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Die Liebe wartet nebenan


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Das goldene Blatt - epaper ⋅ Ausgabe 17/2022 vom 23.04.2022

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Mit einem Lächeln nickte Tanja dem Portier zu, als sie die kleine Hotelhalle durchquerte. „Na, soll es heute Nachmittag gleich ans Wasser gehen?“, fragte er mit Blick auf ihre riesige Strandtasche. „Genau das habe ich vor!“ „Es ist aber noch ein bisschen frisch“, gab er fürsorglich zu bedenken. „Unser Kalifornien hier an der Ostsee ist eben nicht das große warme Kalifornien an der amerikanischen Pazifikküste. Wir sind nur ein kleiner Ferienort.“

„Ach, das bisschen Seewind macht mir gar nichts aus. Ich habe ja eine Decke mit. Damit dürfte es auch hier im Strandkorb schon mollig warm sein“, meinte Tanja unbekümmert und trat ins Freie.

Schon während sie die Treppe zum Deich hochstieg, atmete sie in tiefen Zügen die würzige Seeluft ein. War das nicht herrlich?

Klar und deutlich war von hier aus der Leuchtturm der Kieler Bucht zu erkennen. Und drei ...

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... Containerschiffe, die aus dem Nord- Ostsee-Kanal gekommen waren, reihten sich wie Perlen auf einer Schnur am Horizont auf. Wohin sie wohl fuhren? Nach Dänemark? Ins Baltikum? Nach Norwegen? Tanja lächelte vergnügt und ließ ihrer Fantasie freien Lauf. Das tat gut.

Der Winter war hart gewesen: die Sorge um ihre sonst so energische Mutter, die sich mehr schlecht als recht von ihrem komplizierten Beinbruch erholte. Ihr Chef, der dauernd herumnörgelte, weil er zu Hause Stress hatte. Und da war natürlich auch noch Benjamin.

Tanja lenkte ihre Schritte in Richtung des fast leeren Strandes.

Benjamin Saber. Ein Mann, um den sie von vielen Frauen zweifellos beneidet wurde. Er sah fabelhaft aus mit seinen edlen Gesichtszügen, die seine Männlichkeit unterstrichen. Er war hochintelligent, erfolgreich und strebsam.

Seine Karriere ging ihm über alles, würde es eigentlich besser treffen, gestand sich Tanja ein.

Und dann hatte er ihr eines Morgens unvermutet einen Heiratsantrag gemacht. Einfach so nebenbei. Ohne Kniefall, ohne Rosen. Zwischen Frühstücksei und Kaffee.

Tanja war so baff gewesen, dass sie sich Bedenkzeit erbeten hatte. So ein bedeutsamer Schritt sollte reiflich überlegt werden, fand sie.

Natürlich hatte sich Benjamin verletzt gefühlt. Wahrscheinlich war er davon ausgegangen, dass sie seinen Antrag mit leuchtenden Augen annehmen würde. Doch etwas hatte sie zurückgehalten.

Was das genau war, fragte sich Tanja nicht zum ersten Mal, während sie am Strand entlangstapfte und dabei die aufsteigenden Nummern der Strandkörbe registrierte. Ihrer musste noch ein Stück weiter hinten stehen, Richtung Brasilien, wo noch weniger los war.

Das machte nichts. Zumindest in der ersten Woche ihrer Auszeit würde sie nur Möwen und Wellen beobachten. Oder vielleicht Schiffe am Horizont zählen – das war doch eine ausfüllende Aufgabe.

Dort stand er ja, der Korb Nummer 769 mit der ihr zugewandten Rückseite. Sie umrundete das gute Stück – und blieb verwundert stehen. Der Strandkorb war besetzt.

„Oh Besuch … hallo“, begrüßte sie der Fremde. Er hatte es sich bequem gemacht. Auf dem Klappbrett an der inneren Seitenlehne stand ein dampfender Kaffeebecher, und auf seinen mit einer Decke bedeckten Knien lag ein Buch. „Kann ich etwas für Sie tun?“

„Ist das nicht der Strandkorb Nummer 769?“, fragte Tanja verwirrt, obwohl die Zahl nicht nur hinten, sondern auch fett auf der Seite des Korbgeflechts prangte.

„Keine Ahnung, ich hab’s nicht so mit Zahlen“, erwiderte ihr Gegenüber so desinteressiert, als sei diese Frage wirklich die allerletzte, die ein vernünftiger Mensch stellen konnte. Was Tanja enorm reizte.

„Kaffee gefällig?“, fragte der Typ ohne schlechtes Gewissen

„Doch!“, sagte sie daher schärfer als beabsichtigt, „769, hier steht’s.“

Er beäugte sie mit einem amüsierten Lächeln. „Na, wenn Sie es sagen … Ich kann Ihnen einen Kaffee anbieten, bevor wir diese Frage endgültig klären. Mit Milch oder Zucker? Ich habe beides da.“

„Nein, danke“, knurrte Tanja. „Aber das ist mein Strandkorb.“

„Ihr Strandkorb?“, wiederholte er spöttisch. „Oha, ich wusste gar nicht, dass die Dinger Privatpersonen gehören. Die Dame bei der Kurverwaltung hat mir nichts über die Eigentumsverhältnisse hier in Kalifornien verraten. Ist das vielleicht der amerikanische Einfluss?

Tanja verdrehte die Augen. Stellte sich dieser Mann absichtlich so dumm? „So ein Quatsch. Ich habe ihn für zwei Wochen gemietet. Und Sie haben ihn offenbar aufgebrochen, um sich hineinzusetzen.“ Sie wies auf das im Sand liegende Sperrgitter. „Ich werde das bei der Kurverwaltung melden müssen.“

Seine Miene wurde jetzt schlagartig ernst. „Nun mal langsam. Ich habe überhaupt nichts aufgebrochen. Der Strandkorb war offen und frei zugänglich, und daraufhin habe ich mich hineingesetzt.“

„Ach ja?“, pampte Tanja ihn an. Mit einer Armbewegung umschloss sie die gesamte Umgebung. „Alle Strandkörbe sind mit einem Gitter blockiert, nur bei diesem lag es praktischerweise schon daneben?“

„Noch einmal: Er war weder verrammelt noch verriegelt, als ich heute Morgen an den Strand kam“, beharrte der Fremde störrisch. Seine Miene hatte sich noch weiter verfinstert. Mit einem Ruck schlug er die Decke zurück und erhob sich. „Aber bitte, wenn das ihr Besitz, pardon, gemietetes Eigentum ist, dann werde ich natürlich sofort den Platz räumen und ins benachbarte Brasilien auswandern.“

„Ich möchte darum bitten“, sagte Tanja hoheitsvoll, während der Strandkorbbesetzer wortlos seine Sachen zusammenraffte.

„So. Zufrieden?“, fragte er, als er neben dem nun leeren Korb stand. Plötzlich kam Tanja sich ein bisschen lächerlich vor, doch seine nächsten Worte machten ihren Anflug von Milde gleich wieder zunichte: „Oder soll ich vielleicht noch rasch durchputzen, damit alles seine Ordnung hat?“ Er funkelte sie herausfordernd an.

„Sie brauchen gar nicht sarkastisch zu werden“, meinte Tanja. „Ich habe dafür bezahlt und kann nicht einfach auf einen anderen Korb ausweichen, weil mein Schlüssel nur in dieses Schloss passt. Sonst würde ich es tun.“

„Wie überaus großzügig von Ihnen“, ätzte der Fremde.

„Tja, das ist eben meine Art“, schnappte Tanja verärgert zurück.

Er begann schweigend mit den Riemen seines Rucksacks zu kämpfen, um ihn sich auf den Rücken zu schnallen. „Aber etwas netter hätten Sie es schon formulieren können, oder?“, grummelte er nach einer Weile. „Ich habe schließlich keinen Mord begangen, sondern mich lediglich in einen freien Strandkorb gesetzt. Das ist kein Kapitalverbrechen.“ Er nickte ihr zu. „Einen schönen Urlaub wünsche ich. Auf Wiedersehen.“

„Besser nicht“, murmelte Tanja leise seinem Rücken hinterher.

Doch irgendwie hatte ihr dieser unangenehme Zwischenfall gründlich die Laune verdorben. Missmutig beobachtete sie die riesige Fähre nach Oslo, deren Kurs sich mit der aus Litauen kommenden kurz vor der Einfahrt in die Kieler Bucht kreuzte. Eigentlich mochte sie den Anblick von Schiffen, aber heute sah sie nur Transportmittel für Waren, Autos und Menschen. Schließlich gab sie auf und marschierte zurück zum Hotel.

Am nächsten Morgen strahlte die Sonne von einem so blitzblauen Himmel, dass Tanja spontan beschloss, es erneut mit einem Strandkorbtag zu versuchen und die geplante Fahrradtour durch die Salzwiesen nach Schönberg auf den nächsten Tag zu verschieben. Die Kurverwaltung konnte sie auch von dort aus anrufen, um ihr mitzuteilen, dass ein Unbekannter das Schloss des Gitters geknackt hatte.

Als sie an ihrem Strandkorb ankam, sah es fast genauso aus wie am gestrigen Tag, nur dass der Fremde im Nachbarstrandkorb saß und nicht in ihrem. Seine Beine waren wieder in eine Decke gehüllt, und auch die dampfende Tasse Kaffee auf dem Tischchen fehlte nicht. Nur das Buch befand sich heute direkt vor seiner Nase.

„Gute Sicht? So ein Blödsinn!“, entfuhr es Tanja verärgert

Verblüfft schaute Tanja zu ihm hinüber. Ihr Nachbar unterbrach seine Lektüre. „Alles ordnungsgemäß bezahlt und angemietet“, verkündete er und schwenkte dabei einen Strandkorbschlüssel.

„Guten Morgen“, grüßte Tanja automatisch. Mit allem hatte sie gerechnet, aber doch nicht damit, dass dieser freche Mensch sich ausgerechnet in ihrem Nachbarstrandkorb einnisten würde! „Was machen Sie denn hier?“

Er schüttelte leicht den Kopf. „Sehen Sie das nicht? Ich sitze in meinem Strandkorb und genieße die kalifornische Ruhe, die See und das Rauschen der Wellen.“

„Aber hätten Sie denn nicht …“ Tanja brach ab und biss sich auf die Lippe. Es wäre wirklich ziemlich unhöflich, diesen Fremden zu fragen, ob er nicht eine andere Nummer hätte nehmen können, sodass man sich nicht zwangsläufig jeden Tag begegnen musste.

„Oh, die Lage gefiel mir am besten“, behauptete er todernst. „Von diesem Strandkorb aus ist die Sicht aufs Wasser nicht verbaut und …“

„Blödsinn“, entfuhr es Tanja, während sie mit einer schwungvollen Armbewegung auf die anderen Strandkörbe ringsherum deutete, die alle exakt im gleichen Winkel zum Meer aufgestellt waren.

Er hob abwehrend die Hände. „Okay, okay, Sie haben recht. Ich hatte keine Ahnung, dass unser Freiluftmobiliar so dicht nebeneinander steht. Wie gesagt, ich bin kein Zahlenmensch. Zufrieden?“

„Hm“, machte Tanja zweifelnd. „Hören Sie, wir können uns ja einfach ignorieren. Ganz so, als wären wir Luft füreinander.“

„Luft füreinander?“, echote Tanja. „Na, ich weiß nicht …“

„Doch, das ist eine ausgezeichnete Idee, finde ich. Als zivilisierte und höfliche Menschen grüßen wir einander, und ansonsten tun wir so, als wäre der andere gar nicht da.“ Sprach’s und widmete sich wieder intensiv seiner Lektüre.

Misstrauisch starrte Tanja zu diesem merkwürdigen Menschen hinüber. Machte er sich etwa über sie lustig? Er war nicht viel älter als sie. Und die ausgeprägten Lachfältchen um seine Augen herum verrieten ihr, dass er offenbar eine gehörige Portion Humor besaß.

Sowas hat Benjamin nicht, dachte sie. Der gehörte eher zu der ernsthaften Sorte Mensch, die kaum mal lachte, und schon gar nicht über sich selbst. Dafür war dieser Fremde allerdings lange nicht so attraktiv wie Benjamin, sondern eher … ach was, er ging sie natürlich überhaupt nichts an!

Jetzt hob er jedoch erneut den Kopf. „Wollen Sie noch etwas bemerken?“, fragte er höflich.

„Äh … nein.“

„Na, dann ist es ja gut. Wir sehen uns also morgen wieder hier.“

Er hatte gerade wieder seine Nase ins Buch gesteckt, als Tanjas Smartphone klingelte. Ihr Strandkorbnachbar musterte sie mit zusammengekniffenen Augen. „Sie wollen doch hoffentlich jetzt nicht den ganzen Tag über telefonieren, oder?“, fragte er drohend.

„Bestimmt nicht!“, versetzte Tanja würdevoll. „Ich schalte das Ding gleich aus.“ Sie schielte aufs Display. „Verzeihung“, sagte sie dann hastig zu dem Fremden, „aber es ist wirklich wichtig.“

„Liebes, ich bin’s“, drang Mamas Stimme an ihr Ohr. „Keine Sorge, es ist alles in Ordnung mit Papa und mir – es geht um Benjamin. Er war gestern Abend bei uns und hat … tja, wie soll ich es sagen?“ Mama klang ratlos. „Also, er hat quasi in aller Form bei uns um deine Hand angehalten!“

„Was hat er?“, ächzte Tanja fassungslos und richtete sich kerzengerade auf. Wie betäubt schaltete sie wenig später das Handy aus und ließ sich zurücksinken. Was versprach sich Benjamin denn bloß von so einer seltsamen Aktion?

„Schlechte Nachrichten?“, erkundigte sich ihr Nachbar nach einer Weile mitfühlend. Er hatte sein Buch endgültig beiseitegelegt.

Spontan offenbart Tanja dem Fremden ihre Probleme …

„Wie man es nimmt“, entgegnete Tanja immer noch verwirrt. „Also, er will mich auf einmal heiraten! Und er drängelt! Aber ich weiß nicht, weshalb er das tut.“

„Dann fragen Sie ihn“, schlug ihr Gegenüber vor, als sei es das Selbstverständlichste von der Welt.

Tanja schaute verdutzt zu ihm herüber. „Einfach so?“

Der Fremde nickte heftig. „Natürlich. Sonst sitzen Sie in zwei Wochen immer noch hier und grübeln über diese Sache nach. Da ist eine einfache Frage der bessere Weg. Oder haben Sie etwa Angst, dass Sie eine Antwort bekommen, die Ihnen nicht behagt?“

„Nein“, versicherte Tanja sofort. „Na, dann los“, forderte er sie auf, wickelte sich aus seiner Decke und erhob sich. „Ich sprinte mal kurz rüber zum Eissalon, damit Sie in Ruhe mit ihm sprechen können und keinen Mithörer haben. Soll ich Ihnen was mitbringen?“

„Danke, ich möchte nichts, aber das ist sehr nett von Ihnen.“

Jetzt grinste er und wirkte plötzlich wie ein großer Junge. „Ja, so bin ich. Ein durch und durch netter Typ.“ Seine Miene wurde wieder ernst. „Viel Glück“, sagte er leise, bevor er sich zum Gehen wandte und über den Deich davonstapfte.

Nach dem Telefongespräch mit Benjamin, das nicht allzu lange gedauert hatte, stand Tanja eine ganze Weile einfach nur da, schaute aufs Meer hinaus und lauschte in sich hinein. Plötzlich räusperte sich jemand behutsam in ihrem Rücken. „Wenn schon kein Eis, darf es dann diesmal vielleicht ein Kaffee sein?“

„Ja bitte“, sagte Tanja, „das wäre schön.“ Er füllte wortlos einen Becher, gab einen Schuss Milch sowie zwei Löffel Zucker dazu und hielt ihn ihr hin. „Benjamin hält die Ehe für eine Formsache“, teilte Tanja ihm ungefragt mit, nachdem sie den ersten Schluck genommen hatte. „Zwischen uns sei doch alles klar, hat er gemeint. Deshalb wolle er künftig in geordneten Verhältnissen leben. Sein Chef wisse das nämlich sehr zu schätzen.“

„Wie bitte, sein Chef?“, fragte ihr Strandkorbnachbar ungläubig nach. „Soll das bedeuten, dass der Mann allen Ernstes heiraten will, weil sein Chef das gut findet?“

„Also dass er es … äh … auch ganz gut findet, hat er wohl auch irgendwie … na ja … aber das andere hat er auf jeden Fall direkt gesagt“, murmelte Tanja.

„Was ist das denn für ein Idiot!“

Das kam so hörbar aus tiefstem Herzen, dass Tanja unwillkürlich grinsen musste. „Ja, das finde ich auch. Wenn man sogar bei ganz privaten Entscheidungen nur seine Karriere im Blick hat, ist das irgendwie nicht in Ordnung, oder?“

„Nein, das ist es ganz und gar nicht!“, pflichtete der Fremde ihr kopfschüttelnd bei. „Kommen Sie, setzen Sie sich erst einmal.“

Tanja ließ sich in den Strandkorb sinken. „Ich denke, ein bisschen Liebe sollte doch auch im Spiel sein, wenn man heiratet“, quetschte sie mit dünner Stimme hervor.

„Und wie!“, beteuerte er. „Die muss vor allen Dingen dabei sein.“

„Das habe ich Benjamin auch gesagt.“ Tanja sah ihr Gegenüber mit großen Augen an. „Komisch, ich bin jetzt gar nicht so enttäuscht, wie ich es eigentlich sein müsste.

Ja, ich fühle mich sogar fast ein bisschen erleichtert. So, als wäre ich gerade noch mal dem Teufel von der Schippe gesprungen.“

„So ist es ja auch.“ Er musterte sie besorgt. „Trotzdem hole Ihnen besser auch noch meine Decke.“

„Ich habe doch eine dabei“, protestierte Tanja schwach.

Er blickte mitleidig auf sie hinab, während sie wärmesuchend mit beiden Händen den heißen Becher umklammerte. „Aber ich habe den Eindruck, Sie könnten jetzt gut zwei gebrauchen. Moment.“ Und ehe sie weiter widersprechen konnte, war er schon zurückgekehrt und legte seine Decke fürsorglich um ihre schmalen Schultern.

„Sie sind wirklich sehr nett“, stellte Tanja verlegen fest, während sie sich einkuschelte. Der flauschige Stoff roch nach seinem Rasierwasser. „Und wenn man bedenkt, dass wir uns nur grüßen wollten, reden wir ganz schön viel miteinander.“ Sie verzog das Gesicht zu einem schiefen Grinsen. „Haben Sie eigentlich auch einen Namen?“

Das Geplänkel mit Konrad half Tanja – und machte Spaß!

Er lächelte. „Aber sicher. Meine Eltern haben mich auf den Namen Konrad getauft. Konrad Strehlow.“

„Tanja Weidler.“ Sie zögerte. „Wollen Sie vielleicht neben mir Platz nehmen, Konrad Strehlow?“

„In Ihrem Strandkorb?“, fragte er mit gespieltem Erschrecken.

„Genau dort“, bekräftigte Tanja, der dieses Geplänkel half – und auch ein bisschen Spaß zu machen begann. „Ohne Gebühr!“

„Also, dann besonders gern.“ Er zupfte zart an der Decke, sodass sie sich noch ein wenig fester um ihren Körper schmiegte. „Aber nur, wenn wir das mit dem ‚Sie‘ lassen könnten. Sonst bleibe ich stehen.“

„Einverstanden, Konrad“, willigte Tanja auf der Stelle ein und rückte ein Stückchen zur Seite.

Eine ganze Weile saßen sie einfach schweigend nebeneinander und betrachteten die heranrollenden Wellen, die weiße Gischt und den weiten schleswig-holsteinischen Himmel. „Na, geht’s besser?“, fragte Konrad schließlich, als sie auch den zweiten Becher Kaffee ausgetrunken hatte.

„Ja, danke“, sagte Tanja ehrlich erstaunt über sich selbst. „Du machst deine Sache wirklich gut.“

„Ich tue doch gar nichts Besonderes“, wehrte er bescheiden ab.

„Eben“, versetzte sie. „Du lässt mich einfach in Ruhe, bist aber gleichzeitig da. Das bekommen nicht viele Menschen hin.“ Sie wandte ihm ihr Gesicht zu. „Weißt du, ich möchte mich bei dir bedanken. Für alles. Darf ich dich heute Abend zum Essen einladen?“

Sie waren in das nicht weit entfernte Seebad Laboe gefahren, hatten sich für die dortige Tapas-Bar entschieden und bestellten einen ganzen Berg voller schmackhafter Vorspeisen, während sie den Blick auf die Kieler Förde genossen.

Wie groß die Schiffe hier aussahen. Das waren ja wahrhafte Riesenpötte. Und in dem Lokal saß man so dicht an der Fahrrinne, dass man fast den Eindruck hatte, sie führen einem über die Füße.

„Ich liebe spanische Tapas“, erklärte Tanja. „Und dies ist so etwas wie eine norddeutsche Variante!“ Sie biss genussvoll in eine mit Speck umwickelte Backpflaume.

Sie hatte einen Bärenhunger. Was kein allzu großes Wunder war, denn am Nachmittag hatte sie einen ausgiebigen Spaziergang am menschenleeren Strand von Brasilien unternommen. Allein.

„Und ich schätze Frauen, die essen und genießen können“, meinte Konrad mit einem unterdrückten Lachen, als Tanja mit geschlossenen Augen einen frittierten Hähnchenspieß probierte und danach ein wohliges Geräusch von sich gab.

Der Abend verging wie im Flug. Sie unterhielten sich über Gott und die Welt, lachten – und erwähnten mit keiner Silbe Benjamin.

Konrad arbeitete als Zimmermann. Er konnte sich einen reinen Bürojob überhaupt nicht vorstellen. Genau wie Tanja, die ihren Beruf als Kindergärtnerin für den schönsten der Welt hielt. Zudem schätzte er das Umherstreifen in der freien Natur und fotografierte für sein Leben gern. Und auch darin bestand eine Gemeinsamkeit.

Benjamin dagegen war als überzeugter Großstadtmensch lieber shoppen gegangen, anstatt sich „im Matsch die Schuhe zu versauen“. So hatte er es einmal auf Tanjas Vorschlag hin ausgedrückt, einen Waldspaziergang zu unternehmen. Ach, wie sehr hatte sie diese langen Wanderungen vermisst, auf denen man so wunderbar die Seele baumeln lassen konnte!

„Wir könnten morgen gemeinsam die Gegend erkunden“, schlug Tanja daher spontan vor, als Konrad schwungvoll eine zweite Karaffe Wein bestellte. „Was hältst du davon? Wir marschieren auf dem Deich entlang nach Marina Wendtorf oder sogar bis nach Stein und gehen dann im großen Bogen durch das Naturschutzgebiet und die Salzwiesen zurück!“ Sie kicherte albern. „Wir laufen, bis unsere Socken qualmen.“

„Einverstanden“, stimmte er zu. „Aber nur unter einer Bedingung.“

So unbeschwert und frei hatte Tanja sich ewig nicht gefühlt

In diesem Moment erschien der Kellner mit dem Wein und schenkte nach. Tanja und Konrad prosteten sich zu. „Und was für eine Bedingung ist es diesmal?“, fragte Tanja gespannt. „Per du sind wir ja seit unserer gemeinsamen Strandkorbsitzung schon.“

Konrad beugte sich über den Tisch beugte und blinzelte ihr verschwörerisch zu. „Am Schönberger Strand soll es ein Lokal mit einer ausgezeichneten Fischplatte geben, habe ich gehört. Allerdings bekommt man die erst ab zwei Personen.“ Seine vollen Lippen verzogen sich zu einem Lächeln. „Du tätest mir also wirklich einen großen Gefallen, wenn du morgen nach unserer Wanderung wieder mit mir essen gehen würdest.“

Zu ihrem Erstaunen schlief Tanja in dieser Nacht tief und traumlos durch. Ob es am Wein lag? Vielleicht, aber bestimmt nicht nur. Denn als sie aufwachte und von ihrem Bett aus auf die Wogen der Ostsee schaute, galt ihr erster Gedanke Konrad Strehlow und ihrer geplanten Wanderung. Leichtfüßig sprang sie aus dem Bett, duschte fröhlich trällernd, um sich dann ein opulentes Frühstück zu gönnen. Seltsam, aber so frei und unbeschwert hatte sie sich schon seit Ewigkeiten nicht mehr gefühlt!

Konrad wartete bereits in der Halle auf sie. „Gut geschlafen?“, begrüßte er sie heiter. Ihr entging nicht, dass er sie trotz ihrer dicken Jacke mit einem Blick musterte, in dem unverhohlene Bewunderung lag.

Was ihr unendlich gut tat. „Wie ein Murmeltier. Und du?“ „Noch besser“, lautete seine Antwort. Den aufmerksamen Blick und das wissende Lächeln des Portiers bemerkten beide nicht, als sie die Hotelhalle verließen.

Der Wind wehte mäßig aus Nord-Ost, als sie sich wenig später auf dem Deichweg nach links in Richtung Laboe und Kiel wandten.

„Hat du eigentlich eine Ahnung, weshalb diese Orte hier Kalifornien und Brasilien heißen?“, fragte Konrad, als sie ihren Rhythmus gefunden hatten und harmonisch nebeneinander her schritten. „Merkwürdig ist das ja schon.“

Tanja grinste. „Der nette Portier hat es mir gleich beim Einchecken erklärt. Das ist gar keine so geheimnisvolle Geschichte. Irgendwann hat ein Fischer an diesem Strandabschnitt ein angeschwemmtes Stück Holz gefunden, auf dem das Wort ‚California‘ stand.“

„Das war dann wahrscheinlich die Planke von einem Schiff?“

„Das wohl untergegangen ist, ja. Und schon hatte der Ort, der damals noch gar kein richtiger war und nur aus ein paar Fischerhütten bestand, seinen Namen weg. Und ehe du nach Brasilien fragst“, breitete Tanja stolz ihre frisch erworbenen Kenntnisse aus, „das heißt angeblich so, weil ein anderer Fischer in der Nähe über die Aufmerksamkeit, die der exotische Name ‚Kalifornien‘ hier erregt hatte, eifersüchtig war. Also hat er einen Pinsel genommen, sich ein Stück Treibholz geschnappt und ‚Brasilia‘ draufgeschrieben.“

„Das hätte sich eine neuzeitliche Werbeagentur nicht besser ausdenken können!“ Konrad kicherte. „Denn seitdem lassen sich die Leute begeistert vor beiden Ortsschildern fotografieren“, fuhr er vergnügt fort. „Gestern musste ich ein älteres Ehepaar vor dem Kalifornien-Schild im Bild festhalten.“

„Besser, als wenn sie die Schilder als Souvenir mitnehmen“, ergänzte Tanja. „Das soll nämlich oft vorgekommen sein, bevor die Gemeinde sie festgenietet und nicht mehr nur angeschraubt hat.“

Gut gelaunt marschierten sie an den Neubauten und den Jacht-Liegeplätzen von Marina Wendtorf vorbei. „Es muss toll sein, mit so einem Boot aufs Meer hinauszufahren“, bemerkte Tanja. „Man lässt alles hinter sich und taucht in eine gänzlich andere Welt ein.“

„Ja“, stimmte Konrad leise zu. „Allerdings sollte man für so ein Erlebnis unbedingt zu zweit sein.“

Tanja spürte, wie sie bei seinen Worten errötete. „Schau mal, da vorn. Da ist das Laboer Ehrenmal“, stieß sie hastig hervor, um ihre Verlegenheit zu überspielen.

„Das mit seinen 85 Metern Höhe kaum zu übersehen ist, um auch meinerseits Seite lokales Wissen anzubringen“, sagte Konrad trocken. „Wollen wir zum Strand gehen und Hühnergötter sammeln?“ „Wie bitte? Was für Dinger?“

„Das ist ein uralter Volksglaube“, war Konrads Erklärung

„Hühnergötter. Kennst du die nicht?“ Er sah sie überrascht an. „So nennt man Steine, denen die Natur ein Loch verpasst hat.“

„Ach so. Ja, die kenne ich. Ich wusste nur nicht, wie man sie nennt.“ Tanja stutzte kurz. „Oder erzählst du mir da Unsinn?“ Zuzutrauen wäre es ihm, dachte sie.

„Nein, die heißen wirklich so“, beteuerte Konrad. „Großes Indianerehrenwort.“ Er hob mit einem treuherzigen Blick die Rechte zum Schwur. „Und da kann ich noch einmal mit meinem Wissen glänzen. Diese Steine sollten nämlich unter anderem das Hausgeflügel, das ja früher für die Menschen ein wichtiger Besitz war, vor dem Einfluss böser Geistern schützen. Ich habe gelesen, das sei ein uralter slawischer Volksglaube.“

In diesem Moment stoppte er abrupt und bückte sich. „Tataaa!“, rief er triumphierend, während er ihr einen kleinen schwarzweißen Stein mit einem Loch unter die Nase hielt. „Da haben wir einen.“

„Ja“, sagte Tanja und beäugte das Fundstück bewundernd. „Und ausgesprochen hübsch ist dieser Hühnergott auch noch.“

„Man könnte daraus wunderbar eine Kette machen“, schlug Konrad vor. „So eine gibt es dann nur ein einziges Mal auf der Welt.“

„Oh ja“, hauchte Tanja fast schon andächtig. Natürlich, wertvoll im materiellen Sinne wäre ein solcher Schmuck nicht. Doch das spielte überhaupt keine Rolle, denn seine Bedeutung würde auf einer ganz anderen Ebene liegen.

Schweigend nahm Konrad seinen Rucksack ab und begann darin zu kramen. Wenig später hielt er ein Stück Lederband hoch. „Hier, die Kette zum Stein“, verkündete er. „In einem guten Rucksack lässt sich einfach alles finden.“

Tanja lachte. „Sie passt hervorragend, würde ich sagen. Schlicht in der Ausführung und doch von einer gewissen Eleganz.“

Und geschickt fädelte Konrad die Lederschnur durch das Loch. „Voilà, eine Broschenkette – oder Kettenbrosche? – für die Dame von Welt.“ Sie lächelten sich voller gegenseitigem Verständnis an. „Würdest du bitte einmal kurz den Kopf neigen, damit ich dir das Schmuckstück umhängen kann?“

Gehorsam trat Tanja vor ihn hin und senkte ihr Haupt. Behutsam legte Konrad ihr den Hühnergott um, trat wieder einen Schritt zurück und betrachtete sein Werk mit zufriedenem Gesichtsausdruck.

„Na, das ist ja wohl der schönste Hühnergott an der bezauberndsten Frau, die ich je gesehen habe“, verkündete er dann pathetisch.

Die Dame von Welt lachte laut heraus und knuffte ihn leicht in die Seite. „Du spinnst ja“, sagte sie.

„Nein, das tue ich nicht“, erwiderte er ernst. „Du bist zweifellos eine sehr attraktive Frau, und der Stein vom Steiner Strand ist ein Hit. Das ergibt zusammen ganz klar das Prädikat umwerfend.“

Es war ein herrlicher Spaziergang. Sie aßen in dem Dorf Stein ein riesiges Eis und schauten beim Schlecken einem Zweimaster hinterher, der unter vollen Segeln aus der Kieler Förde gen Norden fuhr.

Auf dem Rückweg durch das kleine Naturschutzgebiet und die Salzwiesen machte Konrad Tanja auf gute Fotomotive aufmerksam. Sie wies ihn im Gegenzug etwa auf das unverwechselbare Geräusch fliegender Schwäne hin. Oft reichte eine kleine Geste, sich etwas mitzuteilen. Sie ergänzten sich ohne viele Worte, und Tanja spürte im Laufe des Tages verdutzt, wie lang verschüttete Lebensgeister in ihr neu erwachten. Sie hatte sich tatsächlich schon ewig nicht mehr so mit sich im Reinen gefühlt.

Es war daher für beide selbstverständlich, dass sie sich bei der abendlichen Fischplatte am Schönberger Strand – Konrad hatte wirklich nicht zu viel versprochen – auch für den folgenden Tag verabredeten. Allerdings kamen sie überein, es ein bisschen ruhiger angehen zu lassen, denn Tanjas Füße machten sich nach der langen Wanderung doch bemerkbar.

Und so trafen sie sich gegen zehn Uhr morgens an den Strandkörben – und schoben sie als erstes dicht nebeneinander. Zögernd nahm Konrad in seinem Platz, ebenso zögernd Tanja in ihrem. Er hatte Kaffee mitgebracht, sie hatte Kuchen gekauft. Doch jedes Mal, wenn sie etwas davon gegenseitig zureichten, mussten sie aufstehen.

Tanja sah Konrad an, und ihr ging das Herz ganz weit auf

Schließlich wurde es Tanja zu dumm. „Wir könnten uns in einen Korb setzen und den anderen als Windschutz benutzen“, schlug sie vor. „Das macht es einfacher.“

„Ja“, stimmte Konrad erleichtert zu und kam eilig zu ihr herüber, um neben ihr Platz zu nehmen. Sorgfältig breitete er beide Decken über ihre Beine. Es wurde sogleich mollig warm, doch urplötzlich lag eine seltsame Spannung zwischen ihnen. Eine Spannung, die Tanja ziemlich durcheinanderbrachte.

„Hör mal, Konrad“, sagte sie mit leicht zittriger Stimme, als das Schweigen sich weiter und weiter dehnte. „Es tut mir leid, aber ich bin noch nicht so …“

„Pscht“, machte er nur und schüttelte den Kopf. „Du brauchst mir nichts weiter zu erklären. Das weiß ich doch. Ich kann warten. Schließlich habe ich mit der netten Frau in der Touristeninformation lange gesucht, bis wir den Strandkorb fanden, der direkt neben deinem … Also, ich habe mich zwar geärgert, aber … also, ich fand dich einfach hinreißend.“ Er verstummte und biss sich auf die Lippe.

Tanja betrachtete ihn von der Seite, und ihr ging das Herz auf. Denn er schaute jetzt regelrecht schuldbewusst drein, was sie süß fand. „Du bist also gar nicht so schlecht in Zahlen, wie du immer behauptest?“, fragte sie sehr sanft.

„Nein“, gab er kleinlaut zu. „Das bin ich natürlich nicht.“

„Konrad Strehlow, das hast du gut gemacht“, sagte Tanja feierlich, beugte sich zu ihm hinüber und gab ihm einen zärtlichen Kuss auf die Wange. „Damit hast du eindeutig den goldenen Mathematik-Preis gewonnen. Denn du hast erkannt, dass eins und eins eine wunderbare Zwei ergibt.“ Sie nahm seine Hand und drückte sie ganz fest.

ENDE

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