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Die letzten eheimnisse der Dinosaurier


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HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 10/2022 vom 04.03.2022

Wie wurden Dinos so riesig?

Artikelbild für den Artikel "Die letzten eheimnisse der Dinosaurier" aus der Ausgabe 10/2022 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 10/2022

SOLIST Raubsaurier wie der Tyrannosaurus Rex waren Einzelgänger. Im Rudel traten sie nur bei der Jagd auf

Kaum ein Urzeitwesen fasziniert uns so sehr wie der Dinosaurier. Immer wieder entreißen Wissenschaftler Jahrmillionen alten Knochen-, Pflanzen-und Sedimentfunden neue Informationen über die ausgestorbenen Giganten. Etwa jene: Sie trugen Federn! Daraus ergibt sich ein Bild der Riesenechsen, das jede Fantasyvision oder Holly wood-Version toppt.

„Die Belege für die Befiederung haben das Bild von Sauriern revolutioniert“, erklärt Dr. Joschua Knüppe im Gespräch mit HÖRZU. Der Münsteraner kennt sich aus, zählt er doch aktuell zu den renommiertesten Paleo-Artists, wie die Arte-Doku „Dinojäger: Auf der Spur der Urzeitgiganten“ zeigt (siehe TV-Tipp Seite 21). Knüppe gibt den wissenschaftlichen Erkenntnissen von Paläontologen Gestalt und arbeitet unter anderem mit Dr. Daniela Schwarz vom Museum für Naturkunde in Berlin zusammen. „Borsten und andere Hautanhängsel hat man auch schon ...

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... bei Sauropoden gefunden, pf lanzenfressenden Dinosauriern“, erklärt sie. „Aus den Hautschuppen entwickelten sich schließlich Federn, die zu Beginn dieser Entwicklung die Haut eher wie ein Flaum bedeckten. Ähnlich dem Federkleid von jungem Gef lügel“, so die Paläontologin zu HÖRZU. Bei kleineren Sauriern habe der Flaum vor allem der Wärmeisolation gedient, so wie heute bei Säugetieren das Fell. „Damit vergrößerte sich das Verbreitungsgebiet der Tiere und machte sie für Temperaturphänomene unempfindlicher“, folgert Dr. Schwarz. „Wir gehen davon aus, dass es Dinosaurier auf den Landmassen der ganzen Welt gab“, fügt die Forscherin hinzu. Zu Beginn der Zeit der Dinosaurier bildeten alle heutigen Erdteile nämlich noch eine große zusammenhängende Landf läche: den sogenannten Urkontinent Pangäa.

Die Belege für die Befiederung haben das Bild von Sauriern revolutioniert.“

Joschua Knüppe, Paleo-Artist

Mit Daunenschutz am Südpol

„Funde in der Antarktis belegen, dass sie auch die Polkappen besiedelten, die damals noch nicht vereist waren“, weiß Dr. Daniela Schwarz. „Verlässlich lassen sich Federn den Coelurosauriern zuordnen, einer großen Gruppe der Raubsaurier, zu denen auch der Tyrannosaurus Rex zählt. Bei ihm kann man allerdings davon ausgehen, dass er nicht kontinuierlich mit Federn bedeckt war, da so große Tiere eher Wärme abgeben mussten, statt sie zu halten.“ Seine Befiederung auf Nacken und Rücken habe wohl eher Signalwirkung gehabt und sollte wahrscheinlich Rivalen abschrecken und Weibchen beeindrucken. „Die Weiterentwicklung der Befiederung führte zur Ausbildung von Deckfedern an Schwanz und Armen respektive Schwingen, die Signalwirkung hatten oder zum Paarungstanz eingesetzt wurden“, so Dr. Schwarz weiter. „Dementsprechend sind Coelurosaurier, zu denen auch der T-Rex und der Velociraptor zählen, mit heutigen Vögeln auch am engsten verwandt.“ (Grafik Seite 21.) Künstler Joschua Knüppe ergänzt: „Der Velociraptor mit seinem langen, schmalen Kopf und schnabelähnlichen Kiefer hatte bereits Schwungfedern und Flügel, das belegen Funde in China.“ Prof. Oliver Rauhut von der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie erläutert in der Arte-Doku weiter: Auch wenn er damit nicht f liegen konnte, „benutzte er seine Arme mit den Konturfedern wie heutige flugunfähige Vögel, um beim schnellen Rennen Richtungswechsel zu erleichtern oder die Balance zu halten. Das kann letztlich auch zu einem kurzen Aufflattern geführt haben und über dieses Zwischenstadium zum Flug.“

Einen Mechanismus wie das Luftsacksystem findet man auch bei heutigen Vögeln.“

Daniela Schwarz, Paläontologin im Museum für Naturkunde in Berlin

Jedes Jahr 500 Kilo mehr

Nicht nur die Entdeckung ihres Federkleids ist revolutionär. Auch das Geheimnis um den Riesenwuchs der Giganten beginnt sich zu lüften: „Bohrungen in den Knochen weisen zum einen darauf hin, dass ihr Stoffwechsel sowohl Ähnlichkeiten mit dem von Reptilien, aber auch mit jenem von Vögeln und Säugetieren hat“, verrät Schwarz. „Dinosaurier wuchsen in jungen Jahren sehr schnell, im Alter dann aber nur noch deutlich verlangsamt.“ Wie heute etwa Krokodile wuchsen sie dennoch ein Leben lang, weshalb die ältesten immer die größten waren. „Beim Schlupf aus den Eiern hatten selbst die Nachkommen eines 26 Meter langen Giraffatitans, dessen Eier etwa so groß wie ein Handball waren, vielleicht die Größe eines Chihuahuas“, enthüllt Schwarz. „Die Jungtiere von Raubsauriern wie dem T-Rex waren noch kleiner. Bei einer Gewichtszunahme von etwa 500 Kilogramm pro Jahr wuchsen Saurier aber schnell zu den Riesen heran, wie wir sie kennen, bis sich mit der Geschlechtsreife das Wachstum dann stark einbremste.“ Ein Prozess, der je nach Art schon mit sechs oder aber erst mit 18 Jahren einsetzte. Der als frühreif geltende T-Rex hatte es dann bei täglicher Gewichtszunahme von knapp zwei Kilogramm auf ein Gewicht von fünf Tonnen gebracht.

Knochen wie Schweizer Käse

„Über Sauropoden weiß man heute, dass sie bei Weitem nicht so plump waren, wie man sie früher dargestellt hat“, klärt Daniela Schwarz über die Pflanzenfresser auf. Ein Wissen, das die Paläontologin mit dem Einsatz moderner Technologien wie der Computertomografie erlangt hat. „Ohne das Material zu zerstören, entdeckte ich in meiner Forschung dabei Aushöhlungen in den Wirbelknochen: Tatsächlich werden die von außen sehr massiv wirkenden Knochen wie Fachwerkhäuser nur durch tragende Wände stabilisiert, weshalb sie im Computertomografen durchlöchert wie ein Schweizer Käse aussehen.“ Verursacht werden diese Hohlräume „von einem Luftsacksystem, dessen Membranen sich in die Knochen fressen und sie aushöhlen“, erklärt Schwarz. „Dieses Luftsacksystem entdeckte man auch bei Flugsauriern, und einen ganz ähnlichen Mechanismus findet man ebenso heute bei Vögeln.“ Die großen Sauropoden konnten auf diese Weise ihr Gewicht stark vermindern, was gerade bei ihren langen Hälsen wichtig war, deren Gewicht sich so um ein Drittel reduzierte. „Da sich diese Luftsäcke mit blasebalgartigen Gebilden auch in den Rumpf ausdehnen, mussten wir ursprüngliche Gewichtsannahmen neu berechnen“, gibt Schwarz zu. „Während wir zuvor davon ausgingen, dass der Giraffatitan hier im Museum für Naturkunde in Berlin 80 Tonnen Lebendgewicht auf die Waage brachte, müssen wir heute davon ausgehen, dass es ,nur‘ 25 bis 38 Tonnen waren.“

Die Erben der SAURIER

Raubsaurier sahen den heutigen Hühnern sehr ähnlich

Immer wieder reist die Berlinerin zum Fundort des Giraffatitan: nach Tansania. Zuletzt war sie im Herbst 2021 dort im Tendaguru-Gebiet, wo ein richtiger Dinosaurier-Hotspot liegt. Seit 1909 graben deutsche Forscher hier erfolgreich nach Relikten der Urzeitriesen. Zu Beginn stand Tansania als Kolonie Deutsch-Ostafrika noch unter der Herrschaft des Kaiserreichs: Was die Kolonialherren damals entdeckten, verschifften sie umgehend in die ferne Heimat, wo ihre Funde heute im Museum für Naturkunde in Berlin zu bestaunen sind. „Ein Verhaltensmuster der Kolonialzeit, das heute nicht mehr gilt“, betont Dr. Daniela Schwarz. „Wir arbeiten im Tendaguru in Kooperationen mit den Kolleginnen und Kollegen in Tansania und nehmen Funde selbstverständlich nicht mehr einfach mit.“

SABINE KREMPL