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DIE KNURRENDEN KNIRPSE


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Auto Bild - epaper ⋅ Ausgabe 8/2022 vom 24.02.2022

Hyundai i20 N 204 PS ab 27 490 Euro

VW Polo GTI 207 PS ab 31 095 Euro

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Das Bild darf nicht täuschen - für die Ermittlung der Rundenzeiten haben wir natürlich auf einen trockenen Tag gewartet

AUF NICHTS IST MEHR VERLASS. Trotz euphorischster Wettervorhersage stehen wir auf dem Contidrom bei Hannover und werden nass. Dabei sollte ursprünglich nur einer nass gemacht werden – und zwar aus Sicht von VW: der Hyundai i20 N. Seit Erscheinen des durchtrainierten Bonsai-Sportlers im Jahr 2020 sehen die Wolfsburger Rot. Oder besser „Performance-Blau“. Dabei hat das blasse Babyblau von Hyundai schon seit Einführung des größeren Bruders i30 so viel mit Schnullern und Strampelanzügen zu tun wie ein Verkehrsübungsplatz mit dem Nürburgring. Der i20 N ist nicht weniger als die Basis für das gleichnamige Rallyefahrzeug, mit dem Hyundai auf internationalem Schotter gegen die Großen der Szene antritt. Das wird schon äußerlich sichtbar. Aggressive Schürzen, wohlgeformte 18-Zöller und ein großer Dachspoiler markieren optisch das ...

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... Revier. Understatement überlässt er anderen. Zum Beispiel dem Polo. Der wurde nach fünfjähriger Bauzeit kräftig überarbeitet und nachgewürzt. Vorne übt nun ein durchgehendes Lichtband den Schulterschluss zum Golf, die Schürze ist weit geöffnet. Am Heck sitzen erstmals zweigeteilte Rückleuchten. Außer dem dezenten Dachspoiler und dem Doppelrohrauspuff unterscheidet sich der GTI aber nicht weiter von der Basis. Schriftzüge ab, und fertig ist der perfekte Underdog. Unter der Haube arbeitet weiterhin der bekannte 2.0 TSI, der nun 207 PS leistet und damit gegenüber dem 204 PS starken i20 mit drei Pferdchen in Führung geht. Ob das aber reicht, um den hartnäckigen Koreaner abzuschütteln, kann nur der Track zeigen.

„Früher mussten die Koreaner mit niedrigen Preisen fehlende Qualitäten wettmachen. Heute haben sie das nicht mehr nötig.“

Malte Büttner, Redakteur

Neuer Tag, neues Glück. Die Sonne strahlt mit den Augen der Tester um die Wette. Die Piste ist trocken. Also nichts wie rein in die Sportgeräte. Im Hyundai fallen sofort die engen, zupackenden Sportsitze auf. Gute Passform, klasse Halt am ganzen Körper – perfekt. Beim Umschalten auf den N-Modus stimmen Flammen im Tacho auf das ein, was kommt.

Das karierte VW-Gestühl lässt gerade im oberen Bereich zu viel Luft, wirkt alles in allem deutlich kompromissbereiter als das seines Kontrahenten. Digitale Instrumente sind endlich Serie, ansonsten alles ziemlich brav. Genug Platz vorn wie hinten und ausreichend Kofferraum bieten beide, auch die Verarbeitung stimmt hier wie dort – obwohl der Polo im Detail noch etwas geschliffener wirkt. Heute alles sekundär, hier geht’s um sportliche Leistungen. Also auf die Piste, fertig, los!

Kraftvoll, dumpf brabbelnd peilt der Polo die erste Kurve an. Er wird ausschließlich mit einem 7-Gang-DSG angeboten. Geschmacksache. Im Alltag gegenüber einer Handschaltung natürlich deutlich komfortabler, spielt es hier immer wieder nach eigenen Regeln. Klar, wer nicht schalten muss, kann sich besser auf die Strecke konzentrieren. Doch auch im Sportmodus verhaspelt es sich immer mal wieder, meint, dass am Kurvenausgang 2000 Touren völlig ausreichend sind, um sich dann nervös neu zu sortieren.

Dann doch lieber die ehrliche Sechsgang-Schaltbox des i20. Hier entscheidet der Fahrer noch selbst. Die Abstufungen passen, die Gangwechsel klappen in der Regel schnell und sicher. Schade, dass es hier und da im Übergang zwischen zweitem und dritten Gang hakelt. Vielleicht ein individuelles Problem des Testwagens, der mit seinen 10 000 Kilometern auf der Uhr schon einiges an Pistenerfahrung gesammelt haben dürfte.

HYUNDAI i20 N: DER RACER

1 Klassisches i20-Cockpit mit blauen „N“-Knöpfen am Lenkrad. Die Verarbeitung ist ordentlich, die Bedienung funktioniert routiniert und intuitiv.

2 Gegenüber dem VW gibt es einen Drehregler für die Lautstärke und echte Tasten im Lenkrad. Die Spracheingabe funktioniert endlich gut, die drei Fahrmodi bieten ein breit gespreiztes Erlebnis.

3 Serienmäßig rollt der i20 N auf hübschen 18-Zoll-Rädern. Dahinter sitzt eine kräftig zupackende Sportbremse mit 320er-Scheiben.

4 Die Sportsitze mit integrierten Kopfstützen geben guten Halt. Sie bieten auch auf Langstrecken ausreichend Komfort.

5 Der 1,6-Liter-Turbo entwickelt viel Kraft, wirkt aber im oberen Bereich etwas zugeschnürt. Dem überragenden Temperament tut das aber keinen Abbruch. Etwas gezügelter dürfte sich der i20 dagegen an der Tankstelle zeigen. Die 7,7 Liter Testverbrauch lassen sich unter Last problemlos verdoppeln.

! Selten war ein Kleinwagen so radikal und ehrlich wie der i20 N. Das verdient Respekt

Auf der Geraden schlägt die Stunde des VW. Vom größeren Hubraum profitierend, bolzt er noch etwas kraftvoller los als der keineswegs langsame i20. Vor allem nach oben heraus wirkt der GTI drehfreudiger und weniger zugeschnürt. Ein Bild, dass sich spätestens in der nächsten Kurve radikal ändert.

Schon das Anbremsen fühlt sich beim GTI deutlich schwammiger und weniger entschlossen an als beim herbe zupackenden N. In der Kurve rächt sich das nicht vollständig abschaltbare ESP, das die Fuhre auch im Sportmodus immer wieder zur Raison ruft. Am Kurvenausgang ringt der GTI dann ziemlich hilflos um Traktion und drängt stark untersteuernd zum äußeren Kurvenrand. Das ist narrensicher, sportlich ist es nicht.

VW POLO GTI: DER MINI-GT

Mit mehr Power aus dem Konzernregal wird der Polo schnell. Ein echter Sportler ist er nicht

1 Digitale Instrumente sind im überarbeiteten Polo Standard. Der Innenraum wirkt durchdacht und ordentlich verarbeitet.

Auch wenn die Materialauswahl gerade im Bereich der Türen etwas einfach ausfällt.

2 Der Polo GTI kommt grundsätzlich mit einem siebenstufigen DSG, was sich über die verschiedenen Fahrmodi scharf schalten lässt.

3/4 Ebenfalls serienmäßig sind 17-Zoll-Alufelgen und die klassischen karierten Sitze. Ansonsten ist die Aufpreisliste lang und gnadenlos. Die roten Applikationen im Innenraum können allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Polo brave Großregalware ist.

5 Den Zweiliter-TSI kennen wir aus diversen anderen Konzernprodukten.

Er läuft kultiviert und drehfreudig, hat auch mehr Power als der Hyundai. Aber keinen echten Sportsgeist. Bester Beweis ist der Lautsprecher, der seinen Sound unterstützt. Das finden wir doch eher unsportlich.

Ganz anders der i20. Mit seiner direkteren Lenkung lässt sich der Kurvenverlauf viel exakter bestimmen, schon das Sport-ESP lässt verblüffend lange Leine. Zu hohe Geschwindigkeit und der kleinste Gaslupfer machen das Heck leicht und lassen es nach außen drängen. Am Ausgang stürmt er dank Differenzialsperre an der Vorderachse wie auf Schienen davon, kennt trotz Frontantrieb kaum Traktionsprobleme. Geübte Fahrer können das ESP hier sogar ganz abschalten, ernten so eine reine Fahrmaschine und erleben Fahrspaß, den in dieser Klasse sonst höchstens der Fiesta ST, der ähnlich lustvoll konzipiert wurde, bietet. Doch spätestens in der langen Rechts-links-Kurve des Contidroms, wenn das Heck bei Tacho 170 zum Überholen ansetzt, sollte der Fahrer genau wissen, was zu tun ist und sehr schnell und exakt eingreifen, damit die Freude nicht am Baum endet. i20 N fahren heißt auch, Verantwortung zu übernehmen. Trotz der kompakten Größe ist er nichts für Fahranfänger. Der Polo schon eher.

Obwohl auch er schnell ist, hält die Elektronik ihn immer im Zaum, wacht mit Argusaugen darüber, dass nichts schiefgeht.

Auch im Alltag kann er punkten, wo er sich im Gegensatz zum N angenehm zurücknimmt. Während der Hyundai knochentrocken jeden Stoß nach innen weiterleitet, gibt sich der VW als perfekter Allrounder. Ein souverän motorisierter Kleinwagen, mit dem man auch gerne täglich zur Arbeit und am Wochenende zum Einkaufen fährt. Auf der Autobahn ist er deutlich leiser und zurückhaltender, wirkt vollwertiger. Zudem hält er sich an der Zapfsäule mehr zurück. Gerade unter Volllast, wo sich der wilde i20 schon mal an die 20-Liter-Marke heransäuft.

Das Contidrom

Testgelände des Reifenherstellers Continental, der Trockenhandlingkurs ist 3,8 km lang.

Hyundai i20 N Performance

1:38,39 min.

VW Polo GTI

1:40,97 min.

Doch normal bewegt, hält sich auch der N zurück. Das kompromisslosere Fahrverhalten wird von den Kunden gewünscht und geliebt. Er ist ein wilder und ungestümer Draufgänger. Ein Kumpel, der immer wieder die Vernunft und Disziplin des Fahrers herausfordert. Mit seinem Talent eignet er sich als echtes Tracktool für Leute, die es am Wochenende auf Rennstrecken krachen lassen. Mit dem Automatikpolo würde man nicht mal auf die Idee kommen.

So gerne wir den neuen GTI mögen und so schön er sich auch fährt – spätestens wenn die beiden nach ein paar schnellen Runden knackend und knisternd nebeneinander stehen und es nach verbranntem Gummi riecht, wird klar, dass es nur einen Sieger geben kann. Den i20 N. Weil er als Basis für ein Rallyefahrzeug einen ganz anderen Ansatz verfolgt, weil er genial klingt und eine echte Fahrmaschine ist. Ein Auto mit eigenem Charakter. Nur wenige Kandidaten haben auf dem Contidrom so viel Spaß gemacht. Und dann kostet der besser ausgestattete Korea-Kracher auch noch etliche Tausend Euro weniger als der Polo. Klare Sache also. Und nur aus Bequemlichkeit wählen wir für den Rückweg den sanften Polo.

PLATZIERUNG

Punkte m aximal 800

1. Hyundai i20 N Tolle Sitze, geniales Kurvenverhalten, viel Power, standfeste Bremsen, fairer Preis. Unter Last aber hoher Verbrauch.

2. VW Polo GTI Schneller Knirps mit guten Manieren, sauberer Verarbeitung, fairem Verbrauch. Als Sportler fehlt es ihm aber an Konsequenz.

FAZIT

MALTE BÜTTNER, MIRKO MENKE

Power, Klang und Charakter, Sportsgeist: Weil der i20 N auch noch günstiger ist, kann er nur gewinnen.

Dem Polo hat das Facelift gutgetan. Er ist der perfekte Dailydriver, ein extrem souveräner Kleinwagen mit viel Komfort.

Für einen Sieg in der Sportwertung reicht das aber nicht.