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Die Kunst der Karriere


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Auto Zeitung - epaper ⋅ Ausgabe 17/2022 vom 03.08.2022

Oberklasse-Kombis · Vergleichstest

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Bildquelle: Auto Zeitung, Ausgabe 17/2022

Audi

Connectivity

Wer im Auto telefonieren möchte, sollte dies per Freisprecheinrichtung erledigen, die Audi serienmäßig spendiert.

Dagegen werden für ein Smartphone-Interface zur Anbindung von Mobiltelefonen 275 Euro fällig. Eine induktive Lademöglichkeit gibt es nur in der Phone-Box für 500 Euro. Ein Navigationssystem ist Serie und verfügt über eine Online-Anbindung, mit deren Hilfe aktuellste Verkehrsinformationen ins Auto geliefert werden.

Als Schmankerl bietet Audi auch die Möglichkeit, im A6 Digital-TV zu empfangen. Kostenpunkt: 1350 Euro. Im Vergleich dazu kommt das DVD-Laufwerk, das im Handschuhfach Platz findet, mit 120 Euro deutlich günstiger.

Ob in Bürotürmen oder an der Werkbank, wer Karriere machen möchte, braucht neben Ehrgeiz auch Qualifikation und Talent. Beim Bau von Automobilen ist das kaum anders. Dass Fahrzeuge nur dann erfolgreich sind, wenn sie ...

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... entsprechende Qualitäten mitbringen, zählt zu den Binsenweisheiten des Geschäfts. Ein gutes Beispiel hierfür ist Skoda. Mit bewährter Technik aus dem VW-Konzern und attraktiven Preisen mauserte sich der tschechische Hersteller hierzulande zur erfolgreichsten Importmarke. Und weil große Kombis ob ihres Praxisnutzens gern gekauft werden, hat auch der Superb Combi einen Anteil daran.

Wer sich mit dem böhmischen Frachter näher befasst, stellt fest, dass er bei Abmessungen und Auftritt nicht weit von den Modellen entfernt ist, die in Deutschland in der Oberklasse unterwegs sind, etwa Audi A6 Avant und BMW 5er Touring. Da drängt sich förmlich die Frage auf, ob die sonstigen Qualitäten ebenfalls reichen, um in der Oberklasse mitzuspielen …

Karosserie

Beim Einstieg in den Skoda registrieren die Insassen ein großzügiges Raumangebot. Zwar bietet der Combi etwas weniger Ellbogenfreiheit als seine Konkurrenten, im Fond kann er dafür mit bis zu 47 Zentimeter Kniefreiheit aufwarten. Das ist zweifelsohne Staatskarossen-Maß. Weiter geht es im Gepäckraum, wo Fracht mit maximal 1950 Liter Volumen Platz findet, was bei den BMW- (1700 Liter) und mehr noch bei den Audi-Piloten (1680 Liter) für lange Gesichter sorgt. Beim Blick auf die Anhängelasten entspannen sich die Blicke ebenfalls nicht, denn der Superb Combi darf – gebremst – mit 2,2 Tonnen die größte Anhängelast ziehen.

Die Mienen der Premium-Piloten hellen sich erst bei Betrachtung des Variabilitäts-Angebots auf. Wo die BMW- und Audi-Lenker auf eine serienmäßig dreigeteilte Rücksitzbanklehne blicken, findet der Skoda-Eigner eine solche nur in asymmetrisch geteilt klappbarer Ausführung. Auch stört – und das ist alles andere als superb – eine Stufe im Ladeboden.

Als Einziger des Trios bietet der BMW in seinem Frachtabteil ein Extra-Fach für die Laderaumabdeckung. Auch im sonstigen Umgang zeigt sich der 5er dank iDrive-System ziemlich intuitiv bedienbar. Das funktioniert auf Holperstrecken besser als über die Touchscreens in Audi und Skoda, deren Fahrer unter diesen Bedingungen eine hohe Treffergenauigkeit an den Tag legen müssen, um die einzelnen Bedienfelder richtig zu berühren.

Mit testrelevanten Extras kostet der 5er Touring 70.200 Euro

Schweift der Blick über die Materialien, stellt man fest, dass der Frachter aus Mlada Boleslav routiniert zusammengebaut ist, richtiges Oberklasse-Flair aber eher in Audi und BMW aufkommt, da sie noch hochwertiger wirken. Das gilt auch dort, wo das Auge normalerweise nicht verweilt – im Kof- ferraum zum Beispiel. Hier finden sich in den beiden Bayern qualitativ hochwertige Teppiche, während die Skoda-Kofferraumauskleidung eher wie billiger Filz anmutet. Auch die Sicherheitsausstattung der beiden Bajuwaren fällt – wenngleich auch oftmals kostenpflichtig – umfangreicher aus. Ein Rettungsgassenassistent wie im BMW oder eine Ausstiegswarnung wie im Audi sind beste Beispiele hierfür.

Fahrkomfort

Es wäre böswillig, dem Skoda einen schlechten Komfort zu attestieren. Seine optionalen adaptiven Dämpfer mühen sich meist erfolgreich, dem vernarbten Asphalt seine Schrecken zu nehmen, was auch mit hoher Nutzlast an Bord formidabel funktioniert. Zwar neigt seine Hinterachse im Kom-fort-Modus auf Bodenwellen zum Nachschwingen, und frostgeschädigte Fahrbahndecken regen den Aufbau zu leichtem Zittern an.

BMW

Connectivity

Wie der Audi hält auch der BMW die Möglichkeit vor, Digital-TV zu empfangen – zum Preis von 1200 Euro. Rearseat-Entertainment verlangt nach 2800 zusätzlichen Euro. Für eine Ladeschale zum induktiven Laden des Mobiltelefons lassen die Münchner die Kunden mit 600 Euro noch tiefer in die Tasche greifen als die Ingolstädter. Die Möglichkeit der Smartphone-Integration mit Hilfe von Apple CarPlay oder Android Auto ist dagegen aufpreisfrei. Das gilt ebenso für Remote- und Hotspot-Funktionen.

Insofern liefern die Münchner ein ziemlich komplettes Infotainment- Paket, was für manch anderen Automobil-Hersteller durchaus nachahmenswert wäre.

Skoda

Connectivity

In Sachen Infotainment liefert Skoda den Superb Combi serienmäßig mit der Möglichkeit der Smartphone-Integration und einer Freisprecheinrichtung aus. Teuer wird es, wenn kabellos geladen werden soll.

Induktives Laden gibt es nur als Bestandteil eines üppig geschnürten Ausstattungspakets, wofür im Fall des Business Amundsen mindestens 2140 Euro zu zahlen sind.

Darin enthalten ist dann aber auch das gleichnamige Navigationssystem, das über ein kapazitives Acht-Zoll-Display bedient wird.

Ein Online-Zugang ist dann ebenfalls für drei Jahre inkludiert. Wer einen 9,2-Zoll-Bildschirm möchte, wählt das Paket Business Columbus für 2840 Euro.

Dies beeinträchtigt das Wohlbefinden der Insassen aber nicht nennenswert. Man könnte rundherum zufrieden sein, bis man umsteigt und feststellt, dass es noch besser geht.

Der Audi, wenig komfortfördernd auf 20-Zöllern unterwegs, kann sich das Karosserie-Zittern ebenfalls nicht verkneifen. Es tritt aber in weit weniger starker Ausprägung auf als im Skoda. Zudem spart er sich auf Bodenwellen die Nachschwingbewegungen, die der Tscheche an den Tag legt, und trumpft zudem mit dem besseren Akustikkomfort auf: Abrollgeräu- sche sind hier ebenfalls besser gedämmt als im Superb Combi.

Mit 8,2 Liter Testverbrauch ist der BMW der Sparsamste im Trio

Der Wechsel in den BMW zeigt einmal mehr, dass der aktuelle 5er Touring im Komfort nur schwer zu toppen ist. Ebenfalls bestückt mit adaptiven Dämpfern und einer serienmäßigen Luftfederung an der Hinterachse, ist er förmlich auf Samtpfoten unterwegs ans Ziel.

Dies ist insbesondere auf kariösem Asphalt spürbar, wo er Fahrbahnschäden größtenteils sehr feinfühlig herausfiltert.

Einen großen Anteil am Komforteindruck haben natürlich auch die Sitze. BMWs Komfort-Fauteuils lassen sich elektrisch dank einstellbarer Seitenwangen an fast jede Statur anpassen. Ebenfalls wie maßgeschneidert sind die Sportsitze im Skoda, zumindest für europäischen Normalstaturen.

Hier sind die Seitenwangen recht straff gepolstert. Ganz anders im Audi: Dessen Sportsitze werden von dem ein oder anderen Normal-Statuierten als etwas zu breit empfunden. Ergonomisch punktet der Ingolstädter mit einem praxisgerechten Ablagenangebot, der BMW obendrein mit einer separat zu öffnenden Heckscheibe. Im Skoda dagegen ist der Kofferraumboden tiefer als die Ladekante, was Rückengeschädigte nicht erfreuen dürfte, und Tacho- sowie Drehzahlmesser seines Digital-Cockpits hätten ruhig etwas größer ausfallen dürfen.

Motor / Getriebe

Wo früher sechs Zylinder standesgemäß ihren Dienst verrichteten, müssen für moderne Oberklasse-Kombis in der mittleren Leistungsliga inzwischen vier genügen. Alle Testwagen einen der Hubraum von 2,0 Litern und die Turboaufladung. Die Leistungsspanne reicht von 252 PS im BMW über 265 im Audi bis hin zu 280 PS im Skoda. Die beiden Letztgenannten besitzen einen in Grundzügen identischen Motor.

Um es vorwegzunehmen: Man fühlt sich mit den Aggregaten alles andere als untermotorisiert.

Und auch der imaginäre Vorwurf, nicht standesgemäß motorisiert zu sein, verhallt bei der Beschäftigung mit Themen wie Leistungsentfaltung und Fahrleistungen mehr oder weniger im Nichts.

Insbesondere der Superb Combi sticht hier heraus. Er beschleunigt im Test mit 5,3 Sekunden von null auf 100 km/h nicht nur schneller, als Skoda angibt (5,5 Sekunden), sondern nimmt der Konkurrenz bis 200 km/h bis zu 6,8 Sekunden ab. Dies dürfte einerseits auf seinen Gewichts- (Leergewicht 1649 kg) und Leistungsvorsprung zurückzuführen sein, andererseits nährt die Art der Leistungsentfaltung oberhalb der Richtgeschwindigkeit den Eindruck, dass wir für den Test wohl ein besonders gut laufendes Exemplar erwischt haben. Wie bei seinen Konkurrenten ist die Höchstgeschwindigkeit bei 250 km/h abgeriegelt.

In puncto Verbrauch zeigen die Kandidaten, was im modernen Motorenbau möglich ist. Werte im Achtliter-Bereich sind für die bis über 1,8 Tonnen schweren Kombis (Audi und BMW) in dieser Leis- tungsklasse beachtlich. Nicht verschwiegen werden sollte, dass Volllast-Etappen auch schon mal zu zweistelligen Verbrauchswerten führen können.

Das maximale Kofferraumvolumen des Audi beträgt nur 1680 Liter

Sportlich: In nur 5,3 Sekunden stürmt der Skoda druckvoll auf 100 km/h

Bei der Kraftübertragung setzen Audi und Skoda auf ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, während BMW die bekanntermaßen bewährte Achtstufen-Automatik von ZF verwendet, die sich in diesem Vergleichstest abermals als besonders aufmerksam und weich schaltend entpuppt. Damit setzt sie in Sachen Transmission die Benchmark.

Fahrdynamik

Dass der Skoda bis zu 178 Kilogramm weniger wiegt als seine Konkurrenten, merkt man ihm schon in den ersten Kurven an.

Seine feinfühlige und direkt ansprechende Progressiv-Lenkung (Option) lässt ihn knackig Lenkbefehlen folgen sowie enge Radien mit beachtlicher Neutralität durcheilen – und das, obwohl er die von allen drei Kombis scheinbar ungünstigste Gewichtsverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse (57:43 Prozent) aufweist.

In vertrackt asphaltiertem Winkelwerk wirkt der Audi – wie der BMW mit Allradlenkung bestückt – dennoch etwas schwerfälliger. Er muss sich zugegebenermaßen aber auch mit 40 kg mehr auf der Vorderachse herumschlagen.

Da blickt das Test-Team gespannt auf die Ergebnisse, die der 5er Touring auf den Asphalt bringt, der wie die Konkurrenten als Allradvariante zum Test rollt. Und siehe da, der Oberklasse-Kombi aus München macht seinem Namen als agiler Luxus-Transporter erneut alle Ehre. Dank bester Gewichtsverteilung (49,3:50,7 Prozent) und der niedrigsten Vorderachslast im Test (896 Kilogramm) folgt er am spontansten den Richtungswünschen des Fahrers – frei von jeglicher Nervosität, dafür aber mit recht ausgeprägter Seitenneigung. Seine Lenkung ist allerdings recht komfortorientiert ausgelegt und dürfte bei größeren Lenkwinkeln etwas mehr Fahrbahnkontakt in der Fahrerhand spüren lassen. Demgegenüber verlangt die Audi-Lenkung etwas höhere Haltekräfte, was sich angenehmer anfühlt. Gleichzeitig weist sie aber ein recht intransparentes Ansprechverhalten aus der Mittellage auf.

Wie es sich für modern konstruierte Familienkombis gehört, sind deren Insassen vor böswilligen fahrdynamischen Überraschungen hier wie dort sicher. Der muntere BMW lässt sich je nach Lenkwinkel und Gaspedalstellung bei testweise deaktiviertem DSC (ESP) zu gut kontrollierbarem Übersteuern und zu Lastwechselreaktionen überreden. Letztere sind bei den Konkurrenten weniger stark ausgeprägt. Dafür tendieren Audi und Skoda an der Haftgrenze dazu, den vorgegebenen Radius über die Vorderräder zu verlassen.

Bei der Bremsprüfung schneidet der Audi übrigens mit Werten von je knapp über 34 Metern für den Stopp aus 100 km/h am besten ab.

Umwelt / Kosten

Nicht in der Premium-Liga angesiedelt zu sein, hat auch sein Gutes, erkennbar beispielsweise am Preisschild. So geht der Skoda Superb Combi in diesem Vergleich nahezu als Dumping-Angebot durch. Bestückt mit den testrelevanten Extras ist er bis zu rund 15.000 Euro günstiger als seine Konkurrenten. Dass das nicht ohne Folgen für den Wertverlust bleibt, versteht sich von selbst.

Hier liegt der Tscheche nicht nur prozentual, sondern auch nominal vorn. Im Klartext heißt das: Er verliert in vier Jahren bzw. über 80.000 km laut Deutscher Automobil Treuhand (DAT) bis zu rund 9000 Euro weniger als Audi und BMW. Auch seine Typklassen der Versicherung sind im Vergleich die niedrigsten. Interessanterweise fallen die Werkstattkosten des 5er Touring mit 629 Euro pro Jahr für Wartung und übliche Verschleißteile laut ADAC etwas geringer aus als die seiner Konkurrenten. Auch bei den Kraftstoffkosten liegt er vorn.

Im Ergebnis ändert das aber nichts daran, dass der Münchner – übrigens punktgleich mit dem Ingolstädter in der Umwelt/Kostenwertung – deutlich hinter dem Skoda landet.

FAZIT

Elmar Siepen

Der minimale Punkteabstand zum Testsieger BMW 530i xDrive Touring zeigt, dass der Skoda Superb Combi 2.0 TSI 4x4 durchaus in der Oberklasse mitmischen kann. Zu seinen Stärken zählen die große Transportkapazität, der starke Motor, das respektable Handling und die vergleichsweise sehr günstige Kostenbilanz. Dennoch gewinnt der BMW mit dem sparsamsten Motor, der tollen Qualität und ebensolchem Fahrkomfort.

Der Audi A6 Avant 45 TFSI quattro auf Rang drei hinterlässt einen sehr ausgewogenen Eindruck. Solide bis in die letzte Schraube und mit den kürzesten Bremswegen empfiehlt er sich als komfortables sowie praxistaugliches Langstreckenauto. Allerdings ist er, wie sein bayerischer Konkurrent, recht teuer.