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Die Intensiv-Belegung zählt, nicht die Inzidenz!


Bild am Sonntag Gesamtausgabe - epaper ⋅ Ausgabe 28/2021 vom 11.07.2021

Artikelbild für den Artikel "Die Intensiv-Belegung zählt, nicht die Inzidenz!" aus der Ausgabe 28/2021 von Bild am Sonntag Gesamtausgabe. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Bild am Sonntag Gesamtausgabe, Ausgabe 28/2021

Versorgung eines Covid-Patienten auf einer Intensivstation in Thüringen während der dritten Corona-Welle

Der Virologe und Epidemiologe Klaus Stöhr (62) sprach mit BamS über ein Ende der Corona- Maßnahmen und das weitere Leben mit dem Virus.

BILD am SONNTAG: Die Inzidenz ist niedrig, immer mehr Menschen sind geimpft. Wann muss der Staat die Corona- Maßnahmen zurücknehmen?

KLAUS STÖHR: Die Sorgfaltspflicht des Staates und damit alle einschränkenden Maßnahmen hören für mich dort auf, wo die Eigenverantwortung für den Einzelnen zumutbar möglich ist. Das wäre für mich der Zeitpunkt, wenn jeder Impfwillige sein Impfangebot wahrgenommen hat ...

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... plus zwei Wochen, in der sich der vollständige Schutz ausbildet. Dann hat jeder seine Wahl getroffen: Impfung oder Infektion.

Ist für Sie trotzdem eine Situation denkbar, bei der eine geimpfte Bevölkerung wieder in den Lockdown müsste?

Das wäre notwendig, wenn sich, wider jeder virologischen Erwartung, sehr bald eine neuartige Virusvariante entwickeln würde und es bei Risikogruppen zu ernsthaften Impfdurchbrüchen kommt. Das ist aber gegenwärtig überhaupt nicht absehbar. Deshalb müssen bei erfolgten Impfangeboten auch alle Maßnahmen aufgehoben werden. Gleichzeitig muss man in Alten- und Pflegeheimen zum Beispiel Auffrisch-Impfungen vorbereiten.

Die Inzidenz sagt bei steigender Impfrate immer weniger aus. Auf welche Werte sollen wir denn stattdessen schauen, wenn eine vierte Welle kommt?

Beobachten muss man die Hospitalisierungs-Rate bei den gefährdeten Gruppen, die Einweisungen auf Intensivstationen und die Sterberate. Wenn Personen positiv getestet werden, aber keine oder nur leichte Symptome haben, darf das nicht dazu führen, dass Geschäfte und Schulen wieder schließen, nur weil die Meldeinzidenz steigt. Eigentlich hätte man in Deutschland schon von Anfang an einen Pandemie-Stufenplan entwickeln müssen. Der hätte bei der Zusammenschau mehrerer Werte transparent und voraussagbar gezeigt, welche Maßnahmen bei welcher Situation nötig oder nicht mehr nötig sind. Auch die Impfrate wäre dabei zu berücksichtigen. Ein hoher Wert würde zu schnelleren Lockerungen führen. Das hätte die Motivation zur Impfung gestärkt.

Welche konkreten Werte müssten denn bei einer vierten Welle doch wieder zu verschärften Maßnahmen führen?

Im Winter hat sich gezeigt, dass das Gesundheitssystem sogar bei ungeimpfter Population mit einer Inzidenz von 200 zurechtkommen kann. Bei geimpfter Bevölkerung sollte der Fokus auf der Belegung der Intensivbetten und der Sterberate liegen.

Wo sehen Sie die Belastungsgrenze? Im vergangenen Winter haben die Intensivstationen zeitweise fast 6000 Covid- Intensivpatienten versorgt.

In Frankreich hat man gesehen, dass sich selbst eine 60-prozentige Auslastung der Intensivbetten mit Corona-Patienten noch stemmen lässt. Das war natürlich nicht die Idealvariante. Aber: Eine Belegung in dieser Größenordnung würde in unseren Kliniken etwa 18.000 Covid- Patienten entsprechen. So etwas sehe ich aber überhaupt nicht auf uns zukommen.

Großbritannien beendet trotz hoher Zahlen alle Corona- Maßnahmen. Wenn das Experiment gutgeht – können wir dann nicht auch alles öffnen?

Ja natürlich. Die Engländer machen hier kein Experiment. Sie haben ein Konzept, das epidemiologisch belastbar ist. Es ist immer ein Abwägen, was man als Konsequenz akzeptiert und was nicht. Die Briten wissen, dass man nicht jeden einzelnen Corona-Fall verhindern kann. In Deutschland geht man einen sehr konservativen Weg, aber letztendlich werden alle am selben Status ankommen: Man muss sich mit der Situation arrangieren und mit dem Virus leben wie bei der Influenza.

mawa, vw