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Die Macht der CLANS


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TV Digital XXL-Ausgabe - epaper ⋅ Ausgabe 15/2022 vom 08.07.2022

DOKU

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Bildquelle: TV Digital XXL-Ausgabe, Ausgabe 15/2022

Sie heißen Abou-Chaker, Al-Zein oder Remmo. Familienclans arabischer Abstammung stehen seit Längerem im Fokus der deutschen Medien – und der Polizei. Clan-Mitglieder werden mit Verbrechen verschiedenster Art in Verbindung gebracht. Oft geht es um Drogen, Geldwäsche, Betrug, Körperverletzung, Erpressung und Raubzüge – wie den spektakulären Einbruch ins Grüne Gewölbe in Dresden 2019. Damals wurde Schmuck im Wert von rund 113 Millionen Euro erbeutet.

Berlin als Clan-Hochburg

Wie arbeiten kriminelle Clans? Wie sind sie aufgebaut? Und wie genau versucht die Polizei, sie zu stoppen? Eine neue ZDF-Doku geht diesen und anderen Fragen nach. Dafür begleiteten die Filmemacher unter anderem den Kampf der Berliner Polizei gegen die kriminellen Clans.

Einer der Beamten dort ist Stefan Majchrzak: „Ein Clan an sich ist zunächst völlig unkritisch, uns beschäftigen deren ...

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... illegale Aktivitäten.“ Als Dezernatsleiter beim LKA Berlin hat Majchrzak unter anderem das Zentrum zur Bekämpfung von Clan-Kriminalität unter sich. Die Hauptstadt gilt als einer der Hotspots der Szene. Im Lagebericht der Polizei Berlin 2021 wurden in der Stadt über 500 Personen der Clan-Kriminalität zugerechnet. Oft gibt es Angehörige in anderen Bundesländern und auch anderen Staaten wie etwa Schweden. „Das ist ein extrem abgeschottetes System“, erklärt Majchrzak. „Es sind hierarchisch-patriarchalische Strukturen, in denen Familienehre oft eine besondere Bedeutung einnimmt.“ Wird diese bedroht, zeigen sich unterschiedliche Reaktionen. „Jeder kriminelle Clan ist anders. Manche vertrauen auf eine Paralleljustiz durch sogenannte Parallelschlichter. Andere Clan-Kriminelle neigen traditionell dazu, gewaltorientierter vorzugehen.“

TV TIPP

Kriminelle Clans

DOKU Geld, Macht, Ehre: So arbeiten die Verbrecher-Clans, so ihre Jäger

DI 19.7. 21.00 ZDF

Kriminelle Clans konkurrieren um Reviere, um Märkte. „Manchmal aber“, so der Berliner Kriminaloberrat weiter, „beobachten wir auch Zweckbündnisse. Zwischen Clans, die unterschiedliche Namen tragen, gibt es mitunter entfernte Verwandtschaftsverhältnisse, die Außenstehende gar nicht sehen.“ Von Dauer seien solche Allianzen oft nicht.

Auf die Frage, welcher Clan in Berlin der gefährlichste sei, möchte Majchrzak nicht antworten: „Natürlich gibt es Clans, die häufig in den Medien vorkommen. Sie sind aber nicht unbedingt gefährlicher als jene, die nicht in den Schlagzeilen stehen. Wir als Ermittler haben durchaus auch kriminelle Clans im Fokus, die der Öffentlichkeit unbekannt sind.“

Direkter Draht zum Clan-Chef

Auch wenn Familiennamen wie Remmo oder Abou-Chaker gerne mit Verbrechen assoziiert werden: Selbstverständlich ist nicht jedes Mitglied dieser Großfamilien kriminell. Doch die Gefahr von Generalverdacht und Sippenhaft ist real. Die Doku zeigt auch, wie groß das Stigma eines solchen berüchtigten Nachnamens sein kann. Manche Familienmitglieder finden weder Job noch Wohnung – obwohl sie noch nie in ihrem Leben mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind. Eine sehr problematische Entwicklung – zumal sie dazu führen kann, dass der kriminelle Zweig einer Familie weiter Zulauf erhält.

Nachwuchssorgen kennen die Kriminellen nicht. Die Tatverdächtigen, mit denen es Majchrzak und sein Team zu tun haben, sind oft sehr jung. Dafür gibt es mehrere Gründe. „Sie müssen sich in der Hierarchie noch beweisen. Zudem werden junge Familienmitglieder für manche Aktionen bewusst eingesetzt. Kommt es zur Anklage, können sie teilweise auf Behandlung nach Jugendstrafrecht hoffen.“ Dies kann auch noch im Alter zwischen 18 und 21 Jahren angewendet werden.

Vom Alter der Clan-Mitglieder hängt oft auch ab, wie sehr der offene Konflikt mit der Polizei gesucht wird. „Wer in der Hierarchie weit oben steht“, so der Clan-Experte, „hat ein grundsätzliches Interesse, im Verborgenen zu agieren. Dagegen sind es die jüngeren Mitglieder, die meist deutlich impulsiver sind.“ Bisweilen werden Beamte auch bedroht. „Wir beobachten, dass teils bewusst die Grenze des strafbaren Handelns nicht überschritten wird, die Aussagen werden aber unmissverständlich platziert. Den Schutz der Betroffenen nehmen wir extrem ernst und machen durch gezielte Maßnahmen deutlich, dass wir Drohungen nicht hinnehmen.“

Was das genau bedeutet, will Clan-Jäger Majchrzak nicht ausführen. Nur so viel: „Wir haben geeignete Kommunikationskanäle, um im Zweifel auch mal einen hochrangigen Vertreter eines relevanten Clans erreichen zu können und entsprechende Botschaften zu platzieren.“ Man kennt sich in Berlin – auch auf unterschiedlichen Seiten des Gesetzes.

MT