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Die Mehr-Sein-als- Schein-Standbox


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LP Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 4/2022 vom 04.05.2022
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Bildquelle: LP Magazin, Ausgabe 4/2022

Mitspieler

Plattenspieler:

TechDAS Air Force III / Reed 3p / Reed 1x / Infinity Black Widow

Tonabnehmer:

Mustang MM

DS Audio DS003

Phonovorstufen:

MalValve preamp three phono

DIY mit Röhren

Vorverstärker:

NEM PRA-5

Canor Hyperion P1

Endverstärker:

Silvercore Collector’s Edition

Canor Virtus M1

Gegenspieler

Lautsprecher:

DIY Focal / JBL

Klang Ton Cheap Trick 230

Sie als Stammleser. Natürlich stehen Si besser im Thema als ich. Weil: Sie haben schon zwei Begutachtungen von Fishhead- Lautsprechern in diesem Magazin gelesen, während ich die Beschäftigung mit dem Thema immer an die Kollegen abgetreten habe. Wofür es Abbitte zu leisten gilt. Als ich die Box mit der etwas sperrigen Typenbezeichnung „StrEight 1.8 FS“ nämlich auspackte, im Fotostudio aufbaute und im Anschluss messtechnisch begutachtete, wusste ich noch nicht, was sie kostete. Vor dem Mikrofon benahm sich die Berlinerin absolut makellos, in Sachen ...

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... Verarbeitung ist sie ohne Fehl und Tadel und bei der Konzeption hat zweifellos jemand nachgedacht. Als ich noch vor der ersten klanglichen Begutachtung etwas von 1500 Euro pro Paar las, konnte ich das kaum glauben – ich hatte locker mit dem drei-bis Vierfachen gerechnet. Als ich sie dann in den Hörraum verfrachtete und die ersten Töne aus dem Zweiwegesystem der durchdachten Art vernahm, wusste ich: Das ist etwas Besonderes. Für die, die es noch nicht wissen: Fishhead Audio ist die Unternehmung eines Mannes namens Christoph Winklmeier, einem gebürtigem Küstenbewohner, was den ungewöhnlichen Firmennamen erklärt. Seit Mitte der Neunziger residiert er in Berlin und stand dort lange Jahre bei einem großen Lautsprecher-Direktvermarkter in Lohn und Brot. 2016 gründete der „Fischkopp“ sein eigenes Unternehmen und tut dort das, was er am Besten kann: Lautsprecher entwickeln und vermarkten. Parallelen zur Vorgehensweise seines Ex-Arbeitgebers sind dabei definitiv zu erkennen, was nicht weiter verwundert: Winklmeier nutzt natürlich sein dort erworbenes Wissen. Und so kann man Fishhead-Boxen auch nicht beim Händler um die Ecke hören, man erwirbt sie direkt beim Hersteller und bekommt sie nach Hause geschickt. Wenn’s nicht passt, gibt’s natürlich die Möglichkeit der Rückgabe. Was im Falle der StrEight 1.8 FS für eher selten passieren dürfte, wage ich mal zu behaupten.

Gespieltes

Radio Moscow

Brain Cycles

Dominique Fils Aimé

Stay Tuned!

Tindersticks

Distractions

Tsuyoshi Yamamoto Trio

Autumn In Seattle

Gemessenes

Messtechnik-Kommentar

Auch vor dem Mikrofon mach die Fishhead-Box eine sehr gute Figur. Der Amplitudenfrequanzgang weist nennenswerten Frequenzgangabfall erst merklich unter 40 Hertz aus, darüber geht’s schön linear weiter. Der Hochtöner wird ab rund sieben Kilohertz auf Achse etwas vorlaut, außerhalb der Achse verliert sich das jedoch schnell. Das Rundstrahlverhalten ist sehr schön gleichmäßig, der Wirkungsgrad liegt bei ordentlichen 87 Dezibel. Der Impedanzschrieb vermeldet unkritisches Vier-Ohm-Verhalten, stabile Verstärker sind trotzdem kein Nachteil. Das Verzerrungsverhalten – der Schrieb zeigt ziemlich laute 95 Dezibel Schalldruck – offenbart mustergültig niedrige Klirrwerte.

Unser Proband ist das derzeit einzige Mitglied der StrEight-Baureihe, die der Hersteller ganz bewusst von den zwei Modellen der Resolution-Reihe abgrenzt. Die Standund die Kompaktbox dort sind dem Entwickler bewusst „detailreich und präzise“ abgestimmt und entsprechen damit einem modernen, audiophil orientierten Hörgeschmack. Beim Kapitel StrEight geht die Reise in Richtung „direkt und dynamisch“, also genau dorthin, wo ich mich klanglich am Wohlsten fühle.

In der StrEight 1.8 FS ist ein Achtzoll- Tiefmitteltöner für die tiefen Lagen des Spektrums zuständig, daher die „1.8“ in der Typenbezeichnung. Das „FS“ steht für „floor stander“, also Standbox, womit die Nomenklatur im Wesentlichen entschlüsselt wäre.

Und besagter Achtzöller fordert seinen Tribut in Gestalt einer relativ breiten Schallwand, was in einer Zeit, in der Lautsprecher sich vor allem unauffällig im Wohnzimmer zu integrieren haben, schon etwas ungewöhnlich wirkt. Unter klanglichen Aspekten sinnvoll ist es definitiv, der Sound bedankt sich für die „Rückendeckung“.

Beide Treiber sitzen in einer aufgesetzten, leicht nach hinten geneigten Schallwand.

Damit steuert der Entwickler die Abstrahlkeulen dorthin, wo er sie haben will und sorgt zudem dafür, dass beide Antriebe in etwa in einer senkrechten vertikalen Ebene liegen, was gut fürs Zeitverhalten ist. Treiber Nummer zwei ist übrigens ein recht großflächiger Air Motion Transformer. Mittlerweile kennen Sie das vermutlich: Bei dieser Hochtönerbauform sorgt eine zieharmonikaartig gefaltete Folie für die Schallabstrahlung. Dabei versetzt sie deutlich mehr Luft in Bewegung als zum Beispiel die altehrwürdige Hochtonkalotte, was diesem Hochtönertyp einen besonders kräftigen Sound mit vielen Details verleiht. Wie sein tieftönender Kollege auch, stammt der Treiber nicht aus den Regalen der einschlägig bekannten Zulieferer, sondern ist vielmehr eine Sonderanfertigung eigens für dieses Projekt. An dieser Stelle zahlen sich Christoph Winklemeiers Verbindungen aus alter Zeit aus: Er weiß, wo im Reich der Mitte man anfragen muss, um solche Sonderentwicklungen zu finanzierbaren Konditionen realisiert zu bekommen. Der Tieftöner arbeitet mit einer geprägten und beschichteten Papiermembran, die inverse Dustcap in der Mitte hingegen besteht aus geschöpftem Papier.

Den Antrieb besorgt eine anderthalb Zoll durchmessende Schwingspule, das ist das Gardemaß für Membranen dieser Größe. Für die nötige Magnetkraft sorgen gleich zwei kräftige Ferritmagneten, zusammengehalten wird das Ganze von einem strömungsgünstigen feingliedrigen Gusskorb. Das ist alles Mögliche, aber definitiv kein billiger Treiber. Gleiches gilt für den AMT, dem der Konstrukteur bereits ab 1300 Hertz die Verantwortung für das akustische Geschehen überträgt. Damit sorgt er für ein schönes Abstrahlverhalten, weil die große Bassmembran nicht in Frequenzbereichen arbeiten muss, in denen bereits deutliche Bündelungseffekte auftreten. Was sie davon haben? Die Box verändert ihren Klangcharakter nicht wesentlich, wenn Sie aufstehen.

Der AMT muss jetzt allerdings umso mehr arbeiten, was er allerdings souverän erledigt, wie unsere Verzerrungsmessungen zeigen. Winklmeier ist, das passt zu seinen sonstigen Ausführungen zur Konstruktio der Box, Fan möglichst flacher Filter bei seinen Frequenzweichen. Bei dieser hier kam er beim Hoch-und Tiefpass jeweils mit zwölf Dezibel pro Oktave hin, außerdem brauchte er so wie keine Korrekturglieder – das lässt hoffen.

Das Erscheinungsbild des ausschließlich in weißem Schleiflack mit schwarzer Vorsatzfront erhältlichen Lautsprechers ist makellos. Zwei solide Stahlschienen mit eingeschraubten Spikes sorgen für Standsicherheit. Wer will, kann über die vier Spikes die Neigung des Lautsprechers etwas verstellen. Wenn sie vorne tiefer und hinten höher stellt, ändert sich das Klangbild etwas: Der Hochton tritt etwas in den Vordergrund, der Mitteltonbereich hält sich ein wenig zurück, insgesamt wirkt’s etwas edler und ätherischer.

Der Tieftöner arbeitet auf ein Bassreflexgehäuse, das dazugehörige Rohr tritt unten am Boden aus, hier besorgen die Standfüße den nötigen Abstand. Interessantes gibt’s vom Anschlussterminal zu vermelden: Zwei ordentliche Polklemmen, sonst nichts. Winklmeier verzichten auf das eigentlich obligatorische Bi-Wiring-Terminal, was ich völlig in Ordnung finde.

Ja. Ich weiß. Vermutlich ist es nicht sehr praxisgerecht, eine 40000-Euro-Verstärkerkombi an ein Paar Lautsprecher für 1500 Euro zu hängen, aber den Spaß wollte ich mir nicht entgehen lassen und außerdem wollte ich wissen, wieviel mit der StrEight 1.8 FS geht, wenn man’s drauf anlegt. Wenn wir die die US-Band Radio Moscow und ihr 2009er Album „Brain Cycles“ als Entscheidungshilfe heranziehen, ist die Sache einfach: So. Genau so und möglichst wenig anders. Weil: Eine elektrische Gitar-

Lautsprecher Test 85 re kann nur dann so richtig schön dreckig und böse klingen, wenn die Botschaft von genügend Membranfläche transportiert wird. Das ist hier der Fall. Und wenn von hinten 185 gegenkopplungsfreie Triodenwatt schieben, dann brennt die Hütte lichterloh. Ich rate dazu, die Boxen fast parallel aufzustellen, um einen gewissen Winkel zwischen Hochtöner und Ohr zu etablieren. Zielt der AMT deutlich direkter aufs Gehör, tut er mir ein bisschen zuviel am oberen Ende des Spektrums, aber das ist wie immer Geschmackssache. Ist aber eigentlich auch egal, wenn Parker Griggs „Broke Down“ ins Wohnzimmer drückt.

Winklmeiers Intention mit diesem Lautsprecher geht voll auf und drückt bei mir die richtigen Knöpfe: Die Box liefert ein solides Fundament, kann ordentlich laut und lebt von einem extrem ausdrucksund durchzugsstarken Mitteltonbereich.

Der verleiht Stimmen das nötige Durchsetzungsvermögen – hören Sie sich mal die wunderbare Dominique Fils-Aimé über diesen Lautsprecher an: Inbrunst, Kraft und sine fein säuberliche Trennung vom Rest des Ensembles, zudem eine tolle Tiefenstaffelung – so soll das sein. Im Bass voluminös und hinreichend stramm, das ist definitiv eine der besseren Reflexabstimmungen. Auch mit den synthetischen Tieftonattacken auf „Stay Tuned!“ hat der Lautsprecher überhaupt keine Probleme.

Geht das denn auch mit „normalen“ Verstärkern? Aber sicher doch. Wobei solide 50 Watt ganz bestimmt kein Fehler sind, die Box dankt es mit Kontur und erstaunlicher Dynamik. Kompliment nach Berlin!

Holger Barske

4/22

Fishhead Audio StrEight 1.8 FS

Sieht unspektakulär aus, klingt aber hervorragend, zumal zu diesem Preis. Die StrEight 1.8 FS lebt von ihrem großartig offenen und kräftigen Mitteltonbereich und ist insbesondere für Freunde einer etwas kernigeren Gangart eine dicke Empfehlung.

Fishhead Audio StrEight 1.8 FS

Paarpreis: ca. 1500 Euro

Vertrieb: Fishhead Audio, Berlin

Telefon: 0176 30126272

Internet: fishhead-audio.de

Garantie: 2 Jahre

Abmessungen: 310 x 1010 x 355 mm (BxHxT über alles)

Gewicht: ca. 21 kg