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DIE MAILÄNDER FLUGHÄFEN: STARKES TRIO: PORTRÄT


Aero International - epaper ⋅ Ausgabe 120/2018 vom 09.11.2018

Gleich drei Flughäfen gibt es im Großraum Mailand. Die Arbeitsteilung zwischen den norditalienischen Airports funktioniert bestens


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Bildquelle: Aero International, Ausgabe 120/2018

Eine Boeing 737 von KLM landet vor dem Tower in Malpensa. Der Platz liegt in Sichtweite der Alpen


Drei Flughäfen, ein Ziel: den Luftverkehr der Region um Mailand optimal abzuwickeln. Während Linate stadtnah gelegen ist, dauert die Anfahrt nach Malpensa und Bergamo länger


Braucht eine Großstadt mehrere Flughäfen? In Paris oder London heißt die Antwort auf diese Frage „ja!“, während sie in Berlin vehement verneint wird: Nach der Eröffnung des neuen Großflughafens BER soll der ...

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... Airport in Tegel geschlossen werden. Ein gutes Beispiel für das harmonische Zusammenspiel von mehreren Flughäfen ist Mailand im Norden Italiens. Im Großraum dieser Metropole gibt es mit Malpensa, Linate und Bergamo Orio al Serio gleich drei Airports, die als sich ergänzendes System funktionieren.

Das Einzugsgebiet der drei Flughäfen ist groß. Dazu gehört nicht nur die Metropolregion Mailand. Es umfasst auch die Lombardei und weite Teile Norditaliens. In Zahlen besteht es aus mehr als zehn Millionen Menschen. Rund 18 Prozent der italienischen Unternehmen sind hier angesiedelt. Die drei Flughäfen beförderten 2017 zusammen mehr als 44 Millionen Passagiere. Seit den achtziger Jahren hat sich das Verkehrsaufkommen in Mailand vervierfacht. Auch heute stehen die Zeichen zumindest an zwei der drei Standorte auf Wachstum. „Das Mailänder Flughafen-System erfährt gerade eine Phase großer Euphorie. Mit der Anzahl der Fluggäste dürfen sich die Airports durchaus in der ersten Reihe der Flughäfen sehen, vergleichbar denen in Rom“, sagt Andrea Tucci, Head of Aviation Business Development der SEA-Gruppe, die die Flughäfen Malpensa und Linate betreibt. Der Airport Bergamo Orio al Serio wird dagegen vom Unternehmen SACBO betrieben.

Charakteristisch für alle Mailänder Flughäfen ist der vergleichsweise kleine Anteil der Transitpassagiere. Dabei hätte insbesondere der Flughafen Malpensa das Potenzial dafür. Mit einer großen Airline am Platz, die den Flughafen als Drehkreuz nutzt, könnten die Mailänder Flughäfen 55 bis 60 Millionen Passagiere pro Jahr befördern.

Eine Airline mit diesem Potenzial konnte der Flughafen Malpensa gerade als Kunden gewinnen. Die Fluggesellschaft Air Italy, an der Qatar Airways maßgeblich beteiligt ist, will am Flughafen ihr Drehkreuz errichten. In der Vergangenheit hatte Alitalia Malpensa bereits als zweites Drehkreuz neben dem Flughafen Rom Fiumicino genutzt. Start dafür war der 25. Oktober 1998, als das Terminal 1 neu eröffnet wurde. 2007, im besten Jahr von Alitalia in Malpensa, konnte die Airline auf dem Flughafen 11,5 Millionen Fluggäste abfertigen. 7,5 Millionen davon waren Transitpassagiere. Als sich Alitalia 2008 aus Malpensa zurückzog, war das für den Flughafen ein Rückschlag, der nur durch die Ansiedlung von Easyjet ab 2006 gemildert wurde. In der Folge baute Easyjet dort seine bedeutenste Basis außerhalb Großbritanniens auf.

LANGSTRECKE MIT POTENZIAL

Auch wenn es in der Vergangenheit Zeiten des Wettbewerbs zwischen den Flughäfen gab, arbeiten sie heute zusammen und nutzen Synergien, die für alle Beteiligten Vorteile bringen.

Der Wettbewerb kommt in der Gegenwart eher von anderer Seite. Für den auf Inlandsflüge spezialisierten Stadtflughafen Linate ist vor allem die Bahn ein Konkurrent, seit zwischen Rom und Mailand Hochgeschwindigkeitszüge verkehren – wodurch die Bedeutung der in der Vergangenheit äußerst stark frequentierten Flugverbindung zwischen beiden Städten gesunken ist.

Am Terminal 1 in Malpensa starten zahlreiche Langstreckenflüge


Emirates fliegt Malpensa mit der A380 an. Die Verbindung nach Dubai wird sehr gut angenommen


FOTO: TT/AIRTEAMIMAGES

Größter der drei Mailänder Flughäfen ist Malpensa. 40 Kilometer außerhalb des Zentrums gelegen ist der Airport über zwei Schnellstraßen, mit dem Bus und Zug zu erreichen. Der Airport hat zwei Fluggastgebäude, wobei das neuere Terminal 1 gerade grundlegend modernisiert wurde. Die Modernisierung von Terminal 2 ist geplant.

Mit seinen zwei Start- und Landebahnen konnte der Flughafen 2017 rund 22 Millionen Passagiere befördern. Das stellt gegenüber dem Vorjahr mit 14,2 Prozent eine Zunahme dar, die sich weltweit sehen lassen kann. Es ist bereits das dritte Jahr in Folge mit einem zweistelligen Wachstum. 2018 soll ein weiteres folgen.

Insbesondere für Langstreckenflüge gäbe es noch beträchtliche Wachstumsmöglichkeiten, sagt Andrea Tucci. „Wir haben zurzeit sechs tägliche Flüge nach New York und Miami. Einer davon wird mit Airbus A380 bedient. Bei einem Potenzial von zwei Millionen Fluggästen im Verkehr mit den USA könnten wir noch viele andere US-Destinationen anbieten. Bisher müssen zahlreiche Passagiere noch andere Drehkreuze für ihre Flüge in die Vereinigten Staaten nutzen.“ Tucci führt den Erfolg von Emirates an: „Als die Fluggesellschaft die Verbindung von Mailand nach New York aufgenommen hat, ist der Markt auf dieser Route um 56 Prozent gewachsen.“ Weitere Märkte mit Potenzial seien Südamerika und China.

Im Terminal in Malpensa wird auch für italienische Spezialitäten geworben. Limoncello ist ein Zitronenlikör, der auch in Deutschland viele Freunde hat


Terminal 2 ist die Heimat von Easyjet. Die Low-Cost-Airline schlägt hier rund sieben Millionen Passagiere pro Jahr um.

Passagierbeförderung ist nicht alles am Flughafen Malpensa. Ein ganz wichtiges Standbein des Flughafens bildet die Luftfracht. Malpensa ist der bedeutenste Frachtflughafen Italiens. In absoluten Zahlen wurden 2017 fast 590 000 Tonnen umgeschlagen. Damit gehört der Flughafen zu den Top 10 bei der Luftfracht in Europa. In den nächsten Jahren soll hier eine neue Cargo City mit einer Kapazität von eine Million Tonnen Umschlag entstehen.

Auf den Namen des italienischen Luftfahrtpioniers Enrico Forlanini ist der City Airport Mailand-Linate getauft. Der 1960 in Betrieb gegangene Flughafen ist in nur 14 Minuten mit der U-Bahn von der Mailänder City aus zu erreichen. Auf dem Flughafen begrüßen Schriftzug und Logo des Modeherstellers Emporio Armani seit 1996 die an- und abreisenden Fluggäste und weisen damit auf den Stellenwert Mailands als Modemetropole hin. Der Flughafen hat für Mailand die Funktion eines City-Airports, der die Stadt mit den bedeutenden europäischen Metropolen verbindet. Wachstum ist auf dem Flughafen Linate aus Platzgründen nicht möglich. Aktuell leidet der Flughafen zudem unter der wirtschaftlich schwierigen Situation von Alitalia, die hier traditionell stark vertreten ist.

RYANAIR ALS WACHSTUMSMOTOR

Der dritte Flughafen der Region Mailand ist Bergamo Orio al Serio. Der ursprünglich militärische Flughafen wurde 1972 für den zivilen Verkehr geöffnet. Mailands Zentrum ist über eine Autobahn gut zu erreichen. Die Passagierzahlen hielten sich zunächst in Grenzen. 2002 wurden nur rund 2,8 Millionen Fluggäste auf dem Flughafen abgefertigt. Das änderte sich schlagartig mit dem Engagement von Ryanair. Das Passagieraufkommen nahm drastisch zu. 2017 wählten rund 12,3 Millionen Menschen diesen Flughafen für ihre Reisen. Damit ist Bergamo heute nach Rom Fiumicino und Malpensa der drittgrößte Airport Italiens.

„Der Flughafen ist die Antwort auf den Luftverkehrsbedarf der Menschen in Bergamo sowie der Region östlich von Mailand, in der sich entlang der Schnellstraße von Mailand nach Venedig sehr viele Unternehmen angesiedelt haben“, sagt Emilio Bellingardi von der Betreibergesellschaft SACBO. Die Industrie sei stark exportorientiert. „Das ist der Grund dafür, dass wir in Bergamo zwei Verkehrsschwerpunkte haben: in der Passage und in der Luftfracht.“ Im Personenverkehr sind Low-Cost-Carrier in Bergamo stark vertreten. Dazu gehört insbesondere Ryanair. Das irische Unternehmen hat am italienischen Flughafen eine bedeutende Basis aufgebaut. „Die Beförderungsleistung von Ryanair nimmt von Jahr zu Jahr zu“, sagt Emilio Bellingardi.

Gleichzeitige sei aber auch der Verkehr anderer Fluggesellschaften gewachsen. „Bergamo ist ein Flughafen der einfachen Abläufe und von niedrigen Gebühren für Fluggesellschaften“, sagt Bellingardi stolz. „Fluggesellschaften, die effiziente Dienstleistungen und schnellen Service anbieten, finden am Airport in Bergamo genau das, was sie brauchen.“

In den kommenden Jahren wird der Flughafen ausgebaut. Dazu kommt ein anderes Bauprojekt: Der Airport soll bis 2023 per Zug mit dem Bahnhof in Bergamo verbunden werden. Eine Maßnahme, die nicht nur für einen weiteren Aufschwung des stark wachsenden Flughafens sorgen soll, sondern auch die Vernetzung mit dem anderen beiden Flughäfen des Mailänder Flughafensystems weiter verbessern dürfte.

Bergamo konzentriert sich auf Low-Cost-Verkehr


Bergamo und die Alpen im Hintergrund des Flughafens: Auf dem Airport betreibt Ryanair eine große Basis


Linate ist der City-Airport von Mailand. Von hier aus starten zahlreiche Flüge von Alitalia


Logo und Schriftzug von Emporio Armani prangen in Linate seit 1998 an einem Hangar: Mailand ist eine Modemetropole


INTERVIEW: „MALPENSA BRAUCHT EIN DREHKREUZ“

EMILIO BELLINGARDI, GENERAL MANAGER BEI SACBO UND ANDREA TUCCI, HEAD OF AVIATION BUSINESS DEVELOPMENT BEI SEA

AERO: Welche Rolle hat Ihr Flughafen Bergamo innerhalb des Mailänder Airport-Systems?
EMILIO BELLINGARDI: Wir sind die Antwort auf den Luftverkehrsbedarf der Region östlich der Metropole Mailand, der Stadt Bergamo und den sich daran anschließenden östlichen Landesteilen. Das ist ein Gebiet mit einer hohen Bevölkerungsdichte. Dazu kommt, dass im Einzugsgebiet sehr viele Unternehmen angesiedelt sind.

Was sind für Sie die Schlüsselelemente der Flughafenentwicklung?
Wir bieten den Fluggästen in Bergamo mehr als 130 Verbindungen an, von denen die meisten nicht an den anderen Mailänder Flughäfen bedient werden.

Welche Entwicklung erwarten Sie für den Flughafen Bergamo in Zukunft?
Der Tourismus ist ein wichtiger Markt für uns. Dank neuer Verbindungen nach Russland, in die Ukraine und auch in den Mittleren Osten wächst der ankommende Verkehr. Das sind Strecken, die uns neue Märkte der Zukunft öffnen können. Das gilt für den Tourismus, aber auch für die vielen Unternehmen, die Bergamo für ihre Geschäftsreisen nutzen.

AERO: Welche Rolle haben die Flughäfen Linate und Malpensa im Mailänder Airport-Systems?
ANDREA TUCCI: Linate ist ein effizienter Flughafen, sehr nah an der City, der gute Verbindungen innerhalb Italiens und nach Europa bietet. Malpensa hat noch sehr viel Wachstumspotenzial und kann noch einige zusätzliche Langstreckenverbindungen aufnehmen.

Was sind für Sie die Schlüsselelemente der Flughafenentwicklung?
Malpensa hatte ein herausragendes Wachstum in den vergangenen Jahren – obwohl dort keine Airline ein großes Drehkreuz hat. Der Flughafen hat noch freie Slots und einen großen sowie interessanten Einzugsbereich. Linate ist einfach zu nutzen und nah an der Innenstadt. Das ist der Vorteil dieses Flughafens.

Welche Entwicklung erwarten Sie für die Flughäfen in Zukunft?
Für Malpensa ist es wichtig, dass eine große Fluggesellschaft hier ihr Drehkreuz entwickelt, mit Mittel- und Langstreckenflügen, sodass Passagiere aus vielen Destinationen angezogen werden. Linate kann nicht mehr mehr wachsen und muss weiter die Rolle als City-Airport spielen.