Küstenort Ahrenshoop, wo er 1892 die Künstlerkolonie mitgründete. An unserer Ostseesehnsucht ist allein er schuld. Landesmuseum Oldenburg, 15. August bis 18. Oktober

September

Yayoi Kusama

Klar, die gigantischen Punkte-Kunstwerke von Yayoi Kusama waren schon immer extrem fotogen (li. »Infinity Mirror Room – Phalli’s Field«, 1965). Doch seit Handykameras ständige Augenzeugen des Alltags sind, werden die Ausstellungen der Japanerin, deren Karriere im Umfeld der Zero-Bewegung startete, geradezu überrannt: Ein Selfie mit der verspiegelten Unendlichkeit ist highly instagrammable. Und so wird wohl auch die Retrospektive in Berlin, die unter anderem einen neuen »Infinity Mirrored Room« zeigt, nicht ohne Zeitfensterzugang auskommen. Gropius Bau, Berlin, 4. September bis 17. Januar 2021

Verpackter Triumphbogen

Paris hat einen besonderen Platz in Christos Herzen: Hier lernte er seine Frau Jeanne-Claude kennen, hier verhüllten die beiden 1985 die Pont Neuf. Da Jeanne-Claude 2009 starb, kehrt Christo allein zurück, um den Triumphbogen zu verpacken (o. eine Collage von 2018). Es wird das Publikumsspektakel des Herbstes! Arc de Triomphe, Paris, 19. September bis 4. Oktober

SKLAVEREI – EINE AUSSTELLUNG

Zehn individuelle Biografien von verschleppten Afrikanern sollen im Zentrum der Ausstellung stehen. Viel mehr verrät man sonst nicht in Amsterdam über das überfällig scheinende Projekt, das den Verbindungen von Kolonialismus, Sklavenhandel und Kunstschaffen nachspürt. Sicher ist, dass wir das Goldene Zeitalter mit anderen Augen sehen werden. Rijksmuseum, Amsterdam, 25. September bis 17. Januar 2021

MARIA CASPARFILSER

Wer süchtig nach Farbe ist, auf den wirken die Bilder von Maria Caspar-Filser wie frischer Stoff.

So sah also Deutschlands Antwort auf den Fauvismus aus! Dass die Malerin heute vergessen ist, liegt an den Nazis, die ihre Kunst aus den Museen verbannten. Die Akademieprofessorin und Mitbegründerin der Neuen Münchener Sezession malte Werke wie »Großer Flieder- und Tulpenstrauß« (1944, re.) von da an im inneren Exil. Kunsthalle Emden, 19. September bis 17. Januar 2021

HUMBOLDT FORUM

Da war doch was? Genau, ab September sollen erste Sonderausstellungen im Schlossneubau auf der Berliner Museumsinsel zu sehen sein. Falls die Bauarbeiter fertig werden. Und falls die Betriebsgenehmigung erteilt wird. In Berlin ist das immer so eine Sache.

Oktober

ANSELM KIEFER

Drei Werkphasen des Mythenmalers locken: Die Bleibücher-Arbeit »Volkszählung (Leviathan) « von 1987–1989, die Installation »Palmsonntag « (2007) und die Außenskulptur »Sprache der Vögel« von 2012. Kunsthalle Mannheim, 2. Oktober bis 6. Februar 2021

MESSEN

Fair For Art Vienna Wien, 3.–11. Oktober

Frieze & Frieze Masters London, 8.–11. Oktober

Rare Books & Fine Art Frankfurt

14.–18. Oktober Kunst & Antiquitäten

München 17.–25. Oktober

Highlights, München 21.–25. Oktober

Artmuc, München 22.–25. Oktober

Fiac, Paris 22.–25. Oktober

Tefaf New York Fall 31. Oktober – 4. November

Andy Warhol. Now

Fotos von Hollywoodstars wie Marilyn Monroe waren genauso geistiges Futter für den berühmtesten Perückenträger der Kunstgeschichte wie die Werbebilder, die er abpauste (o. »Christ $9.98 (positive)« von 1985/86). Mehr als 100 dieser Warhol-Klassiker bietet die Schau, die zunächst im März in der Londoner Tate startet. Museum Ludwig, Köln, 10. Oktober bis 21. Februar 2021

AUGUST MACKE

Vor hundert Jahren gastierte in Wiesbaden eine Gedächtnisausstellung für den früh im Krieg gefallenen Künstler. Seitdem ist sein Platz im Kanon der Moderne fest etabliert. Die Schau mit dem Untertitel »Expressionist zwischen Bonn, München und Paris« beleuchtet jetzt mit 80 Werken seine nur zehn Jahre währende Karriere – von Malerei, die noch von seinem Lehrer Lovis Corinth beeinflusst ist, über Werke aus der Frühzeit des Blauen Reiters bis hin zu seiner Tunis-Reise mit Paul Klee im Todesjahr 1914 (u. »Afrikanische Landschaft, Tunis«). Museum Wiesbaden, 30. Oktober bis 14. Februar 2021

JACOBUS VREL

Er ist ein großer Unbekannter unter den holländischen Malern im 17. Jahrhundert. Von Jacobus Vrel kennen wir gerade einmal den Namen durch die Signaturen seiner Bilder. Ansonsten weiß man weder etwas über seine Lebensdaten, noch gibt es Anhaltspunkte, in welcher Stadt er arbeitete. Es bleiben die Bilder, und die faszinieren die Kunstkenner seit Langem. Zuweilen hat man sie Johannes Vermeer oder Pieter de Hooch zugeschrieben, aber sie sprechen doch eine eigene Sprache. Es sind karge Interieurs, in denen melancholisch wirkende Menschen ihren Tätigkeiten nachgehen, wie die »Lesende Frau« (li.). Die Häuser der Straßenszenen wirken wie gemalte Bühnenprospekte, die Perspektiven sind eher flach, und die Passanten wirken etwas skurril. Aber die Bilder haben eine ganz charakteristische Aura, ein wenig unwirklich, wie in einer entrückten Sphäre, manchmal auch in liebenswerter Weise verschroben. Jetzt ist dieser Maler endlich in einer Ausstellung zu entdecken. Alte Pinakothek, München, 13. Oktober bis 10. Januar 2021

SPÄTGOTIK. AUFBRUCH IN DIE NEUZEIT

Nach 1430 öffnete sich auch in den Gemälden nördlich der Alpen das Fenster zur Welt: Was müssen die Menschen gestaunt haben angesichts der neuen Bilder mit realistischen Menschen und (dank korrekter Perspektive) begehbar wirkenden Landschaften. In Kombination mit dem ab 1450 verbesserten Buchdruck zirkulierten solche Werke bald massenhaft. Wer den Ursprung unserer Wissensgesellschaft sucht, muss bis zur Spätgotik zurückblicken! Gemäldegalerie, Berlin, 9. Oktober bis 14. Februar 2021

Claudia Skoda

Coolness, für immer eingefroren: »Ohne Titel (Claudia Skoda mit ihrer Strickmaschine im U-Bahnhof Kottbusser Tor, Berlin)« – fotografiert 1976/1977 von ihrem Mitbewohner Martin Kippenberger. In der Schau der Modedesignerin berührt uns der Geist West-Berlins mit sanftem Finger. Kunstbibliothek, Berlin, 30. Oktober bis 21. Februar 2021

Raffael

Mit zehn Gemälden kann die Londoner National Gallery bei Raffael viel in die Waagschale werfen. Da zielt der Ehrgeiz auf eine spektakuläre Schau im Raffael-Jahr. Mit prominenten Leihgaben wie der »Esterházy-Madonna« aus Budapest (u.), geschaffen um das Jahr 1508, gelingt das auch. National Gallery, London, 3. Oktober bis 24. Januar 2021

ÄGYPTEN

Basel besitzt das einzige Museum der Schweiz, das sich ausschließlich auf die Kunst und Kultur des antiken Mittelmeerraums konzentriert. Die Schätze der ägyptischen Sammlung – wie der gut 4000 Jahre alte Kopf Pharao Mentuhotep III. (re.) – sind allerdings gerade eingelagert, weil die Präsentation dieses Bestandes 2020 vollkommen neu konzipiert wird: Ab Herbst glänzt die Kunst der Nil-Zivilisation schöner denn je. Antikenmuseum Basel, ab 24. Oktober

EPIC IRAN

300 Skulpturen, Keramiken, Textilien und illuminierte Handschriften (teils kostbare Leihgaben aus der Sarikhani Collection) befördern uns in die frühe Blütezeit des Iran – zielsicherer als jeder fliegende Teppich. Victoria and Albert Museum, London, 17. Oktober bis 3. Mai 2021

MERET OPPENHEIM

Gäbe es einen Spezialwettbewerb der surrealistischen Bildhauer, der erste Rang wäre Meret Oppenheim (1913–1985) sicher. Fantasievoller als die Schweizer Künstlerin spielte niemand mit dem Material, und kein männlicher Konkurrent setzte so treffsichere Pointen wie »Eichhörnchen« (1969, oben). Das zeigt in Málaga der Vergleich mit Werken von Künstlergrößen wie Alberto Giacometti oder Hans Arp. Museo Picasso Málaga, 19. Oktober bis 7. Februar 2021

November

Aliza Nisenbaum

Kleiner Dämpfer der Euphorie: Das oben abgebildete Gemälde ist nicht in Liverpool zu sehen. Denn Aliza Nisenbaum, die sich im Stil an die Wandmalereien ihrer mexikanischen Heimat anlehnt, lässt ihre neuesten Gruppenporträts im Dialog mit dem Ausstellungsort entstehen. Und »London Underground: Brixton Station and Victoria Line Staff« (2018/19) wurde eben für eine U-Bahn-Station gemalt. Nisenbaums sozial engagierte Porträtmalerei dürfte aber auch im Museum den Zeitgeist festhalten! Tate Liverpool, 27. November bis 7. März 2021

ARTHUR JAFA

Martin Luther King, Muhammad Ali, Barack Obama. Weiße Polizisten prügeln auf einen am Boden liegenden Schwarzen ein. The Notorious B.I.G. rappt 1989 in Brooklyn. Mit schnellen Bildwechseln skizziert Arthur Jafas Video »Love Is The Message, The Message Is Death« (2016) die Alltagserfahrungen und das Selbstbewusstsein der Afroamerikaner. Der Gewinner des Goldenen Löwen der letzten Venedig-Biennale zeigt dazu einige brandneue Werke. Louisiana Museum of Modern Art, Humlebæk, 19. November bis 28. Februar 2021

REKLAME!

»Suma – wäscht und schont alle Gewebe.« Solche Slogans hatte ab Ende des 19. Jahrhunderts jeder vor Augen, der Werbung sei Dank. Die stand damals auf Blech, wie das Grassimuseum verrät. Und wer die schönen Reklameschilder betrachtet, kann nicht verstehen, dass werbemüde Zeitgenossen damals von der »Blechpest« sprachen. Grassimuseum, Leipzig, 26. November bis 9. Mai 2021

NEUE HORIZONTE

Lange vor der Idee des »Aluhuts«, der den Träger vor telepathischen Wellen oder anderen Strahlungen bewahren soll, kannte die Menschheit den Goldhut. Ein solcher (oben) wurde in der Bronzezeit (1400–1300 v. Chr.) im pfälzischen Schifferstadt im Rahmen eines Sonnenkultes aufgesetzt. Der Hut reist aus dem Historischen Museum in Speyer nach Halle – als Exponat einer Ausstellung zu den Forschungen um die Himmelsscheibe von Nebra, die in der Saalestadt bewahrt wird. Jüngste Funde aus Sachsen-Anhalt fließen in die Schau »Neue Horizonte« ein, die in Kooperation mit dem British Museum wertvolle Leihgaben aus London erhält. Landesmuseum für Vorgeschichte, Halle, 20. November bis 16. Mai 2021

Fritz Winter – Documenta-Künstler

Wie eine Zeitmaschine funktioniert das Bild »Weite Horizontalen« (o.) von Fritz Winter: Es teleportiert uns ins Jahr der Documenta von 1964. Es war die dritte Documenta, die von Arnold Bode und Werner Haftmann kuratiert wurde, und die dritte, an der Winter teilnahm. Das zeigt die Bedeutung, die damals der abstrakten Malerei auf der »Weltkunstausstellung « beigemessen wurde. Haftmann beschrieb diese 1959 als Punkt, auf den alle Stilrichtungen zulaufen. Heute existiert die Malerei bei der Kasseler Großschau nur noch im Schatten von Video und Installationskunst. Da ist ein wenig Innehalten vor den Werken des Bauhaus-Schülers Winter ein willkommenes Gegenprogramm. Neue Galerie, Kassel, 13. November bis 21. Februar 2021

Dezember

OTTILIE ROEDERSTEIN

In Kooperation mit dem Frankfurter Städel Museum zeigt das Kunsthaus Zürich mit rund sechzig Bildern die erste monografische Werkschau der Schweizer Malerin (1859–1937). Zu Lebzeiten war sie mit ihrer Kunst – vor allem Porträts und Stillleben – durchaus erfolgreich, stellte schon in frühen Jahren in Paris aus und war 1912 als einzige Frau in der Kunstausstellung des Sonderbundes neben Kollegen wie Ferdinand Hodler und Giovanni Giacometti vertreten. Trotzdem ist ihr Name heute nur noch wenigen bekannt. Das wird sich bald ändern! Kunsthaus Zürich, 4. Dezember bis 5. April 2021

MESSEN

Art Basel Miami Beach

3.–6. Dezember

Fortschritt durch Schönheit

Josef Hoffmann, genialer Designer der Wiener Werkstätte, schuf Möbel zum Träumen! Etwa den Sessel für das Cabaret Fledermaus von 1906 (o.). Museum für angewandte Kunst, Wien, 10. Dezember bis 18. April 2021

André Thomkins

Der Surrealismus, der Zufall und die physischen Eigenschaften von Lacken waren ihm lebenslange Inspiration. Jetzt wird der kreative Kosmos des Schweizers André Thomkins (1930–1985) in seiner Wahlheimat Berlin präsentiert (o. »Apparition«, 1960). Sammlung Scharf-Gerstenberg, Berlin, ab Dezember

REMBRANDT

Auf den Durchbruch des jungen Künstlers in Amsterdam konzentriert sich eine Schau, die das Städel Museum zusammen mit der National Gallery of Canada organisiert. Neben den eigenen Beständen wie der fulminanten »Blendung Simsons« von 1636 sind kostbare Leihgaben aus dem Prado, aus Dresden, London und Washington angekündigt. Neben Rembrandts künstlerischem Genie blitzt auch sein unternehmerisches Selbstbewusstsein auf. Städel Museum, Frankfurt, 9. Dezember bis 5. April 2021

ALTE MEISTER IM BUCKINGHAM PALACE

Schätze aus der königlichen Sammlung ziehen temporär in die Queen’s Gallery um: Rembrandt und Vermeer, Tizian und Guercino, Rubens und Canaletto. Buckingham Palace, London, 4. Dezember bis 30. September 2021

KUNST UND LITERATUR AM BODENSEE

Annette von Droste-Hülshoff, Henry van de Velde, Otto Dix oder Hermann Hesse – sie alle verbrachten Zeit am Bodensee. Eine originelle Schau beleuchtet überraschende Freundschaften, Porträts in Literatur und Kunst und gemeinsame Projekte. Zeppelin Museum, Friedrichshafen, 4. Dezember bis 11. April 2021


Bilder: Justin Piperger, AKRP, Privatsammlung; © Heirs of Josephine Hopper/VG Bild-Kunst, Bonn 2019, © 2019 Digital image, The Museum of Modern Art, New York/Scala, Florence; Teruko Yokoi, Bern

Bilder: Tate, London 2019, © David Hockney; Museo Nacional del Prado, Madrid; Privatsammlung

Bilder: Banco de México Diego Rivera Frida Kahlo Museums Trust/VG Bild-Kunst, Bonn 2019; Courtesy Castelli Gallery, New York/VG Bild-Kunst, Bonn 2019; The Museum of Modern Art, New York; The National Gallery, London

Bilder: Judd Foundation/ARS, New York/VG Bild-Kunst, Bonn 2019; Isabella Stewart Gardner Museum, Boston; Galleria Palatina, Palazzo Pitti, Galleria degli Uffizi, Florenz

Bilder: Judy Chicago/ARS, New York/VG Bild-Kunst, Bonn 2019, Photograph courtesy Through the Flower Archives; Sammlung Steffan/Pabst; Kunsthistorischesmuseum, Wien

Bilder: The Estate of Philip Guston; Gerhard Richter/Courtesy Galerie Buchholz, Berlin -Köln - New York/VG Bild-Kunst, Bonn 2019; Tactia Dean

Bilder: CC BY-NC-SA 3.0 Germany, Archiv Baumeister im Kunstmuseum Stuttgart/VG Bild-kunst, Bonn 2019; Jürgen Karpinski, SKD; Ute Brunzel, GAM

Bilder: Nico Thoma; Jörg Arend, Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg; Sven Adelaide, Landesmuseum Oldenburg

Bilder: The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc. Licensed by ARS, New York, 2019; Kunsthalle Mannheim; The Orsay Collection, London, Paris

Bilder: Courtesy the artist and Art on the Underground, London; Mary Mary, Glasgow; Anton Kern Gallery, New York/© Aliza Nisenbaum; Historisches Museum der Pfalz Speyer; Foto: Arno Hensmanns, MHK, Neue Galerie – Sammlung der Moderne/VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Bilder: Kunsthaus Zürich, Vereinigung Zürcher Kunstfreunde; Volker-H. Schneider, Nationalgalerie, SMB, Sammlung Scharf-Gerstenberg/bpk; Georg Mayer/MAK