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Die Marco-​Cinaglia-​Story


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akkordeon magazin - epaper ⋅ Ausgabe 83/2022 vom 17.05.2022

Der Italiener Marco Cinaglia gilt als einer der Väter des modernen digitalen Akkordeons. Im ersten Teil seiner Story, erschienen im akkordeon magazin #82, erzählt Marco von den ersten Schritten bis zur Entwicklung der Roland-​V-​Accordions. Infolge der Schließung des Werks von Roland Italy wurde 2013 auch Marco Cinaglia arbeitslos. Wer ihn näher kennt, weiß, dass er sich mit diesem Schicksal nicht zufriedengeben konnte. Er „brennt“ bis heute viel zu sehr für die Sache, ein möglichst perfektes digitales Abbild eines Akkordeons mit den großen Möglichkeiten und Visionen über das Original hinaus zu verbinden und so neue Dimensionen für das Akkordeonspiel zu erreichen. So musste er sich nach dem Ende von Roland Italy etwas ausdenken, um an alte Erfolge anknüpfen zu können. Was seine Garage damit zu tun hat und wie weit sein Innovationstrieb ihn bis heute gebracht hat, erzählt er in aller Offenheit im ...

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Marco Cinaglia
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Der Italiener Marco Cinaglia gilt als einer der Väter des modernen digitalen Akkordeons. Im ersten Teil seiner Story, erschienen im akkordeon magazin #82, erzählt Marco von den ersten Schritten bis zur Entwicklung der Roland-​V-​Accordions. Infolge der Schließung des Werks von Roland Italy wurde 2013 auch Marco Cinaglia arbeitslos. Wer ihn näher kennt, weiß, dass er sich mit diesem Schicksal nicht zufriedengeben konnte. Er „brennt“ bis heute viel zu sehr für die Sache, ein möglichst perfektes digitales Abbild eines Akkordeons mit den großen Möglichkeiten und Visionen über das Original hinaus zu verbinden und so neue Dimensionen für das Akkordeonspiel zu erreichen. So musste er sich nach dem Ende von Roland Italy etwas ausdenken, um an alte Erfolge anknüpfen zu können. Was seine Garage damit zu tun hat und wie weit sein Innovationstrieb ihn bis heute gebracht hat, erzählt er in aller Offenheit im Gespräch mit akkordeon-​ magazin-​Autor Detlef Gödicke. Viel Spaß beim Lesen des zweiten Teils seiner Story!

— Wie war die Reaktion des Präsidenten von Roland Japan ?

Er war interessiert und bat mich ihm zu zeigen, was ich vorhatte. Anschließend arbeitete ich mit einigen Freunden über ein Jahr an einem neuen Prototyp.

— Wo erarbeiteten Sie den neuen digitalen Akkkordeon-​Prototyp ?

Wir machten das bei mir zu Hause in der Garage (lacht).

— Was haben Sie gegenüber den Roland-​ Instrumenten verändert ?

Die Roland-​V-​Accordion-​Gehäuse sind aus Kunststoff. Wir entschieden, ein Holzgehäuse wie bei den meisten Naturakkordeons zu verwenden. Holz klingt völlig anders als Kunststoff. Als nächste Innovation verwendeten wir die Originaltastenkonstruktionen von Bugari-​Instrumenten mit Federn an der Unterseite; die Federspannung kann vom Spieler vor dem Kauf bestimmt werden. Das Spielgefühl auf den Tasten oder Knöpfen ist also dem auf dem Naturakkordeon von Bugari höchst ähnlich. Außerdem konnten wir den Gummikontakt zur Elektronik genauestens justieren, da entscheidet manchmal ein Millimeter über Sieg oder Niederlage.

„Wenn ich jemanden um Hilfe frage und eine Ablehnung bekomme, spornt mich die Absage noch mehr an, es auf anderem Wege zu schaffen.“

— Was geschah dann ?

Wir nahmen Kontakt mit dem Marketingmanager von Roland Europe auf und luden ihn zu uns in die Firma Bugari nach Italien ein. Er kam mit einem Kollegen und hörte sich zunächst mein Spiel auf einem FR-​8x an. Ich wechselte dann auf unser neues Modell, und nach drei Minuten bat er darum, selbst einmal auf dem neuen Instrument spielen zu dürfen. Er schien begeistert zu sein und meinte, ich hätte wohl die Elektronik von Roland verändert, es müsse ein neues Mainboard sein.

— Hatten Sie etwas an der Originalelektronik von Roland verändert ?

Nein, das war ja das Faszinierende! Durch unsere Modifizierungen abseits der Elektronik hatten sich der Klang und das Spielgefühl signifikant verändert. Wir hatten sogar den Originallautsprecher verwendet.

— Wie endete die Zusammenkunft ?

Nach Rücksprache mit Roland in Japan bekam ich die Erlaubnis, die Roland-​ Technologie für die von uns „Bugari Evo“ genannten Instrumente für einen festgelegten Zeitraum zu verwenden.

— Durften Sie in der Zwischenzeit auch an einer Weiterentwicklung der Software-​ Technologie arbeiten ?

Nein, ich musste mir da was Eigenes ausdenken. Sie müssen verstehen, hier geht es um ein hochtechnologisches Produkt. Alle Musikinstrumentenhersteller von Weltruhm, die digitale Instrumente herstellen, setzen dabei in der Regel ihre Forschungen und Weiterentwicklungen Jahr für Jahr fort – Stillstand ist Rückschritt. Und die in den V-​Accordions der aktuellen x-​Serie verwendete Technologie ist mittlerweile fast zehn Jahre alt. Verwenden Sie mal ein zehn Jahre altes Mobiltelefon (lacht)!

„Ich wollte von Roland den Schlüssel zur ‚Büchse der V-​Accordion-​Pandora‘.“

— Wie sah die Vereinbarung in Bezug auf die Weiterentwicklung der Elektronik aus?

Ich bekam zwar die Erlaubnis für ein neues Produkt auf der Basis der bislang produzierten V-​Accordions, aber mir wurde nicht erlaubt, den Hauptprozessor zu modifizieren, also den Algorithmus der V-​Accordions zu öffnen und ihn umzuprogrammieren. Ich wollte von Roland den Schlüssel zur „Büchse der V-​Accordion-​Pandora“, aber sie winkten mit Hinweis auf Firmengeheimnisse ab.

— Sie konnten also den von Roland und beim Bugari-​Evo-​Instrument eingesetzten Algorithmus des FR-​8x nicht modifizieren ?

Nein, im Bugari-​Evo-​Akkordeon ist das exakt gleiche Mainboard wie im Roland-​FR-​8x installiert.

— Wie haben Sie auf die Absage reagiert ?

Bei der Weiterentwicklung der Technologie für einen Nachfolger des Bugari Evo fingen wir nochmal ganz von vorne an. Wir kauften dafür Computerchips der Firma Dream aus Frankreich.

Sie sind von hoher Qualität; allerdings müssen sie vom Käufer erst programmiert werden, sonst sind sie wertlos. Mit der Programmierung für unsere Anwendung haben wir uns in der Folge intensiv beschäftigt und wir konnten sie mit unserem Team erfolgreich durchführen.

— Sie trafen die Roland-​Leute auf der Musikmesse in China noch einmal ?

Ja, sie sahen meinen ersten Prototyp und fragten mich, ob ich das Projekt wirklich allein durchziehen wolle. Es war mir eine stille Genugtuung, das bejahen zu können, und ich meinte: „Ich kann Ihnen sagen, meine Neuentwicklung wird das FR-​4x „zerstören“ (lacht).

— Was haben Sie daraus gelernt ?

So funktioniert das Business und so funktioniere auch ich! Wenn ich jemanden um Hilfe frage und eine Ablehnung bekomme, spornt mich die Absage noch mehr an, es auf anderem Wege zu schaffen.

— Und wie können diese Wege aussehen ?

Ich habe immer verrückte Ideen. Warum nicht bei anderen großen Playern im Bereich „Begleitautomatik für elektronische Instrumente“ wie Yamaha, Ketron oder Roland anfragen, ob sie mir für mein neues digitales Akkordeon ihre Library an Arrangements zur Verfügung stellen?

— Warum machen Sie diese nicht selbst ?

Die Software ist nicht das Problem, aber die Programmierung der Arrangements, auch Styles genannt, kostet viel Zeit und ist daher enorm teuer. Die eben angesprochenen Firmen haben fantastische Libraries, da wäre ein Joint Venture großartig.

„Im Bugari-​Evo-​Akkordeon ist das exakt gleiche Mainboard wie im Roland FR-​8x installiert.“

— Wie ging es mit dem Bugari-​Evo-​ Akkordeon weiter ?

Das Instrument auf der Basis der Roland-​FR-​8x-​Technologie in Kombination mit der Bautechnik von Bugari ist zu Ende entwickelt. Für weitere Abweichungen in Größe oder Bauart fehlt mir das Einverständnis der Firma Roland in Japan. Erschwerend kommt hinzu, dass die Firma Bugari vor ungefähr drei Jahren an die Firma Parrot aus China verkauft worden ist. Für meine Weiterentwicklungsideen hatte ich von heute auf morgen einen völlig anderen Ansprechpartner.

— … statt Italien oder Japan nun auf einmal China – nicht einfach ?

Das stimmt, die Firma Bugari in Italien wurde umstrukturiert. Es gab auf einmal unterschiedliche Abteilungen innerhalb der Firma, eine für Digitalinstrumente, eine für Zero Zette und eine für Morelli.

— … aber doch auch viel Geld, das auf einmal zur Verfügung stand, oder ?

Ja, die Chinesen haben viel Geld in die Hand genommen, um das Thema digitales Akkordeon voranzutreiben. Es war für sie komplett neu und sie mussten sogar zuvor im entsprechenden Ministerium um Erlaubnis fragen. Ihre Idee war und ist, ein kleines digitales Akkordeon zu entwickeln, das dann schon im Schulunterricht eingesetzt werden kann.

— Gab es daraufhin auch Probleme mit Roland in Japan ?

In der Tat gab es die, und ich bin Roland sehr dankbar dafür, dass mit Zustimmung der Firma das Produkt Bugari Evo inklusive der durch Patente geschützten Technologie weitergeführt und verkauft werden darf, natürlich auch mit allem Support in Fällen von Problemen.

— Sie wollen das digitale Akkordeon in eine neue Ära bringen. Fanden Sie offene Türen bei Roland ?

Nein, ich hatte in den Gesprächen erwähnt, dass es von mir neue Ideen zur Weiterentwicklung gibt, das traf allerdings auf kein Interesse.

— … eine Steilvorlage für die Zusammenarbeit mit Parrot in China ?

Das war für mich klar – was für eine Gelegenheit! Ich musste die Chinesen nur von meinen Ideen überzeugen, finanzielle Probleme wären dann „Schnee von gestern“ (lacht).

— Was folgte dann ?

Ich tat mich mit einigen Freunden zusammen und wir gründeten eine interne Gruppe namens DAK, die Abkürzung steht für Digital Audio Keep.

— Was steckt hinter DAK ?

Zu unserem Team gehören seit der Gründung mindestens ein guter Musiker, ein mechanischer Ingenieur, ein Soundingenieur und ich selbst als Verbindungsglied in die Welt der Musik.

Wir stehen für die Entwicklung neuer Produkte für das digitale Akkordeon mit größtmöglicher Professionalität. Für mich ist es wichtig, alles, was wir entwickeln, Akkordeonspielern so zufriedenstellend wie möglich vorstellen zu können, sonst machen unsere Ideen keinen Sinn und sind quasi „in die Luft entwickelt“ (lacht).

— Und zu welchem Ergebnis sind Sie in der Weiterentwicklung digitaler Akkordeons mittlerweile gekommen ?

Seit über 25 Jahren beschäftige ich mich mit dem Thema der Digitalisierung eines Akkordeons, und mit meinem Team fühle ich mich nun auf einem neuen Weg.

— Gibt es erste Resultate Ihres „neuen Weges“ ?

Ja, wir haben unter der neuen Marke Proxima ein digitales Akkordeon entwickelt, das wir auf der Musikmesse in Frankfurt im April 2019 als „Baby“ erstmalig einigen ausgesuchten Personen – ohne die große Öffentlichkeit – präsentiert haben. Der Prototyp war damals noch nicht spielfähig, unser Name für das Produkt war „Proxima Mia P37 für die Tastenversion und B46 für die Knopfversion“.

— Woher nehmen Sie neben Ihrer Erfahrung die Inspiration für die Weiterentwicklung digitaler Akkordeons ?

Ich arbeite seit über 25 Jahren an diesem Thema und habe mittlerweile Kontakte in die gesamte Akkordeonwelt, zu Spielern und Spielerinnen aller Musikrichtungen, aller Altersstufen, vom Megaprofi bis zum ambitionierten Hobbyisten. Zusammen mit meinem Team ergibt das jede Menge Innovationspower.

— Warum haben Sie sich dafür entschieden, zunächst nur ein Modell zu entwickeln ?

Um ein neues Musikinstrument zu erschaffen, benötigt man sehr viel Geld, auch wenn der Ursprung des Instrumentes, in diesem Fall das Akkordeon als Basis, ja schon existiert. Wir möchten mit unserem ersten Modell auch den Markt erkunden: Sind wir auf dem richtigen Weg oder gibt es weitere Wünsche und Anforderungen? Wie reagiert die Musikwelt auf den Sound, die Bedienung und die Interface-​Möglichkeiten? Das interessiert uns sehr.

— Werden Sie auch die Fans digitaler diatonischer Handharmonikas, wie die längst ausverkaufte Version der Roland FR-​18d Handharmonika, mit neuen Modellen im Visier haben ?

Aber natürlich! Wir möchten uns in alle Richtungen entwickeln. Gerade an der digitalen Handharmonika kann man die gesamte Innovationspower der digitalen Technologie besonders gut erleben. Ein kleiner Eingriff in das Menü, und schon wird aus einer G/C/F-​Handharmonika ein Instrument in beliebig anderer Harmoniekombination. Sie können mit der Software im Instrument einen Gleichton erzeugen, der sonst nicht da wäre, und zwar bei jedem Knopf im Diskant. Diese „freie neue Welt der Handharmonika“ hat natürlich viele Spieler gedanklich überfordert; andere hat sie wiederum hoch inspiriert, darum sind die Instrumente derzeit auf dem Gebrauchtmarkt kaum noch erhältlich.

— Werden Sie auch spezielle Funktionen für einzelne Spieler anbieten können ?

Selbstverständlich, die Programmierung stammt ja von uns – anders als beim Bugari Evo, dessen Elektronik und Programmierung von Roland stammte und an dem wir keine Veränderungen durchführen konnten und durften. Wir haben jetzt vollen Zugriff und können auch bei Fehlern unmittelbar eine Korrektur vornehmen. Wir müssen niemanden um Erlaubnis fragen (lacht)! Es ist wie bei einem Mobiltelefon: Wenn jemand eine gute Idee für eine App hat, wird sie entwickelt, und eine Woche später ist sie auf dem Markt. So in etwa stelle ich mir das auch bei uns vor.

— Was ist Ihnen bei Ihren Proxima-​Mia-​ Instrumenten noch wichtig zu erwähnen ?

Das Gewicht liegt bei maximal 9 kg, und das inklusive Batterie-​Pack. Im Lieferumfang ist ein wiederaufladbares Li-​Ion Battery Pack. Mit eingeschalteten Lautsprechern hält die Batterie circa neun Stunden, sind sie ausgeschaltet, sogar zwölf Stunden. Integriert ist auch Bluetooth MIDI, was eine kabellose Übertragung zur Editor-​Software und zurück ermöglicht. Das Display ist ein 2,2 Zoll hochauflösendes Farb-​TFT. Es gäbe so viel zu erwähnen … Ich kann Interessierte nur bitten, sich die Liste der Spezifikationen genau anzusehen.

— Für welche Plattformen bieten Sie die App zur externen Steuerung an?

Sie funktioniert sowohl bei Apple-als auch bei Android-​Geräten; die App bietet eine sehr einfache Steuerung aller Funktionen unseres digitalen Akkordeons mit einer Oberfläche, die einen unkomplizierten und leicht verständlichen Zugang ermöglicht.

— Wie wichtig ist für Sie der stationäre Fachhandel für ein Produkt wie das digitale Akkordeon ?

Wer ein solches Instrument verkaufen will, sollte darüber Bescheid wissen und der Kundschaft den Support bieten, den ein digitales Akkordeon erfordert.

— Was treibt Sie an?

Ich glaube an die digitale Welt. Ich bin sicher, ein Teil der Zukunft des Musikinstruments im Allgemeinen wird eines Tages mehr und mehr digital sein.

Interview mit Reinhold Hettich

Reinhold Hettich ist Inhaber des Musikinstrumentenfachgeschäfts Mr. Music in Schramberg/D und einer der erfolgreichsten Verkäufer von Roland-​V-​Accordions in

Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie der Bugari-​Evo-​Instrumente.

AM: Wie haben Sie Marco Cinaglia kennengelernt ?

Reinhold Hettich: Das Kennenlernen begann noch zu Zeiten von Roland Italy. Er war hin und wieder bei uns in meinem Schramberger Musikgeschäft und zu der Zeit wohl mit einer Art „Entwicklungsgruppe“ unterwegs.

— Hatten Sie zuvor mit V-​Accordions von Roland zu tun?

Das kann man wohl sagen, dass wir von Anfang an dabei waren. Schon beim FR-​7 haben wir die ersten User-​ Sounds für Tanzmusiker programmiert, und so konnten wir für diese Zielgruppe die ersten brauchbaren Einstellungen liefern.

— Wie sehen Sie aus heutiger Sicht den Start der V-​Accordions damals ?

Die Firma Roland hatte ein für die Akkordeonwelt unfassbar innovatives Instrument entwickelt, sie wusste aber offensichtlich noch nicht, für wen ein V-​Accordion überhaupt geeignet sein könnte.

„Ohne größtmögliche Zufriedenheit bei Akkordeonisten wären unsere Ideen ‚in die Luft entwickelt‘.“

Reinhold Hettich

— Das müssen Sie uns bitte näher erklären.

Der klassische Akkordeonspieler war meiner Meinung nach noch nicht so weit, dass er sich darauf einlassen wollte, zumal die ersten V-​Accordion-​Modelle auch dynamisch noch nicht zufriedenstellend waren. Es gab einfach zu der Zeit keinen zwingenden Grund, vom Naturakkordeon auf ein digitales Instrument zu wechseln.

— Wo sahen Sie Ihre Chance, selbst auf den „Innovationszug“ der V-​Accordions aufzusteigen ?

Bis zur Einführung der Roland-​V-​Accordions hatten Akkordeonspieler nur ihre MIDIfizierten Instrumente als Möglichkeit, ihr Naturinstrument mit der digitalen Welt zu verbinden Dies bedeutete Umbauten am geliebten Instrument durch eine Fachwerkstatt und dann diverse Verkabelungen vom Akkordeon zum Steuergerät, welches Sounds oder Rhythmen/Styles an einen Verstärker weiterleiten konnte.

— Und wo sahen Sie das Potenzial der V-​Accordions ?

Wir sahen neue Möglichkeiten für unsere Tanzmusiker-​Kundschaft: ein elektronisches Musikinstrument auf der Basis eines Akkordeons, aber ohne MIDI-​Equipment, Expander, Audio-​

player, Netzkabel und so weiter. Hier war auf einmal ein Instrument, in dem alles drin war! Akkordeonisten konnten mit diesen Instrumenten auch ohne Strom in der Gartenlaube oder auf dem Balkon auf alle Möglichkeiten der Elektronik zugreifen.

— Wie und wann genau lernten Sie Marco Cinaglia kennen ?

Das war anlässlich der Präsentationen des FR-​7. Eine davon fand bei uns im Haus statt. Zuvor hatten mein Mitarbeiter Peter Müller und ich schon Workshops für Roland-​Händler in Hamburg gemacht, um ihnen die Vorteile des Instruments nahezubringen, damals war aber Marco noch nicht dabei. Bei mir im Laden war er mit einem Content-​Team und wir sprachen auch über weitere Produktverbesserungen und eventuelle Nachfolger des FR-​7.

— Waren Sie selbst mal bei Roland Italy ?

Nein, leider nicht. Ich habe Marco das erste Mal in Italien direkt bei ihm besucht, als es um die Bugari-​Evo-​ Instrumente ging.

— Wie kamen Sie in Kontakt mit seiner Innovation ?

Es war auf der Frankfurter Musikmesse 2016. Ich sah das erste Mal ein Bugari-​ Evo-​Instrument, nahm es in die Hand, spielte darauf und meinte sofort: „Ja, das ist es!“

— Können Sie das näher erklären ?

Ich will es versuchen. Mein Gedanke war sofort, das Instrument kann alles, was auch das Roland FR-​8x kann, allerdings nun auch mit dem … ich will es mal „Akkordeon-​Wohlfühl-​Gefühl“ nennen (lacht). Es hat einfach mehr Dreidimensionalität.

— Wie kamen Sie dann zueinander ?

Wir haben uns mit Marco zusammengesetzt. Er wollte unbedingt, dass wir seine Instrumente exklusiv vertreiben, und uns war klar, dass dieses Instrument für uns ein ganz wichtiges Produkt werden würde. Peter und ich sind dann im Juli 2016 zu Marco nach Castelfidardo in Italien gefahren. Im Werk besprachen wir noch diverse Details, und am nächsten Tag haben wir dann unsere erste Bestellung aufgegeben. Die Erstauslieferung erfolgte im Dezember 2016.

— Haben Sie noch Ideen einfließen lassen können ?

Nein, das war nicht nötig. Das Bugari-​ Evo-​Akkordeon war in seiner Art fertig entwickelt. Wir hatten auch einen Editor für das Instrument angefragt, der wurde allerdings nie veröffentlicht.

— Was empfanden Sie, als Sie erfuhren, dass Roland Italy geschlossen wird ? Ein Schreckmoment für Sie?

Ja, ich habe im ersten Moment schon gedacht, es könnte blöde für uns werden. Wir hatten viel Arbeit in dieses Instrumentensegment gesteckt, sehr viele Instrumente verkauft und eine große Community geschaffen, die unserem Haus freundschaftlich verbunden war. Mitten im „Flow“ kam dann diese Nachricht. Es gab allerdings auch in den Jahren zuvor schon Nachrichten in diese Richtung und irgendwann sind wir mit einer gewissen Lässigkeit damit umgegangen.

— Gab es solche Schreckmomente auch in Bezug auf Marco Cinaglia ?

Ja: Als Bugari an die chinesische Firma Parrot verkauft wurde, dachten wir, Marco würde mit Bugari und den Evo-​ Instrumenten aufhören. Ende 2020 hatten sie sich in die Haare bekommen, jeder fühlte sich von jedem beleidigt, das ganze Projekt stand auf der Kippe, und ich empfand die Zeit fast als schlimmer als die Roland-​Italy-​Schließung. Wir hatten viele Bestellungen, und es wäre jammerschade gewesen, wenn wir unseren Kunden hätten mitteilen müssen, dass die Instrumente nicht mehr gebaut werden.

— Wie ist der Streit ausgegangen ?

Irgendwann haben sich alle an einen Tisch gesetzt, Differenzen ausdiskutiert. Man einigte sich und seitdem werden wieder Bestellungen angenommen und Evo-​Instrumente produziert.

— Und es gibt nach wie vor nur einen Bugari-​Evo-​Typ ?

Ja, das ist richtig. Es gibt diverse Farbvarianten in Bezug auf das Gehäuse, aber es gibt keine kleineren Modellvariationen.

— Was wissen Sie über das von Marco Cinaglia angekündigte neue, wie er es nennt, „Baby“ ?

Seit drei Jahren redet Marco von dem neuen Proxima Mia 37. Die Fakten sind klar, kleineres Gehäuse als beim Evo-​Modell, mit vielen neuen sinnvollen Features, neuem Soundchip und so weiter. Die ersten Prototypen sind uns gerade geliefert worden, wir sind sehr gespannt.

— Wie würden Sie Ihr Verhältnis zu Marco Cinaglia beschreiben ?

Wir haben seit vielen Jahren eine enge, freundschaftliche und partnerschaftliche Beziehung zu Marco. Wir schätzen seine Fairness, sein Know-​how und seine Bereitschaft, immer und überall zu helfen, wenn es brennt. Und er sagt immer wieder: „Don’t hesitate to contact me.“ Das macht für uns einen guten Geschäftspartner aus.

— Ich hörte von Ihrer Begeisterung für das Spiel auf der Steirischen Harmonika. Stimmt das?

Das stimmt tatsächlich. Wir haben vor einiger Zeit beschlossen, in unserem Musikgeschäft im Baden-​Württembergischen Schramberg die Instrumentengattung für unsere Kunden einzuführen. Da ich gerne in Südtirol wandere und ein Fan von Herbert Pixner bin, entstand irgendwann diese Idee. Ich rief einen lieben Kunden an, er ist Diplom-​ Musiklehrer für Steirische Harmonika, und seitdem üben Peter Müller und ich so oft wie möglich auf unseren Steirischen Harmonikas.

— Sie sind in der Musikszene bekannt für Ihr grandioses Hammond-​Orgel-​Spiel, als ein Liebhaber des Jazz mit allen möglichen virtuosen Akkordkombinationen. Und nun finden Sie Spaß am „back to basics“ in einer Handharmonika ? Wie erklären Sie sich das?

Natürlich spiele ich auch weiterhin die originale Hammond bei meinen Jazz-​ Gigs. Die Steirische Harmonika ist, wie auch die Orgel, ein super spannendes Instrument. Ich liebe den Sound und kann sie überallhin mitnehmen, sogar zum Wandern nach Südtirol.

Interessante Links:

Proxima Italien: https://www.proximaccordion.com

Marco Cinaglia bei Facebook: https://www.facebook.com/marco.cinaglia

Reinhold Hettich / Mr. Music: https://www.mistermusic-profishop.de/