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Die MAGIE der Kirchen


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HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 43/2022 vom 21.10.2022

REPORT

Nurdas leise Schaben von Schuhsohlen auf Steinboden ist zu hören. Hier und da auch gedämpftes Flüstern. Ansonsten herrscht ehrfurchtsvolle Stille. Eine magische Atmosphäre, die jeder sofort bemerkt, der die heiligen Hallen eines Doms betritt: Es ist wie das Eintreten in eine andere Welt.

Von vielen Kirchen und Kathedralen geht eine geheimnisvolle Kraft aus, die einen unwillkürlich packt – egal ob man nun religiös ist oder nicht. Was macht diesen Zauber aus? Ist es vielleicht die besondere Kirchenarchitektur? Der Duft von Weihrauch und Kerzen? Durch bunte Glasfenster strahlender Lichterglanz, Gesang und Orgelklang? Oder vielleicht auch eine traumhafte Landschaft, die dem Gotteshaus einen würdigen Rahmen verleiht?

Kunstwerke aus Stein

Eine Erklärung für die Strahlkraft so mancher Sakralbauten zu finden ist nicht leicht. Womöglich ist es die Kombination einiger Faktoren, die den Reiz ausmacht. ...

Artikelbild für den Artikel "Die MAGIE der Kirchen" aus der Ausgabe 43/2022 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 43/2022

MALERISCH Die Wallfahrtskirche St. Coloman fügt sich wunderschön in die verträumte Landschaft ein
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... Zweifellos sind viele Kirchen wahre Kunst-

ST. COLOMAN

Schwangau in Bayern

POSTKARTENIDYLLDer Standort von St. Coloman macht den besonderen Reiz dieses Gotteshauses aus: zauberhaft gelegen im freien Feld vor wuchtiger Bergkulisse. Erbaut wurde die Wallfahrtskirche im späten 17. Jahrhundert. Sie gilt als herausragendes Beispiel des frühen Barocks in Bayern

KÖLNER DOM

Köln in Nordrhein-Westfalen

WUNDER AUS STEINWeit und lichtdurchflutet präsentiert sich der Dom seinen Besuchern. Kein Wunder: Mit 144 Metern besitzt die Kathedrale das längste Kirchenschiff Deutschlands. Auffällig: Sämtliche Architekturelemente wie Fenster und Säulen streben elegant nach oben – in Richtung Himmel. Typisch Gotik werke – erbaut aus unzähligen Steinquadern, aus Ziegeln und Glas, mitunter viele Jahrhunderte alt. Allein die Ingenieursund Handwerkskunst der damaligen Zeit versetzt uns heute noch in Staunen.

MARIENDOM

Hildesheim in Niedersachsen

MUSTEREXEMPLARDer Hildesheimer Dom ist Unesco-Welterbe und Idealbeispiel für eine romanische Kirche. Seine Ursprünge reichen zurück bis in das 9. Jahrhundert. Im Inneren geben Kunstschätze wie das romanische Taufbecken und der Hezilo-Radleuchter (rechts) Einblicke in die Zeit des Mittelalters. An der Außenwand des Chors wächst sogar eine Legende: der sogenannte Tausendjährige Rosenstock. Die rätselhaft langlebige Wildrose ist Wahrzeichen des Bistums und der Stadt

DOM ST. GEORG

Limburg an der Lahn in Hessen

ÜBERGANGSSTILWer den Domvorplatz betritt, kann nur staunen: über Größe und Farbigkeit des Baus sowie den Stilmix aus Spätromanik und Frühgotik – und über die sieben Türme. So viele wie bei keiner anderen Kirche in Deutschland. Sie stehen symbolisch für die sieben Sakramente. Ein Prachtbauwerk, das viele Jahre die Rückseite des 1000-Mark-Scheins zierte

Eindruck schinden mithilfe spektakulärer Architektur – das ist und war sicherlich genau so gewollt. Voller Respekt betreten wir etwa das riesige, 144 Meter lange Hauptschiff des Kölner Doms. Vom Turm des Ulmer Münsters hinabblickend sind wir schier überwältigt von dem schwindelerregenden Zeugnis religiösen Ehrgeizes. „Kirchen sind gebauter Glaube und gebaute Hoffnung“, sagt der bekannte Benediktinerpater und Buchautor Anselm Grün. Und: „Jede Kirche hat ihre eigene Ausstrahlung. Die hohen Säulen der gotischen Kirchen ziehen unseren Sinn nach oben. Die Rundbögen in einer romanischen Kirche vermitteln uns, dass wir umarmt sind von Gottes Liebe. Die vielen Engel in barocken Kirchen zeigen uns etwas von der Leichtigkeit des Seins.“

Jeder Baustil in der Geschichte – egal ob Romanik, Gotik, Renaissance, Barock oder Moderne – hat eine etwas andere Wirkung auf den Menschen, soll aber im Grunde vor allem einem Zweck dienen: „Der Sakralbau hat immer die Aufgabe, zwischen dem Besucher und der Idee einer höheren Ordnung, also Gott, zu vermitteln“, sagt der auch aus dem Fernsehen bekannte Pfarrer Rainer Maria Schießler aus München.

Ort der Kraft und Spiritualität

Aber massives Mauerwerk und wertvolle Kunstschätze machen sicher nicht allein die Faszination Kirche aus. Oft ist es auch der Standort. Gern suchten sich unsere Vorfahren für die Lage einer Kirche oder Kapelle einen Kraftort aus, der eine starke spirituelle Wirkung ausübt. Häufig etwa auf einem Berg oder an einer Quelle.

Spirituelle Energie geht aber auch von den Gotteshäusern selbst aus. „Bauten wie unsere Kirchen sind lebendige Zeugnisse der Vergangenheit, Räume lebendiger Gegenwart und Orte für die Zukunft“, sagt Susanne Breit-Keßler, von 2001 bis 2019 Regionalbischöfin des Kirchenkreises München-Oberbayern. „Sie sind Gebäude, in denen Leben verdichtet, tief gefühlt und zur Sprache gebracht wird. Paare werden gesegnet für ihren Lebensweg, Kinder und Erwachsene getauft und konfirmiert, Jubiläen wie goldene Hochzeiten oder silberne Konfirmationen gefeiert, Schuld – kollektive wie individuelle – wird bekannt und göttliche Vergebung zugesprochen, Menschen werden auf ihrem letzten Weg begleitet“, so Breit-Keßler weiter. Kirchen sind Orte der großen Emotionen: von tiefster Trauer oder Reue über höchste Freuden bis zu unendlichem Glück. All das ist hier in Fülle zu finden und zu spüren.

DOM ST. PETER

Trier in Rheinland-Pfalz

RÜCKZUGSORTDurch das wuchtige Mauerwerk der romanischen Hauptfassade erinnert der Trierer Dom eher an eine Festung. Sicher und aufgehoben fühlt man sich im Inneren. Seit beinahe 1700 Jahren wird an dieser Stelle schon gebetet, wenn auch der Großteil des Baus aus dem 11. und 12. Jahrhundert stammt. Faszinierend ist die Atmosphäre im angrenzenden Kreuzgang. Wer Ruhe sucht, ist hier richtig

Jeder Besucher darf teilhaben an dieser einzigartigen Atmosphäre. Dazu muss man nicht gläubig sein. „Kirchen sind immer schon von Betern aufgesucht worden. Deren Gebet hallt wider und lässt uns in die Gebetsgemeinschaft eintreten. Der Mensch darf hier so sein, wie er ist“, sagt Pfarrer Schießler. Insbesondere das gemeinsame Feiern christlicher Feste wie Ostern oder das Zelebrieren der heiligen Sakramente verwandelt den Kirchenraum in eine einzige große Kraftquelle: „Glaube ist zwar etwas Persönliches. Aber wir brauchen auch die Gemeinschaft, die uns trägt und die uns in unserem Glauben stärkt.

ULMER MÜNSTER

Ulm in Baden-Württemberg

REKORDBAUWERKWer sich ganz klein fühlen möchte, stellt sich direkt vor den Turm des Ulmer Münsters und blickt nach oben. 162 Meter misst er bis zu seiner Spitze und ist damit der höchste Kirchturm weltweit. Ein Meisterwerk gewaltiger Schaffenskraft und Sinnbild dafür, was alles möglich ist, wenn man fest daran glaubt. Dabei ist das Ulmer Münster noch nicht einmal eine Kathedrale, sondern offiziell nur eine Pfarrkirche – aber die größte evangelische Kirche in Deutschland

Und die Rituale wie Taufe und Trauung bringen in uns Gefühle zum Ausdruck, die wir uns sonst nie trauen auszudrücken. Sie verbinden uns auf tiefere Weise miteinander“, weiß Pater Anselm Grün. „Kirchen öffnen den Himmel über unserem Leben. Und so öffnen die Kirchen auch in Ungläubigen das Herz für ein Geheimnis, das größer ist als der Mensch.“

Kein nobles Klubhaus

Ein Geheimnis, das eben nicht nur der Kirchengemeinde vorbehalten ist, sondern allen Menschen – selbst neugierigen Touristen. „Wir sind kein elitärer Verein, sondern für alle Menschen da. Niemand ist Eindringling, sondern jeder ein geliebter Gast“, erklärt Pfarrer Rainer Maria Schießler. „Kirchen sind keine Klubhäuser, sondern Wohnzimmer.“ Eben Orte der Gastfreundschaft. Und das strahlen viele Kirchen trotz Prunk, Stille und Erhabenheit in aller Würde aus.

ALEXANDER WEIS

KIRCHE HOHEN-ZOLLERNPLATZ

In Berlin-Wilmersdorf

MODERNE SCHÖNHEITVon außen beeindruckt der rote Klinkerbau mit dem Schornstein-ähnlichen Turm durch seine futuristische Anmutung. „Kraftwerk Gottes“ wird er daher gern genannt. Wer über die große Freitreppe das Innere der „Kirche am Hohenzollernplatz“ betritt, staunt über den fast mystischen Raumeindruck – erschaffen durch gotisierende Spitzbögen und eine dramatische Lichtstimmung