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Die Kerne der Zukunft


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PC Games Hardware Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 11/2022 vom 05.10.2022

Ryzen 7000 im Test

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Folgende Produkte finden Sie im Test

• AMD Ryzen 9 7950X

• AMD Ryzen 7 7700X

Etwas in eigener Sache: Leider sind die Prozessoren erst relativ spät im PCGH-Testlabor angekommen. Die Zeit hat daher „nur“ für den Test, jedoch nicht für einen umfangreichen Tuning- oder Mainboardartikel gereicht. Wir behandeln in diesem Test zwar die Optimerungsmöglichkeiten, weisen aber daraufhin, dass Sie in den kommenden Ausgaben den gewohnten Tuning-Artikel zu Zen 4 vorfinden werden. In dieser Zwischenzeit finden sich sicher auch noch mehr AM5-Mainboards im Testlabor ein, sodass Sie sich ebenfalls auf einen Vergleichstest zum neuen Sockel AM5 freuen können. Wir haben dennoch unser Bestes gegeben, Ihnen einen umfangreichen Überblick über die neue Ryzen-7000-Generation zu verschaffen. Viel Spaß!

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... CPU-Fachredakteur hingesetzt und die Launch-News für Ryzen 7000 abgetippt. Am 27.09.2022 schließlich brachte AMD in Form von Zen 4 eine komplett neue CPU-Generation auf den Markt. Mit Ryzen 7000, Codename Raphael, beginnt laut den Kaliforniern eine neue Ära des PC-Gamings. Nicht ganz unpassend ist daher auch unser Titel zum Test gewählt worden. Die Schlagworte dafür lauten: Fertigung in 5 nm (TSMC N5), mit einem neuen I/O-Die in 6 nm (TSMC N6), neuer AM5-Sockel mit 1.718 Pins, Unterstützung für PCI-Express 5.0, sowohl für Grafikkarten als auch SSD, sowie der Einsatz von DDR5-Speicher. Die

Ryzen-7000-Generation soll insgesamt 29 Prozent leistungsfähiger verglichen mit Ryzen 5000 sein. Diese setzen sich zu 13 Prozent aus der höheren IPC-Leistung und zu 16 Prozent aus dem höheren Single-Core-Boost von bis zu 5,7 GHz zusammen. Die Zahlen beruhen auf der Präsentation von AMD. Die Effizienz will AMD dagegen sogar um bis zu 74 Prozent gesteigert haben. Verglichen wurde hier mit einem Ryzen 9 5950X: Bei einer TDP von 65 Watt soll ein Ryzen 9 7950X bis zu 74 Prozent, bei einer TDP von 105 Watt bis zu 37 Prozent und bei einer TDP von 170 Watt um bis zu 35 Prozent effizienter sein. Generell selbstbewusst zeigt man sich gegenüber der Konkurrenz: Alle Ryzen-7000-Prozessoren sollen den Core i9-12900K überflügeln.

Das sind starke Worte und starke Zahlen. Wir haben Ryzen 9 7950X und Ryzen 7 7700X im Testlabor ordentlich auf die Megahertz gefühlt und klären jetzt, was davon der Wahrheit entspricht und wo das Marketing von AMD zugelangt hat.

Ryzen 9 7950X und Ryzen 7 7700X vorgestellt

Das neue Topmodell, Ryzen 9 7950X, setzt wie die Vorgänger 3950X und 5950X auf 16 Kerne, die dank Simultaneous Multithreading bis zu 32 Threads bereitstellen können. Die neue Fertigung in 5 nm erlaubt viel höhere Taktraten, als beim Vorgänger mit 7 nm. Ein Ryzen 9 7950X boostet daher ohne Eingreifen auf bis zu 5,8 GHz. Natürlich gilt dieser Boost nur für einen, maximal zwei Kerne. Den Basistakt gibt AMD mit 4,5 GHz an und dieser wirkt erstaunlich hoch, wenn man mal an die Konkurrenz oder den Vorgänger-Prozessoren aus dem eigenen Hause denkt. Die TDP beträgt beim Ryzen 9 7950X 170 Watt. AMD führt demnach tatsächlich eine neue TDP-Klasse ein. Es gab lange Diskussionen darum. Wir führen das weiter unten noch einmal genauer aus. Insgesamt kann der 16-Kerner auf einen Cache von 80 MiByte zurückgreifen, AMD rechnet hier den L2- und L3-Cache zusammen. Der L3-Cache trägt mit 64 MiByte den gleichen Anteil daran, wie der Vorgänger.

Das AM5-Topmodell setzt auf die neue RDNA2-IGP und unterstützt offiziell bis zu DDR5-5200 Arbeitsspeicher. DDR4-Speicher wird nicht unterstützt. Leider lagen uns bis Redaktionsschluss keine Europreise vor. Die UVP beträgt 699 US-Dollar. Der Preis in Euro dürfte etwas darüber liegen.

Um die Hälfte der Kerne beraubt, erinnert AMD mit dem Ryzen 7 7700X an alte Ryzen-7-3700X-Tage zurück und hält den „7800X“ offenbar noch in petto. Das sorgt allerdings für ein wenig Verwirrung. Ryzen 7 3700X und 5700X setzen nämlich auf eine TDP von 65 Watt. AMDs neuer Ryzen 7 7700X hingegen kommt mit einer TDP von 105 Watt. Das hängt ziemlich sicher mit dem hohen Single-Core-Boost von bis zu 5,5 GHz und dem Basistakt von 4,5 GHz zusammen. Insgesamt verfügt der Achtkerner über 40 MiByte Cache, 32 MiByte fallen dabei dem L3-Cache zu. Auch der neue Achtkerner setzt auf die neue RDNA2-IGP und unterstützt bis zu DDR5-5200 Arbeitsspeicher. Die UVP beträgt 399 US-Dollar. Bei der nächtlichen Präsentation hat AMD auch die Zen-4D-Generation für kommendes Jahr bestätigt, möglicherweise lohnt sich an dieser Stelle das Warten auf einen „Ryzen 7 7800X3D“.

Neuer Glanz von Innen

Bis heute gibt es bei AMD zwei verschiedene Arten von Prozessoren für den Desktop: CPUs und APUs. Letztere beinhalten eine integrierte Grafikeinheit (IGP), die für einfaches Gaming und Büroarbeiten ausgelegt ist. Wer sich für eine APU entschied, stand gegenüber den Desktop-CPUs aber immer im Nachteil: Ryzen-Prozessoren aus der G(E)-Serie setzen auf einen monolithischen Ansatz, der nur halb so viel L3-Cache bietet und zudem mit maximal PCI-Express 3.0 auskommen muss. Das kostet gegenüber dem Chiplet-Ansatz der Desktop-Ryzen im Mittel 20 Prozent Performance. Bis zuletzt musste der APU-User gegenüber dem Mobile-User auch noch Abstriche machen, Ryzen 5000G setzt immer noch auf die inzwischen antiquierte Vega-Architektur und Ryzen 6000 ist dem Mobile-Markt vorbehalten. Doch damit ist jetzt Schluss: Ryzen 7000 alias Zen 4 setzt bei allen bislang bekannten Prozessoren auf eine einheitliche IGP, die auf RDNA2 basiert. Aktiviert sind zwei Compute-Units, die mit bis zu 2,2 GHz takten (Basis: 400 MHz). Das ist zwar immer noch weniger als im Mobile-Bereich, erfüllt aber die Aufgaben, für welche IGPs im Desktop gedacht sind: Bildausgabe, einfaches Gaming sowie Video-Bearbeitung. Einen großen Vorteil hat die IGP von Zen 4 gegenüber dem Vorgänger: Sie alle können mit DDR5 einen wesentlich schnelleren „Grafikspeicher“ nutzen. Vor allem das dürfte sich positiv auf die Performance in Spielen auswirken.

Inzwischen sind längst die Produktseiten von Zen 4 online und fleißige Leser haben sich bereits die technischen Daten von Ryzen 7950X, 7900X, 7700X und 7600X genauer angesehen. Zwar durchaus erwähnt, jedoch weitestgehend von AMD unbeachtet, blieben dabei die vom Hersteller empfohlenen DDR5-Geschwindigkeiten. Grundsätzlich unterstützt Ryzen 7000 nur DDR5, einen DDR4-Support ist nicht geplant und wird es nicht geben. AMD gibt an, dass Zen 4 über zwei Speicherkanäle verfügt, die ihrerseits eine maximale Unterstützung für bis zu DDR5-5200 freigegeben sind. Verfügt das Mainboard jedoch über vier DIMM-Slots, führt AMD im Falle einer Vollbestückung maximal DDR5-3600 auf. Die Anzahl der Ranks der Speichermodule spielt dabei keine Rolle. Damit liegt AMD ein ganzes Stück vor der Konkurrenz in Form von Alder Lake: Intel unterscheidet nämlich nicht nur zwischen den Ranks der RAM-Module, sondern auch anhand der verfügbaren DIMM-Slots. Da die meisten User auf ein Mainboard mit vier Steckplätzen vertrauen, liegt die Empfehlung für Alder Lake bei vergleichsweise niedrigen DDR5- 4400. Selbstredend unterstützen beide Hersteller etwas mehr: AMD selbst hat in den hauseigenen Benchmarks zum Zen-4-Launch auf DDR5-6000 gesetzt, sowohl bei den eigenen als auch den Intel-Prozessoren. Das soll laut Robert Hallock, der inzwischen leider nicht mehr bei AMD arbeitet, auch der Sweet Spot für beste Leistung sein.

Auf dem Blockdiagramm sehen Sie Zen 4 unter der Haube. Die neuen CPU-Kerne erzielen vor allem Verbesserungen am Front End. Gegenüber Zen 3 bietet Zen 4 eine 2-Brach-per-Cycle-Vorhersage, eine 50 Prozent größere L1 BTB, doppelt so viel L2 BTB, einen 68 Prozent größeren Op Cache und drei zusätzliche Macro Ops pro Durchlauf. Die Load and Store Einheiten haben eine 22 Prozent längere Warteschlange, 50 Prozent größere L2 DTLBs und kommen mit weniger Konflikten beim Vernetzen des Cache aus. Die Ausführungsebene bietet gegenüber Zen 3 eine 25 Prozent größere Warteliste für Aufgaben, größere Register-Dateien und tiefere Buffer. Daraus ergibt sich ein IPC-Plus von 13 Prozent gegenüber dem Vorgänger (+242 Prozent seit Piledriver, FX-CPUs).

Ansonsten dürfte es erfreulich sein, dass sich von der Erfahrung aus Sicht eines Nutzers gefühlt nur sehr wenig von Zen 2 über Zen 3 bis hin zu Zen 4 verändert hat. Wir haben uns sofort in den einzelnen UEFIs zurechtgefunden, konnten wie gewohnt XMP, D.O.C.P oder das neue EXPO aktivieren, die CPU mithilfe des OC-Menü wie gehabt übertakten oder undervolten und staunten während des Testalltags auch über eine Stabilität, wie wir sie zuvor (vor dem Launch) nicht erlebt hatten. Es gab keine Abstürze oder seltsamen Bluescreens, keine unzureichende Leistung oder fehlerhafte Benchmarks. Die beiden Prozessoren, 7950X und 7700X taten genau das, was wir von ihnen wollten. Einzig der Eco-Mode konnte noch nicht komfortabel mithilfe eines Klicks umgestellt werden, doch AMD betont, diese Sache bis zum Launch noch in den Griff zu bekommen. Gerade zum Start kann sich daher ein UEFI-Update lohnen.

Wie PCGH Prozessoren testet und bewertet

Bevor wir zur Leistungsbeurteilung kommen, möchten wir Ihnen unsere für Zen 4 und zukünftige Prozessor-Generationen aktualisierte Testmethodik vorstellen. Wir nutzen für die Ermittlung der Daten jeweils aktuelle Chipsätze und I/O-Hubs von AMD und Intel und gewährleisten ein CPU-Limit, das die Einhaltung der Herstellervorgaben beinhaltet. Zur Ermittlung, Auswertung und Überwachung der Daten werden folgende Programme verwendet: Capframe X, MSI Afterburner, Riva Tuner Statistics Server, Hwinfo x64, Elmorlabs EVC2 und Microsoft Excel 365. Die Zahlen begleitet jeweils die Analyse durch die Grafiktreiber von AMD und Nvidia.

Des Weiteren erfolgt eine Effizienz-Angabe, auf Basis eines externen Hardware-Tools, welches pro Benchmark bis zu 10.000 Daten-sätze erfasst. Alle Zahlen werden als Durchschnittswerte dargestellt. Die Konfiguration der einzelnen Prozessoren können Sie begleitend zu jedem Eintrag entnehmen. Für die Analyse der Effizienz-Daten mitteln wir die Verbrauchswerte der CPU über den gesamten Benchmark und gleichen sie dann mit der erreichten Prozessor-Leistung ab. Die Messungen beinhalten die Effizienz der Spannungswandler auf den jeweiligen Mainboards, die für die Benchmarks verwendet werden und sind abhängig von der Wahl der CPU, der Kühlung und der verwendeten Firmware. Alle Ergebnisse gelten als Richtwerte für ein CPU-Limit und sind unter der Prämisse entstanden, andere Limits bewusst auszuschließen. Rechnet man alle Messungen zusammen, welche ein Prozessor für einen Eintrag im CPU-Index über sich ergehen lassen muss, ergibt sich eine Summe von 134 Messungen pro Prozessor.

Neue Grundlagen

Die Tage eines CPU-Fachredakteurs waren für fast ein Jahrzehnt relativ einfach: Die meisten Prozessoren hatten höchstens vier Kerne und haben maximal PCI-Express 3.0 unterstützt. Ja, es gab HEDT-Plattformen, doch die waren nie wirklich für den einfachen Spiele-PC gedacht, auch wegen des vergleichsweise hohen Anschaffungspreis. AMDs Erstarken mithilfe der Zen-Prozessoren hat dann eine Veränderung in Gang gesetzt, die sich nicht nur auf die Anzahl der Kerne, sondern auf die komplette Infrastruktur ausgewirkt hat. Innerhalb der letzten drei Jahre ist so viel passiert, dass auch wir immer wieder am PCGH-Benotungssystem für Prozessoren feilen mussten. Heutige CPUs liefern neben DDR5- und PCI-Express-5.0-Unterstützung auch eine im Vergleich zu damals exorbitante TDP von über 250 Watt. Doch wie soll man eine CPU bewerten, die das gleiche wie eine andere leistet, dabei aber viel doppelt so viel Energie benötigt? Wir nutzen daher immer präzisere Möglichkeiten, um die durchschnittliche Leistungsaufnahme der CPU innerhalb der PCGH-Benchmarks zu ermitteln und mischen Neues mit Altem: Nach wie vor fließt die Leistung in Spielen zu 60 Prozent in die Gesamtnote mit ein, das gilt auch für die Effizienz. Bei der Eigenschaftsnote muss eine CPU jedoch Federn lassen, wenn der Verbrauch angesichts der Leistung zu hoch ist. Auf den oberen Plätzen stehen bei uns schließlich Prozessoren, die am meisten Fps pro Euro und pro Watt liefern. Die Leistung in Spielen ist dabei in jeder Berechnung vorrangig, egal ob Gesamt-, Effizienz- oder Preis-Leistungs-Index.

Leistungsbeurteilung

Betrachtet man heutzutage die Leistung einer CPU, sollte man dabei mit einem Auge auch auf die Effizienz schauen. Keine Frage, jede Generation bringt eine höhere Leistung pro Watt mit, allerdings steigt die maximale Leistungsaufnahme auch immer weiter mit an. Das gilt vorrangig für die Topmodelle, in dem Fall Ryzen 9 7950X und Ryzen 9 7900X (bei Intel: Core i9-13900K/12900K). In der Mittelklasse bleibt die TDP-Entwicklung glücklicherweise stabil und nicht selten zeigen sich gerade in diesem Bereich bei Teillast die Verbesserungen einer Architektur deutlich. Unsere Benchmarks zielen sowohl auf Volllast, als auch Teillast ab, damit wir die Prozessoren aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten können. Bei Teillast ist es so, dass der Single-Core-Boost öfter ausgefahren werden kann, während sich unter Volllast zeigt, wie die CPU mit den voreingestellten Limits (TDP, Temperatur) umgeht.

Als Bonus in dieser Ausgabe geben wir zu den Standard-Werten des 7950X und 7700X jeweils noch einen OC- und Eco-Wert an. Diese setzen sich folgendermaßen zusammen: Die Übertaktung setzt nicht nur auf ein Curve-Tuning von -5 bis -10 auf allen Kernen und schnellerem Arbeitsspeicher mit DDR5-6000 bei synchronem IF-Takt, wir haben auch die Limits entfernt und den Boost auf die höchste Stufe maximiert. Das sorgt im Fall des AMD Ryzen 9 7950X für einen Boost bis 5.975 MHz. Ganz ehrlich, die 25 MHz zur 6-GHz-Marke hätten wir gern geknackt, aber alle Versuche, das Board zu diesem zusätzlichen Boost zu überreden, schlugen fehl. Schade, aber sei‘s drum.

Noch einfacher als übertakten ist abermals das klassische Undervolting – AMD bietet erneut die Möglichkeit, den Eco Mode zu aktivieren. Das haben wir prompt getan und aus Ryzen 9 7950X und Ryzen 7 7700X Effizienz-Monster bei einer maximalen TDP von 65 Watt gemacht. Obacht: Ein Ryzen 9 7950X würde sich beim „normalen“ Aktivieren des Eco-Mode „nur“ auf die TDP-Klasse mit 105 Watt einstellen, wir hingegen haben die 65-Watt-Klasse aktiviert. Dabei ist uns aufgefallen, dass AMD die TDCund EDC-Limits bei Zen 4 leicht verändert hat, bei jeder TDP-Klasse. Beispielsweise setzt ein Ryzen 7 5800X auf eine TDP von 105 Watt, was 142 Watt PPT, 90 Ampere TDC und 140 Ampere EDC bedeutet. Ein Ryzen 7 7700X hingegen, auch mit einer TDP von 105 Watt, bietet gleiche 142 Watt PPT, aber 110 Ampere TDC und 170 Ampere EDC. Damit ist Zen 4 in der Lage, mehr Strom über die Spannungswandler in den Sockel zu bewegen – eine Folge des höheren Takts. Das muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass Zen 4 insgesamt eine höhere Leistungsaufnahme aufweist als der Vorgänger. AMD sorgt mit dieser Maßnahme in erster Linie dafür, dass die Ryzen-7000-Prozessoren unter Last stabiler ihren hohen Takt halten können. Zudem wirken sich höhere Limits günstig auf Tatkfluktuationen aus und glätten jene, was für bessere Frametimes sorgt. Behalten Sie dabei im Hinterkopf, dass sich ein Zen-4-Prozessor innerhalb einer Sekunde 1.000 Mal dynamisch an die Last anpasst. In dem Moment, wo Sie blinzeln, hat Ihr Ryzen 7 7700X dreihundert Mal den Takt für jeden einzelnen Kern verändert – Sie sollten daher Analyse-Tools nicht blind vertrauen.

Die Benchmarks

Kommen wir aber nun endlich zu dem Punkt, weswegen Sie sich vo allem dieses Heft gekauft haben: Wie schnell sind Ryzen 9 7950X und Ryzen 7 7700X in Spielen und Anwendungen? Nicht zuletzt dafür haben wir frische, neue Spiele und populäre Anwendungen im neuen CPU-Index vereint. Sie finden neben diesen Zeilen bereits den Spiele-Index sowie den dazu wichtigen Durchschnitt der Leistungsaufnahme aller CPUs. Als Basis haben wir den Intel Core i9-12900K gewählt, gerade, weil AMD während der Präsentation zum Zen-4-Launch so selbstsicher gegen das Topmodell der Konkurrenz gestichelt hat. In der Tat kann sich bereits ein Ryzen 7 7700X im Eco-Mode bei 65 Watt TDP vor den i9-12900K setzen. Die Mehrleistung von nur drei Prozent ist zwar gering, aber mit einem Blick auf die dabei erzielte durchschnittliche Leistungsaufnahme in unseren 12 Spielen wird klar, dass AMD es wieder einmal gelungen ist, einen sehr schnellen Prozessor zu bauen, der gleichzeitig effizient arbeitet. Der Eco-Mode hat beim Ryzen 7 7700X nur geringe Auswirkungen auf die Leistung in Spielen, ab Werk benötigt der Achtkerner „nur“ 84 Watt – von den möglichen 142 Watt, im Eco-Mode 81 Watt.

Noch spannender ist zu sehen, was dem Prozessor gelingt, wenn man ihn übertaktet: Wir nutzen DDR5- 6000, offene Limits, ein Curve Tuning sowie einen erhöhten Boost auf bis zu 5,85 GHz. Trotzdem ist der 7700X damit noch sparsamer unterwegs, als ein i7-12700K und erreicht sogar fast den i5-12600K, während die Leistung mit Übertaktung über das Niveau des Ryzen 7 5800X3D reicht. Letztere CPU ist allerdings ein „Problem“. Der X3D ist so schnell und so sparsam, dass in Summe (Leistung/Effizienz/P/L) selbst der neue 7700X nicht mithalten kann. Hier wird klar, dass AMD den Fokus nicht rein auf eine Leistungserhöhung gelegt hat, sondern vor allem unter der Haube an der Architektur gearbeitet, um alles auf den „5.0“-Standard von 2022 zu bringen. Nichts desto trotz liefert ein Ryzen 7 7700X ab Werk mit anständigem Arbeitsspeicher die Leistung des bisherigen Spiele-Königs 5800X3D, wenn auch nicht so effizient. Jetzt versuchen Sie sich vorzustellen, wie schnell ein potenzieller „7800X3D“ sein könnte. Da läuft nicht nur Ihnen das Wasser im Munde zusammen. Doch das ist noch Zukunftsmusik. In Anwendungen macht ein 7700X ebenfalls eine gute Figur, wenn man dabei bedenkt, dass es sich „nur“ um einen Achtkerner handelt. Bei Handbrake gelingt es dem Prozessor fast, sich mit dem i9-12900K anzulegen, im Photoshop-Benchmark ist bereits die Eco-Variante schneller als der Intel-16-Kerner.

Kommen wir nun zum wahren Topmodell des Sockel AM5: Ryzen 9 7950X. Dieser Prozessor setzt neue Maßstäbe im Desktop. Wir hatten schon beim Test des Intel Core i9-12900KS stellenweise das Problem, dass wir trotz minimal gewählter Auflösung bei den Spiele-Benchmarks stellenweise in ein GPU-Limit geraten sind. Ein Ryzen 9 7950X ist dagegen so schnell, dass wir uns bei vielen Benchmarks eine noch viel leistungsfähigere Grafikkarte gewünscht hätten. Jetzt sollte Ihnen klar werden, warum wir den Titel „Kerne der Zukunft“ gewählt haben. Selbst die noch aktuell schnellsten Grafikkarten, RX 6950 XT und RTX 3090 Ti, jeweils übertaktet, sind nicht schnell genug, um Ryzen 7000 vollständig auszulasten. Nachtests mit RTX 4000 und RX 7000 werden erst das wahre Potenzial von Zen 4 offenlegen, das PCGH-Testlabor bereitet sich bereits darauf vor.

In Spielen ist ein Ryzen 9 7950X im Schnitt sieben Prozent schneller als ein i9-12900K – bei rund 13 Prozent höherer Leistungsaufnahme. Das hängt mit der neuen TDP-Klasse der Ryzen 9 von 170 Watt zusammen. Das macht den 16-Kerner zu einem Arbeitstier, Benchmarks wie Cinebench oder Handbrake zeigen das deutlich auf. Als Spieler sollten Sie jedoch Abstand halten, sofern Sie einen sparsamen Prozessor ihr Eigen nennen wollen. Abhilfe kann der Eco-Mode schaffen: Bei einer TDP von 65 Watt erreicht ein 7950X das Spiel-Effizienz-Niveau des 7700X und erreicht auf die Nachkommastelle dieselbe Leistung. Das ist dann immer noch flotter als ein i9-12900K, in Anwendungen ohnehin. AMDs 7900X könnte in die selbe Kerbe schlagen, doch das wird der Test in der nächsten Ausgabe zeigen müssen.

Auffälligkeiten

Wir haben schon erwähnt, dass wir beim Test von Zen 4 auf erstaunlich wenig Probleme gestoßen sind. Doch wie sieht es mit der Temperatur und den Taktraten unter Last aus? Ist ein Ryzen 7 7700X, wie seine Vorgänger, auch wieder so eine Hitzeschleuder? Wir nutzen die Möglichkeit und möchten ein paar der wichtigsten Fragen zu Ryzen 7000 beantworten:

Hilfe, mein Ryzen wird zu heiß!AMD sagt, alles zwischen 70 und 90 °C ist völlig normal.Moment, sind über 90 °C nicht viel zu heiß? Wie soll man so etwas kühlen? Das Wichtigste vorneweg: Diese Temperaturen sind tatsächlich völlig normal. Ein Prozessor kann diese Tempe-raturen aushalten. AMD hat selbst angegeben, dass alle Zen-4-Prozessoren dauerhaft mit der Maximaltemperatur von 95 °C arbeiten können, ohne dabei Schaden zu nehmen. Wir haben beim Test mit dem 7700X bemerkt, dass diese CPU selbst im Eco-Mode und einer Wasserkühlung die 70 °C knackt. Bei Anwendungen wie Cinebench oder Handbrake steigt die Anzeige innerhalb von einer Sekunde auf 90 °C. Dank der Bauweise des 7950X (mit zwei CCX), ist der 16-Kerner leichter zu kühlen, das wird allerdings durch die hohe TDP egalisiert. Generell werden Sie Ihren Ryzen-Prozessor im Bereich von über 70 °C beobachten können. Natürlich können Sie selbst die Ryzen-9-Prozessoren mit Luft kühlen, achten Sie nur darauf, dass Sie einen Kühler verwenden, der mindestens die Leistung von 170 Watt TDP abführen kann.

Hilfe, die Spannung ist zu hoch!AMD sagt, bis 1,5 Volt ist alles im Rahmen.Ein Boost bis an die Spitze, in dem Fall 5,85 GHz beim Ryzen 9 7950X, erfordert eine hohe Spannung. Für Zen 4 gibt AMD den Spannungsbereich von 0,650 bis 1,475 Volt an. Mehr oder weniger wird nicht anliegen, sofern Sie keine Veränderungen an den Einstellungen wie dem Boost oder anderen Dingen vornehmen. Sollten Sie sich tatsächlich unwohl fühlen, bleibt Ihnen nichts anders übrig, als den Boost zu deaktivieren. Dann wird auch die Spannung nicht mehr so hoch ausfallen. Allerdings verzichten Sie in dem Fall auch auf Leistung.

B650 bis X670E, was brauche ich?Das hängt von Ihren Ansprüchen ab.Ein 7950X wird auf einem B650-Brett genauso seine Arbeit verrichten wie in einem X670E-Board. Wichtig ist dabei zu verstehen, dass sich Mainboards in erster Linie in Sachen Ausstattung unterscheiden. Alles wichtige, wie der Spannungscontroller, die Unterstützung für PCI-Express 5.0 und so weiter, bringt der Prozessor mit. Das einzige, worauf es sich lohnt zu schauen, ist die Spannungsversorgung auf dem Mainboard. Ist diese ausreichend stark und gut gekühlt? Den Rest machen Sie abhängig von Ihren Ansprüchen: Wie viele Anschlüsse benötigen Sie, bietet die Soundkarte alle Ausgänge für Ihre Anlage und sind genügend M.2-Steckplätze verfügbar? So sparen Sie Geld beim Mainboard und können die Differenz zum Edel-Board in den Prozessor stecken – nur dadurch erhalten Sie mehr Leistung.

AMD EXPO, was ist das?:EXPO ist das neue XMP, aber von AMD.Mit AM5 hat AMD EXPO eingeführt. Das ist nichts anderes, als ein gespeichertes OC-Profil auf den RAM-Modulen, welches Sie bequem im UEFI laden können. Genauso hat es auch bei Intel vorher funktioniert, nur da heißt es nach wie vor XMP. Dem Speicher ist es egal, wie die Bezeichnung lautet, der arbeitet nicht schneller oder langsamer, nur weil „EXPO“ oder „XMP“ dran steht. Selbstverständlich können Sie bei AMD-Boards auch XMP laden.

Kaufberatung

Sie liebäugeln mit einem Ryzen 7000, wissen aber nicht so recht, ob sich ein Upgrade lohnt? Wir helfen Ihnen. Beachten Sie bei unseren Benchmarks, dass wir uns hier möglichst außerhalb des GPU-Limit bewegen. Wir tun das, weil wir die Leistung des Prozessors testen und vergleichen wollen. Je nach System werden Sie sich dagegen eher in einem GPU-Limit befinden, gerade, wenn Sie in höheren Auflösungen spielen. Ein CPU-Upgrade lohnt sich dann, wenn die Grafikkarte nicht mehr richtig ausgelastet ist. Sie können sich beispielsweise mit Capframe X oder dem MSI Afterburner die GPU-Auslastung in Prozent anzeigen lassen. Wenn dieser Wert meist unterhalb von 95 Prozent liegt, dann kann sich der Griff zu einem neuen Prozessor lohnen. Ob Sie dafür direkt einen Ryzen 7 7700X benötigen, müssen Sie mit Ihrem Geldbeutel klären. Die neuen CPUs bringen nämlich auch neue Mainboards mit, da ein neuer Sockel notwendig wurde. Ein gutes AM5-Brett kann schnell 200 Euro kosten und DDR5-Speicher ist zwar schon günstiger geworden, jedoch noch nicht so günstig wie DDR4 bei gleicher Kapazität. Sie werden allerdings gerne lesen, dass AMD plant, den Sockel AM5 bis mindestens 2025 zu unterstützen. Das würde nicht nur bedeuten, dass die nächste Generation der 3D-Modelle, sondern sogar Zen 5 auf dem Sockel AM5 betrieben werden kann. Sie können sich beispielsweise jetzt ein X670-Mainboard kaufen und dann für einen Zen- 5-Prozessor sparen und sind für die nächsten Jahre bestens aufgestellt. Wir möchten aber noch einmal betonen, dass es sehr wichtig ist, dass Sie verstehen, ob und wann Sie sich im GPU-Limit befinden. Ein CPU-Upgrade im GPU-Limit bringt keine Mehrleistung. Und sich Leistung für die Zukunft zu „sparen“, hat sich in der schnelllebigen Hardware-Welt noch nie gelohnt.

Wie geht es weiter?

Nicht überraschend, jedoch sehr erfreulich zu sehen ist, dass AMD offiziell weitere Prozessoren mit 3D-V-Cache bestätigt. Wir erwarten zwar nicht sofort einen „Ryzen 7 7800X3D“, aber sicher ist, dass dieser (oder sogar ein Modell mit noch mehr Kernen) in optimierter 4-nm-Fertigung das Band bei TSMC verlässt und jeden Gamer da draußen glücklich machen wird. Das Gleiche gilt übrigens auch für Zen 5 (mutmaßlich Ryzen 8000 oder Ryzen 9000). Sie werden sich dafür aber mindestens bis 2023 gedulden müssen, möglicherweise auch bis Anfang 2024. Wir erwarten, dass Zen 4D und auch Zen 5 auf den aktuellen AM5-Mainboards laufen wird. AMD ist nämlich auch deshalb so beliebt, weil sich neue CPU-Generationen auf vergleichsweise alten Mainboards betreiben lassen. Es ist allerdings ein Unterschied, wenn Sie ein X370-Brett mit PCI-Express 3.0 mit einem sehr modernen X670E-Mainboard mit DDR5- und PCI-Express 5.0 Unterstützung vergleichen. Letzteres wird die nächsten fünf Jahre locker „überleben“ können, so kann es Ihnen zum Vorteil gereichen, wenn Sie jetzt zugreifen.

Alternativ investieren Sie in die AM4-Plattform, die vergleichsweise günstig daher kommt. PC-Spieler werden mit einem Ryzen 7 5800X3D sehr glücklich und AMD hat betont, dass der Sockel AM4 neben dem Sockel AM5 weiter existieren wird und sogar noch neue Prozessoren erhalten soll. Wie das genau aussieht, können wir Ihnen leider auch nicht sagen. Es ist jedenfalls nicht zu erwarten, dass für Sockel AM4 noch leistungsfähigere CPUs als ein 5800X3D oder 5950X herauskommen werden. Möglicherweise lässt AMD die bestehenden Zen 3(D)-Modelle einfach weiterlaufen. Ein Ryzen 5 5600, Ryzen 7 5700X oder Ryzen 9 5900X bis hin zum 5950X sind auch nach dem Launch von Ryzen 7000 eine Empfehlung wert, da sie vergleichsweise viel Leistung fürs Geld liefern und ebenfalls sehr effizient zu Werke gehen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Sie als AMD-Nutzer noch nie so viele Möglichkeiten hatten wie jetzt. Ein sparsames System, bestehend aus einem B550-Mainboard mitsamt sehr effizienten Zen- 3-Sechskerner ist ebenso möglich, wie die neue Leistungsspitze mit Sockel AM5, X670E und einem Ryzen 9 7950X. Spieler und Content Creator werden damit gleichermaßen zufriedengestellt.

Was Sie noch erwartet

Wie gesagt, kamen die beiden anderen Modelle, 7900X und 7600X, leider zu spät für den Test in dieser Ausgabe. Auch Intel wird nächsten Monat mit Raptor Lake ganz oben mitspielen. Freuen Sie sich daher schon auf die nächste Ausgabe, die neben dem erweiterten Test aller vier Ryzen 7000 auch den Test zu Intel Raptor Lake und den Tuning-Part zu Ryzen 7000 enthält. Wie immer freuen wir uns über Feedback an dn@pcgh.de.(dn)

Fazit

Der 5.0-StandardRyzen 7000 bringt alles mit, was Sie zukünftig benötigen werden: Viele, schnelle und effiziente Kerne, Platz für DDR5-Speicher, die Möglichkeit, Grafikkarten und M.2-SSDs mit PCI-E-5.0 anzubinden und die Chance, wahrscheinlich bis Ryzen 9000 aufrüsten zu können. Was will man noch mehr?