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DIE LIZENZ ZUM HUNDEHALTEN


Der Hund - epaper ⋅ Ausgabe 8/2021 vom 07.07.2021

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Bildquelle: Der Hund, Ausgabe 8/2021

Zuletzt war Baden-Württemberg damit in den Schlagzeilen. In dem im Mai beschlossenen Koalitionsvertrag der schwarz-grünen Landesregierung steht: „In Baden-Württemberg wird nach niedersächsischem Vorbild ein theoretischer und praktischer Sachkundenachweis sowie eine Kennzeichnungs-, Registrierungs- und Versicherungspflicht für die Hundehaltung eingeführt.“ Laut Staatsministerium sei das bisher aber nur für Halter von sogenannten „Kampfhunden“ vorgesehen und soll Menschen vor Beißattacken schützen.

(Quelle: Stuttgarter Nachrichten).

Der Faktencheck

Hundegesetzgebung ist Ländersache. In Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen gibt es bereits die verpflichtende Regelung, dass Hundehalter:innen Sachkunde nachweisen müssen. Andere Bundesländer fordern nur bei der Haltung bestimmter Rassen eine Prüfung – etwa einen Hundeführerschein eines Verbandes oder einen Wesenstest. In Bremen wird ein Hundeführerschein ...

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... verlangt, wenn Hund oder Halter:in auffällig geworden sind. Die örtliche Polizei ordnet dann an, dass innerhalb einer bestimmten Frist ein Nachweis vorgelegt werden muss. In der Nachbar-Hansestadt Hamburg gilt seit 2007 Anleinpflicht, von der es nur nach Absolvieren des Hundeführerscheins eine Befreiung gibt. In Hessen müssen allein Halter:innen bissiger Hunde einen Sachkundenachweis ablegen. Einige Gemeinden, wie etwa Panketal bei Berlin oder München gewähren für Halter:innen mit freiwilligem Hundeführerschein einen Rabatt auf die Hundesteuer.

Nordrhein-Westfalen

In NRW ist ein Sachkundenachweis verpflichtend notwendig für die Haltung sogenannter 40/20 Hunde. Das bedeutet, dass Hunde ab einer Schulterhöhe von 40 cm aufwärts, oder ab 20 kg unter diese Bestimmungen fallen. Ersthundehalter:innen oder Halter:innen, die seit vielen Jahren keinen Hund mehr gehalten haben, müssen diesen Nachweis innerhalb der ersten 7 Monate nach Anschaffung des Hundes erbringen. Es ist ein rein theoretischer Test mit Multiple-Choice-Fragen, er kann vor Ort bei Sachverständigen (qualifizierten Tierärzten oder Hundetrainern) am PC oder schriftlich durchgeführt werden. „

„Grundsätzlich halte ich einen Hundeführerschein für sinnvoll. Halter:innen müssen sich zwangsläufig mit verschiedenen Themen auseinandersetzen. Er ist sicher kein ultimatives Qualitätskriterium, aber immerhin ein erster Schritt. Man muss sich ja vor Augen führen, dass jeder einen Hund kaufen und erstmal halten kann, egal ob er in der Lage ist, dies artgerecht und verantwortungsbewusst zu tun oder nicht. Was definitiv zu bemängeln ist: Er gilt nur für eine bestimmte Größe von Hund. Meiner Meinung nach sollte er grundsätzlich bei der Hundeanschaffung verpflichtend sein, denn das Wissen über Hunde – unabhängig von der Größe des jeweiligen Tieres – muss gegeben sein. Auch ein kleiner Hund möchte wie ein Hund behandelt werden und kann ebenso bei unsachgemäßer Haltung leiden und Probleme verursachen.“

Niedersachsen

Der Sachkundenachweis in Niedersachsen ist für alle Hundehalter:innen verpflichtend. Er besteht aus einer theoretischen und einer praktischen Prüfung. Die theoretische Prüfung muss vor Anschaffung des Hundes abgelegt werden, die praktische innerhalb des ersten Jahres der Hundehaltung. Der theoretische Teil besteht aus 35 Multiple-Choice-Fragen, die praktische Prüfung soll vor allem zeigen, dass der Halter/die Halterin den Hund gut einschätzen, Gefahrensituationen erkennen und den Hund kontrollieren kann, sodass von ihm keine Gefahr ausgeht.

Hundeführerschein vs. Sachkundenachweis

Angebote für einen Hundeführerschein gibt es von unterschiedlichen Verbänden. So bieten zum Beispiel der VDH (Verband für das Deutsche Hundewesen), der BHV (Berufsverband der Hundeerzieher:innen und Verhaltensberater:innen), der BVZ (Berufsverband zertifizierter Hunde- schulen), oder der IBH (Internationaler Berufsverband der Hundetrainer & Hundeunternehmer) Kurse und Prüfungen zum Hundeführerschein an. Da es keine bundesweit einheitlichen Richtlinien gibt, legen Vereine und Verbände die Prüfungsinhalte individuell fest. Der Hundeführerschein ersetzt Sachkunde-nicht unbedingt einen nachweis, die Anerkennung ist je nach Bundesland unterschiedlich.

WÜRDEN SIE BESTEHEN?

Wir haben einige Fragen der theoretischen Prüfung des Hundeführerscheins der Bayerischen Landestierärztekammer für Sie gesammelt. Es können mehrere Antworten richtig sein.

1. Warum sollte der Hund einen festen Platz in der Wohnung haben?

A. Damit er die Möglichkeit hat, sich zurückzuziehen.

B. Damit Sie ihn zur Strafe dorthin schicken können.

C. Damit er sich dort geborgen und sicher fühlt.

2. Welche Kriterien machen einen guten Welpenkurs aus?

A. Es wird ausschließlich gespielt.

B. Das Alter beträgt zwischen 6 und 12 Monaten.

C. Es wird nicht nur gespielt, sondern auch Grundsignale eingeübt.

D. Die Gruppengröße beträgt 6 bis 8 Welpen pro Betreuungsperson.

3. Wie schnell sollte eine Belohnung für einen Hund erfolgen, damit er versteht, wofür er belohnt wird?

A. Innerhalb von einer Minute.

B. Innerhalb von einer Sekunde.

C. Innerhalb von 10 Sekunden.

D. Der Zeitpunkt ist egal, wenn ich meinem Hund erkläre, was ich meine.

4. Ihr Hund möchte mit Ihren neuen Schuhen spielen. Was tun Sie?

A. Sie bieten ihm als Alternative Ihre alten Schuhe an.

B. Sie bieten ihm als Alternative ein Hundespielzeug an und räumen Ihre neuen Schuhe weg.

C. Sie kaufen ihm ein paar billige neue Schuhe zum Spielen.

5. Sie wollen sich einen Hund vom Züchter holen. Für welchen der folgenden Züchter würden Sie sich entscheiden?

A. Saubere, gepflegte Zwinger in ruhiger Lage auf dem Land.

B. Hunde werden im Garten gehalten, verschiedene Rassen stehen zur Auswahl.

C. Anlage ist sehr hygienisch, die Welpen werden Ihnen gebracht, damit Sie keine Krankheit in das Rudel einschleppen können.

D. Hunde leben mit Familie im Haus mit Garten, nur ein Wurf ist vorhanden.

6. Welche Aussage/n ist/sind richtig?

A. Für einen fremden Hund kann es bedrohlich wirken, wenn Sie sich lächelnd über ihn beugen.

B. Für einen fremden Hund kann es bedrohlich wirken, wenn Sie ihm direkt in die Augen schauen.

C. Für einen fremden Hund kann es bedrohlich wirken, wenn Sie diskret zur Seite schauen.

D. Ein fremder Hund freut sich immer, egal wie Sie Kontakt aufnehmen, solange Sie freundlich lächeln.

7. Ihr Hund knurrt Sie an, wenn Sie sich seinem Futter nähern. Wie reagieren Sie?

A. Sie schreien ihn an, damit er Sie an sein Futter lässt.

B. Sie gehen wortlos weg, fragen aber einen Spezialisten, was in Zukunft zu tun ist.

C. Sie versuchen, ihm sein Futter trotz Knurren wegzunehmen, um Ihre höhere Rangposition zu demonstrieren. D. Sie drohen ihm mit einem Besen und versuchen, ihn vom Futter zu verjagen.

E. Sie lassen ihm sein Futter, da es sein gutes Recht ist, in dieser Situation zu knurren.

„Grundsätzlich finde ich den Hundeführerschein sehr sinnvoll. Wenn ich einen Hund halte, sollte ich auch Ahnung davon haben. Die Menschen, die sich mit ihren Hunden beschäftigen, sind meist eh in der Hundeschule. Aber es gibt auch viele, bei denen es schiefläuft, wo es den Hunden nicht gut geht. Allein um die Hunde-Netiquette zu erlernen, finde ich es schon sinnvoll – also, wie dass ich meinen Hund nicht an angeleinte Hunde heranlasse. Schwierig ist, dass nicht klar ist, welcher Hundeführerschein bundesweit Pflicht werden könnte. Wenn es eine „Hardliner-Veranstaltung“ wird, wo mit aversiven Mitteln gearbeitet wird, bin ich dagegen. Wird mit positiven Mitteln gearbeitet, bin ich absolut dafür. Es sollte zudem vor allem darum gehen, dass der Mensch geprüft wird, ob er seinen Hund führen kann. Natürlich sollte der Hund in den Grundsignalen sicher sein, wenn der Halter dann aber sagt: ‚In dieser Gegend lasse ich meinen Hund nicht von der Leine, weil hier sehr viel Wild ist und mein Hund einen starken Jagdtrieb hat‘, dann finde ich das sehr positiv, denn dieser Mensch kann seinen Hund gut einschätzen.“

„Ich sehe es ein bisschen nüchtern. Es ist mit Sicherheit ein guter Ansatz, aber meiner Meinung nach von der Umsetzung her noch ausbaufähig. Ich habe viele Hundeführerscheine abgenommen (bei mir ist es der D.O.Q.-Test) und musste feststellen, dass es bei einigen Menschen leider nicht die gewünschte Wirkung zeigt. Nach der Prüfung leben sie das Erlernte im Alltag nur bedingt. Es ist gut und notwendig, um ein Sachkundelevel und Wissen zu erlangen, aber die Hundehalter sollten es auch auf Dauer umsetzen. Ob das klappt, lässt sich nicht so leicht im Blick behalten, denn der Mensch ist, wie wir wissen, ein Gewohnheitstier. Und: Den respektvollen Umgang von Hundehaltern miteinander und ihrer Umwelt, der eigentlich selbstverständlich aus dem Bauch heraus kommen sollte, sichert keine Prüfung.“