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Die Kinder der Opfer kämpfen noch heute mit ihren Albträumen


Funk Uhr - epaper ⋅ Ausgabe 35/2021 vom 27.08.2021

DIE TRAURIGSTE TV-DOKU DES JAHRES

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UNFASSBARE SZENEN Um 8.46 Uhr schlug das erste Flugzeug in den Nordturm (r.) ein, 17 Minuten später knallte eine Maschine in den Südturm
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MIT KINDERAUGEN So malte ein Mädchen den Terror von 9/11. Wie müssen sich die Bilder in die Seele der Kleinsten gebrannt haben

Ein Inferno aus Flammen und Rauch. Verzweifelte Menschen, die panisch dem Feuertod zu entkommen versuchten. Das Hoffen und Bangen um Tausende unschuldige Menschen in den Türmen des World Trade Centers, das gerade von zwei Flugzeugen getroffenen worden war – die ganze Welt hielt am 11. September 2001 den Atem an. Tränen, Verzweif lung, kaum zu begreifende Szenen – tief haben sich die Bilder der verheerenden Terroranschläge von New York ins kollektive Gedächtnis der Welt gebrannt. Selbst nach zwanzig Jahren erinnert sich wohl jeder noch genau daran, in welchem Moment die schreckliche Nachricht ihn erreichte. Und wie die bleierne Schwere aus Fassungslosigkeit und Trauer sich auf unsere Herzen legte und uns auch Tage später noch unter Schock stehen ließ.

Aus dem Leben gerissen ohne Chance auf einen Abschied

2977 Menschen starben an diesem Tag, doch das Grauen von 9/11 lebt weiter in uns allen – vor allem aber in den Kindern der Opfer. Bis heute ist für viele Familien der Trauerprozess nicht abgeschlossen, weil ihre Toten nicht geborgen werden konnten. Keine Chance zum Abschiednehmen, kein letztes Wort. Nur die Frage „Warum musste das passieren?“, auf die es keine Antwort gibt. Ein Trauma, das sie für immer begleiten wird. Ein Leben lang, sagen renommierte Traumaforscher, wird es gespeichert und kann nie mehr aus dem Gedächtnis gelöscht werden.

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?DADDY, WO BIST DU?? Traurig kniet ein kleiner Junge kurz nach den Anschlägen vor einer Gedenkstätte in New York

Sie können nicht vergessen

„Es ist unser Job, Menschen zu retten“

Zwei Brüder – ein Schicksal: ANTHONY (29, l.) und LENARD JR. (27) waren neun und sieben, als ihr Vater, ein Feuerwehrmann, von den herabfallenden Trümmern des Nordturms verschüttet wurde und starb. Um ihn zu ehren und ihm nahe zu sein, gingen die Söhne zur Feuerwehr

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„Daddys Güte begleitet mich“

Er war Polizist, half wo er konnte, und war am „Ground Zero“ wochenlang im Einsatz. Dass der Vater von TAYLOR dabei giftigen Staub einatmete, war vor zwei Jahren sein Todesurteil. Seine Tochter engagiert sich heute für Hilfsorganisationen

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„Die Bilder lassen mich nie wieder los“

Sein Vater starb im Nordturm, dem ersten Ziel der Terroristen. Damit wurde MATTHEW (29) viele Jahre seines Lebens nicht fertig. Erst als er ein Buch über seine Erinnerungen an den Vater und den 11. September schrieb, konnte er die Schrecken verarbeiten und neu beginnen

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Der Terror hätte fast ihre zarten Seelen zerstört

Auch die Kinder der Opfer kämpfen bis heute mit ihren Albträumen. Matthew etwa war erst neun, als er seinen Vater, der im 105. Stock des Nordturms arbeitete, verlor. Der Junge wurde die Bilder der Flammen, der verzweifelten Menschen nie los. „Sie verfolgen mich bis in meine Albträume“, sagt er und in seinen Augen spiegelt sich die Traurigkeit wider. Matthew versuchte herauszufinden, wie sein Vater starb. Ob er zu den „Jumpern“ gehörte, die aus dem Fenster sprangen. Er erfuhr es nie – und versank in einem Strudel aus Trauer, Erinnerungen, Drogen und Entsetzen. Nach langen Jahren mit Therapien und ärztlicher Hilfe kann er heute ein relativ normales Leben führen. „Nichts ist mehr, wie es war, aber ich habe meinen Frieden damit gemacht.“

Auch Anthony (29) war neun Jahre alt, sein kleiner Bruder Lenard jr. (27) sieben. Ihr Daddy war Feuerwehrmann, machte die Söhne mächtig stolz. Nach seinem Einsatz am 11. September 2001 kam er nicht mehr nach Hause. Er wurde im Nordturm verschüttet, als er dort Eingeschlossene retten wollte. Der Terror hat den Brüdern den Vater geraubt, aber ihre Menschlichkeit konnten die Attentäter ihnen nicht nehmen. Anthony und sein Bruder wurden Feuerwehrmänner wie ihr Vater, sind ihm auf diese Weise nah und spüren, was ihn in seinen letzten Stunden bewegt haben muss. Lenard jr. ging einen besonders mutigen Schritt: Er arbeitet in derselben Feuerwache wie sein Vater – und sieht ihn dabei täglich. Denn jede Wache, die vor 20 Jahren Männer im Terror verlor, richtete eine kleine Gedenkstätte ein. Mit Lichtern und Fotos der Toten – ihrer Helden von 9/11.

TV-Tipp

Die Kinder von 9/11 Im Schatten des Terrors MO 6.9. 23.50 Uhr DAS ERSTE

Wer Anerkennung findet und Solidarität lebt, so sagen Psychologen, kann ein Trauma besser verarbeiten. Ein Gedanke, der auch Taylor antreibt. Die kämpferische junge Frau verlor 2019 ihren Vater, der an den Langzeitfolgen der Anschläge starb. Als Polizist hatte er damals giftigen Staub eingeatmet. Im Wissen, dass er sterben würde, gab er seiner Tochter eine wichtige Botschaft mit auf ihren Weg: „Er hat mir Güte und Würde beigebracht“, sagt sie stolz und deshalb setzt sie sich heute für verschiedene Hilfsorganisationen ein. Damit der Terror nicht siegt – sondern das Miteinander!

Die schwersten Stunden des Jahres stehen Matthew, Anthony, Lenard und Taylor nun zum 20. Jahrestag noch bevor. Im Gedenken an die Opfer werden die Bilder allgegenwärtig sein und sie an das Drama ihres Lebens erinnern. Und auch neue Bilder lassen sie und die Welt erstarren – jene aus Afghanistan (siehe unten). Wo in Kabul, ausgerechnet 20 Jahre nach dem Terror von New York, die Taliban ein Schreckens-Regime auf bauen, Menschen ermorden, Hass schüren. Das bringt die Ängste von 9/11 zurück. Doch wir alle können sie überwinden – in dem festen Glauben, dass die Menschlichkeit siegen wird.

Afghanistan 2021: Die Angst vor dem Terror ist zurück

Seit der Machtübernahme der Taliban haben viele Afghanen nur ein Ziel: RAUS AUS DIESEM LAND! Die Bilder überfüllter Transportflugzeuge versetzten nicht nur 9/11-Opfer in Angst: Steht die Welt vor einer neuen Terrorwelle radikaler Islamisten?

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