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Die homöopathische Winterapotheke


Happy Way - epaper ⋅ Ausgabe 1/2019 vom 06.12.2018

Die kleinen Globuli sind starke Helfer gegen Halsschmerzen, Schnupfen, Husten und Erkältungen


Artikelbild für den Artikel "Die homöopathische Winterapotheke" aus der Ausgabe 1/2019 von Happy Way. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Happy Way, Ausgabe 1/2019


Kommgesund und stark duch die kalte Zeit!


Auf dem Nachttisch steht die Schwammgurke. Denn es ist wieder einmal so weit: Der Winter ist da und irgendwie hat er immer so ein paar Geschenke in seinen kalten Armen dabei, auf die man eigentlich gut verzichten könnte. Wie diese Nasennebenhöhlenentzündung. Das Atmen fällt schwer, der Kopf brummt und fühlt sich so groß an, als würde er nicht durch die Schlafzimmertür passen. Ein bisschen Fieber hat der Infekt auch noch mitgebracht. Aber die Schwammgurke da, eingefangen ...

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Auf dem Nachttisch steht die Schwammgurke. Denn es ist wieder einmal so weit: Der Winter ist da und irgendwie hat er immer so ein paar Geschenke in seinen kalten Armen dabei, auf die man eigentlich gut verzichten könnte. Wie diese Nasennebenhöhlenentzündung. Das Atmen fällt schwer, der Kopf brummt und fühlt sich so groß an, als würde er nicht durch die Schlafzimmertür passen. Ein bisschen Fieber hat der Infekt auch noch mitgebracht. Aber die Schwammgurke da, eingefangen in winzigen weißen Kügelchen in einem Fläschchen, die kann jetzt helfen. „Luffa operculata“ nennen Homöopathen die Schwammgurke im Fachjargon. Sie wird bei Nasennebenhöhlenentzündungen eingesetzt bzw. auch bei einem einfachen Schnupfen, wenn der Patient eine Neigung zur Nasennebenhöhlenentzündung hat. Bei Husten dagegen können die weiße Zaunrübe („Bryonia“) oder die Edelkoralle („Corallium rubrum“) zum Einsatz kommen. Wie aber helfen die kleinen Globuli, Tabletten oder Tropfen genau? Und warum greifen so viele Menschen heute zu homöopathischen Mitteln?
Zu verdanken ist der reichhaltige Schatz rund um Schwammgurke, Zaunrübe und Co. dem Arzt Dr. Christian Friedrich Samuel Hahnemann. Geboren 1755 in Meißen sollte er eigentlich vermutlich Porzellanmaler werden – wie sein Vater, der aber weder Lust noch Rücklagen hatte, das Schulgeld seines Sohnes zu bezahlen. Samuels Mutter ist es zu verdanken, dass der wissbegierige Junge auf ihren Einsatz hin ein Schulstipendium bekam – und rund 30 Jahre später eine revolutionäre Heilmethode entdeckte. Er war zu diesem Zeitpunkt bereits Mediziner, allerdings ernährte sein Beruf ihn und seine Familie mehr schlecht als recht.

Dazu kam: Hahnemann fühlte sich zunehmend abgestoßen von den extremen Methoden seiner Zeit wie Schröpfen, Blutegel-Kuren und Aderlässen, die den Patienten nur kurzzeitig Erleichterung brachten und langfristig sogar schwächten. So suchte er nach einer Möglichkeit, den Körper von innen heraus zu stärken, damit dieser die Krankheit selbst in den Griff bekommen konnte. Zunächst besann er sich auf volksheilkundliche Aspekte der Medizin und entdeckte, dass zum Beispiel gegen Überhitzung im Sommer lauwarme Getränke besser helfen als eiskalte. Oder dass man gefrorenes Sauerkraut auf erfrorene Glieder legte, um diese wieder anzuregen. Seine Schlussfolgerung: „Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden!“ Sie wurde zum Leitsatz der von ihm entwickelten homöopathischen Lehre.

Was außerdem hilft

Nimm Dir Zeit zum Gesundwerden
Wer sich sanft heilt, darf es auch sonst langsam angehen lassen: Schlaf ist eine gute Medizin und Bettruhe in jedem Fall eine gute Idee. Tees aus entzündungshemmendem Salbei (keine Pfefferminze!) unterstützen die Schleimhäute. Leichte Kost mit viel Gemüse und Obst führt dem Körper außerdem wichtige Vitamine und Mineralstoffe zu, die er im Kampf gegen die Keime gut gebrauchen kann. Nach dem Infekt bitte nicht sofort wieder lospowern, um einen Rückfall zu vermeiden.


Wen es erwischt hat, der sollte sich auch erlauben, krank sein zu dürfen! Ab ins Bett und ausruhen!


Die Zwiebel hilft bei Schnupfen

Ein einfaches Beispiel, das zur Beschreibung der Homöopathie oft herangezogen wird, ist die Brechnuss. Sie kann unter anderem Krämpfe aller Arten auslösen. „Nux vomica“ aber, so die homöopathisch aufbereitete Form der Brechnuss, ist erstes Mittel, wenn es um Völlegefühl und Verkrampfungen im Magen-Darm-Takt geht, die zum Beispiel durch Überessen ausgelöst wurden. Oder die Küchenzwiebel: Sie sorgt, wenn man sie für die Essenszubereitung klein schneidet, für brennenden Fließschnupfen – und wird daher als „Allium cepa“ bei einem Infekt mit ebendiesem Symptom eingesetzt. Das Ähnlichkeitsprinzip funktioniert dabei so: Laut Hahnemann lösen zum Beispiel Nux vomica und Allium cepa einen ähnlichen Zustand im Körper aus (nämlich Magen-Darm-Krämpfe oder brennenden Fließschnupfen), welcher die echte Krankheit (Magenschmerzen, Sodbrennen, Verstopfung oder grippaler Infekt mit Schnupfen) an Stärke bei weitem übertrifft. Und somit zur Auslöschung der Krankheit führt! Das Wort „Homöopathie“ ist abgeleitet aus den griechischen Stämmen „homoios“ (deutsch: ähnlich) und „pathos“ (deutsch: Leiden, Krankheit).

Ein Versuch mit der Malaria

Samuel Hahnemann ging dabei durchaus fantasievoll bis extrem experimentierfreudig vor. Zum einen führte er unzählige Versuche an sich selbst sowie an seiner Frau und seinen elf Kindern durch – was diese wahrscheinlich viel weniger euphorisch aufgenommen haben dürften. Er verabreichte seine zuvor verdünnten und verschüttelten Ursubstanzen und notierte genau, welche Symptome an Leib und Seele sie hervorriefen: Fieber, Bauchschmerzen, Albträume, wahnsinnigen Durst, einen seltsamen Appetit auf Kaltes oder Heißes und vieles mehr. Die Symptome verschwanden nach sehr kurzer Zeit auch wieder. Hahnemann selbst schreckte vor nichts zurück: Als er erfuhr, dass man China rinde gegen Malaria einsetzte, nahm er winzige Mengen davon zu sich – und entwickelte prompt selbst Malaria-Symptome, die zwei bis drei Stunden anhielten.

Sanft, aber kraftvoll

Wer heute in die Apotheke geht und dort homöopathische Mittel kauft, profitiert also unbedingt von der Unerschrockenheit Hahnemanns. Homöopathische Mittel sind, wenn sie sorgfältig und korrekt ausgewählt wurden, eine sanfte, aber kraftvolle Möglichkeit, den Körper beim Kampf gegen einen Erkrankung zu unterstützen – ideal bei Erkältungen und grippalen Infekten mit Fieber, Husten, Halsschmerzen und Schnupfen. Auf unserer Übersicht zum Ausschneiden (siehe Seite 67) haben wir die wichtigsten Erkältungshelfer der Homöopathie zusammengestellt, natürlich jeweils mit den begleitenden Symptomen der Krankheit. Wer sich krank fühlt, sollte in sich hineinhören und anhand unserer Liste mit den Leitsymptomen das für ihn passende Mittel heraussuchen: Wird mein Schnupfen im Freien besser und verschlechtert sich morgens? Wurde mein Infekt durch kalten Wind oder trockene Kälte ausgelöst? Ist mein Husten trocken oder bin ich stark verschleimt? Habe ich Durst auf kaltes Wasser? Ist mein Gesicht blass? Geht es mir im warmem Zimmer schlechter? Samuel Hahnemann und seine Nachfolger haben alle Details akribisch dokumentiert.
Noch ein paar Worte zu den sogenannten Potenzen: Auf jedem homoöpathischen Präparat, ob Tropfen, Tabletten oder Globuli, finden sich Angaben wie zum Beispiel „D4“ oder „D12“. Sie werden Potenzen genannt und geben den Grad der Verdünnung an. Dafür wird der Wirkstoff in einem ersten Schritt im Verhältnis 1:10 mit einem Alkohol-Wasser-Gemisch (oder in Milchzucker) verdünnt. Das ist deshalb nötig, weil einige Ausgangssubstanzen tatsächlich giftig sind. Im Anschluss wird traditionellerweise das verdünnte Gemisch zehn Mal auf ein Lederkissen geklopft oder „verschüttelt“. Diesen Vorgang des Verschüttelns nannte Hahnemann Dynamisation. Das Ergebnis ist die D1-Potenz. Wird diese wiederum verdünnt und verschüttelt, erhält man eine D2-Potenz und so weiter. Faustregel: Niedrige Potenzen im D6- bis zum D12-Bereich werden vor allem für akute Krankheiten eingesetzt – hier auf unseren Seiten für Husten, Schnupfen und Co. Höhere Potenzen (ab C30 bis hin zu z. B. C200) wirken länger und in tiefere Schichten und vor allem für chronische Symptome. Für die Selbstmedikation raten Homöopathen zu den niedrigen Potenzen!

Wann zum Arzt?

Grenzen der Selbstbehandlung
Mit homöopathischen Mitteln kann man sich im Prinzip wunderbar selbst kurieren. Zu einem ausgebildeten Homöopathen oder Arzt sollte man aber dann gehen, wenn sich die Beschwerden nach zwei Tagen nicht merklich bessern oder sogar verschlechtern. Wir raten außerdem, sich mit Kindern oder wenn man schwanger ist, ebenfalls vom Experten beraten zu lassen. Wer ohnehin schon in ärztlicher Behandlung ist, sollte die homöopathische Selbstmedikation mit dem Arzt besprechen.

Bitte beachten

So wirkt Homöopathie optimal
• Die Globuli, Tabletten oder Tropfen unbedingt mit einem Plastik- oder Porzellanlöffel einnehmen.
• Eine Viertelstunde vor und nach der Einnahme nichts essen oder trinken.
• Jeweils nur ein Präparat einnehmen.
• Im hochaktuen Stadium 3–4 mal stündlich 1 Gabe einnehmen.
• Bei akuten Beschwerden anfangs bis zu stündlich 1 Gabe.
• Bei chronischen Krankheiten 2 mal täglich eine Gabe.
• 1 Gabe entpricht 5 Tropfen oder 1 Tablette oder 5 Globuli.
Wichtig: bei Besserung reduzieren!

Was die Forschung sagt

Kritiker betonen immer wieder, dass sich in homöopathischen Mitteln aufgrund der Verdünnung praktisch kein Wirkstff befinden würde und heben den Placebo-Effekt hervor, den homöopathische Substanzen angeblich hervorrufen würden. Tatsächlich konnte Hahnemann damals nicht wissenschaftlich begründen, warum seine Präparate wirkten.


Durst auf kaltes Wasser oder ein sehr blasses Gesicht: In der Homöopathie hat alles eine Bedeutung.


Moderne Studien aber zeigen, dass Wirkstoffmoleküle (zum Beispiel aus der Arnika) offenbar an die Trägersubstanz (z. B. dem Alkohol-Wasser-Gemisch) andocken und auch dann noch wirksam bleiben, wenn sie für uns nicht mehr nachweisbar sind. Die Information bleibt hier also offensichtlich bestehen und verstärkt sich sogar bei zunehmender Potenzierung. Und auch zur Schwammgurke gibt es Forschungen: In einer Doppelblindstudie (einer Studie, bei der weder Behandler noch Patienten wissen, welches Mittel verabreicht wurde), konnte man beobachten, dass Luffa operculata gerade bei Nasennebenhöhlenentzündungen hervorragend wirkt – besser als zum Beispiel die Küchenzwiebel Allium cepa.

Jetzt kann der kalte Winter kommen

Wichtig für die Selbstmedikation: Bei manchen Menschen und Situationen kann es zu einer sogenannten Erstverschlimmerung kommen. Diese zeigt an, dass das Mittel korrekt ausgewählt wurde. In diesem Fall einfach kurz mit der Einnahme pausieren. Die meisten Experten raten, während einer homöopathischen Behandlung auf Pfefferminze (etwa im Tee, im Kaugummi, Hustenbalsam oder in der Zahnpasta), auf Kaffee sowie auf Kampfer zu verzichten, weil sie die Wirkung schwächen können – bei manchem Menschen mehr, bei anderen weniger. Wichtig ist außerdem, die Gaben bei einer Besserung der Beschwerden zu reduzieren (siehe Kasten links „Bitte beachten“), um nicht erneut Krankheitssymptome zu provozieren.
So gerüstet dürfte der kalte, feuchte Winter keine Sorgen mehr machen. Denn Dr. Hahnemann und seine Nachfolger, die Homoöpathen von damals und heute, haben da für so ziemlich alle Winterinfekte das richtige Mittel in ihren Arzneimittelschränken. Von Schwammgurke bis Küchenzwiebel eben.


FOTO FOTOLIA (1), ISTOCK (4), GETTY IMAGES (1), SHUTTERSTOCK (1)