Weiterlesen mit NEWS. Jetzt testen.
Lesezeit ca. 7 Min.

Die Kraft der guten Gedanken


Frau im Leben - epaper ⋅ Ausgabe 5/2020 vom 01.04.2020

Im 4. Teil der Serie „Langer gesunder leben“ erfahren Sie, warum Optimisten eine bessere Chance auf ein langes Leben haben – und welche Rolle Familie und Freunde dabei spielen


Artikelbild für den Artikel "Die Kraft der guten Gedanken" aus der Ausgabe 5/2020 von Frau im Leben. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Frau im Leben, Ausgabe 5/2020

Es hilft schon, den Tag mit einem guten Gedanken zu beginnen


SERIE

TEIL 1: GENE, VORSORGE UND MEDIZIN

TEIL 2: ERNÄHRUNG

TEIL 3: BEWEGUNG UND SPORT

TEIL 4: PSYCHE UND SOZIALE KONTAKTE

TEIL 5: SCHLAF UND BIO-RHYTHMUS

TEIL 6: 100-JÄHRIGE UND IHR REZEPT

60 000 Bis 70 000 Gedanken schwirren taglich durch den Kopf eines Menschen. Davon sind

70% FLUCHTIG

27% NEGATIV

3% POSITIV

Annette Schlipphak, Psychologin und Vize-Prasidentin des Berufsverbands ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 2,99€
NEWS 30 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Frau im Leben. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1000 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 5/2020 von Liebe Leserinnen und Leser!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Liebe Leserinnen und Leser!
Titelbild der Ausgabe 5/2020 von MEIN LIEBLINGSPLATZ: Die begehbare Achterbahn. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
MEIN LIEBLINGSPLATZ: Die begehbare Achterbahn
Titelbild der Ausgabe 5/2020 von GUTES TUN?: Ist doch Ehrensache. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
GUTES TUN?: Ist doch Ehrensache
Titelbild der Ausgabe 5/2020 von „Die Braut steht im Mittelpunkt”. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
„Die Braut steht im Mittelpunkt”
Titelbild der Ausgabe 5/2020 von Danke, Mama!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Danke, Mama!
Titelbild der Ausgabe 5/2020 von Mein Auto, dein Auto, unser Auto. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Mein Auto, dein Auto, unser Auto
Vorheriger Artikel
ALLES GESUND DA DRIN?
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel BEKOMM ICH ’NE PIZZA, SCHWESTER?
aus dieser Ausgabe

... Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) aus Berlin-Brandenburg (links) Dr. Ernst Fritz-Schubert, Therapeut und Leiter des Fritz-Schubert-Instituts fur Personlichkeitsentwicklung in Heidelberg Dr. Judith Mangelsdorf, Psychologin und Leiterin der Deutschen Gesellschaft fur Positive Psychologie (DGPP) aus Berlin

Ein Gemeinschaftsraum in einer Wohnanlage im Münchner Norden. Wo man eigentlich junge Studenten erwarten würde, sitzen zwei 82-jährige Frauen am Esstisch und trinken Kaff ee. Rita Kraus und Erna Öttl haben sich vor zwölf Jahren dafür entschieden, in eine Hausgemeinschaft zu ziehen, in der jeder Bewohner eine kleine Wohnung hat, aber man sich einen großen Raum – quasi das Wohnzimmer – teilt. „Eine gute Entscheidung. Ohne einander wären wir einsamer und unglücklicher“, sagt Erna Öttl. „Und es würde uns wahrscheinlich auch gesundheitlich schlechter gehen.“

Studien zeigen, dass vor allem ältere Menschen mit engen sozialen Beziehungen länger leben als solche ohne Familie oder Freunde. Am Institut für Psychogerontologie in Nürnberg wurde eine zugegeben sehr spezielle Gruppe von 125 Menschen untersucht und befragt: Alle waren 90 Jahre und älter und lebten noch selbstbestimmt im eigenen Haushalt. Außerdem waren sie – im Rahmen ihrer Möglichkeiten – körperlich aktiv und sozial überdurchschnittlich gut eingebunden. Trotz einiger alterstypischer Erkrankungen und der täglichen Einnahme mehrerer Medikamente sagten die Studienteilnehmer von sich, dass es ihnen gut geht. Kurzum: Sie hatten Freude am Leben.

Die Grundhaltung zahlt

Da liegt für Forscher der Schluss nahe: Gut zu altern ist weniger eine Frage der objektiven Gesundheit als eine Frage der Willenskraft. Die 90-Jährigen aus der Studie zumindest begegnen den Herausforderungen des Alters mit einer stoischen Grundhaltung: Selbst wenn Beschwerden auftreten, sehen sie stets Menschen, denen es schlechter geht.

Optimismus ist neben sozialen Kontakten also wichtig für ein langes Leben. „Wer eine positive Haltung hat, hat eine höhere Lebenserwartung“, sagt Dr. Judith Mangelsdorf, Leiterin der Deutschen Gesellschaft für Positive Psychologie. Das belegt auch eine Studie der Boston University School of Medicine. Danach ist die Wahrscheinlichkeit, 85 Jahre und älter zu werden, bis zu 70 Prozent höher, wenn man eine optimistische Lebenseinstellung hat. Angenehme Gefühle wirken sich positiv auf die Gesundheit aus:

Wunsch: [wish]

Stellen Sie sich ein bestimmtes Ziel konkret vor und notieren Sie es schriftlich. Es sollte realistisch sein, kann aber auch eine echte Herausforderung darstellen

Kleine Momente des Glucks bewusst wahrnehmen – das schafft Zufriedenheit


WÜNSCHE MIT DEM KOPF ERFÜLLEN

Gelassener werden oder mit dem Rauchen aufhoren: Die WOOPMethode hilft, Ziele zu erreichen


„Mit Menschen um sich herum ist man viel glücklicher und weniger einsam – das bereichert das Leben
Erna Ottl (links) und Rita Kraus (beide 82) zogen vor zwolf Jahren in eine Hausgemeinschaft. Ihr geselliges Zusammenleben tut ihrer Meinung nach auch ihrer Gesundheit gut


Hindernis [obstacle]

Fragen Sie sich, was Sie von Ihrem Ziel abhalt. Welches inneres Hindernis gibt es?

Ergebnis [outcome]

Uberlegen Sie sich ganz genau, wie es sein wird bzw. wie es sich anfuhlen wird, wenn der Wunsch in Erfullung geht

Plan [plan]

Nun gilt es, das Hindernis zu uberwinden. Welche Gedanken oder welche Handlungen brauchen Sie dafur? Entwickeln Sie einen konkreten Plan!

•Die Produktion der Glückshormone Dopamin und Oxytozin erhöht sich deutlich.

•Der Stress-Level sinkt.

•Das Immunsystem wird nachhaltig gestärkt.

•Der Körper ist langfristig weniger anfällig für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Gesund und glucklich

Optimisten unterscheiden sich von Pessimisten vor allem durch das, was sie im Leben versuchen“, erklärt die Expertin. „Sie lassen sich häufi ger auf Dinge ein, deren positiver Ausgang ungewiss ist. Aber allein weil sie es versuchen, gelingt es ihnen öfter, Partnerschaften aufzubauen oder Krankheiten zu überwinden. Langfristig führt all das zu einer besseren Gesundheit und einem längeren Leben.“

Doch guter Dinge zu sein fällt schwer, wenn der Körper nicht mitspielt, wenn es irgendwo zwickt. „Dabei ist genau dann eine positive Einstellung gefragt, denn eine der wichtigsten Voraussetzungen für Heilung ist die Hoff nung darauf, dass sie gelingen kann“, sagt die Psychologin Dr. Judith Mangelsdorf. Man könnte auch sagen: Gesundheit macht glücklich – und umgekehrt führt eine lebensbejahende Haltung zu besserer Gesundheit. „Wer optimistisch denkt, ist bereit zu kämpfen und auch schwierigere Wege zu gehen“, so die Expertin. Sven Marx kann das bestätigen: 2009 stellten Ärzte bei dem heute 53-Jährigen einen Gehirntumor fest. Nach der Operation platzte ein Blutgefäß im Kopf und Sven Marx war halbseitig gelähmt. Doch er fasste neuen Mut, lernte mühsam und unter großen Schmerzen von Neuem so scheinbar einfache Din - ge wie Sprechen, Schlucken und Laufen. Seit 2014 geht er regelmäßig mit dem Fahrrad auf Weltreise, um Spenden für den „Verein Diakonische Initiative Direkt“ zu sammeln.

Nicht zuruckschauen

In Vorträgen berichtet Sven Marx über seine Lebensgeschichte „Vom Pfl egefall zum Mutmacher auf dem Fahrrad“. Sein neuestes Projekt: mit einem blinden Tandem-Partner von Berlin aus nach Tokio zu den Paralympics zu radeln, den Olympischen Spielen für Sportler mit Behinderung (zu verfolgen auf seiner Internetseite www.sven-globetrotter.com). „Ich rate jedem, der eine er schütternde Diagnose erhält: Gib nicht dich auf, sondern dein altes Leben. Schau nicht zurück, sondern nach vorn und mach das Beste aus der neuen Situation“, sagt Sven Marx. Er ist davon überzeugt: „Wenn Menschen sich neue Ziele setzen, ist eine Art Selbstheilung möglich.“

Dass Krankheit und Gesundheit auch Kopfsache sind, davon ist der amerikanische Mediziner Jerome Groopman von der Harvard-Universität überzeugt: „Gedanken und Emotionen werden von Ärzten oft als nebensächlich angesehen. Dabei sind sie eine Mischung aus Chemikalien und elektrischen Schaltkreisen im Gehirn, die mess- und belegbar sind.“ So zeigen Untersuchungen, dass Menschen, die fest an ihre Genesung glauben, deutlich mehr Immunzellen bilden. Am besten belegen diesen Zusammenhang Placebo-Studien, bei denen eine Gruppe ein wirkungsloses Medikament (Placebo) erhält, ohne es zu wissen. Mit Blutuntersuchungen konnten Wissenschaftler am Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensimmunbiologie der Universität Essen beweisen, dass Placebos z. B. mit einer Wirksamkeit von 80 Prozent fast genauso gut helfen wie starke Medikamente.

Einige Forscher gehen sogar davon aus, dass die Psyche in die Entwicklung von Krebs-Tumoren eingreifen und sie positiv beeinfl ussen kann. Welche Kraft Gedanken auf die Gesundheit haben, weiß Helmut Bundschuh aus München nur zu gut. Der 64-jährige psychologische Heilpraktiker hatte vor acht Jahren eine Bypass-Operation am Herzen. Sie verlief gut – und doch ging es ihm danach schlecht: „Ich hatte das Gefühl, die Kontrolle verloren zu haben, und litt unter Angstzuständen.“ Die Suche nach Beistand war beschwerlich. Während die psychologische Nachsorge bei Krebs-Erkrankungen Standard ist, gibt es für herzkranke Personen noch kei- ne ausreichende seelische Betreuung. Helmut Bundschuh gründete daher kurzerhand die erste Selbsthilfegruppe für herzkranke Menschen, die unter psychischen Belastungen leiden. „Schon darüber zu reden hilft“, sagt er rückblickend. „Und das Gefühl, mit seinen Ängsten nicht allein zu sein. Sich Bewältigungsstrategien von anderen abzuschauen und eigene zu überdenken.“


„Es half mir nach der OP, mit anderen über meine Ängste zu reden
Helmut Bundschuh, (64), grundete nach einer Herz-OP eine Selbsthilfegruppe


GLÜCKLICH IN FÜNF SCHRITTEN

Wer zu viele negative Gedanken hat, kann sich mit diesen Ubungen positiv stimmen

Anregungen suchen und offen sein fur Neues: die Basis fur ein erfulltes Leben


Pro und Kontra

Setzen Sie sich auf einen Stuhl und listen Sie nur das Negative einer Situation auf. Anschließend wechseln Sie auf einen anderen Stuhl und notieren alles Positive. Hören Sie erst auf, wenn die Plus-Liste um mindestens einen Punkt länger ist als die Minus-Variante.

Anker setzen

Erinnern Sie sich intensiv an eine ganz wunderbare Situation, beschwören Sie diese in allen Details herauf und spüren Sie das Glück von damals. Drücken Sie dabei fest Zeigefinger und Daumen Ihrer rechten Hand zusammen. Wiederholen Sie das täglich. Schon nach wenigen Wochen werden Sie sich glücklich fühlen, wenn Sie diese Fingerbewegung machen.

Fokus ändern

Tauschen Sie negative Gedanken gegen positive aus. Schreiben Sie dafür auf ein leeres Blatt die pessimistische Variante links in eine Spalte – und rechts das, was eine aktive, positive Entsprechung sein könnte. Beispiel: „Im ganzen Haus herrscht nur Unordnung“ wird zu „Morgen räume ich den Küchenschrank auf“.

Komplimente machen

Sagen Sie täglich mindestens einem Menschen etwas Nettes. Andere glücklich zu machen erhöht auch das eigene Glücksempfinden.

Glücks-Tagebuch führen

Notieren Sie jeden Abend drei Dinge oder Ereignisse, über die Sie sich an diesem Tag gefreut haben oder für die Sie dankbar sind. Sie werden feststellen, wie schnell sich dadurch Ihr Blick für die kleinen Glücksmomente im Alltag schärft.

Lernen, positiv zu denken

Positiv zu denken kann man lernen. Dr. Ernst Fritz-Schubert leitet ein Institut für Persönlichkeitsentwicklung in Heidelberg. Er empfi ehlt allen, die gut und glücklich altern wollen, Bewegung. Und zwar körperlich, geistig und emotional. Heißt: runter vom Sofa, raus in die Welt! Menschen treff en, Anregungen suchen, Neues wagen, viel lesen und darüber reden.

Diesem Appell schließt sich die Psychologin Annette Schlipphak aus Berlin-Brandenburg an: „Suchen Sie sich frühzeitig – also am besten vor Beginn des Ruhestands – Beschäftigungen, die Ihnen Spaß machen und dem Dasein über die Arbeit hinaus einen Sinn geben. Nichtstun macht unglücklich. Jeder Mensch braucht etwas, das seinen Tag strukturiert.“ Helmut Bundschuh etwa hat das Saxophon-Spielen für sich entdeckt. „Wenn ich das Instrument in die Hand nehme, entspanne ich enorm.“ Und die Nachbarn? „Ach die, die lerne ich dadurch auch gleich besser kennen“, sagt er und lacht.

Sich gesund lachen kann man leider nicht – aber sich gesünder lachen, das geht schon. Denn Lachen ist nicht nur ein körperlicher Ablauf, an dem rund 300 Muskeln beteiligt sind. Es tut auch dem Körper gut: Die Zellen erhalten deutlich mehr Sauerstoff . Der Stoff wechsel wird umgehend angeregt. Es bilden sich mehr Abwehrstoff e im Blut.

Das Schmerzempfi nden sinkt. Der Körper schüttet vermehrt Glückshormone aus. Die Produktion von Stresshormonen sinkt nachweislich. Rita Kraus und Erna Öttl lachen oft, gern und viel in dem Münchner Wohnprojekt des Vereins „Nachbarschaftlich leben für Frauen im Alter“. Ihre Erwartungen an das Gemeinschaftshaus haben sich durchweg erfüllt: „Mir ging es um den Austausch mit anderen und um gemeinsame Unternehmungen“, sagt Rita Kraus. „Aber auch darum, sich auf andere verlassen zu können.“ Sie sieht die Beziehung zu ihrer Nachbarin Erna Öttl als bereichernd: „Man ist füreinander da – ein schönes Gefühl.“


„Wenn Menschen sich neue Ziele setzen, ist eine Art Selbstheilung möglich


Sven Marx (53) reist trotz Hirntumor mit dem Fahrrad um die Welt („Aber du bist doch behindert“, BoD, 18,99 Euro)


Fotos: Stocksy United/Pixel Stories/Blue Collectors, Getty Images/Nico De Pasquale Photography, Fotostudio JAMMIN, Beate Strobel, Elvira Fulford-Brown, privat (4); Illustrationen: Shutterstock.com