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Die letzte Reise


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blickpunkt musical - epaper ⋅ Ausgabe 3/2018 vom 24.05.2018

»Bô, Le Voyage Musical« uraufgeführt im Pariser Théâtre Le 13ème Art


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Bildquelle: blickpunkt musical, Ausgabe 3/2018

1. Das Ensemble ist am Ende seiner Reise angekommen. Catherine Lara (Mitte) begleitet sie musikalisch


2. Brahem Aïache tanzt auf Krücken, links Catherine Lara


Catherine Lara kam 1945 als Catherine Bodet zur Welt. Im Alter von fünf Jahren begann sie mit dem Geigenspiel. Sie studierte an den Konservatorien von Versailles und Paris, wo sie ihre Ausbildung 1966 mit der Auszeichnung eines ersten Preises abschloss. Sie gründete ein Kammerorchester und begleitete zudem Showgrößen wie Claude Nougaro, Nana Mouskouri, Maxime Le Forestier oder ...

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... Françoise Hardy. Lara komponierte 1972 zwei Songs für die Sängerin Barbara und konnte selbst mit dem Lied ›T’as pas le temps/Du hast keine Zeit‹ einen kleinen Erfolg feiern. In der Folge schrieb sie unter anderem die Musik zum Film »Docteur Françoise Gailland« sowie das Musical »Sand et les Romantiques « (über die Schriftstellerin George Sand), das 1992 im Théâtre du Châtelet uraufgeführt wurde. Ihr zweites Musical »Graal« erschien 2004 nur auf CD.

In Zusammenarbeit mit Cyrille Lehn und Eric Mouquet komponierte sie die Tanzshow »Bô, Le Voyage Musical«. Giuliano Peparini (»1789 – Les amants de la bastille«, »La Légende du Roi Arthur«) führte Regie und erschuf die Tanzeinlagen. Die Show wurde im neuen Theater Le 13ème Art in Paris uraufgeführt, früher ein Kino mit dem Namen »Grand Ecran Italie«, mit der größten Kinoleinwand Europas. Das Theater wurde im September 2017 eröffnet und verfügt über einen Saal mit 900 Sitzplätzen und einen mit 130 Plätzen.

Im Vorfeld war lediglich bekannt, dass die Show die Geschichte von Menschen erzählt, die auf der Suche nach den Schönheiten im Leben sind, und somit »Bô« eine andere Schreibweise für »beau/schön« wäre. Doch dieses Resümee ist komplett irreführend, denn nach ein paar Tanzszenen ist erkennbar, dass diese Menschen nicht das Schöne suchen, sondern mit dem Tod konfrontiert werden.

Ein Mann (Sinan Bertrand), der zuvor durchs Theater spazierte, erweist sich als Erzähler. Die Komponistin selbst steht auf der Bühne, spielt ihre Kompositionen und wird dabei von Charlotte Gauthier und Benjamin Pras am Piano begleitet. Riesige Holzkästen stehen herum und öffnen sich. Sie dienen dem Ensemble – Brahem Aïache, Gabriele Beddoni, Louis Boniface, Nils Handtschoenercker, Jocelyn Laurent, Grégoire Malandain, Olivier Mathieu, Aurore Mettray, Adrien Ouaki, Théo Legros-Lefeuvre, Bboy Taz und Catherine Lara – als Unterschlupf. Eine Frau sitzt an einem Tisch, während Heiligenbilder an die Wände der Kisten projiziert werden. Ein Junge wird von vier Maskierten verprügelt. An dieser Stelle ist die Choreographie von Peparini extrem kampfbetont, fast brutal.

In einer nächsten Szene tanzt Brahem Aïache auf Krücken in einer Soldatenuniform. Aïache verlor bei einem Unfall ein Bein. Durch Schwimmen und den Hip-Hop wurde er ein ausgezeichneter Tänzer. Er setzt seine Krücken wie ein zusätzliches Paar Beine ein, was sehr spektakulär wirkt.

Zwei Brüder müssen in den Krieg ziehen. Der Vater darf sich jedoch für einen seiner Söhne entscheiden. Der ältere Sohn sperrt seinen Bruder kurzerhand ein und nimmt dem Vater die Entscheidung ab.

Ein Schiff sticht in See und gerät in einen Sturm. Hier zieht Théo Legros-Lefeuvre eine akrobatische Nummer an einem Segelmast ab, und in der nächsten Szene tanzt er auf einem Seil.

Zwei Homosexuelle streiten miteinander, ebenso auch ein Mann und eine Frau. Auch hier wirken die Choreographien extrem hart.

Am Ende sind sieben Männer und eine Frau mit Koffern in der Hand am Ende ihrer Reise angelangt und bewegen sich in Richtung eines grellen Lichts.

Immer wieder zeichnet sich der Tod am Ende der Tanzeinlagen ab, die – typisch für Peparini – Elemente aus Kampftechniken sowie akrobatische Figuren enthalten. Was ins Auge sticht, ist die Aggressivität der einzelnen Tänze, die immer wieder von Videoprojektionen begleitet werden. So dienen die Holzkästen als Leinwand, auf die unter anderem Bilder von Bäumen, mathematischen Formeln, Meereswellen oder die Texte, die der Erzähler vorträgt, projiziert werden.

Die Kompositionen von Catherine Lara klingen gut, ähneln sich aber oft. Einige Titel, wie ›Almach‹ und ›Nodus‹, sind orientalisch angehaucht oder beinhalten, wie zum Beispiel ›Sélène‹, Elemente aus der italienischen Volksmusik. Auch passen sich die Titel selten der Dynamik der Tanzeinlagen an. Zudem fehlt ganz klar ein roter Faden, der die Geschichten verbindet.

Sinan Bertrand als Erzähler



Fotos (3): Eric Bongrand