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DIE JAGD NACH NUMMER 5


Basket - epaper ⋅ Ausgabe 6/2021 vom 20.05.2021

LeBron James

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Bildquelle: Basket, Ausgabe 6/2021

Nur zwei Mal in seiner Karriere traf LeBron den Dreier besser als 2020/21 (Quote von 36,8%).


Am 20. März dieses Jahres hält die Basketballwelt kollektiv den Atem an. Im Staples Center in Los Angeles empfangen die beheimateten Lakers die Atlanta Hawks, müssen dabei allerdings ohne Anthony Davis auskommen, der mit einer Wadenverletzung seit dem 18. Februar zum Zuschauen verdammt ist. LeBron James hingegen steht auf dem Court – wie er es in seiner NBA-Karriere eigentlich immer tut. Bis auf die Spielzeit 2018/19 absolviert der „King“ nie weniger als 62 Spiele in einer Saison, in insgesamt zwölf ...

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... seiner 18 NBA-Spielzeiten läuft er in über 76 Partien auf. Möglich ist dies, weil der amtierende Finals-MVP wie kaum ein anderer Profisportler auf seinen Körper Acht gibt – und dementsprechend nie länger verletzt ist. Bis eben zum 20. März 2021. Im zweiten Viertel der Partie sind gerade einmal eine Minute und zehn Sekunden vergangen, als sich James plötzlich mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Boden krümmt. Ein Bild, wie man es vom „King“ in den vergangenen Jahren nur extrem selten gesehen hat – und das nicht nur bei seinen Mitspielern Sorgenfalten hervorruft. „Ich glaube, ich habe ihn noch nie schreien und so düster schauen sehen“, sagt Teamkollege Kyle Kuzma nach der Partie.

Was war passiert? Bei einem Steal-Versuch hechtet Gegenspieler Solomon Hill nach dem Ball, wirft sich auf den Court und fällt dabei auf LeBrons linken Knöchel. Zwar kann er selbstständig und ohne Stütze in den Locker Room gehen, Beobachter jedoch befürchten schnell, dass dem 36-Jährigen eine längere Pause blüht. Manche spekulieren auf eine Verletzung an der Achillessehne. Dieser Verdacht bestätigt sich einige Tage später zum Glück jedoch nicht: Mit einer Verstauchung des Knöchels fällt der vierfache NBA-MVP für, so heißt es zu Beginn der Verletzungspause in der Diagnose, vier bis sechs Wochen aus – nach 41 absolvierten Saisonspielen. Einer schwereren, möglicherweise Saison-beendenden Verletzung ist der Superstar der Lakers aber entgangen – nicht nur bei Kyle Kuzma, sondern im Basketballkosmos ist kollektives Aufatmen angesagt. Einen längeren Ausfall des NBA-Aushängeschildes hätte in dieser ohnehin schon verletzungsgeplagten Spielzeit niemand gebrauchen können.

„Schlecht für seine Gegner“

LeBron selbst gibt nach kurzem Frust („Nichts ärgert mich mehr, als nicht für meine Teammates auf dem Court da sein zu können“) in der Reha Vollgas, bereits nach einem Monat kursieren wieder erste Videos, die den „King“ dabei zeigen, wie er durch Trainingshallen sprintet. Bilder, die bei jemandem wie LeBron James nicht verwundern, bei einem 36-Jährigen in seiner 18. Spielzeit allerdings auch nicht als selbstverständlich gesehen werden dürfen. Genau wie die 25,7 Punkte, 7,9 Rebounds und 7,9 Assists, die #23 im Schnitt bis zu seiner Verletzung pro Partie auflegt. Zweifel daran, dass James nach seinem Verletzungscomeback sofort wieder dieses Niveau erreicht, gibt es unter Fans und Experten keine – viel eher dürften die Gegenerspieler sich auf einen fitten und ausgeruhten LeBron pünktlich zu den Playoffs einstellen. „Dass er für seine Verhältnisse eine so lange Zeit aussetzt, ist nicht schlecht für ihn – sondern für seine Gegner“, erklärt Mario Chalmers, der gemeinsam mit dem „King“ 2012 und 2013 in Miami zwei Meistertitel gewinnen konnte. „Der Mann lässt sich 19 Mal am Tag im Pool behandeln, er ruht sich nur aus und gibt seinem Körper eine Pause. Weshalb ich sicher bin, dass er pünktlich zu den Playoffs mit voller Kraft zurückkehrt.“

Ohne ihre beiden Superstars verlieren die Lakers, einschließlich dem Hawks-Spiel, zwölf ihrer nächsten 20 Partien, rutschen in der stark umkämpften Western Conference aus den Top-Rängen, die in diesem Jahr von Utah und Phoenix eingenommen werden. Immerhin kehrt Anthony Davis Ende April zurück, benötigt j e-doch zu Beginn auch einige Spiele, um wieder zu alter Stärke zurückzufinden. Dies dürfte zu den Playoffs geschehen sein. Dennoch braucht der amtierende Champion natürlich vor allem den noch immer besten Spieler der Welt an Bord, wenn es mit dem Unternehmen Titelverteidigung klappen soll.sm

Mit 33,9 Minuten pro Partie spielt Lebron aktuell die wenigsten Minuten seiner Karriere.


Noch immer Top-Favorit

Denn bei aller Qualität von Anthony Davis oder einem im Vergleich zum Vorjahr nochmal verbesserten Supporting Cast – einzig LeBron James entscheidet, wie weit es für die Lakers in der kommenden Postseason geht. So, wie er es auch in den vergangenen Jahren stets getan hat. Beginnen die Playoffs, schaltet der „King“ in der Regel nochmal einen Gang hoch, in der NBA-Geschichte kommt niemand in den entscheidenden Spielen des Basketballjahres auf bessere Statistiken als der Superstar der Lakers (siehe Kasten). „Seit er 2014 von Miami nach Cleveland gewechselt ist, hat er in der Regular Season immer wieder anderen Profis den Titel des ‚besten Spielers der Welt‘ überlassen“, erklärt beispielsweise ESPNJournalist Max Kellerman – ob dieser nun für einige Jahre Stephen Curry, Kevin Durant oder Giannis Antetokounmpo hieß. „Spätestens zum Ende der Playoffs wurden wir dann jedoch alle wieder daran erinnert, wem er wirklich zusteht.“ Mit Sicherheit nicht von Nachteil für LeBrons Jagd nach Ring Nummer Fünf ist die Tatsache, dass die übrigen Lakers-Akteure in Abwesenheit des Star-Duos der Franchise selbst mehr Verantwortung übernehmen mussten, was sich in der Postseason auszahlen dürfte. Dies gilt beispielsweise auch für Dennis Schröder, der in dieser Phase als einziger echter Shot-Creator dafür sorgen musste, seinen Mitspielern gute Würfe zu ermöglichen. Dass er sich in der Postseason bei einer Rückkehr des primären Spielmachers LeBron wieder etwas mehr aufs Scoring konzentrieren kann, ist für ihn und die Franchise ein echter Luxus. Mit Andre Drummond, der während der Spielzeit aus Cleveland kam, hatte der „King“ bis spät in der Saison überhaupt noch nicht zusammengespielt. Wie LeBron den Big Man als Spielgestalter in Szene setzt, ist eine der spannenden Fragen der kommenden Postseason. Wie problemlos das Zusammenspiel mit Anthony Davis funktioniert, haben nicht erst die vergangenen Playoffs in der „Bubble“ eindrucksvoll demonstriert.

Im Endeffekt dürfte es deshalb auch relativ egal sein, auf welchem Rang in der Western Conference die Lakers am Ende einlaufen – auch beispielsweise an Position Fünf gesetzt wären sie bei voller Gesundheit trotz einer ausgeglicheneren Conference als in den Vorjahren wohl immer noch der Top-Favorit auf den Titel. Natürlich muss sich die Chemistry in dem im Vergleich zum Saisonstart leicht veränderten Roster schnell einstellen, wie auch Kult-Journalist Stephen A. Smith Mitte April betonte. Wenn allerdings jemand bewiesen hat, dass er mit so ziemlich jedem Team in die Finals einziehen kann, dann ist es die Nummer 23 der Lakers.

LeBrons Field-Goal-Quote liegt 2020/21 bei 51,3% – der beste Saisonwert, seit er für die Lakers spielt.


Neuer Stoff für die Debatte

Klar, dass die Experten ob dieser Aussichten schon fleißig darüber debattieren, was ein fünfter Ring für die Legacy LeBrons bedeuten würde. „Ich persönlich muss eigentlich nicht mehr überzeugt werden, dass LeBron James der größte Basketballer aller Zeiten ist“, erklärt beispielsweise Kendrick Perkins, einst für kurze Zeit LeBrons Teammate in Cleveland. „Aber sollte es zu einem Aufeinandertreffen mit den Nets kommen, welches die Lakers dann schließlich gewinnen, kann es auch objektiv keinen Zweifel mehr an seinem Status geben“, erklärte der NBA-Champion von 2007 (mit den Boston Celtics) via Twitter und spielt damit natürlich auf die ewige „G.O.A.T.“-Debatte an, die bei einem eventuellen nächsten Triumph des Kings noch einmal richtig an Fahrt aufnehmen dürfte.

Denn: Mit einem fünften Titelgewinn würde James nur noch einer bis zu den sechs Meiterschaften von Michael Jordan fehlen, er würde bei erfolgreichem Finals-Ausgang aus Sicht der Lakers in dieser Kategorie zu Magic Johnson, Kobe Bryant oder Tim Duncan aufschließen. Dann hätte der „King“ insgesamt elf Finals erreicht, hätte, so denn tatsächlich die Nets aus dem Osten als Sieger hervorgehen, mit ihnen und den Warriors zwei echte Superteams besiegt – alles Argumente, die eine Betrachtung LeBrons als „Greatest of all time“ nochmal ein Stück nachvollziehbarer machen als die ohnehin bereits gezeigten Fabel-Leistungen. Zudem hätte er dann sowohl in Miami, als auch in Los Angeles in zwei seiner ersten drei Jahre bei der Franchise einen Titel geholt. Dieses Kunststück ist noch keinem Spieler in der Geschichte der Association gelungen.

Nicht falsch verstehen: Die beiden in dieser Debatte exisitierenden Lager werden niemals auf einen gemeinsamen Nenner kommen, nie den jeweils anderen als „undisputed G.O.A.T.“, wie Kendrick Perkins es beschreibt, akzeptieren. Im Endeffekt ist diese Frage auch eine des Alters: Fans, die mit LeBron aufgewachsen sind, können sich kaum vorstellen, dass in der NBA-Geschichte jemals ein Spieler größere Heldentaten vollbracht hat als der „King“. Die aus den 1990er Jahren stammenden Fans werden auf die vielen Finals-Niederlagen LeBrons verweisen oder darauf aufmerksam machen, dass der 36-Jährige in Miami selbst ein Superteam aufbauen musste, um an seinen ersten Titel zu kommen. Allerdings geht es in dieser Frage auch nicht ausschließlich um die Meinung der Fans, die sich ohnehin bereits für eine Seite entschieden haben, sondern auch um die des „allgemeinen“ Basketballfans, für den James und Jordan nach einem fünften Titelgewinn LeBrons in der „G.O.A.T.“-Kategorie wohl zumindest einmal gleichgestellt wären.

Weitere Highlights in Jahr 18?

James selbst hat oft gesagt, dass sich seine Legacy erst nach seiner aktiven Zeit final bewerten lässt – wobei man es für den Moment vielleicht auch besser belassen sollte. Zunächst steht für die Lakers und den „King“ auf dem Weg zu Ring Nummer Fünf ohnehin erstmal ein schwerer Gang durch die Western Conference bevor, mit neuen, ambitionierten Teams an der Tabellenspitze, auf Rache sinnenden Clippers und möglicherweise auch Duellen gegen Steph Curry oder „Luka Magic“.

Doch auch sie werden in einem möglichen Aufeinandertreffen mit den Lakers wissen, wem sie da gegenüber stehen – und für welch große Playoff-Momente der Lakers-Anführer in den vergangenen Jahren bereits gesorgt hat (siehe Kasten). Gut möglich, dass 2021 noch der ein oder andere hinzukommt. Denn auch im 18. NBA-Jahr ist beim 36-Jährigen nicht das geringste Zeichen von Leistungsabfall zu erkennen. Es ist trotz längerer Verletzungspause nicht davon auszugehen, dass sich das in den Playoffs ändert. Keine gute Nachrichten für die gegnerischen Franchises, für sein Team und die Fans der Los Angeles Lakers allerdings sehr wohl. Die Jagd nach dem fünften Championship-Ring ist jedenfalls offiziell eröffnet.

LEBRONS DREI GRÖSSTE PLAYOFF-MOMENTE:

31. MAI 2007: In seiner zweiten Postseason steht ein 22-jähriger LeBron mit den Cleveland Cavaliers den favorisierten Detroit Pistons in den Eastern Conference Finals gegenüber. In Spiel fünf ezielt LeBron die letzten 25 Cavs-Punkte, in Spiel sechs zieht Cleveland in die Finals ein.

7. JUNI 2012: In den Eastern Conference Finals steht für Heat-Superstar James die Legacy auf dem Spiel, als er erneut gegen die Boston Celtics zu scheitern droht. In Spiel sechs jedoch explodiert der „King“ für 45 Punkte, 15 Rebounds und fünf Assists bei 73,1% aus dem Feld. In Spiel sieben machen die Heat die Finals klar.

20. JUNI 2016: Nachdem die Cleveland Cavaliers bereits 1:3 in der Serie zurücklagen, erzwingen LeBron und Co. ein Spiel sieben bei den Golden State Warriors – in dem der „King“ mit seinem historischen Block endgültig zur Legende wird. Er bringt seiner Heimatstadt den Meistertitel.