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Die Jaeger NXT von C.G. Haenel


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JÄGER - epaper ⋅ Ausgabe 30/2022 vom 11.02.2022

WAFFENTEST

Längst sind Geradezugrepetierer aus dem jagdlichen Alltag nicht mehr wegzudenken. Auf der Drückjagd und auf der Pirsch ist die Handhabung zu angenehm. Die Jaeger NXT reiht sich ein. Auf die legendäre R93, den ersten rein für jagdliche Zwecke entwickelten Geradezugrepetierer, folgten bis heute zahlreiche weitere Entwicklungen unterschiedlicher Hersteller. Neben der HELIX von Merkel oder der Heym SR30 könnte die Liste der erfolgreich in deutschen Revieren geführten Repetierbüchsen mit Geradezugverschluss noch um einige Modelle erweitert werden. Sicher ist die Beliebtheit dieser Waffengattung ein Anreiz für die Konstrukteure, weiter zu denken und neue Lösungen für ein solches System zu entwickeln.

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Die Jaeger NXT von Haenel funktionierte im Test einwandfrei und stellte sich als sehr führig heraus.

Markteinführung

Seit November 2021 ist die Jaeger NXT im Fachhandel erhältlich. Zur Markteinführung wurde das Jagdgewehr in den Kalibern .308 Win. sowie .30-06 Springfield ausgeliefert. ...

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... Mit einem UVP von €1999,00 korrigiert die Jaeger NXT das Preisniveau für Geradezugrepetierer von Markenherstellern deutlich nach unten. Ist es also eine billige Produktion mit klapperndem Schaft und kratzendem Schlossgang ? Wir werden sehen. Entwickelt hat sie das Team um Haenel-Chefentwickler Lutz Morgenroth, der in ihr neben der Suhler-Expertise noch eine ganze Menge innerer Werte verbaut hat. Wir können aber vorab schon verraten: Die Neue aus dem Hause Haenel hat uns auf dem Schießstand, wie in der jagdlichen Praxis überzeugt.

Eine Hommage: Das Handspannersystem

Nirgendwo sonst auf der Welt legen Hubertusjünger so viel Wert auf Handspannersysteme wie in Deutschland. Dieses Phänomen zu ergründen bietet sicher genug Stoff für eine ganze Artikelserie. Insofern haben die Suhler gut daran getan, ihre „Neue“ mit einer Handspannung zu versehen, obgleich wir uns das System der Jaeger NXT auch gut mit einer Sicherung vorstellen können. Die Art des Handspannersystems lässt uns aufhorchen.

Spannen über den Kammerstengel

Verbaut wurde ein Torsionsverschluss, also ein klassischer Zylinderverschluss. Dieser wird über ein Kegelgetriebe gedreht und mit stabilen Warzen sicher verriegelt. Als zentrales Funktionselement dient der Kammerstengel, der über einen kurzen, geradlinigen Repetierweg neue Patronen nachlädt und über den der Verschluss gespannt wird. Dazu wird der Kammerstengel am Ende des Repetiervorgangs einfach ein kurzes Stück weiter nach vorne gedrückt. An den leichten Widerstand zum Spannen muss man sich erst gewöhnen, aber dann funktioniert es einwandfrei. Gespannt wird die Haenel quasi mit dem Handballen, somit entfällt der, bei anderen Fabrikaten oft kritisierte, Kraftaufwand im Daumen. Damit die Waffe nicht versehentlich gespannt werden kann, hat die ergonomisch gut dimensionierte Entladewippe eine Position zur Verriegelung der Kammer. In dieser Stellung wird auch der Kammerstengel blockiert und der Repetierer bietet zusätzliche Sicherheit.

Technische Daten:

Verschluss: Torsionsverschluss und Kick-Down Handspanner über den Kammergriff, FSC-Wood Compoundschaft, 5-Schuss Steckmagazin mit Sperre und i-Sight-System

Laufkontur: 18 mm Durchmesser

Lauflänge: 520 Millimeter

Schaftausführungen: Standardschäftung

Gesamtlänge: 1045 Millimeter

Gesamtgewicht: 3,2 Kilogramm

Nachhaltig wie der Wald

Absolut zeitgemäß ist der Aspekt der Nachhaltigkeit bei der Beschreibung einer Waffe. Mit dem Slogan „Back to the woods“ spielt man bei Haenel bereits auf die Tugenden des naturnahen und nachhaltigen Ideals an. Darum passt hier auch der Schichtholzschaft, dessen Neuentwicklung bei Haenel FSC-Wood Compoundschaft heißt, ins Bild. Der Wood Compoundschaft soll die Vorteile des Kunststoffschafts mit der klassischen Optik und Haptik des Holzschafts verbinden. Die Nachhaltigkeit kommt durch die Verwendung schnellwachsenden Birkenholzes aus FSC-zertifiziertem Anbau. Konsequent sind auch die verbauten Kunststoffteile aus einem High-Tech-Verbundmaterial aus Cellulose und Baumharz gefertigt. Das Ziel war so viele nachwachsende Rohstoffe zu verwenden wie möglich. Das ist den Herstellern in Suhl mehr als gelungen.

Der Schaft zielt, der Lauf trifft: „Green Barrel“

Auch zum Lauf hat sich das Entwicklerteam umfänglich Gedanken gemacht und äußerst zeitgemäße Lösungen gefunden. Die Bezeichnung „Green Barrel“ bezieht sich auf die Optimierung der Läufe für bleifreie Munition. Weil bleifreie Jagdgeschosse eine andere Außengeometrie besitzen als die bleihaltigen Verwandten, kommt es hier vor allem auf die passende Innenkontur des Laufüberganges an. Bei Neuwaffen unverzichtbar ist das Mündungsgewinde für das Anschrauben und die Verwendung von Schalldämpfern. Damit ist die Jaeger NXT ebenso State of the Art, wie mit der einfach abzunehmenden i-Sight Visierung.

Die Testwaffe

Für den Praxistest im Revier stand ein Geradezugrepetierer Haenel Jaeger NXT im Kaliber .308 Win. zur Verfügung.

Die Munition

Bleifrei sollte es sein, nicht zuletzt aufgrund der Green Barrel Optimierung der neuen Haenel. Die Wahl fiel auf zwei Geschosse aus dem Hause Lapua und auf eines der Traditionsmarke RWS. Ein wichtiger Grund bei dieser recht willkürlichen Auswahl war die Verfügbarkeit der Munition im Fachhandel. Von Lapua war das 11,0gr schwere NATURALIS sowie das MEGA mit 12,0g am Start. Von RWS wurde das 9,0g schwere Evolution GREEN Hunting verschossen. Es war spannend herauszufinden, wie die Testwaffe im Kaliber .308 Win. auf die unterschiedlichen Geschosse reagieren würde. Tatsächlich hat sie alle drei gut angenommen und war mit nur wenigen Korrekturen in der Zieloptik jagdlich einsatzbereit.

Fazit:

Die Jaeger NXT macht nicht nur auf den ersten Blick einen wertigen Eindruck. Der neue Schaft fasst sich gut an und die Testwaffe liegt gut ausgewogen in der Hand. Der Kick-Down Handspanner funktioniert einwandfrei, ist jedoch gewöhnungsbedürftig. Dafür gibt es keinen Punktabzug, denn die Handhabung sollte man mit allen Waffentypen trainieren und üben, bevor sie mit ins Revier kommen. Das gilt auch für den Einsatz der Kammersperre, die wie eine zusätzliche Sicherung wirkt. Diese Vorrichtung ist sicher der Preis für den geringen Widerstand des Handspanners und ein notwendiger Sicherheitsaspekt. Die Testwaffe hat auch den Wechsel der Geschosse aus unterschiedlichen Materialien auf dem Schießstand problemlos weggesteckt und sich als robuster Jagdbegleiter präsentiert. Die einfache Bedienbarkeit der Jaeger NXT ist ein weiterer Pluspunkt. Alles in allem hat es Spaß gemacht, die „Neue“ aus dem Hause C.G. Haenel im Revier dabei zu haben. Die NXT wird sich ganz sicher umfassend auf dem Markt etablieren. Von der Redaktion gibt es eine ganz klare Kaufempfehlung!

Auf der Pirsch mit Redakteur Roland Zobel

Nach einem spontanen Besuch im Schießkino und anschließendem Einschießen auf die üblichen 100 Meter, kam endlich der erste Reviergang. Ich pirsche an den langen Wald-Feldgrenzen in unserem Revier. Der Abschussplan hatte noch Rehwild offen und die Testwaffe war mit dem Zeiss Zielfernrohr gut für eine Pirsch am Morgen ausgerüstet. Also fünf Patronen in das Steckmagazin und nach dem Klick der Magazinsperre einmal repetiert. Ein kurzer Blick auf den Kammerstengel: Nein, ich war nicht zu grobmotorisch und hab die Waffe nicht gleich gespannt. Damit das auch auf dem kurzen Fußmarsch in der ersten Dämmerung nicht aus Versehen passiert, habe ich die Kammer verriegelt. In dieser Stellung der Entladewippe wird auch der Kammerstengel arretiert und die Waffe kann nicht gespannt werden. Daran muss ich natürlich denken. Offensichtlich hatte ich mir an diesem Morgen die richtige Ecke ausgesucht, denn ich bekam einen Sprung Rehwild in Anblick. Die vorderen Stücke zogen auf die Waldkante zu, in der ich nun gut getarnt meinen Zielstock ausrichtete. Ach ja, die Kammer entriegeln! Die Jaeger NXT liegt sicher auf dem Zielstock im Anschlag und ich beobachte den Sprung durch die Zieloptik. Gespannt habe ich sie noch nicht. Weil ich die Haenel mit dem Kammerstengel spannen kann, habe ich Zeit. Es reicht, wenn ich die Waffe spanne, bevor ich den Finger an den Abzug lege. Die Rehe beginnen sich jetzt aufzuteilen. Zwei weibliche Stücke und zwei Kitze ziehen zu mir. Letztere passen auf jeden Fall. Mit dem Handballen schiebe ich den Kammerstengel lautlos nach vorne und konzentriere mich auf die beiden Kitze, die halbspitz auf mich zu ziehen. Zum schnellen Repetieren habe ich die richtige Jagdwaffe dabei! Die Situation mit einem der beiden Kitze passt. Der Abzug lässt sich sehr gut durchziehen und der Schuss bricht, das bleifreie RWS-Geschoss macht sich auf den Weg und hat eine umwerfende Wirkung. Nachdem ich mich gesammelt hatte: Kammerstengel zurückziehen, um die Waffe zu entspannen, Kammer verriegeln und einen Moment warten, bis ich zum Stück gehe. Diese Morgenpirsch war erfolgreich und ich konnte die Praxistauglichkeit der Jaeger NXT ausführlich im Revier testen. Auch auf den folgenden Drückjagden hat sich das Handspannersystem bewährt!