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Die Kehrseite der Medaille


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HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 4/2022 vom 21.01.2022

REPORT

Artikelbild für den Artikel "Die Kehrseite der Medaille" aus der Ausgabe 4/2022 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 4/2022

ZENSUR Polizisten stellen sich Journalisten in den Weg und verhindern freie Pressearbeit

Menschenrechte, Pressefreiheit, Klimaschutz: China tritt essenzielle Werte mit Füßen. Eigentlich sprach im Vorfeld alles gegen Peking als Gastort der Olympischen Winterspiele 2022, zumal die Metropolregion nicht einmal ein Wintersportgebiet ist. Trotzdem hat sich das Internationale Olympische Komitee (IOC) für die 22-Millionen-Einwohner-Stadt entschieden. In seiner Dokumentation „Spiel mit dem Feuer“ blickt der frühere Skirennfahrer und ARD-Experte Felix Neureuther hinter die Kulissen des totalitären Staats, ebenso wie die ARD- Korrespondenten Tamara Anthony und Daniel Satra in „China Inside“ (siehe TV- Tipp). In HÖRZU erklären Neureuther und Anthony ihre Kritik am Gastgeberland.

1. Menschenrechte werden missachtet

Seit Jahrzehnten unterdrückt der tota litäre Staat brutal Minderheiten, etwa die Demokratiebewegung in Hongkong, die Tibeter oder die Uiguren, eine muslimische Minderheit, die im ...

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... Nordwesten in der Provinz Xinjiang lebt. Mindestens eine Million Menschen hält die Regierung laut Menschenrechtsorganisationen dort in Lagern fest, sie werden misshandelt und auch getötet. Lange hat China dies geheim halten können. Erst durch Satellitenaufnahmen und veröffentlichte Geheimdokumente konnte die Existenz der Lager im Jahr 2019 nachgewiesen werden. „Sehr emotional waren für mich die Gespräche mit zwei Vertreterinnen der uigurischen Minderheit zu den schockierenden Menschenrechtsverletzungen in den chinesischen Umerziehungslagern“, berichtet Felix Neureuther, der für seine Dokumentation Augenzeugen getroffen hat. „Diese Schilderungen gehen unter die Haut, das beschäftigt mich wirklich stark. Darüber werden wir sicher auch in den Olympiasendungen reden.“

2. Pressefreiheit hat keinen Wert

Eine freie Presse gibt es in China nicht. Wie sind die Arbeitsbedingungen für ARD- Korrespondentin Tamara Anthony? „Wir werden überwacht und verfolgt, Interviewpartner werden unter Druck gesetzt“, sagt die 44-Jährige. „Es ist offensichtlich, dass unser Telefon abgehört wird. Oftmals werden Interviewpartner davor gewarnt, uns ein Interview zu geben. Bei Drehreisen werden wir ständig verfolgt, unsere ,Aufpasser‘ übernachten dann sogar im Hotelzimmer nebenan. Auch mit wem wir zusammenarbeiten, wird streng kontrolliert.“ Bei der Berichterstattung werde daher stets überlegt: Wen bringe ich damit in Gefahr? Chinesische Mitarbeiter, etwa Übersetzer, können ernsthaft unter Druck geraten. Besonders gefährdet sind die Gesprächspartner. „Ein kritisches Interview kann sie ins Gefängnis bringen“, sagt Tamara Anthony. „Wir müssen also sicherstellen, dass unsere Interviewpartner wissen, in welche Gefahr sie sich begeben, falls sie etwas Kritisches sagen wollen.“ Für die chinesische Regierung ist die Coronapandemie eine willkommene Begründung, um Journalisten abzuschotten. Es ist unmöglich, mit normalen Bürgern in Kontakt zu kommen. Reporter müssen während ihres kompletten Aufenthalts in einem streng abgeriegelten Bereich bleiben und bewegen sich nur zwischen Hotel und den Sportstätten – und zwar mit extra dafür vorgesehenen Transportmitteln.

3. Klimaschutz spielt keine Rolle

Mit der Auswahl von Peking war klar: Die Spiele werden als politische Show benutzt werden. China will sich glänzend präsentieren. Das zeigen die gigantischen Bauten. „Ohne Rücksicht auf die Natur wurden Retorten-Sportstätten geschaffen“, sagt Felix Neureuther. „Man muss sich nur die Bobbahn, die Schanze und die Skipisten anschauen“. Beispiel Bobbahn: Sagenhafte 2,5 Milliarden Dollar soll der Bau gekostet haben. Ein Irrsinn, denn nach den Spielen wird er kaum genutzt werden. Bittere Bilanz: Am Ende der Wettkämpfe wird jede Abfahrt umgerechnet etwa 250.000 Euro gekostet haben. „Um den Bau zu ermöglichen, hat Präsident Xi Jinping extra ein Naturschutzreservat verkleinern lassen“, erklärt Neureuther. Zudem fällt dort kaum natürlicher Schnee: nur etwa fünf Zentimeter im Jahr. Das bedeutet, dass die Pisten beschneit werden – und der Wasserverbrauch dafür ist extrem hoch. „Olympia soll und muss überall auf der Welt eine Heimat haben – wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Dies ist für mich in Peking nicht der Fall“, sagt Neureuther. „Athleten dienen als Statisten, die dem Land und dem IOC ein Premiumprodukt liefern, mit dem Milliarden verdient werden.“

■ FELIX NEUREUTHER

Der Skistar und frühere Olympia- Teilnehmer (37) ist überzeugt: Für die kommenden Generationen muss sich etwas ändern. Olympische Spiele dürfen nicht mehr in Ländern stattfinden, die Menschenrechte verletzen

4. Das eigene Volk wird ständig manipuliert

„Es gibt eine Art Gleichschaltung in der chinesischen Bevölkerung“, erklärt Tamara Anthony. „Presse, Internet und sogar direkte Kommunikation über Chats sind komplett zensiert. Fast niemand traut sich, etwas Kritisches zu sagen, nicht einmal im privaten Gespräch.“ Zivilgesellschaft gibt es keine, denn jede Organisation muss staatlich beaufsichtigt werden. „All das bedeutet aber nicht, dass die Mehrheit der Menschen sich unterdrückt fühlt. Die meisten Menschen hier unterstützen ‚Papa Xi‘, wie sie ihren Staats- und Parteiführer oft nennen“, so die Auslandskorrespondentin. „Die Menschen wollen einen starken Führer, wirtschaftlichen Erfolg und bezeichnen Andersdenkende als Unruhestifter.“ Der Staatspräsident hat angekündigt, im Zuge der Winterspiele 300 Millionen Menschen in seinem Land zum Wintersport zu animieren. Ein gigantischer Absatzmarkt: Sportausstatter und Bauunternehmer werden in China ihr Geld investieren. Anthony: „Die Bevölkerung ist in den vergangenen Jahren sehr nationalistisch geworden – auf Anordnung von ganz oben. Da passt es gut, jetzt mit den Olympischen Spielen zu trumpfen.“

MIRJA HALBIG